In dieser Arbeit aus dem Jahr 1987 geht es um einen historischen Einblick zur Verantwortlichkeit des Kriegsausbruchs 1870. Abschließend wird die Rezeption dieser Thematik in ausgewählten deutschen und französischen Geschichtsbüchern analysiert.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Kurzer Überblick über die Entwicklung der deutsch - französischen Beziehungen von 1866 bis zur Julikrise 1870
III. Die spanische Thronkandidatur der Hohenzollern im Spannungsfeld des preußisch - französischen Gegensatzes
IV. Die Emser Depesche als unmittelbarer Anlass des Krieges
V. Die Darstellung des Kriegsausbruches in deutschen und französischen Schulbüchern
VI. Schlussbemerkung
VII. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Verantwortlichkeit für den Ausbruch des deutsch-französischen Krieges von 1870 auf Basis des Forschungsstandes und analysiert, wie diese Ereignisse in ausgewählten deutschen und französischen Schulbüchern reflektiert werden.
- Die diplomatische Vorgeschichte zwischen 1866 und 1870.
- Die Rolle der spanischen Thronkandidatur der Hohenzollern.
- Die Bedeutung der Emser Depesche als Kriegsauslöser.
- Der Wandel der historischen Deutung in der Geschichtsschreibung.
- Die Darstellung des Konflikts in Schulbüchern verschiedener Epochen.
Auszug aus dem Buch
Die Emser Depesche als unmittelbarer Anlass des Krieges
Als weitere Gegenmaßnahme der französischen Regierung bedrängte der französische Botschafter Benedetti den zur Kur in Bad Ems weilenden preußischen König mehrere Tage lang, die Kandidatur Leopolds zu widerrufen. Getreu der offiziellen Strategie Bismarcks - die Kandidatur sei Familienangelegenheit des Hauses Hohenzollern - wandte sich Benedetti also an Wilhelm I.
Während dieser Zeit erfolgte in der Tat auf Anraten Wilhelms' der Rückzug der Sigmaringer Hohenzollern von der spanischen Thronkandidatur (vgl. Schieder, 1976, S.198). Wie unvorbereitet Bismarck dieser Rückzug traf, verdeutlicht der nachfolgende kurze Ausschnitt aus seiner Autobiographie Gedanken und Erinnerungen (zit. nach Görtemaker, 1976, S. 207: „Mein erster Gedanke war, aus dem Dienste zu scheiden, weil ich nach allen beleidigenden Provocationen, die vorhergegangen waren, in diesem erpressten Nachgeben eine Demütigung Deutschlands sah, die ich nicht amtlich verantworten wollte. Dieser Eindruck: der Verletzung des nationalen Ehrgefühls durch den aufgezwungenen Rückzug war in mir so vorherrschend, dass ich schon entschlossen war, meinen Rücktritt aus dem Dienste nach Ems zu melden (...)“
Dieser Abschnitt reflektiert zugleich die empfindliche diplomatische Schlappe Preußens, die scheinbar schon vollzogen war. In diesem Sinne urteilt Mommsen, Bismarck sei in gewissem Sinne an seiner eigenen Taktik gescheitert, die Kandidatur (nach außen) als Familienangelegenheit zu behandeln (vgl. Mommsen, 1966, S. 94).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Problematik des Kriegsausbruchs von 1870 ein und erläutert die Bedeutung neuer Quellen für die wissenschaftliche Diskussion.
II. Kurzer Überblick über die Entwicklung der deutsch - französischen Beziehungen von 1866 bis zur Julikrise 1870: Das Kapitel skizziert die wachsenden Spannungen zwischen Preußen und Frankreich nach dem Sieg über Österreich sowie die gegenseitigen machtpolitischen Ambitionen.
III. Die spanische Thronkandidatur der Hohenzollern im Spannungsfeld des preußisch - französischen Gegensatzes: Hier wird die Rolle der Thronkandidatur als politisches Instrument und der Grad von Bismarcks gezielter Einmischung kritisch beleuchtet.
IV. Die Emser Depesche als unmittelbarer Anlass des Krieges: Die Analyse konzentriert sich auf die Entstehung und mediale Zuspitzung der Emser Depesche und deren Wirkung auf die französische Diplomatie.
V. Die Darstellung des Kriegsausbruches in deutschen und französischen Schulbüchern: Dieses Kapitel vergleicht unterschiedliche Lehrbuchdarstellungen auf ihre Objektivität und den Umgang mit dem Forschungsstand.
VI. Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den permanenten Wandel der historischen Deutungen hinsichtlich der Kriegsschuldfrage.
VII. Literatur: Auflistung der im Rahmen der Arbeit verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.
Schlüsselwörter
Deutsch-französischer Krieg, 1870, Bismarck, Emser Depesche, Thronkandidatur, Hohenzollern, Napoleon III., Preußen, Schulbuchanalyse, Geschichtsschreibung, Kriegsschuldfrage, Diplomatie, Julikrise, Nationalismus, Frankreich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen des deutsch-französischen Krieges von 1870 und untersucht dabei besonders den Einfluss politischer Entscheidungen sowie die spätere wissenschaftliche und didaktische Aufarbeitung des Themas.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die diplomatischen Spannungen zwischen 1866 und 1870, die Rolle der spanischen Erbfolgekrise und die Wirkung der Emser Depesche.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den historischen Forschungsstand zur Verantwortlichkeit für den Kriegsausbruch zu sichten und zu klären, wie diese Erkenntnisse in aktuellen deutschen und französischen Schulbüchern vermittelt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, ergänzt durch eine exemplarische Stichprobenuntersuchung von Schulbüchern unterschiedlicher Epochen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Chronologie der Julikrise, eine Analyse der Bismarckschen Rolle bei der Emser Depesche und den Vergleich mit geschichtsdidaktischen Darstellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen 1870, Bismarck, Emser Depesche, spanische Thronkandidatur, nationale Leidenschaften und geschichtliche Deutungswandel.
Inwiefern beeinflusste das Archiv des Auswärtigen Amtes die Forschung?
Die Freigabe der Dokumente im Jahr 1957 ermöglichte eine deutlich sicherere Grundlage für die historische Forschung, da sie interne Prozesse präziser nachvollziehbar machte.
Welches Fazit zieht der Autor zur Rolle Bismarcks?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die aktuelle Forschung Bismarck nicht mehr als denjenigen betrachtet, der den Krieg bewusst und gezielt von langer Hand herbeiführte.
- Citation du texte
- Dr. Volker Brand (Auteur), 1987, Der Ausbruch des deutsch - französischen Krieges 1870 und seine Rezeption in ausgewählten deutschen und französischen Schulbüchern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147298