Korrelat ´es´ zu den extraponierten Subjekt- und Akkusativobjektsätzen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

27 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. BEGRIFFLICHKEIT
2.1 NEBENSATZBEGRIFFE
2.2 BEGRIFF „KORRELAT“
2.2.1 Korrelate nach Eisenberg und Helbig/Buscha
2.2.2 Korrelate nach Fabricius-Hansen

3. KORRELAT"ES"UND SEINE SYNTAKTISCHEN FUNKTIONEN
3.1 SUBJEKT- UND AKKUSATIVOBJEKTSÄTZE
3.2 DAS AUFTRETEN UND SYNTAKTISCHE EIGENSCHAFTEN DES KORRELATS
3.3 DIE EINSCHRÄNKUNGEN DES AUFTRETENS VOM KORRELAT
3.3.1 Abhängige Verbzweitsätze
3.3.2 Freie Relativsätze

4. BEISPIELE

5. ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

In dieser vorliegenden Arbeit wird der Themenbereich des Korrelates es diskutiert. Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die in der Fachliteratur vorhandenen unterschiedlichen Ansichten zu Nebensätzen und Korrelaten darzustellen. Es werden zwei verschiedene Betrachtungsweisen von Nebensätzen (syntaktisch raffinierte und syntaktisch primitive) besprochen und verglichen. Hierbei tritt die Fragestellung auf, nach welchen Eigenschaften (formal oder syntaktisch) die Korrelate identifiziert werden. Es werden auch die Gesetzmäßigkeiten und die Einschränkungen des Auftretens vom Korrelat es im komplexen Satz dargestellt.

2. Begrifflichkeit

2.1 Nebensatzbegriffe

Komplexe Sätze gehören zu den schwierigsten Bereichen der deutschen Grammatik. Ihre Vermittlung stellt hohe Ansprüche an die Lernenden und an die Lehrenden. Es handelt sich um die inhaltlich und formal komplizierten Konstruktionen, die auf dem Abhängigkeitsverhältnis der Teilsätze beruhen.

Die Hypotaxe besteht aus einem grammatisch übergeordneten Satz (Hauptsatz) und einem oder mehreren grammatisch untergeordneten Sätzen (Nebensätzen). Der Hauptsatz ist ein selbständiger Satz, der auch alleine auftreten kann. Der Nebensatz ist nicht selbständig, steht in einer strukturellen Beziehung zum übergeordneten Satz und ist nach bestimmten, relativ festen Regeln aufgebaut. Zu den Merkmalen des deutschen Nebensatzes gehört die Stellung der finiten Verbform am Satzende. Zusammen mit der Konjunktion oder einem anderen Einleitungselement des abhängigen Satzes bilden sie den sogenannten Nebensatzrahmen; das Mittelfeld wird von den weiteren Satzgliedern besetzt, die ebenfalls bestimmten topologischen Regeln folgen.

Die Nebensätze werden in den traditionellen Grammatiken mit dem Begriff ´satzartige Glieder´ bezeichnet:

„Nebensätze verhalten sich zum übergeordneten Satz wie Satzglieder oder Gliedteile. Man spricht vom Satzgliedwert der Nebensätze. Wenn ein Nebensatz einem Satzglied entspricht, liegt ein Gliedsatz vor; wenn er einem Gliedteil entspricht, handelt es sich um einen Gliedteilsatz.“ (Duden-Grammatik 2006: 1649).

„Denn der Nebensatz ist doch nichts Selbstständiges, er hat keine andere Funktion als die eines Satzgliedes, das nur aus einem einzelnen Wort zu bestehen braucht, oder auch nur die eines Teiles von einem Satzgliede, innerhalb dessen er als Bestimmung dient.“ (Paul 1919:10)1

Sowohl Duden als auch Paul betonen, dass das Hauptkriterium für die Gliederung von Nebensätzen ihre syntaktische Funktion ist. Die Einteilung bezieht sich vor allem auf die Gliedsätze. Je nachdem, welches Satzglied sie darstellen, wird unterschieden in: Subjektsatz, Objektsatz (Genitiv-, Dativ- und Akkusativobjektsatz), Prädikativsatz, Adverbialsatz, Attributsatz und weiterführender Satz. Der Satzgliedwert lässt sich mit Ersatzproben zeigen.

