Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Freundschaft in Friedrich Schillers "Don Karlos"

Title: Freundschaft in Friedrich Schillers "Don Karlos"

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: M.A. Marius Nobach (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Philosophen und Schriftsteller bestimmter Epochen haben die Freundschaft als bedeutsamste unter den zwischenmenschlichen Beziehungen hervorgehoben und ihr zum Teil sogar eine über den Bereich des Privaten weit hinaus gehende Funktion zuerkannt.
Unter den unzähligen literarischen Werken, in denen das Thema ‚Freundschaft’ Eingang gefunden hat, ist Friedrich Schillers Drama "Don Karlos. Infant von Spanien" (1787) sicherlich eines der berühmtesten und prägnantesten. Die vorliegende Hausarbeit untersucht, wie Freundschaft in diesem Theaterstück dargestellt wird, welche verschiedenen Freundschaftsmodelle behandelt werden und geht der Frage nach, ob in dem Stück ein Freundschaftsideal mit einer möglichen gesellschaftlichen Tragweite vermittelt wird.
Nachdem zunächst der geistige Hintergrund, auf dem die Schriftsteller des 18. Jahrhunderts aufbauen können, dargelegt worden ist, wendet sich der Hauptteil der Hausarbeit der Analyse von Schillers "Don Karlos" im Hinblick auf das Thema ‚Freundschaft’ zu. Zunächst wird erläutert, wie Schiller in seinem Drama die Prinzipien der am persönlichen Nutzen orientierten Freundschaft, wie sie unter den Mitgliedern des Hofes praktiziert wird, darstellt. Dieser negativ konnotierten Form der Freundschaft stellt Schiller das im 18. Jahrhundert neuentwickelte, eng mit dem Begriff der Tugend verbundene, Freundschaftsmodell gegenüber, das exemplarisch durch das Freundespaar Karlos und Posa vorgeführt wird. Dabei wird auch untersucht, inwieweit man von einer Instrumentalisierung der Freundschaft durch Posa oder gar von einem Verrat an dem Freund sprechen kann, wie es in der Schillerforschung mitunter der Fall gewesen ist. Besondere Aufmerksamkeit kommt bei diesem Punkt dem Freundschaftsbeweis Posas durch seine Selbstopferung zu. Den Abschluss des Hauptteils bildet die Behandlung der Frage, inwieweit die Freundschaft im Don Karlos auch als Grundlage einer bürgerlich-republikanischen Utopie gesehen werden kann und ob das Drama sich ohne weiteres als Kritik am Despotismus absolutistischer Herrscher lesen lässt. Daraus werden sich dann Rückschlüsse auf Schillers Ansicht über die tatsächliche gesellschaftliche Sprengkraft des Freundschaftsideals des 18. Jahrhunderts ergeben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Zum Aufbau der Arbeit

2. ‚Freundschaft’ – Versuch einer Definition

2.1. ‚Freundschaft’ in der philosophischen Tradition

2.2. ‚Freundschaft’ aus soziologischer Sicht

2.3. Versuch einer Definition des Begriffs ‚Freundschaft’

3. Freundschaft im 18. Jahrhundert

3.1. Aufwertung der Freundschaft

3.2. Gesellschaftliche Voraussetzungen

3.3. Die ‚tugendempfindsame’ Freundschaft

3.4. Die gesellschaftliche Umsetzung des Freundschaftskultes

3.5. Einschränkungen

4. ‚Freundschaft’ in Schillers Don Karlos

4.1. Die Bedeutung von Freundschaften für Schiller

4.2. Das Thema ‚Freundschaft’ in Schillers Don Karlos

4.2.1. Die Darstellung der höfischen Freundschaft

4.2.2. Die Freundschaft zwischen Karlos und Posa

4.2.2.1. Das Gegenbild zur höfischen Freundschaft

4.2.2.1. Die Konkurrenz mit Verwandtschaft und Liebe

4.2.2.3. Der Vorwurf der Instrumentalisierung der Freundschaft

4.2.3. Die Freundschaft als Absolutismuskritik und Grundlage einer bürgerlich-republikanischen Utopie

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion von Freundschaft in Friedrich Schillers Drama "Don Karlos". Dabei steht insbesondere die Frage im Vordergrund, wie unterschiedliche Freundschaftsmodelle – insbesondere die höfische Freundschaft und die im 18. Jahrhundert idealisierte "tugendempfindsame" Freundschaft – in dem Theaterstück gegenübergestellt und zur Kritik an absolutistischen Herrschaftsstrukturen genutzt werden.

  • Philosophische und soziologische Definitionen von Freundschaft
  • Entwicklung und Merkmale des "Freundschaftskultes" im 18. Jahrhundert
  • Bedeutung persönlicher Freundschaften für Schillers Werk
  • Konflikt zwischen höfischem Eigennutz und idealer Freundschaft
  • Freundschaft als Grundlage einer bürgerlich-republikanischen Utopie

