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Religion und Evolution - Religiosität als evolutionäres Nebenprodukt normaler psychischer Dispositionen

Title: Religion und Evolution - Religiosität als evolutionäres Nebenprodukt normaler psychischer Dispositionen

Master's Thesis , 2009 , 44 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Thomas Kresin (Author)

Didactics for the subject English - Pedagogy, Literature Studies
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Summary Excerpt Details

Praktisch überall auf der Welt gibt es Religionen in vielfältigen Formen. Paradoxerweise
scheint es gerade am Anfang des neuen Jahrtausends, „eines Zeitalters beispielloser
wissenschaftlicher und technologischer Aufgeklärtheit“1, zu einer erneuten Blütezeit
irrationaler Glaubensüberzeugungen zu kommen. Fragt man jedoch nach dem Grund der
Existenz von Religionen, so wird man mit den unterschiedlichsten Ansichten konfrontiert: sie
erklären die Welt, spenden Trost, sichern die gesellschaftliche Ordnung oder liefern ein
moralisches Leitbild. All diese Ansichten sind jedoch falsch und können das Warum nicht in
hinreichender Weise erklären. Wenn die ehemals unergründlichen Rätsel der Welt nach und
nach von den Naturwissenschaften gelöst werden, warum wenden sich Gläubige dann nicht
von ihrer Religion ab, zumal sich nicht der geringste Beweis für ihre Glaubensinhalte finden
lässt? Wenn Religion Trost spendet, warum haben dann gläubige Menschen meist mehr Angst
vor dem Tod als Atheisten?2 Wenn Religion die Moral einer Gesellschaft garantiert, warum
sind dann Länder mit hohem Atheismusanteil die sozialsten und wohltätigsten?3 Vielleicht
deshalb, wie David Hume seinerzeit argumentierte, weil Religion „nicht einmal eine Form des
Wissens, sondern eher eine komplexe Art des Gefühls [ist]“4. Volkstümliche Erklärungen für
die Existenz von Religionen sind wohl eben aus diesem Grund post-hoc-Rationalisierungen,
weil den Menschen entgegen ihren eigenen Überzeugungen überhaupt nicht klar ist, warum
sie eigentlich glauben. Sie tun es einfach. Vielleicht wurzelt die „bemerkenswerte
Hartnäckigkeit der Religion in etwas viel Tieferem, Einfacherem“5 als beispielsweise
Verdrängung, wie Freud sie beschrieb, oder psychischer Abhängigkeit und ängstlicher
Selbsttäuschung, wie Nietzsche glaubte.
Aus darwinistischer Sicht stellt sich die Frage, welchen Nutzen Religiosität einem
Organismus bringen könnte. Ein Grundprinzip der Evolutionstheorie besagt, dass alles, was
heute existiert, nur deshalb existiert, weil es sich einst aufgrund eines Selektionsvorteils
behaupten konnte. Demnach müsste auch Religiosität eine Funktion erfüllen und per se
irgendeinen Vorteil innehaben, der religiösen Menschen die Weitergabe ihrer Gene
erleichtert. Da die natürliche Selektion auf der Basis von Individuen arbeitet, ist es jedoch
fraglich, worin der individuelle Selektionsvorteil von Religiosität bestehen sollte...für die vollständige Einleitung siehe Kommentar

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze Begriffsklärung

3. Die Evolution des Geistes

3.1. Spezialisierte Systeme versus Mehrzweckintelligenz

3.2. Urmenschen und Affen

3.3. Vom gemeinsamen Vorfahren zu Homo sapiens

3.4. Homo sapiens und kognitive Fluidität

4. Die Organisation des menschlichen Gehirns

4.1. Der mentale Unterbau

4.2. Wissenserwerb und ontologische Kategorien

4.3. Die Erkenntnissysteme des Gehirns

4.4. Intuitives Wissen

4.5. Animismus und intuitiver Theismus

5. Warum sind Religionen, wie sie sind?

5.1. Die gute religiöse Idee

5.2. Das Rezept religiöser Vorstellungen

5.3. Die Attraktivität religiöser Vorstellungen

5.4. False positives

5.5. Bedürfnisse und Schlussfolgerungen

5.6. Moral und Religion

6. Zusammenfassung und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Ursprung religiöser Vorstellungen aus evolutionsbiologischer und kognitionspsychologischer Perspektive. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, welche psychischen Dispositionen die Entstehung von Religiosität als evolutionäres Nebenprodukt begünstigen und warum Menschen empfänglich für die Idee übernatürlicher Akteure sind.

  • Evolutionäre Architektur des menschlichen Geistes und kognitive Fluidität.
  • Mechanismen der Wissensverarbeitung und ontologische Kategorien.
  • Die psychologische Basis für Animismus und intuitiven Theismus.
  • Kognitive Erklärungsansätze für die Attraktivität religiöser Ideen.
  • Der Zusammenhang zwischen sozialen Erkenntnissystemen, Moral und Religiosität.