Die Auffassung, dass „ein komplexer Satz durch die Einbettung des Nebensatzes in den Matrixsatz an einer gegeben funktional definierten Stelle entsteht“ und dass „zwischen dem Nebensatz und einem bestimmten Teil des Matrixsatzes eine direkte syntaktische Relation besteht“, wird von Fabricius-Hansen (1981:12f) als ´syntaktisch raffiniert´ definiert.

Als weitere Kriterien für die Bezeichnung von Nebensätzen dienen die Ausdrucksform und die Folgeverhältnisse beim Nebensatz. Fabricius-Hansen (1981:13ff) stellt die Frage, ob Nebensätze als ´echte´ Satzglieder oder Satzgliedteile betrachtet werden können und argumentiert ihre Einstellung auf diese Weise:

1. „Es gibt weiterführende Relativsätze und andere Nebensätze, denen schwerlich die Funktionen eines Satzgliedes oder Satzgliedteils zugeschrieben werden kann:

(1) Hans hat heute Kopfschmerzen, was bei diesem Wetter kein Wunder ist.

2. a) Die Definition wird der Tatsache nicht gerecht, dass Nebensätze formale Kennzeichen aufweist, nur Zufall; b) Ebenso wie die Tatsache, das Hauptsatz Nebensatzfunktion ausüben kann und umgekehrt, gehört statistisch vielmehr zu den Ausnahmen“:

(2) Kommst du, so freue ich mich.

(3) Dass so was vorkommen kann!

(4) Wenn ich dir nur helfen könnte!

(5) Was du nicht alles weißt!

(6) Ob er nicht wohl erkennen wird?

Die Auffassung, in der Nebensätze „satzförmige Realisierungen funktional definierter Kategorien sind“, nennt Fabricius-Hansen (1981:13f) ´syntaktisch primitiv´. Sie zieht den Ansatz von Blatz in Betracht:

„Nebensatz nennt man den nach seiner grammtischen Darstellung unselbständigen Satz, der, um in der gegeben grammatischen Form ausgesprochen werden zu können, mit einem anderen, selbständigen Satze, d.h. mit einem Hauptsatze verbunden sein muss, der also nur ausgesprochen wird, um einem anderen Satze Bestimmung hinzuzufügen.“ ( Blatz, 1986: 749)

In dieser Hinsicht deutet Fabricius-Hansen (1981:13f) darauf, dass „ein komplexer Satz durch die Verbindung von einem Nebensatz und einem anderen (dem Obersatz) entsteht, wobei dieser in seiner Ganzheit jenem übergeordnet ist“ (vgl. Blatz 1986:749) und „es gibt keine direkte syntaktische Beziehung zwischen dem Nebensatz und dem Teil eines Obersatzes und diese Beziehung ist anderer – vor allem inhaltlichen – Art“.

Die beiden Betrachtungsweisen von Nebensätzen - ´syntaktisch raffinierte´ und ´syntaktisch primitive´ - unterscheiden sich in zwei Punkten voneinander: in der Auffassung von der syntaktischen Struktur oder Bildung komplexer Sätze und in dem Gewicht, das formalen Eigenschaften von Nebensätzen beigemessen wird.

2.2 Begriff „Korrelat“

2.2.1 Korrelate nach Eisenberg und Helbig/Buscha

Peter Eisenberg (2006:328) bestimmt Korrelate als ´Formen von Pronomina, Pronominaladverbien und Adverbien´, die als „Bezugseinheiten für Nebensätze oder Infinitivgruppen fungieren“. In der Grammatik spielen diese Formen eine wichtige Rolle, weil „von seiner Füllung abhängt, wie man die Einbindung der Nebensätze in die übergeordnete Struktur versteht“:

(7)

a. Wir bedauern es , dass Karl fehlt.
b. Sie trauert dem nach, dass Paul nicht bei der Polizei ist.
c. Sie rührt sich dessen , dass er nach Cannes eingeladen wurde.
d. Er wartet darauf , dass es dunkel wird.
e. Er kommt deswegen , weil er mitfahren will.
f. Sie macht es so , wie Luise gesagt hat.

