Mergers & Acquisitions sind trotz der momentanen wirtschaftlichen Situation wichtige betriebswirtschaftliche Themen. Derzeit versuchen liquiditätsstarke Unternehmen den Markt durch Unternehmensübernahmen von schwächeren Unternehmen zu bereinigen. Ohne gezielte Planung und strategische Ausrichtung kann kein Unternehmen Mergers & Acquisitions tätigen. Ein Deal muss gezielt vorbereitet sein, um die vor dem Unternehmensdeal festgestellten Synergien auch nach der Unternehmensübernahme effektiv zu erzielen. 2007 veröffentlichte die Beratungsgesellschaft KPMG eine internationale Studie mit dem Titel „The Determinants of M&A Success“. Dabei wurden 510 internationale Unternehmensdeals betrachtet und die Einflussgrößen auf den Erfolg dieser Deals ermittelt.
Der Auftrag und das Ziel von Seiten der KPMG für diese Diplomarbeit war es zu ermitteln, ob diese Einflussgrößen auch für den Raum Österreich gelten. Ebenso sollte untersucht werden, ob M&A-Tätigkeiten definierte Erfolgskennzahlen der Unternehmen steigern.
Als Stichprobe für den österreichischen Markt wurden die ATX-Unternehmen sowie sechs ehemalige ATX-Unternehmen ausgewählt. Dadurch erfolgt eine Analyse der größten börsennotierten Unternehmen Österreichs. Die Daten für die statistische Analyse wurden in einer umfassenden Jahresabschlussanalyse ermittelt.
Im Zuge der deskriptiven Statistik konnten im Untersuchungszeitraum 260 Zukäufe mit einem Investitions-volumen von 20,1 Mrd. Euro festgestellt werden. Die Kaufobjekte verteilen sich auf alle Regionen der Welt, wobei ein Fokus auf den Raum Central Eastern Europe diagnostiziert werden konnte.
Mit Hilfe der analytischen Statistik konnte kein signifikantes Ergebnis ermittelt werden, aus dem abzuleiten wäre, dass Unternehmenszukäufe in Österreich den Erfolg eines Unternehmens erhöhen. Es besteht zwar wie international eine Korrelation, aber eine Steigerung der Erfolgskennzahlen konnte nicht valide nachge-wiesen werden. Sehr wohl wurden aber auch am österreichischen Markt Einflussgrößen ermittelt, welche einen Unternehmensdeal erfolgreich oder weniger erfolgreich gestalten. Unternehmenszukäufe von kleineren Unternehmen waren erfolgreicher als Unternehmenszukäufe von größeren Unternehmen. Ebenso wurde festgestellt, dass Unternehmen mit mehr als einem Zukauf pro Jahr weniger erfolgreich sind, als Unter-nehmen mit nur einem Zukauf pro Jahr. Es kann daher festgehalten werden, dass der internationale Trend auch für österreichische börsennotierte Unternehmen gilt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung
1.3. Methode
2. Theoretische Aufbereitung
2.1. Mergers & Acquisitions
2.1.1. Einleitung
2.1.2. Begriffsbestimmungen
2.1.2.1. Private Equity/Buy-Out Gesellschaften
2.1.2.2. Venture Capital Gesellschaften
2.1.2.3. Leveraged Buy-Out
2.1.2.4. MBO/MBI Management Buy-Out oder Management Buy-In
2.1.3. Motive für M&A-Transaktionen
2.1.3.1. Die economies of Scale oder Scope Theorie
2.1.3.2. Finanzielle Synergien nutzen
2.1.3.3. Effizienzsteigerungen
2.1.3.4. Diversifikation
2.1.3.5. Fazit
2.1.4. Phasen einer M&A-Transaktion
2.1.4.1. Planungsphase
2.1.4.2. Transaktionsphase
2.1.4.3. Post Merger Integration
2.1.5. M&A-Statistik in Österreich
2.2. Börsenwert – wertorientiertes Controlling
2.2.1. Einleitung
2.2.2. Börsenwert
