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Johannes Lepsius. Protestantische Diplomatie im Auswärtigen Dienst

Title: Johannes Lepsius. Protestantische Diplomatie im Auswärtigen Dienst

Bachelor Thesis , 2021 , 54 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Seher Cetinkaya (Author)

History - Miscellaneous
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Die vorliegende Arbeit versucht auf die Entstehungsgeschichte der armenischen Frage und deren Umgang im späten 19. Jahrhundert einzugehen, die mit dem abzeichnenden Niedergang des Osmanischen Reiches und den gesellschaftlichen Veränderungen verbunden ist. Dabei werden insbesondere die Rolle des Osmanischen Reiches und der Armenier im Reich selbst sowie die Wechselwirkungen der Großmächte miteinbezogen. Die Arbeit geht der Frage nach, welches mentale Fundament mit dem Umgang der armenischen Minorität Anatoliens und der armenischen Frage in dieser Zeit gelegt wurde.

Die zu verfassende Arbeit ist in 4 Ebenen unterteilt: Beginnend soll die Entstehungsphase des Osmanischen Reiches und das Zusammenleben mit den Armeniern näher beleuchtet werden, welche jahrhundertelang die Grundordnung bestimmte. Folgend wird auf die Veränderungen im „langen 19.Jahrhundert“ und die Entwicklungen eingegangen, die zur Entwicklung der armenischen Frage beitrugen. Mit der Internationalisierung und Intervention des Auslandes in Bezug auf die armenische Frage entwickelten sich starke Veränderungen, auf die im Laufe dieser Arbeit eingegangen wird. Mit der Thronbesteigung Abdülhamid II. wurden seinerseits verschiedene Mittel im gewaltsamen Umgang mit der armenischen Frage genutzt, auf die im dritten Kapitel näher eingegangen werden soll. In der Schlussbetrachtung der Arbeit soll die armenische Frage in Hinblick auf die Einordnung nochmals eingegangen werden und die erwähnten Fragestellungen resümieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Forschungsstand

2. Das Osmanische Reich und die Armenier

2.1 Anfangsphase des Osmanischen Reiches

2.2 Die Armenier

2.3 Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen

3 Das „lange 19. Jahrhundert“ und die Entstehung der armenischen Frage

3.1 Peripherie, Modernisierungstendenzen und Reformen

3.2 Internationalisierung der armenischen Frage

4 Abdülhamid II. und die armenische Frage

4.1 Person Abdülhamid II.

4.2 Die Hamidischen Massaker und ihre Folgen

4.3 Panislamismus

4.4 Die Hamidiye

4.5 Johannes Lepsius und „Armenien und Europa“

4.6 Organisationsthese

5 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte der "armenischen Frage" im 19. Jahrhundert, eingebettet in den Niedergang des Osmanischen Reiches und die imperialen Machtinteressen der Großmächte. Dabei wird insbesondere die Rolle von Sultan Abdülhamid II. und dessen gezielte Gewaltpolitik gegen die armenische Minderheit analysiert, um die Verbindungslinie zum Völkermord im 20. Jahrhundert aufzuzeigen.

  • Strukturanalyse der sozioökonomischen und rechtlichen Lage im Osmanischen Reich
  • Einfluss der internationalen Diplomatie und Machtpolitik auf die armenische Frage
  • Untersuchung der hamidischen Repressionspolitik und der ideologischen Instrumentalisierung des Islam
  • Kritische Würdigung von Johannes Lepsius als zeitgenössische Quelle

Auszug aus dem Buch

4.4 Die Hamidiye

Abdülhamid II. kannte die Gegensätze der ethnischen Minderheiten und nutzte sie bewusst zu seinem Vorteil aus. Er versuchte die Kurden stärker an sich zu binden, die sich durch die geforderten armenischen Reformen in ihren Privilegien eingeschränkt fühlten und aufgrund ihres sunnitischen Glaubens zu dem panislamischen Herrscher Abdülhamid II. eine stärkere Bindung hatten. Im Jahr 1891 gründete der Sultan in Anlehnung des eigenen Namens die Hamidiye, die als eine Art irreguläre paramilitärische Truppen nach dem Vorbild der Korsaken Einheiten gegen die Armenier eingesetzt wurden. Die sogenannte Hamidiye „wurde ausschließlich aus Kurden gebildet“. Die bewusste Stützung des Sultan auf die Kurden, folgte in Ostanatolien dem Prinzip „teile und herrsche“, indem er die Gegensätze zwischen Armeniern und Kurden versuchte auszunutzen und die Vertiefung der Gegensätze zwischen den ethnischen Gruppen verstärkte. Auch Ternon kritisiert, dass Abdülhamit II., „statt eine Politik zu betreiben, die durch Einigung der verschiedenen ethnischen Gruppen das Osmanische Reich hätte stärken können, wollte der Sultan die nichttürkischen Volksgruppen schwächen, indem er sie gegeneinander hetzte.“

Die Hamidiye, die von Seiten der Zentralregierung mit Waffen ausgestattet wurde, begaben sich die Kurden animiert an das „festliche Geschäft des Mordens“ an den Armeniern.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der "armenischen Frage" ein und stellt den historischen Kontext bis hin zum Völkermord 1915 dar.