Eisenberg (2006:329) bemerkt, dass „die meisten Grammatiken Korrelate von vornherein auf die Funktionen von Nebensätzen orientieren, wobei mindestens nach Korrelaten bei Komplementsätzen und solchen bei Adjunktsätzen differenziert wird.“ (vgl. Engel 1988: 252ff.; 287ff.; IDS-Grammatik 1787ff.). Er stellt die Frage zu dem Status der Korrelate, bespricht die syntaktischen Funktionen an unterschiedlichen Positionen, gliedert die Nebensätze in Attribut-, Ergänzungs- und Adverbialsätze und fasst unter den letzten kausale und temporale Konjunktionalsätze zusammen. Wegen vielen Besonderheiten grenzt Eisenberg die Konditionalsätze ab (2006:342ff) und führt schließlich die Korrelate als Bindungselemente für Infinitivkonstruktionen an (2006:349ff). Seiner Meinung nach machen die Konditionalsätze im Verbund der anderen Adverbialsätze syntaktisch keine Schwierigkeiten (abgesehen von der Rolle der Korrelate und dem Phänomen der sogenannten ´ergänzenden´ wenn -Sätze).

Helbig und Buscha (1975/1986:572; 1987:670) gehen davon aus, dass ein Korrelat ein ´Bezugselement für Nebensätze´ und „konkrete Bezeichnung nicht vollsemantischer Bezugswörter für Nebensätze im übergeordnetem Satz ist.“ Die Autoren untersuchen den metaphorischen Gebrauch vom Korrelat und Attribut, grenzen Glied- und Attributsätze aus und bestimmen Korrelate als ´konkrete Fügungselemente´.

Ihre Einstellung besagt, dass jeder Nebensatz im Prinzip ein Korrelat im übergeordneten Satz hat:

„Die Nebensätze haben im übergeordneten Satz ein Korrelat, auch wenn dieses Korrelat im konkreten Satz nicht mehr auftritt [...]. Alle Nebensätze sind Hinzufügungen zu einem entsprechenden Korrelat; sie können als Attributsätze im weiteren Sinne des Wortes angesehen werden. Die verschiedenen Bedeutungen der Nebensätze werden durch die Korrelate im übergeordneten Satz und die Einbettungswörter der Nebensätze deutlich.“ (Helbig/Buscha, 1981:572; 1987:670f).

Die Autoren legen großen Wert auf eine systematische Darstellung der Funktionen des Pronomens es (1981:352; 1987:393-400) und unterscheiden zwischen einem Gebrauch (1) als Prowort, wo es ersetzbar ist, (2) als Korrelat oder Platzhalter, wo es nicht ersetzbar und in verschiedenen Positionen weglassbar ist, und (3) als formales Subjekt und Objekt, wo es weder ersetzbar ist noch wegfallen kann.

[...]


1 Fabricius-Hansen 1981, S. 12

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Korrelat ´es´ zu den extraponierten Subjekt- und Akkusativobjektsätzen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Komplexe Sätze
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
27
Katalognummer
V147788
ISBN (eBook)
9783640577798
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Korrelat, Korrelat ES, Subjektsätze, Akkusativobjektsätze, Syntaktische Funktionen, Komplexe Sätze, Hypotaxe, Hauptsatz, Nebensatz, übergeordneter Satz, nebengeordneter Satz, satzartige Glieder, Gliedteile, Subjektsatz, Objektsatz, Relativsatz, sytaktisch-primitiv, syntaktisch-raffiniert, Pronomen ES, Prowort, Platzhalter, formales Subjekt, formales Objekt, wenn-Sätze, Gliedsatzteil, Vorfeld, Mittelfeld, Nachfeld, Vorfeld-Es, Extraposition, abhängige Verbzweitsätze, freier Relativsatz
Arbeit zitieren
Lazavaya Alesia (Autor), 2009, Korrelat ´es´ zu den extraponierten Subjekt- und Akkusativobjektsätzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147788

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