Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern von einem Sprach- und Kulturtransfer zwischen Frankreich und der ehemaligen Kolonie Guadeloupe in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart gesprochen werden kann. Um diese Frage zu beantworten, wird nach einer kurzen geographischen Einführung ein erster Blick auf die Geschichte und die soziolinguistischen Entwicklungen der Region geworfen, die das Verständnis der aktuellen Sprachsituation erleichtern können. Im folgenden Kapitel wird es auf die Sprachen, die heute auf Guadeloupe verwendet werden, und ihren heutigen Status eingegangen. Danach wird das Kreolische in Hinsicht auf eine mögliche Abstammung vom Französischen untersucht. Die folgenden Kapitel zeigen auf, wie sich die Sprachsituation seit der Departementalisierung zugunsten des Französischen geändert hat und welche Aufwertungsversuche des Kreolischen in verschiedenen Bereichen unternommen wurden. Abschließend wird es in Anlehnung an eine Studie der Augsburger Romanistin Ursula Reutner näher auf den Spracherwerb und die Sprachverwendung der kreolischen und französischen Sprache auf Guadeloupe eingegangen und es wird versucht die in der Überschrift angekündigte Frage zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geographische Angaben zu den Antillen
3. Historischer Kontext
3.1. Beginn der Kolonisierung in der Siedlergesellschaft
3.2. Die Entstehung der Pflanzer-Sklaven- Gesellschaft
3.2.1. Die Frage der Engagés
3.2.2. Der Import von Sklaven aus Afrika
3.3. Von der Abschaffung der Sklaverei bis zur Integration in den französischen Staat
4. Soziolinguistische Entwicklungen auf Guadeloupe
4.1. Soziolinguistische Entwicklungen in der Kolonialphase
4.2. Soziolinguistische Entwicklungen zur Zeit der Departementalisierung
5. Die aktuelle Sprachsituation auf Guadeloupe
5.1. Standartfranzösisch
5.2. Lokales Französisch
5.3. Kreolisch
5.4. Elemente des Französischen im Kreolischen von Guadeloupe
5.4.1. Ausgewählte phonetische und phonologische Merkmale
5.4.2. Einige morphosyntaktische Merkmale
5.4.3. Lexik des Kreolischen
5.5 Die kreolische Sprache in der Departementalisierungszeit
5.5.1. Einfluss der Migration
5.5.2. Einfluss des französischen Bildungssystems
5.5.3. Einfluss der französischen Sprach- und Kulturpolitik
5.5.4. Einfluss des Tourismus
5.6. Aufwertungsversuche des Kreolischen
5.6.1. Verwaltung und Kirche
5.6.2. Werbung und audiovisuelle Medien
5.6.3. Literatur und Printmedien
5.6.4. Zu der Diskussion über das Kreolische in der Schule
5.6.5. Eine neue Sprachpolitik
5.7. Französisch und Kreolisch im Alltag
5.7.1. Spracherwerb und Sprachverwendung auf Guadeloupe
5.7.2. Französisch und Kreolisch in der Gesprächssituation
5.8. Resümee
6. Zusammenfassung
7. Bibliographie
Zielsetzung und Themenfelder
Diese Arbeit untersucht die Frage, inwiefern ein Sprach- und Kulturtransfer zwischen Frankreich und Guadeloupe historisch und aktuell nachweisbar ist. Das Ziel ist es, die sprachliche Evolution vom Französischen hin zur Kreolsprache unter dem Einfluss kolonialer Strukturen und der modernen Departementalisierung zu analysieren und den aktuellen Status der Sprachen auf der Insel zu bewerten.
- Historische Genese der kreolischen Sprache durch Plantagenwirtschaft und Sklaverei
- Soziolinguistische Transformationen durch den Prozess der Departementalisierung
- Gegenwärtige Sprachsituation: Standardfranzösisch, lokales Französisch und Kreolisch
- Aktuelle Aufwertungsversuche und bildungspolitische Diskussionen zur Rolle des Kreolischen
- Empirische Untersuchung zur Sprachverwendung im Alltag
Auszug aus dem Buch
3.2.2. Der Import von Sklaven aus Afrika
Das Erlöschen der französischen Emigration, aber vor allem die Einführung des Zuckerrohranbaus durch aus Brasilien vertriebene Holländer, die die Franzosen in das Geheimnis der Zuckerraffination einweihten, bewirkten einen grundlegenden wirtschaftlichen, sozialen und auch sprachlichen Wandel auf den französischen Antillen. Die älteren Kulturpflanzungen Guadeloupes (Tabak, Indigo, Kaffee, Kakao, Vanille, Zitrusfrüchte und Baumwolle), die die Engagés auf kleinen Grundstücken angebaut hatten, wurden nun rigoros vernichtet, um Platz für Zuckerrohr zu schaffen, das als Monokultur auf Plantagen weite Flächen der Insel beanspruchte.
Der Anbau des „Weißen Goldes“ (Kunz 1994, S.24) erwies sich als großer Erfolg, die Nachfrage in Europa wurde immer stärker. Doch bald schon konnte der Markt nicht mehr gesättigt werden, da es auf der Insel an Arbeitskräften mangelte. Man brauchte vor allem Arbeiter, die klimatisch belastungsfähiger und aus Gründen der Profitmaximierung billiger sein mussten.
In einer ähnlichen Situation hatten die Spanier bereits 1506 afrikanische Sklaven auf den Plantagen von Haiti eingesetzt. Mitte des 17. Jahrhunderts folgten nun auch die Franzosen diesem Beispiel. Durch die Zustimmung des Königs Ludwig XIV und des Finanzministers Colbert in einem Edikt, datiert vom 26. August 1670, etablierte sich reger Dreieckshandel zwischen Europa, Afrika und der Karibik: Schiffe mit französischen Waren (Waffen, Textilien, Schnaps, Spiegel) für den Austausch beladen, wurden von Dunkerque bis Bayonne nach Westafrika geführt. Handelspartner an der Guineaküste waren „schwarze Oberhäupter, die Kriegsgefangene aus anderen Völkern oder Verbrecher aus den eigenen Reihen [zum Verkauf] anboten“ (Kunz 1994, S.25), die dann auf die Karibikinseln gebracht wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Fragestellung bezüglich des Sprach- und Kulturtransfers zwischen Frankreich und Guadeloupe sowie ein Ausblick auf den methodischen Aufbau der Arbeit.
2. Geographische Angaben zu den Antillen: Kurze Einführung in die Entstehung und geographische Einordnung des Archipels Guadeloupe.
3. Historischer Kontext: Analyse der kolonialen Geschichte von der Entdeckung über die Pflanzer-Sklaven-Gesellschaft bis zur Departementalisierung.
4. Soziolinguistische Entwicklungen auf Guadeloupe: Untersuchung der sprachlichen Bedingungen in der Kolonialzeit und der Entwicklung der Kreolsprachen.
5. Die aktuelle Sprachsituation auf Guadeloupe: Detaillierte Analyse der Koexistenz von Standardfranzösisch, lokalem Französisch und Kreolisch sowie Bemühungen zur Aufwertung des Kreolischen.
6. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur positiven Beantwortung der Ausgangsfrage hinsichtlich des Kultur- und Sprachtransfers.
7. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Literatur und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Guadeloupe, Kreolisch, Französisch, Departementalisierung, Sprachtransfer, Kolonialgeschichte, Soziolinguistik, Antillen, Plantagenwirtschaft, Kulturpolitik, Sprachpolitik, Sprachverwendung, Sprachwandel, Regionalsprache, Identitätsfindung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische und gegenwärtige Entwicklung der sprachlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Frankreich und der Karibikinsel Guadeloupe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die koloniale Geschichte, die soziolinguistische Entwicklung der kreolischen Sprache, der Einfluss französischer Sprachpolitik und die aktuelle Verwendung der Sprachen im Alltag der Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwiefern ein Sprach- und Kulturtransfer zwischen Frankreich und der ehemaligen Kolonie Guadeloupe stattgefunden hat und wie sich das Kreolische zu einer eigenständigen Sprache entwickelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse historischer Hintergründe sowie soziolinguistischer Studien, wobei besonders die Erkenntnisse der Romanistin Ursula Reutner und anderer Kreolforscher rezipiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entstehung der Gesellschaft, die soziolinguistischen Wandlungsprozesse seit 1946 und eine detaillierte Analyse der aktuellen Sprachenkonstellation inklusive der Rolle von Bildung, Medien und Politik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Guadeloupe, Kreolisch, Französisch, Departementalisierung, Sprachtransfer und soziolinguistische Entwicklung.
Welche Rolle spielt die "Departementalisierung" für die Sprache?
Sie gilt als entscheidender Wendepunkt, da sie das französische Bildungs- und Verwaltungssystem auf der Insel etablierte, was einerseits zur Förderung des Französischen führte, aber andererseits auch den Druck auf das Kreolische verstärkte.
Wie ist das Verhältnis zwischen Kreolisch und Französisch heute?
Das Standardfranzösische dominiert in offiziellen, wissenschaftlichen und schulischen Kontexten, während das Kreolische stark in familiären und emotionalen Bereichen sowie zunehmend in Literatur und Medien präsent ist, wenn auch mit einem eher niedrigeren sozialen Status als das Französische.
- Arbeit zitieren
- Ada Gorskih (Autor:in), 2009, Sprach- und Kulturtransfer zwischen Frankreich und Guadeloupe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147706