2. Das Osmanische Reich und die Armenier: Dieses Kapitel erläutert das Millet-System und die gesellschaftliche Stellung der Armenier im Osmanischen Reich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

3 Das „lange 19. Jahrhundert“ und die Entstehung der armenischen Frage: Das Kapitel thematisiert die Transformationen des Reiches durch Modernisierungsdruck sowie die zunehmende Internationalisierung der armenischen Forderungen nach Reformen.

4 Abdülhamid II. und die armenische Frage: Hier wird die autokratische Herrschaft Abdülhamids II. und der gezielte Einsatz von Gewalt, Panislamismus und irregulären kurdischen Einheiten gegen die Armenier analysiert.

5 Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, wie politische Kontinuitäten und die verpassten Chancen auf innerstaatliche Reformen den Weg in Richtung des Genozids bereiteten.

Schlüsselwörter

Armenische Frage, Osmanisches Reich, Abdülhamid II., Völkermord, Johannes Lepsius, Hamidiye, Panislamismus, Millet-System, Tanzimat-Ära, Internationalisierung, Großmächte, Osmanismus, Armenien, Orient-Politik, Genozid.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Entstehung und Radikalisierung der sogenannten „armenischen Frage“ im späten 19. Jahrhundert sowie die gewaltsame Politik des osmanischen Sultans Abdülhamid II.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?

Zentrale Themen sind das Zusammenleben unter dem Millet-System, der Einfluss der europäischen Großmächte, der Aufstieg des Nationalismus im Osmanischen Reich und die gezielte Instrumentalisierung kurdischer Stämme und des Panislamismus durch den Sultan.

Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?

Sie befasst sich mit der Frage, durch welche Faktoren die „armenische Frage“ entstand, wie der Sultan mit der Minderheit umging und wie man diese Ereignisse in die Chronologie des Völkermordes im 20. Jahrhundert einordnen kann.

Welche wissenschaftliche Methode nutzt die Arbeit?

Die Arbeit basiert auf einer intensiven Auswertung der zeitgenössischen Literatur und Quellen, wobei insbesondere die Schriften des evangelischen Theologen Johannes Lepsius als authentische und kritische Quelle im Zentrum stehen.

Womit befasst sich der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Anfangsphase des Reiches, der Auswirkungen des 19. Jahrhunderts auf die armenische Minderheit sowie einer detaillierten Untersuchung der hamidischen Ära und deren Repressionsinstrumente.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben den historischen Institutionen wie dem Millet-System und der Hamidiye sind Begriffe wie „Organisationsthese“, „Internationalisierung“ und „armenische Diaspora“ prägend.

Welche Rolle spielte Johannes Lepsius für die Argumentation der Autorin?

Lepsius dient als zentrale zeitgenössische Quelle, da er die Massaker von 1894-1896 vor Ort dokumentierte und die Mitschuld der europäischen Mächte sowie des deutschen Kaiserreiches an der Passivität und Vernichtungspolitik kritisierte.

Inwiefern beeinflusste die deutsche Außenpolitik die armenische Bevölkerung?

Laut der Autorin verfolgte das deutsche Kaiserreich unter Bismarck eine Politik der Nichteinmischung, um die Integrität des Osmanischen Reiches und die Freundschaft zum Sultan zu wahren, wodurch der Sultan in seiner Repressionspolitik gegen die Armenier indirekt gestärkt wurde.

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Details

Title
Johannes Lepsius. Protestantische Diplomatie im Auswärtigen Dienst
College
University of Freiburg
Grade
1,7
Author
Seher Cetinkaya (Author)
Publication Year
2021
Pages
54
Catalog Number
V1474279
ISBN (PDF)
9783389025789
ISBN (Book)
9783389025796
Language
German
Tags
johannes lepsius protestantische diplomatie auswärtigen dienst
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Seher Cetinkaya (Author), 2021, Johannes Lepsius. Protestantische Diplomatie im Auswärtigen Dienst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1474279
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