Auszug aus dem Buch

4.2.1. Die Darstellung der höfischen Freundschaft

Gleich zu Beginn des Dramas wird der Leser beziehungsweise Zuschauer mit den Prinzipien der höfischen Freundschaft vertraut gemacht. Im 1. Auftritt des I. Aktes versucht Domingo, der Beichtvater des Königs, dem Prinzen den Grund für dessen rätselhaftes Verhalten zu entlocken. Er ist darauf aus, sich durch den Prinzen bestätigen zu lassen, dass dieser seine ehemalige Verlobte und jetzige Stiefmutter immer noch liebt. In den Besitz dieser Information will er jedoch nur gelangen, weil er sich davon eine Gunstbezeugung durch den König verspricht, wie Karlos sehr schnell erkennt. Damit wird bereits am Anfang des Theaterstücks der zeitgenössische Diskurs über die ‚wahre’ Freundschaft in das Stück aufgenommen. Zu diesem gehört unter anderem auch die Warnung vor dem ‚falschen’ Freund, der sich aus Eigennutz als ‚wahrer’ Freund ausgibt. Diese Form des zwischenmenschlichen Umgangs, bei der egoistische Motive im Vordergrund stehen, entfaltet sich nach Meinung des 18. Jahrhunderts besonders am absolutistischen Hof, da die ritualisierten Verhaltensmuster des höfischen Zeremoniells Verstellung und Betrug begünstigen. Daher ist im Umgang miteinander auch stets ein gewisses Maß an Misstrauen angebracht, so wie auch Karlos an der Lauterkeit von Domingos Absichten zweifelt. Instinktiv ist ihm klar, dass niemand sein Freund sein kann, der im Dienste seines Vaters steht und damit hoffen kann, von dessen Macht zu profitieren. Dies gilt für Domingo ebenso wie für Herzog Alba, der im 1. Auftritt des II. Aktes vom König als „Freund“ bezeichnet wird, von Karlos aber nicht als solcher anerkannt wird. In dieser Atmosphäre des ständigen Argwohns und des Nutzendenkens kann sich das neue Ideal einer auf die Tugend

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zum Aufbau der Arbeit: Einführung in das Thema der Freundschaft als historisches Phänomen und Erläuterung der Zielsetzung der Untersuchung im Kontext von Schillers "Don Karlos".

2. ‚Freundschaft’ – Versuch einer Definition: Theoretische Herleitung des Begriffs Freundschaft unter Einbeziehung philosophischer Traditionen von der Antike bis zur Moderne sowie soziologischer Ansätze.

3. Freundschaft im 18. Jahrhundert: Analyse der gesellschaftlichen und philosophischen Aufwertung der Freundschaft als bürgerlicher Leitwert im 18. Jahrhundert sowie deren praktischer Umsetzung.

4. ‚Freundschaft’ in Schillers Don Karlos: Detaillierte Untersuchung der verschiedenen Freundschaftskonzepte im Drama, der Rolle von Karlos und Posa sowie der Kritik am Absolutismus durch das Freundschaftsideal.

5. Zusammenfassung: Abschließende Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung und den Grenzen des Freundschaftsideals innerhalb des untersuchten Dramas.

Schlüsselwörter

Freundschaft, Friedrich Schiller, Don Karlos, 18. Jahrhundert, Tugend, Aufklärung, Absolutismus, Soziologie, Philanthropie, Briefkultur, höfische Freundschaft, republikanische Utopie, Marquis Posa, Menschheitsliebe, Gesellschaftskritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie das Konzept der Freundschaft im 18. Jahrhundert theoretisch definiert wurde und wie Schiller dieses Ideal in seinem Drama "Don Karlos" literarisch verarbeitet und zur Kritik an absolutistischen Strukturen verwendet.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder sind die philosophische Begriffsgeschichte der Freundschaft, die soziologischen Aspekte dieses Phänomens, der Freundschaftskult im 18. Jahrhundert und die literarische Analyse von Schillers "Don Karlos".

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schiller in "Don Karlos" die am persönlichen Nutzen orientierte höfische Freundschaft durch das tugendbasierte Freundschaftsmodell des 18. Jahrhunderts kontrastiert und so eine bürgerlich-republikanische Utopie entwirft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die sowohl philosophische und soziologische Standardwerke als auch die Schillersche Forschungsliteratur sowie das Primärwerk "Don Karlos" einbezieht.

Was ist der inhaltliche Kern des Hauptteils?

Der Hauptteil befasst sich mit Schillers persönlichem Verhältnis zur Freundschaft, der Darstellung der höfischen Welt versus der Freundschaft zwischen Karlos und Posa sowie der Interpretation von Posas Selbstopferung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind "tugendempfindsame Freundschaft", "höfische Freundschaft", "Absolutismuskritik" sowie das Spannungsfeld zwischen privater Zuneigung und politischer Menschheitsliebe.

Wie bewertet der Autor das Handeln von Marquis Posa?

Der Autor argumentiert gegen eine rein instrumentelle Deutung von Posa und betont, dass dieser als "vernünftiger Freund" handelt, dessen Handeln im Einklang mit den Idealen des 18. Jahrhunderts steht, auch wenn er dabei Fehler begeht.

Warum scheitert das Freundschaftsideal im Stück?

Das Scheitern ist auf das absolutistische Umfeld des spanischen Hofes zurückzuführen, in dem die bürgerlichen Ideale der Freiheit und Gleichheit, die für eine echte Freundschaft nötig sind, unterdrückt werden.

Excerpt out of 32 pages  - scroll top

Details

Title
Freundschaft in Friedrich Schillers "Don Karlos"
College
University of Cologne  (Institut für deutsche Sprache und Literatur I)
Course
Schiller (Hauptseminar)
Grade
1,0
Author
M.A. Marius Nobach (Author)
Publication Year
2007
Pages
32
Catalog Number
V147736
ISBN (eBook)
9783640583256
ISBN (Book)
9783656206149
Language
German
Tags
Friedrich Schiller Don Karlos Freundschaft Freundschaft im "Don Karlos" Freundschaft philosophisch Freundschaft soziologisch Freundschaft im 18. Jahrhundert Freundschaftskult Marquis Posa Verrat am Freund Freundschaftsbeweis Höfische Freundschaft Tugendempfindsame Freundschaft Kritik am Absolutismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Marius Nobach (Author), 2007, Freundschaft in Friedrich Schillers "Don Karlos", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147736
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  32  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint