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Defensives und offensives Schreiben in den "Liaisons dangereuses" von Choderlos de Laclos

Machtverhältnisse in Liebes- und Freundschaftsbeziehungen

Title: Defensives und offensives Schreiben in den "Liaisons dangereuses" von Choderlos de Laclos

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Miriam Pirolo (Author)

Didactics for the subject French - Literature, Works
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Summary Excerpt Details

Die Arbeit untersucht inwiefern der Brief als einfaches Kommunikationsmittel in dem Briefroman "Les Liaisons dangereuses", von Pierre Choderlos de Laclos, in seiner Funktion maßgeblich erweitert ist. In zahlreichen Fällen stellt Geschriebenes, das in dem Roman als Liebesdiskurs angeführt wird, bei näherer Betrachtung einen Machtdiskurs dar. Der Briefaustausch zwischen den Figuren bringt in einigen Fällen einen wahrhaftigen (Liebes)Kampf zum Ausdruck, wobei diese Diskussion die Tür zu einigen weiteren Untersuchungsaspekten öffnet.
Durch das Schriftstück werden nicht nur Informationen überliefert und ausgetauscht, sondern Handlungen direkt vollzogen, sodass das Schreiben selbst als stark performativer Akt zu betrachten ist. Das Wort ist in den Liaisons dangereuses, je nachdem wer die Feder hält, eine Waffe der Offensive oder der Defensive.
Das erste Kapitel der Arbeit wird auf die zwischen den Figuren herrschenden Machtverhältnisse eingehen, wobei sich zeigen wird, dass die in dem Roman abgebildete gesellschaftliche Ordnung als binäres Relationssystem zu erfassen ist, in dem vornehmlich eine genderspezifische Aufteilung der Protagonisten in Aggressoren und Defensoren stattfindet.
Durch eine textimmanente Arbeitsweise soll durch das zweite und dritte Kapitel gezeigt werden, wie sich die Verhaltensmuster der Marquise de Merteuil, des Vicomtes de Valmont und der Présidente de Tourvel auf sprachlicher Ebene manifestieren, wobei sich das Augenmerk in beiden Kapiteln vorwiegend auf den Sprachgebrauch und die Wortwahl der Figuren richtet. Die Überlegung, dass das Wort ein wahrhaftiges Instrument im 'Briefekrieg' darstellt, das die einer Figur zugeschriebenen Machtposition nicht nur ausdrückt, sondern auch trägt, soll in diesem Abschnitt der Arbeit ausgearbeitet werden. Die Stärken und Schwächen der Figuren spiegeln sich auch in deren Schreibstil wider, denn das Geschick einer Romanfigur im Umgang mit dem Worte scheint sich proportional zu ihrer Position innerhalb des Briefgefechts zu verhalten.
Das letzte Kapitel wird auf die Signifikanz des Wortes eingehen – sei dies geschrieben oder gelesen. Es wird sich hierbei zeigen, dass dem zu Papier gebrachten Wort eine zusätzliche Kraft zugeschrieben wird, die nicht an die Ausdruckskraft, die ihm seitens des Schreibenden – beziehungsweise der Schreibenden – gegeben wird, gekoppelt ist, sodass es beispielsweise einen direkten Einfluss auf den Zustand einer Person haben kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die gesellschaftliche Ordnung als Spielfeld gewaltsamer Leidenschaften

2. Das Briefgefecht zwischen der Marquise und dem Vicomte

3. Die Korrespondenz zwischen M. de Valmont und Mme de Tourvel

3.1 Die Schreib- und Angriffsstrategien des Vicomtes

3.1.1 Der Liebesdiskurs als Machtdiskurs

3.1.2 Der Brief als Angriffs- und Zwangswaffe

3.2 Die Defensive der Présidente de Tourvel

3.2.1 Das Schweigen als Mittel zur Verteidigung

3.2.2 Das Schreiben zum Selbstschutz

4. Die Macht des geschriebenen Wortes

Schlussfolgung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Briefes im Roman Les Liaisons dangereuses von Pierre Choderlos de Laclos nicht lediglich als Kommunikationsmittel, sondern als performatives Instrument, das Machtverhältnisse zwischen den Figuren ausdrückt, modifiziert und aktiv gestaltet. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Funktion des Schreibens als Waffe in einer binären, geschlechterkodierten Gesellschaft, in der sprachliche Strategien über Offensive und Defensive entscheiden.