2.2.3. Kurs/Gewinn Verhältnis - KGV
2.2.4. Wertorientierte Ansätze
2.2.4.1. Shareholder Value Konzept nach Rappaport
2.2.4.2. EVA®-Modell nach Stern/Steward
2.2.4.3. CVA Konzept nach Lewis
2.2.4.4. Fazit
2.3. Bilanzkennzahlen
2.3.1. Anlagevermögen
2.3.2. Umlaufvermögen
2.3.3. Eigenkapital
2.3.4. Fremdkapital
2.4. Kritische Reflexion der Erfolgsmessung
3. Methode
3.1. Analyse der Jahresabschlüsse
3.1.1. Einleitung
3.1.2. Auswahl der Stichprobe
3.1.3. Zeitraum der Untersuchung
3.1.4. Definition Zukauf
3.1.4.1. Konsolidierungsart
3.1.4.2. Beteiligungserwerb
3.1.4.3. Zusammenfassung
3.2. Definition der Kennzahlen
3.2.1. Eigenkapitalquote
3.2.2. EBITDA-Quote
3.2.3. Nettoverschuldungsgrad
3.3. Berechnung der Kennzahlen
3.4. Statistisches Testverfahren
3.4.1. Einleitung
3.4.2. Deskriptive Statistik
3.4.2.1. Die Top Ten Unternehmenszukäufe
3.4.2.2. Darstellung nach Branchen
3.4.2.3. Verteilung nach Ländern
3.4.2.4. Analyse der Käufer
3.4.3. Analytische Statistik
3.4.3.1. Mittelwertvergleich
3.4.3.2. Testen der Haupthypothesen
3.5. Analytische Statistik Ermittlung der Einflussgrößen
3.5.1. Korrelationsanalyse
3.5.2. Überprüfung von Zusammenhangshypothesen
3.5.2.1. Einfluss Kaufpreis
3.5.2.2. Einfluss Unternehmensgröße
3.5.2.3. Einfluss Anzahl der Unternehmenszukäufe
3.5.2.4. Einfluss Geographie
3.5.2.5. Einfluss Kaufart
4. Ergebniszusammenfassung
4.1. Einleitung
4.2. Ergebniszusammenfassung der Haupthypothese
4.3. Übersicht ermittelte Einflussgrößen
4.4. Vergleich mit internationalen Studie
4.4.1. Zusammenfassung der Basis der KPMG-Studie
4.4.2. Ergebnis der KPMG-Studie
4.4.3. Vergleich KPMG-Studie und Ergebnisse Diplomarbeit
5. Diskussion
5.1. Zielabgleich
5.2. Erfahrungen des Autors
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht, ob international identifizierte Einflussgrößen auf den Erfolg von Mergers & Acquisitions (M&A) auch auf den österreichischen Markt, speziell für ATX-Unternehmen, übertragbar sind und ob M&A-Aktivitäten zu einer messbaren Steigerung von Unternehmenskennzahlen führen.
- Analyse der M&A-Aktivitäten österreichischer ATX-Unternehmen im Zeitraum 2002 bis 2008.
- Messung des Unternehmenserfolgs anhand von Börsenwert und operativen Bilanzkennzahlen über einen Zeitraum von drei Jahren nach der Transaktion.
- Identifikation und statistische Überprüfung von Einflussfaktoren auf den Transaktionserfolg.
- Vergleich der österreichischen Ergebnisse mit einer internationalen Studie der KPMG.
- Kritische Reflexion der Erfolgsmessung im Kontext von Unternehmenssteuerung und Controlling.
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Begriffsbestimmungen
Der Begriff der Mergers & Acquisitions stellt im Kern eine wirtschaftswissenschaftliche Fragestellung mit den Schwerpunkten Strategisches Management, Organisations-, Kapitalmarkttheorie und Volkswirtschaftslehre dar. Ebenso sind juristische, soziologische und psychologische Aspekte zu berücksichtigen (vgl. Jansen 2008, S. 91).
Den Kauf oder Verkauf von Unternehmen, Unternehmensteilen und Unternehmensbeteiligungen bezeichnet man als M&A. M&A hat substanzielle organisatorische, kulturelle, personelle und finanzielle Konsequenzen. Dadurch ergeben sich meist tief greifende Veränderungen für alle Stakeholder der beteiligten Unternehmen (vgl. Borowicz/Förster 2008, S. 49).
