Eichendorff und die Frauen


Essay, 2005

10 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Eichendorff und die Frauen

„Die Entführung“, vom 50 jährigen Eichendorff als eine seiner letzten vier Erzählungen im Jahre 1838 geschrieben[1], handelt nicht nur von Entführung und Erfüllung der Liebe, sondern auch von Masken, Doppelidentitäten und der Schwierigkeit lebensverändernde Entscheidungen zu treffen. Dabei vermischen sich im fiktionalen Text auch autobiographische Elemente, die aufzuzeigen dieser Essay versucht.

Zunächst lässt sich die Handlung der Novelle in zwei parallele Handlungsstränge teilen. Ausgangspunkt für beide ist Frankreich zur Zeit Ludwigs XV. Der erste Handlungsstrang umfasst das Zueinanderfinden von Leontine von Astrenant, der Tochter der verwitweten und verarmten Marquise Astrenant, ein zartes, mädchenhaftes, eher passives Mädchen und dem Grafen Gaston. Gespiegelt wird ihre Persönlichkeit durch ihr Haustier, ein zahmes Reh, welches für Eichendorff vor Allem ein frommes behütetes Dasein symbolisiert.[2]

Sie wird auf ihrem Schloss von einem Fremden besucht, während eine Räuberbande alles in Angst und Schrecken versetzt. Aufgrund einer Personenbeschreibung kann der Fremde als der Räuberhauptmann identifiziert werden. Leontine empfindet ihm gegenüber sofort eine Faszination, die sich dann in Liebe und Sorge um ihn äußert. Schließlich wird dieser von dem Grafen Gaston, einem Nachbarn der Astrenants und bekannten Kriegsheld und Berater des Königs, den die Marquise um Hilfe gegen die Räuber gebeten hat, verfolgt.

Leontine läuft unvermittelt in den Wald in der Hoffnung ihn zu treffen und tatsächlich ereignet es sich so. Als Schlüsselmoment ihrer Liebe und Loyalität, sie läuft zu ihm in den Wald, obwohl es dort gefährlich ist und es sich einer adligen Dame nicht geziemt so kopflos davon zu rennen, überreicht sie ihm ihr weißes Tuch um damit seine Wunde zu versorgen. Jetzt kann auch er sich ihrer Liebe gewiss sein.

Später erhält Leontine einen Brief von der Gräfin Diana, einer Spielgefährtin aus Kindertagen, die sie zu sich auf ihr Schloss ruft. Wärend der Fahrt durch den Wald trifft sie allerdings erneut den Räuberhauptmann, der sie zu Gastons Schloss schickt, da Diana sich dort befinden soll. Auf dem Schloss angekommen erkennt sie, dass es sich bei dem Räuberhauptmann, für den ihr Herz schlägt, um den Grafen Gaston handelt. Die Geliebten finden glücklich zueinander und heiraten.

Der zweite Erzählstrang handelt von dem Grafen Gaston und der Gräfin Diana. Gaston lernt sie am Hof des Königs Ludwig XV. kennen. Dort wird gerade ein Maskenball gegeben, in dem sich Diana, als Zigeunerin verkleidet, dadurch hervortut, dass sie alle ihre Anbeter, außer Gaston, mit Tüchern verwirrt und schließlich aneinander fesselt und dann geheimnisvoll verschwindet. Gaston erinnert sich daran, sie schon mal getroffen zuhaben, in einer mystischen Begebenheit, in der er sie mit einem erschossenen Reh beobachtet hat.

Vor dem Schloss des Königs treffen sich Gaston, Diana und der König wieder.

Aufgrund eines Liedes von Diana, in dem sie davon singt, erobert werden zu wollen, kommt dem König die Idee einer Wette. Gaston und er verfügen über sie, indem Gaston wettet, sie gegen ihren Willen erobern zu können.

Daraufhin kehrt Diana in ihren Garten bei ihrem Schloss zurück und besinnt sich durch die Verwildertheit des Gartens zurück auf ihre Jugend, die sie gemeinsam mit Leontine verbracht hat. Sie schreibt einen Brief an sie um sie wieder zu treffen. Dieser Brief ist das Schlüsselelement, das beide Handlungsstränge und die Geschichten von Leontine und Diana verbindet.

Gaston gelingt es tatsächlich, Diana zu entführen, die ihn durch ihre verkleidete Zofe zu täuschen versucht hatte, und aus ihrem Garten auf ein Floß zu bringen. Doch er landet mit ihr auf der falschen Seite des Flusses, gegenüber seines Schlosses. Sie gehen in eine verlassene Mühle. Von hier will Gaston einen Schuss abfeuern um seine Männer zu Hilfe zu rufen, doch Diana zündet die Mühle an, um Gastons Pläne so zu vereiteln. So müssen sie doch nun beide sterben.

Die Flamme symbolisiert sowohl Zerstörung als auch Läuterung und Diana versucht so eine neue Form des Lebens zu erreichen.[3], ihr Ausweg aus dieser für sie ausweglosen Situation.

Doch Gaston gelingt es, sie beide zu retten und er bringt Diana auf sein Schloss. Doch als er nun sein Ziel erreicht zu haben scheint, erschauert er plötzlich vor ihrer grausamen Schönheit und schreckt vor ihr zurück. Er lässt sie gehen, womit nun endlich die Entscheidung für Leontine gefallen ist. Diana begibt sich in ein Kloster, wo sie den Ruf von Frömmigkeit und grausamer Strenge als Oberin erwirbt.

Doch von Zeit zu Zeit wirft Gaston noch den einen oder anderen sehnsüchtigen Blick in ihre Richtung.[4]

[...]


[1] Vgl. Schiwy, Günther, Eichendorff Der Dichter in seiner Zeit Eine Biographie, München, Verlag C. H. Beck, 2000, S. 542 Z. 1-4.

[2] Vgl. Kunz, Josef, Eichendorff Höhepunkt und Krise der Spätromantik, unveränderter reprographischer Nachdruck der Ausgabe Oberursel (Taunus) 1951, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1980, S. 38 Z. 17-19.

[3] Vgl. Kunz, Josef, Eichendorff Höhepunkt und Krise der Spätromantik, unveränderter reprographischer Nachdruck der Ausgabe Oberursel (Taunus) 1951, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1980, S. 59 Z. 1-4.

[4] Nach: Eichendorff; Joseph von, Die Entführung, in: Joseph von Eichendorff Dichter und ihre Gesellen Erzählungen II, Schillbach, Brigitte, Schultz, Hartwig, (Hrsg.), Deutscher Klassiker Verlag, 1993.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Eichendorff und die Frauen
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Germanistik)
Veranstaltung
Gartenkunst und Literatur
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2005
Seiten
10
Katalognummer
V147777
ISBN (eBook)
9783640592807
ISBN (Buch)
9783656476900
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eichendorff, Frauen
Arbeit zitieren
Magistra Artium Frauke Itzerott (Autor), 2005, Eichendorff und die Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147777

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