Die weltlichen Hofämter der karolingischen Hofverwaltung in Hinkmars `De ordine palatii´ und deren Ursprünge


Seminararbeit, 2005

15 Seiten, Note: 2+


Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Die weltlichen Hofämter der Karolingerzeit
2.1. Seneschall
2.2. Kämmerer
2.3. Mundschenk
2.4. Stallgraf
2.5. Pfalzgraf
2.6. Die nachgeordneten Hofämter

3. Die Ursprünge der Hofverwaltung
3.1. Die Ursprünge der einzelnen Hofämter
3.2. Das Amt des maior domus

4. Zusammenfassung

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Vorwort

In dieser Arbeit sollen die karolingische Hofverwaltung und die weltlichen Hofämter als Träger der königlichen Hofverwaltung dargestellt werden, wie sie in der Schrift „De ordine palatii“ von dem Erzbischof Hinkmar von Reims beschrieben werden. Diese Quelle ist eine der wenigen, welche für die Zeit der Karolinger heute noch erhalten ist und etwas über die Struktur und die Ämter des königlichen Hofes erzählt.

Hinkmar soll sich beim Verfassen dieses Mahnschreibens „[...] ad episcopos et ad regem Karolomannum [...]“[1] an einer Schrift eines gewissen Adalhards, einem Stiefvetter Karls des Großen und Abt des Klosters Corbie[2], orientiert haben, die heute nicht mehr erhalten ist.[3] Sicher ist, dass er diese Schrift kannte: „Cuius libellum de ordine palatii legi [...]“[4] Hinkmar verfasste „De ordine palatii“ zur Unterrichtung des jungen Königs Karlmann.[5] Deshalb ist davon auszugehen, dass es sich bei den Beschreibungen um die Darstellung des Ideals einer königlichen Hofverwaltung handelt. Inwiefern diese den tatsächlichen Verhältnissen entsprach ist nur zu vermuten.

Aufgrund der Besonderheit der mittelalterlichen, insbesondere der karolingischen Reichsverwaltung, die einher geht mit der königlichen Hofverwaltung, kommt diesen Ämtern immer mehr eine besondere Bedeutung zu. Während es sich in späterer Zeit dabei um Ehrenämter der vier weltlichen Kurfürsten beim Krönungsmahl handelt, wie es in der Goldenen Bulle (1356) festgelegt ist, sind es zur Karolingerzeit noch Ämter mit wichtigen Aufgaben und Funktionen der Verwaltung des umherziehenden Königshofes.

Es soll versuchte werden die Ursprünge der karolingische Hofverwaltung, deren Ämter und ihre Entwicklung bis zur Zeit der Karolinger darzustellen. Auf geistliche Hofämter und die Institutionen des Hofes, wie die Hofkapelle, die Kanzlei und das Hofgericht wird in dieser Arbeit nicht eingegangen.

2. Die weltlichen Hofämter der Karolingerzeit

Die Karolingische Hofordnung basiert auf germanisch-fränkische Vorformen in die römische Elemente einbezogen wurden. Im wesentlichen wurden die alten höfischen Einrichtungen beibehalten. Nur das Amt des maior domus erscheint aus Gründen, auf die noch näher eingegangen wird, nicht mehr in seiner ursprünglichen Form.

An oberster Stelle des Hofes stehen der König und die Königin mit deren Nachkommen: „Anteposito ergo rege et regina cum nobilissima prole sua [...]“.[6] Zudem nennt Hinkmar eine Reihe von Ämtern, die sich um die Verwaltung des königlichen Hofes kümmern: der camerarius (Kämmerer), der senescalcus (Seneschall), der buticularius (Mundschenk) und des comes stabuli (Stallgraf/oberster Marschall), der comes palatii (Pfalzgraf), der mansionarius (Quartiersmeister), die venatores principales quatuor (vier obersten Jäger), der falconarius (Falkner) und einige andere, auf die später noch näher eingegangen wird.[7] Die fünf Erstgenannten haben dabei eine besondere Stellung, denen die anderen Hofämter nachgeordnet sind. Den Inhaber dieser Ämter, die ihre Aufgabe zum größten Teil nur organisatorisch verrichteten, wurden auch wichtige Aufgaben der Reichsverwaltung zugeteilt.[8] Die Ämter wurden von Personen aus den vielen verschiedenen Teilen des Reiches besetzt, damit sich die einzelnen Völker des großen Reiches gleichberechtigt repräsentiert sahen.[9]

Die Vielfalt der Aufgaben der einzelnen Hofämter machten eine große Zahl Unterbeamter notwendig, welche ihnen direkt unterstanden und nach Anweisung für die praktische Ausführung der Ämteraufgaben zuständig waren.[10]

Eine Besonderheit dieser Hofämter war, dass sie direkten Zugang zum König hatten, wenn auch nur für Dinge, die ihren Zuständigkeitsbereich betrafen und auch in der oben genannten Abstufung. Sonst war die Vermittlung eines der zuständigen Hofamtsinhaber notwendig.[11] Daraus ergab sich für die Inhaber eine gewisse Macht- und Vertrauensstellung.

2.1. Seneschall

Der Seneschall war für die allgemeine Hofverwaltung, insbesondere für die Planung der Hofversorgung und der Güterverwaltung zuständig. Hinkmar beschreibt dies: „[...] maxima tamen cura ad senescalcum respiciebat, eoquod omnia cetera praeter potus vel victus caballorum ad eundem senescalcum respicerent.“[12] Hinkmar betont, dass der Seneschall in Absprache mit dem Mundschenken und dem Marschall, jeder für seinen Zuständigkeitsbereich, die jeweiligen actores regis ausreichend rechtzeitig im voraus über Zeitpunkt, Dauer und Ort des königlichen Aufenthalts zu unterrichten hatte und dementsprechende Weisungen zur Vorbereitung desselben erteilen sollte.[13] Zudem oblag ihm wohl die Aufsicht über das Personal, was aus sich aus seinen Ursprüngen als „Altknecht“ ergab. Ihm war der mansionarius unterstellt, auf den später noch genauer eingegangen wird.

Der Seneschall taucht außer als senescalcus in den Quellen der Karolingerzeit auch als sinescalcus[14], princeps cocorum[15] und regiae mensae praepositus[16] auf, was ihn als Zuständigen für die königlichen Tafel ausweist. Aufgrund seines Amtsbereiches scheint der senescalcus eine Art Nachfolger des in der Karolingerzeit nicht mehr vorhandenen maior domus zu sein. Er hatte zu dieser Zeit jedoch weniger politischen Einfluss als der maior domus, was sich aus der Entwicklung des letzteren ergibt.[17]

2.2. Kämmerer

Der camerarius leitete und plante unter Oberaufsicht der Königin[18] die gesamte Haushaltsführung und verwaltete die Einkünfte, die Vorräte (außer Lebensmittel und Futter der Pferde), die Jahresabgaben der Vasallen (dona annualia) und den beweglichen Besitz, zum Beispiel den Schmuck des Königs.[19] Auch um die Geschenke der Gesandten an den König hatte der camerarius sich zu kümmern.[20] Ihm unterstanden unter anderem die mansionarii, ostiarii, sacellarii und dispensatores.

[...]


[1] Hincmarus De Ordine Palatii, MGH Fontes Iuris Germ. Antiqui in us. schol. 3 (Editio altera), ed. Gross/Schieffer, Hannover 1980, S. 33

[2]Adalhardum senem et sapientem domni Karoli magni imperatoris propinquum et monasterii Corbeiae abbatem [...]“Hincmarus De ordine Palatii, S. 54 Z. 218f

[3] Hincmarus De ordine Palatii, Einleitung S. 11 und Latzke, Irmgard: Hofamt, Erzamt und Erbamt im mittelalter-lichen deutschen Reich; (Dissertation), Frankfurt am Main 1970, S. 17

[4] Hincmarus De ordine Palatii, S. 54 Z. 220

[5] vgl. Hincmarus De ordine Palatii, S. 11

[6] Hincmarus De ordine Palatii, S. 56 Z. 229f

[7] Hincmarus De ordine Palatii, S. 64 Z. 276 ff

[8] vgl. Waitz, Georg: Deutsche Verfassungsgeschichte. Die Verfassung der Fränkischen Reiches, Band 3, Dritte Auflage, Graz 1954 S. 503

[9] [...] sed nec illa sollicitudo deerat, ut, si fieri otuisset, sicut hoc regnum Deo auctore ex pluribus regionibus constat, ex diversis etiam eisdem regionibus aut in primo aut in secundo aut etiam in quolibet loco idem ministri eligerentur, qualiter familiarius quaeque regiones palatium adire possent, dum suae genealogiae vel regionis consortes in palatio locum tenere cognoscerent.“ Hincmarus De ordine Palatii, S. 66 Z. 297ff

[10] Waitz, Verfassungsgeschichte Bd. 3, S. 504

[11] Hincmarus De ordine Palatii, S. 68 Z. 305 ff

[12] Hincmarus De ordine Palatii, S. 76 Z. 383

[13]Ad tres autem ministeriales, sene scalcum, buticularium et comitem stabuli, secundum uniuscuiusque ministerii qualitatem vel quantitatem pertinebant, ut cum communi consensu de suo quisque ministero admonendi non esset segnis, ut, quantocius esse potuisset, omnes actores regis praescirent, ubi vel ubi rex illo vel illo tempore tanto vel tanto spatio manere debuisset, propter adductionem vel praeparationem; […]” Hincmarus De ordine Palatii, S. 74 Z. 373 ff

[14] “Tunc domnus Carolus rex misit exercitum sum partibus Brittanine una cum misso suo Audulfo sinescalco; […]”,Annales Regni Francorum Inde Ab A. 741 Usque Ad A. 829 Qui Dicuntur Annales Laurissenses Maiores Et Einhardi, MGH Script. rer. Germ. in us. Schol., Post ed. G.H. Pertzii recogn. F. Kurze, Hannover 1895 (Unveränd. Neudruck 1950) , S.72

[15] Waitz, Verfassungsgeschichte Bd. 3, S.500 Anmerkung 1

[16] “[…] regiae mensae praepositus Audulfus […]”, Annales regni Francorum ad a. 786; S.73; „[...] Eggihardus regiae mensae praepositus, [...]“,Einhardi Vita Karoli Magni, MGH Script. rer. Germ. in us. Schol. Editio Sexta, Post ed. G.H. Pertz recogn. G. Waitz, Hannover 1911 (Neudruck 1947), c.9, S.12

[17] siehe dazu Kapitel 3.2

[18] Hincmarus De ordine Palatii S. 72 Z. 362

[19]De honestate vero palatii seu specialiter ornamento regali nec non et de donis annuis militum, absque cibo et potu vel equis ad reginam praecique et sub ipsa ad camerarium pertinebat, et secundum cuiusque rei qualitatem ipsorum sollicitudo erat, ut tempore congruo futura prospicerent, ne quid, dum opus esset, ullatenus oportuno tempore defuisset.“, Hincmarus De ordine Palatii, S. 72f

[20]De donis vero diversarum legationum ad camerarium aspiciebat […]”,Hincmarus De ordine Palatii, S. 74 Z. 365f

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die weltlichen Hofämter der karolingischen Hofverwaltung in Hinkmars `De ordine palatii´ und deren Ursprünge
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Ludwig der Deutsche
Note
2+
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V147206
ISBN (eBook)
9783640579792
ISBN (Buch)
9783640580392
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ludwig der Deutsche, Hinkmar von Reims, Karolinger, Hofverwaltung, Königshof, Hofämter, De ordine palatii, Hofkapelle, Hofkanzlei
Arbeit zitieren
Ulrike Wanderer (Autor), 2005, Die weltlichen Hofämter der karolingischen Hofverwaltung in Hinkmars `De ordine palatii´ und deren Ursprünge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147206

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