  • Analyse der Briefe als Macht- und Liebesdiskurse
  • Untersuchung der gender-spezifischen Machtpositionen (Tirans vs. Esclaves)
  • Differenzierung zwischen offensiven Angriffsstrategien und defensiven Abwehrmechanismen
  • Interpretation des Schreibaktes als performativen und manipulativen Akt
  • Untersuchung der Verselbstständigung des geschriebenen Wortes

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Der Liebesdiskurs als Machtdiskurs

Bevor ich auf die Briefe der Présidente zu sprechen komme, möchte ich einige Passagen anführen, in denen die offensive Haltung des Vicomtes gegenüber Mme de Tourvel zum Tragen kommt. In Brief 6, der an Mme de Merteuil gerichtet ist, wird die eigentliche Intention Valmonts, die Présidente zu erobern und sich so ihrer zu bemächtigen, durch folgende Wortwahl sichtbar:

J'aurai cette femme; je l'enlèverai au mari qui la profane: j'oserai la ravir au Dieu même qu'elle adore. Quel délice d'être tout à tour l'objet et le vainqueur de ses remords! Loin de moi l'idée de détruire les préjugés qui l'assiègent! ils ajouteront à mon bonheur et à ma gloire. Qu'elle croie à la vertu, mais qu'elle me la sacrifie; que ses fautes l'épouvantent sans pouvoir l'arrêter; et qu'agitée de mille terreurs, elle ne puisse les oublier, les vaincre que dans mes bras. Qu'alors, j'y consens, elle me dise: 'Je t'adore'; elle seule, entre toutes les femmes, sera digne de prononcer ce mot. Je serai vraiment le Dieu qu'elle aura préféré. (6)

Seine List wird in ihrer Umsetzung allerdings derart kaschiert, dass Mme de Tourvel an ihre Freundin Mme de Volanges schreibt, der Vicomte werde seinem schlechten Ruf nicht gerecht, da er sich seine eigenen Sünden eingestehe und sich ihr gegenüber vertrauensvoll und vernünftig zeige.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in die These ein, dass der Brief als zentrales Instrument der Machtausübung fungiert und der Schreibakt selbst als performativer Akt zu verstehen ist.

1. Die gesellschaftliche Ordnung als Spielfeld gewaltsamer Leidenschaften: Dieses Kapitel analysiert das binäre Relationssystem der Geschlechterrollen und die Machtposition der Marquise de Merteuil als Libertine.

2. Das Briefgefecht zwischen der Marquise und dem Vicomte: Der Fokus liegt auf der Analyse der Korrespondenz zwischen den beiden Aggressoren und wie ihre Sprache zur gegenseitigen Herausforderung dient.

3. Die Korrespondenz zwischen M. de Valmont und Mme de Tourvel: Dieses Kapitel untersucht die spezifischen Angriffs- und Verteidigungsstrategien, die in der Kommunikation zwischen Valmont und Tourvel zum Einsatz kommen.

3.1 Die Schreib- und Angriffsstrategien des Vicomtes: Untersuchung der taktischen Wortwahl und der Eskalation vom Liebesdiskurs zum Zwangsmittel durch Briefe.

3.1.1 Der Liebesdiskurs als Machtdiskurs: Analyse der Eroberungsabsichten Valmonts und der Maskierung seines Handelns als Liebesdiskurs.

3.1.2 Der Brief als Angriffs- und Zwangswaffe: Darstellung der Briefe als materielle Druckmittel, die Tourvel zur Lektüre nötigen.