Auszug aus dem Buch

3.4. Homo sapiens und kognitive Fluidität

Mit dem Erscheinen des modernen Menschen vor 100.000 Jahren ändert sich das Bild unserer Vorfahren gewaltig. Fossilien aus dieser Zeit existieren leider kaum, erst die sogenannte kulturelle Explosion um 60.000 v.Chr. liefert massenhaft Anhaltspunkte. Plötzlich findet man Multikomponentenwerkzeuge, Geräte aus Knochen und Elfenbein, Kunst, Höhlenmalerei, Schmuck, Grabbeigaben und genähte Kleidung. Was war also passiert? Die ehemals isolierten kognitiven Domänen und Intelligenzen konnten nun aufeinander zugreifen und ermöglichten einen reibungslosen Informationsaustausch untereinander. Dazu war jedoch keine großartige genetische Veränderung nötig. Das Gehirn für diese Fähigkeiten war bereits vorhanden, es mussten nur noch die Barrieren abgebaut werden. Vereintes Wissen von Technik und Naturkunde führte zu spezialisierten Jagdwaffen, die aufgrund der Verschmelzung mit sozialer Intelligenz auch zu Statussymbolen wurden.

Aber wie kam es dazu? Nach Mithen wurde die Sprache, die vormals auf soziale Aktivitäten beschränkt war, nun auch zunehmend in anderen kognitiven Domänen verfügbar. Bewusstsein, das als Theorie des Geistes wie bei heutigen Schimpansen ebenfalls nur auf soziale Aktivitäten beschränkt war, konnte nun vollständig auf andere Domänen zugreifen und führte zu Flexibilität und Kreativität. Selbst wenn diese Veränderungen nur langsam von statten gingen, ergab sich dadurch trotzdem ein gravierender Selektionsvorteil.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Stellt das Paradoxon der Persistenz von Religion in einem wissenschaftlich aufgeklärten Zeitalter dar und führt die evolutionäre Fragestellung ein.

2. Kurze Begriffsklärung: Definiert Religiosität als den unbestimmten Glauben an übernatürliche Akteure und grenzt diesen von institutionellen Religionen ab.

3. Die Evolution des Geistes: Zeichnet den Weg vom einfachen, modularen Geist der Vorfahren hin zum modernen, kognitiv fluiden Geist nach.

4. Die Organisation des menschlichen Gehirns: Analysiert, wie unser Gehirn durch Erkenntnissysteme und ontologische Kategorien die Welt intuitiv strukturiert.

5. Warum sind Religionen, wie sie sind?: Erklärt das "Rezept" für religiöse Ideen und deren evolutionäre Plausibilität durch Mechanismen wie Mustererkennung und soziale Bedürfnisse.

6. Zusammenfassung und Fazit: Führt die Argumente zusammen und betont, dass Religiosität ein natürliches Nebenprodukt unserer evolvierten geistigen Ausstattung ist.

Schlüsselwörter

Religiosität, Evolution, kognitive Fluidität, evolutionäres Nebenprodukt, ontologische Kategorien, Erkenntnissysteme, Theorie des Geistes, übernatürliche Akteure, soziale Intelligenz, Moral, intuitiver Theismus, Animismus, kognitive Nische, Mustererkennung, Selektionsvorteil.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, warum Religionen weltweit verbreitet sind, und schlägt vor, Religiosität als ein biologisch begründetes Nebenprodukt unserer geistigen Evolution zu betrachten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit verknüpft Evolutionsbiologie, Kognitionspsychologie und Anthropologie, um die Entstehung von Glaubensvorstellungen zu erklären.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Es wird untersucht, warum Menschen für Vorstellungen von übernatürlichen Akteuren empfänglich sind und wie sich dies aus den psychischen Dispositionen unseres Gehirns ableiten lässt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin/der Autor nutzt einen multidisziplinären Ansatz, der archäologische Erkenntnisse zur Gehirnevolution mit Theorien der Kognitionswissenschaft kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Evolution des Geistes, die kognitive Organisation unserer Wahrnehmung und eine Analyse des "Rezepts" für religiöse Ideen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem kognitive Fluidität, ontologische Kategorien, intuitiver Theismus und das Konzept der "kognitiven Nische".

Warum spielt die "kognitive Fluidität" eine so entscheidende Rolle?

Sie ermöglicht den Informationsaustausch zwischen ehemals isolierten Gehirnmodulen, was erst komplexes Denken, Kreativität und damit die Vorstellungskraft für Religionen ermöglichte.

Wie erklärt die Arbeit den "Animismus" bei Kindern?

Sie deutet ihn als Folge unserer "Theorie des Geistes", die uns dazu bringt, auch unbelebten Objekten Intentionalität und Zwecke zuzuschreiben.

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Details

Title
Religion und Evolution - Religiosität als evolutionäres Nebenprodukt normaler psychischer Dispositionen
College
University of Passau  (Philosophische Fakultät)
Grade
2,3
Author
Thomas Kresin (Author)
Publication Year
2009
Pages
44
Catalog Number
V147238
ISBN (eBook)
9783640581177
ISBN (Book)
9783640582037
Language
German
Tags
Religion Evolution Religiosität Nebenprodukt Dispositionen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Kresin (Author), 2009, Religion und Evolution - Religiosität als evolutionäres Nebenprodukt normaler psychischer Dispositionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147238
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