Seit dem 11.Jahrhundert kam es in Mitteleuropa zu einer entscheidenden Veränderung der bestehenden Verhältnisse. Die Steigerung der Produktivität, die Trennung der gewerblichen von der agrarischen Produktion, der Bevölkerungszuwachs und die zunehmende Geld-Ware-Wirtschaft förderten einerseits die vermehrte Entstehung und Entwicklung von Städten und dem "städtischen Bürgertum", andererseits eine teilweise Modifizierung der Herrschafts- und Hörigkeitsverhältnisse ("Stadtluft macht frei") und der damit verbundenen Mobilität von Teilen der Bevölkerung. Im Zuge der einsetzenden Ostexpansion ergab sich vor allem für die unteren Gesellschaftsschichten die Möglichkeit, ihre rechtliche und wirtschaftliche Situation zu verbessern. Zudem kam es, bedingt durch andauernde Streitigkeiten der Deutschen Könige mit dem Papsttum und dem Fehlen einer starken königlichen Zentralgewalt im Deutschen Reich, zum Erstarken der regionalen Fürstengewalten, die nun immer mehr versuchten, sich der Königsgewalt gegenüber zu behaupten. Die Ostexpansion, welche Sache der einzelnen Landesherren war, bot ihnen die Möglichkeit, ihr Einflussgebiet zu vergrößern. Ihre Überlegenheit gegenüber den slawischen Nachbarn begünstigte diese Entwicklung. Östlich der Elbe und Saale waren an diesem Prozess vor allem die Askanier, Welfen und Wettiner als weltliche Fürsten, aber auch geistliche Landherren, wie die Erzbischöfe von Magdeburg, beteiligt. Einer der letztgenannten, der Erzbischof Wichmann von Magdeburg und seine Expansions- und Siedlungspolitik soll in dieser Arbeit näher beschrieben werden. Obwohl Wichmann auch eine bedeutende Rolle in der Reichspolitik gespielt hat, wird dieses weitgehend unbeachtet bleiben, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.
Das Bistum Magdeburg, ursprünglich als Missionserzbistum für die slawischen Gebiete östlich der Elbe und Saale gegründet, hatte schon seit Otto dem Großen eine ranghohe Grenzposition inne.
In dieser Arbeit soll die Art und Weise der Expansions- und Siedlungspolitik Wichmanns, teilweise auch im Zusammenhang mit der seiner unmittelbaren Nachbarn, den Askaniern und den Wettinern, dargestellt werden. Außerdem wird versucht, anhand der vorliegenden Quellen und Literatur den Umfang seines Vorstoßes zu rekonstruieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Zur Person Wichmann von Magdeburg
3. Die Siedlungspolitik des Wichmann von Magdeburg
3.1. Die Besiedlung des Land Jüterbog
3.2. Der östliche Siedlungsvorstoß bis zum Land Dahme
3.3. Der nordöstliche Siedlungsvorstoß bis auf den Barnim
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Expansions- und Siedlungspolitik des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg im 12. Jahrhundert, insbesondere sein Wirken in den Gebieten rechts der Elbe, um den Umfang seines territoriellen Vorstoßes zu rekonstruieren.
- Die Rolle von Erzbischof Wichmann als Kolonisator im ostelbischen Raum.
- Methoden der planmäßigen Neubesiedlung unter Einbeziehung auswärtiger Kolonisten.
- Die Bedeutung des Magdeburger Rechts für die wirtschaftliche Entwicklung der Region.
- Territoriale Konflikte und Kooperationen mit anderen sächsischen Fürsten wie den Askaniern und Wettinern.
- Die Rolle kirchlicher Institutionen bei der Erschließung und Verwaltung neuer Siedlungsgebiete.
Auszug aus dem Buch
3. Die Siedlungspolitik des Wichmann von Magdeburg
Die Amtszeit Wichmanns als Erzbischof fällt mit einer Phase verstärkten Landesausbaus, sowohl innerhalb des Reichsterritoriums als auch in den ostelbischen slawischen Gebieten zusammen. Hier gab es endlose, dünn besiedelte Waldgebiete, die durch planmäßige Neubesiedlung (unter Einbeziehung der slawischen Bevölkerung) urbar und wirtschaftlicher gemacht wurden. Natürlich bedeutete dies eine zwangsweise Christianisierung der slawischen Bewohner.
Wie oben schon erwähnt, wurde er schon als Naumburger Bischof mit Siedlungsfragen konfrontiert. Wichmann fügte im Laufe seiner Amtszeit auch westlich der Elbe zahlreiche Gebiete dem Erzstift Magdeburg hinzu, so übertrug er z.B. den Stammsitz seiner Familie, Seeburg. Auf die anderen linkselbischen Erwerbungen soll hier nicht weiter eingegangen werden.
Sein Hauptaugenmerk lag jedoch auf den ostelbischen Gebieten. Hier trafen die Expansionsbestrebungen mehrerer Landesfürsten aufeinander. Dies waren zum einen der Askanier Albrecht der Bär, Markgraf der Nordmark, welcher ausgehend von der Zauche und der Brandenburg, östlich nach Spandau und von dort nach nordöstlich expandierte (sein Enkel Albrecht II kam um 1214 bis Oderberg) und störte damit den nördlichen Vorstoß des Magdeburgers. Später kam es zu Interessenskonflitekten mit den Wettinern, die, ausgehend von der Lausitz, sich ebenfalls nach Norden ausdehnten. Es kann vermutet werden, dass alle drei den Ostseezugang als Ziel hatten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in die historischen Rahmenbedingungen des 12. Jahrhunderts und die Zielsetzung der Arbeit bezüglich Wichmanns Politik.
2. Zur Person Wichmann von Magdeburg: Darstellung der Herkunft, der frühen kirchlichen Laufbahn und der engen Verbindung Wichmanns zu Friedrich Barbarossa.
3. Die Siedlungspolitik des Wichmann von Magdeburg: Analyse der strategischen Ausdehnung des erzstiftlichen Territoriums unter Einbeziehung verschiedener Siedlungsprojekte.
3.1. Die Besiedlung des Land Jüterbog: Untersuchung der Erwerbung und Kolonisierung des zentralen Gebiets um Jüterbog.
3.2. Der östliche Siedlungsvorstoß bis zum Land Dahme: Erörterung der Tauschgeschäfte und territorialen Expansion in Richtung Dahme.
3.3. Der nordöstliche Siedlungsvorstoß bis auf den Barnim: Diskussion der Ambitionen Wichmanns in nördlicher Richtung und der dortigen Machtkonstellationen.
4. Zusammenfassung: Resümee über Wichmanns Leistungen als geistlicher Fürst und dessen Einfluss auf die Erschließung des Landes rechts der Elbe.
Schlüsselwörter
Erzbischof Wichmann, Magdeburg, Siedlungspolitik, Ostexpansion, Landesausbau, Magdeburger Recht, Kolonisation, Askanier, Wettiner, Land Jüterbog, Land Dahme, Barnim, Christianisierung, Mittelalter, Territorialherrschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die politische und siedlungshistorische Rolle des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg während des 12. Jahrhunderts im Kontext der mittelalterlichen Ostexpansion.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die territorielle Ausdehnung des Erzbistums Magdeburg, die Ansiedlung von Kolonisten sowie das komplexe Beziehungsgeflecht zu zeitgenössischen Fürstenhäusern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Rekonstruktion des Umfangs und der Methodik der Siedlungspolitik Wichmanns in den Gebieten östlich der Elbe.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quellen- und literaturgestützten historischen Analyse, die urkundliche Belege mit fachwissenschaftlicher Forschung abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische Einordnung und drei spezifische Kapitel zu Wichmanns Expansionsbewegungen in das Land Jüterbog, das Land Dahme und bis hinauf zum Barnim.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Erzbischof Wichmann, Ostexpansion, Siedlungspolitik, Magdeburger Recht und Territorialherrschaft.
Wie wichtig war das "Magdeburger Recht" für Wichmanns Siedlungsvorhaben?
Es fungierte als entscheidendes Instrument zur Verbesserung der Rechtstellung von Siedlern und Kaufleuten, was wiederum die wirtschaftliche Attraktivität der neuen Gebiete massiv steigerte.
Welche Rolle spielten die askanischen und wettinischen Nachbarn?
Sie agierten sowohl als Konkurrenten um Territorien und den Ostseezugang als auch in zeitweiligen Bündnissen mit Wichmann, wenn dies den eigenen Interessen diente.
Warum wird die Ausdehnung bis auf den Barnim kontrovers diskutiert?
Da es an eindeutigen schriftlichen Quellen mangelt, basiert die Annahme einer magdeburgischen Präsenz auf Indizien aus der Namenforschung und archäologischen Befunden, was in der Forschung nicht unumstritten ist.
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- Ulrike Wanderer (Autor:in), 2004, Der Erzbischof Wichmann von Magdeburg und seine Siedlungspolitik in dem Gebiet rechts der Elbe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147205