3.2 Die Defensive der Présidente de Tourvel: Beleuchtung der Abwehrmechanismen der Présidente, primär durch Schweigen und Rückzug.

3.2.1 Das Schweigen als Mittel zur Verteidigung: Analyse der Wirkung von Nicht-Reaktion und sprachloser Mimik als defensive, wenn auch teils verlustbringende Strategie.

3.2.2 Das Schreiben zum Selbstschutz: Untersuchung der begrenzten Möglichkeiten der Présidente, mittels Schrift ihren Widerstand zu artikulieren.

4. Die Macht des geschriebenen Wortes: Reflexion über die Verselbstständigung des geschriebenen Textes und dessen zerstörerische Wirkung auf die Verfasser selbst.

Schlussfolgung: Die Zusammenfassung der Ergebnisse bekräftigt, dass das geschriebene Wort in diesem Roman als lebensbedrohliche Waffe fungiert und die gesellschaftliche Ordnung durch das tragische Ende der Hauptfiguren wiederhergestellt wird.

Schlüsselwörter

Liaisons dangereuses, Pierre Choderlos de Laclos, Machtdiskurs, Briefroman, Libertinage, Geschlechterordnung, Tirans, Esclaves, Liebesdiskurs, Sprachliche Strategien, Performativität, Offensive, Defensive, Machtverhältnisse, Literaturanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Gebrauch des Briefeschreibens im Roman Les Liaisons dangereuses als Instrument der Machtausübung und Kriegsführung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern, die Korrespondenz als Angriffs- oder Abwehrmittel und der performative Charakter von Sprache innerhalb der Romanhandlung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Protagonisten Sprache nutzen, um ihre Machtpositionen zu behaupten, und inwiefern der Schreibakt selbst zur (selbst-)zerstörerischen Waffe werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verfolgt eine textimmanente Analyse der Briefkorrespondenz, gestützt durch geschlechtertheoretische Ansätze und soziologische Überlegungen zur Macht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Eroberungsstrategien von Vicomte de Valmont, die Verteidigungstaktiken der Présidente de Tourvel und das Bündnis zwischen Valmont und der Marquise de Merteuil.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Machtdiskurs, Libertinage, Tirans, Esclaves, Briefeschreiben, Performative Sprache und Liebesstrategien.

Warum wird das Schweigen der Présidente als Strategie thematisiert?

Das Schweigen wird als bewusster, defensiver Akt interpretiert, mit dem sie versucht, den Annäherungen von Valmont zu entgehen, auch wenn dies aufgrund ihrer Gefühle oft ineffektiv bleibt.

Wie unterscheidet sich die Taktik der Marquise de Merteuil von der des Vicomte?

Während der Vicomte seine Macht oft durch explizite Eroberungsmanöver und psychologische Kriegsführung manifestiert, nutzt die Marquise ihr sprachliches Geschick und ihre intellektuelle Rigorosität, um innerhalb der Gesellschaft zu dominieren und ihre Unabhängigkeit zu wahren.

Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich des geschriebenen Wortes?

Das Fazit lautet, dass geschriebene Worte eine eigene Dynamik entwickeln, die sich von den Verfassern verselbstständigt und am Ende des Romans für diese selbst zur existenziellen Gefahr wird.

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Details

Title
Defensives und offensives Schreiben in den "Liaisons dangereuses" von Choderlos de Laclos
Subtitle
Machtverhältnisse in Liebes- und Freundschaftsbeziehungen
College
University of Potsdam  (Institut für Romanistik)
Course
Romanistisches Forschungskolloquium
Grade
1,0
Author
Miriam Pirolo (Author)
Publication Year
2009
Pages
23
Catalog Number
V147225
ISBN (eBook)
9783640579822
ISBN (Book)
9783640580200
Language
German
Tags
Defensives Schreiben Liaisons Choderlos Laclos Machtverhältnisse Liebes- Freundschaftsbeziehungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Miriam Pirolo (Author), 2009, Defensives und offensives Schreiben in den "Liaisons dangereuses" von Choderlos de Laclos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147225
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