Jansen unterscheidet im Buch „Mergers & Acquisitions“ zwischen einer Deutschen und einer angelsächsischen Begriffsbestimmung.
Im Deutschen wird der Begriff Merger (Fusion) und Acquisition (Übernahme) nicht einheitlich verwendet. Häufig spielt hier die Unterscheidung der rechtlichen Selbstständigkeit eine Rolle. Bleibt die rechtliche Selbstständigkeit bestehen, handelt es sich um eine Akquisition, während bei einer Fusion beide Gesellschaften ihre Rechtspersönlichkeit verlieren (vgl. Jansen 2008, S. 92).
Die angelsächsische Literatur unterscheidet M&A in 4 Teilbereiche (vgl. Copeland 1988 aus Jansen 2008, S. 93):
- takeovers – Expansion
- related issues of corporate restructing – Sell-Offs
- corporate control
- change in ownership structure
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Relevanz von M&A-Transaktionen dar und definiert das Ziel, internationale Erkenntnisse über Erfolgsfaktoren auf den österreichischen ATX-Markt anzuwenden.
2. Theoretische Aufbereitung: Vermittelt Grundlagen zu M&A-Strukturen, Motiven, Transaktionsphasen sowie wertorientierten Controlling-Ansätzen und relevanten Bilanzkennzahlen.
3. Methode: Beschreibt das Untersuchungsdesign, die Stichprobenauswahl der ATX-Unternehmen, die Definition von Zukäufen sowie die statistischen Verfahren zur Hypothesenprüfung.
4. Ergebniszusammenfassung: Fasst die statistischen Ergebnisse zur Haupthypothese zusammen und vergleicht diese mit der KPMG-Studie, wobei Gemeinsamkeiten und Abweichungen interpretiert werden.
5. Diskussion: Reflektiert kritisch den Zielerreichungsgrad der Arbeit, diskutiert methodische Herausforderungen und ordnet die Ergebnisse in den wirtschaftlichen Kontext ein.
Schlüsselwörter
Mergers & Acquisitions, M&A, ATX, Unternehmenskauf, Börsenwert, Marktkapitalisierung, Unternehmensbewertung, Bilanzkennzahlen, EBITDA, Eigenkapitalquote, Nettoverschuldungsgrad, Erfolgsmessung, Unternehmenssteuerung, Statistische Analyse, Controlling
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Mergers & Acquisitions (M&A) Transaktionen österreichischer ATX-Unternehmen im Zeitraum von 2002 bis 2008 und untersucht deren Auswirkung auf den Unternehmenserfolg.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen M&A-Prozesse, wertorientierte Unternehmenssteuerung (Shareholder Value), Bilanzkennzahlenanalyse sowie statistische Methoden zur Erfolgsmessung bei Unternehmensübernahmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist zu ermitteln, ob internationale Erfolgsfaktoren für M&A-Deals, wie sie in einer KPMG-Studie definiert wurden, auch für den österreichischen Kapitalmarkt gelten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturrecherche, Jahresabschlussanalyse (deskriptive Statistik) und statistischen Hypothesentests (t-Tests und Korrelationsanalysen) mittels SPSS.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der M&A-Themen und eine umfangreiche statistische Analyse der ATX-Stichprobe hinsichtlich Kaufpreis, Unternehmensgröße und Anzahl der Transaktionen.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mergers & Acquisitions, ATX, Marktkapitalisierung, EBITDA, Unternehmensbewertung und statistische Erfolgsmessung charakterisiert.
Warum spielt die Unternehmensgröße eine Rolle bei der Erfolgsbewertung?
Die Analyse zeigt, dass die Unternehmensgröße einen signifikanten Einfluss auf Kennzahlen wie die EBITDA-Quote hat und kleinere Unternehmen im Verhältnis zur ATX-Entwicklung teils erfolgreichere Zukäufe tätigen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Post-Merger-Integration?
Der Autor vermutet, dass der Erfolg maßgeblich von einer effizienten Integration abhängt, stellt jedoch fest, dass diese "Softfacts" im Rahmen einer quantitativen Bilanzanalyse nur schwer zu erfassen sind.
- Quote paper
- Mag. (FH) Karl Silly (Author), 2009, M&A Transaktionen von Österreichs ATX-Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147497