In der Sozialisation des Kindes stellt die Rollenübernahme ein überaus wichtiges Element dar, das durch mannigfaltige Einflüsse, wie Massenmedien oder soziales Umfeld beeinträchtigt werden kann. Mit dem Rollenspiel steht dem Kind hierbei ein wichtiges Instrument zur Verfügung, in dem es soziales Verhalten spielerisch üben und damit risikofrei bestimmte Sozialformen erproben kann. Und obgleich die Realitätsnähe gegenüber anderen Kommunikationsformen geringer ist, befähigen Rollenvorbilder - fiktiver oder realer Natur - das Kind, seine individuelle Position innerhalb der Gesellschaft einzunehmen. Das gilt natürlich auch für den kritischen Bereich der Geschlechterrolle, einem Bereich, wo in der Regel die meisten Probleme auftreten können.
Schlagworte
Behaviorismus | Familiale Rollen | Fiktive Rollenvorbilder | Geschlechterrolle | Identifikation | Kindertherapie | Massenmedien | May | Piaget | Psychoanalyse | Realitätsnähe | role-playing | role-taking | Rolle | Rolleninterpretation | Rollenspiel | Rollenvorgabe.
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Summary
Role-taking is an important factor in socialization of the developing child, which can easily be dis-turbed by numerous influences, e.g. mass media or deficient social setting. However with the help of role-playing, the child has a valuable instrument that enables it to train social behavior without the risk of draw backs. And although role-playing does not stand in such a connection to reality as other forms of interaction, fictional or non-fictional role images and ideals later are able to help the child to take part in social life in an individual position. Of course this also has its importance in the critical field of sex role, where as a whole most of the developmental problems occur.
Key-words
behaviorism | family roles | fictional role-ideals | sex role | identification | child therapy | mass media | May | Piaget | psychoanalysis | role-playing | role-taking | role | interpretation of roles.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Begriff 'Rolle'
2. Rollenspiel
2.1. Rollenspiel und Massenmedien
2.2. KurzExkurs: Fiktive Rollenvorbilder in Romanen - am Beispiel der PhantasieFiguren Karl Mays
3. Rollenspiel und Realitätsnähe
4. Role-taking
5. Rolleninterpretation
6. Rollenübernahme aus behavioristischer Perspektive
7. Rollenübernahme psychoanalytisch erklärt [Identifikation]
8. Identifikation und Massenmedien
9. Familiale Rollen
10. Geschlechterrolle
10.1. Geschlechterrolle im Jugendalter
10.2. Massenmedien und Geschlechterrolle
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der Rollenübernahme von Kindern im Spiel, beleuchtet die psychologischen Mechanismen hinter dieser Identitätsbildung und analysiert den Einfluss von sozialen Faktoren sowie Massenmedien auf die Ausbildung von Geschlechterrollen.
- Entwicklung des Rollenverständnisses im Kindes- und Jugendalter
- Bedeutung von Rollenspielen als Instrument der Sozialisation
- Einfluss von Massenmedien und fiktiven Vorbildern auf das Identitätsmodell
- Psychoanalytische und behavioristische Erklärungsmodelle der Identifikation
- Herausforderungen und Problematiken im Bereich der Geschlechterrollen
Auszug aus dem Buch
2. Rollenspiel
Unter Rollenspiel [i.e. soziodramatisches Spiel] versteht man eine kurzfristige, freiwillig akzeptierte und probeweise Übernahme einer Rolle, ohne daß die zugeordnete Position tatsächlich eingenommen worden ist. Im Rollenspiel ist es möglich, andere Verhaltensweisen wiederzuentdecken, neu zu erlernen oder auch zu verlernen. "Es gewährleistet über kürzere oder längere Zeit die Aufrechterhaltung koordinierten gemeinsamen Handelns" [Oerter, 1987, S.218] und steht in der Chronologie der kindlichen Entwicklung zwischen dem Symbol- oder Fiktionsspiel und dem späteren Regelspiel.
Wie im Abschnitt 4 ausgeführt, beginnen die Kinder im Alter von etwa 4;0 bis 5;0 mit der Rollenübernahme, dem role-taking, was sich natürlich auch im Spiel ausdrückt. Während die Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr noch meistens allein oder 'nebeneinander' spielen [Parallelspiel], spielen sie mit zunehmendem Alter mehr und mehr zusammen. Dabei steht zu Beginn das sogenannte assoziierte Spielen im Vordergrund [zB miteinander Ball spielen,…]; erst später folgt das kooperative Spiel mit organisierter Spielhandlung und konkreter Rollenverteilung [zB Familie spielen, Szenische Rollenspiele,…]. Das Kind kann sich in einer Rolle besonders akzentuiert darstellen, es wird zu einer großen mächtigen Person oder zu einem begehrten Partner [zB Vater, Mutter, TV-Serienfigur, Romangestalt,…].
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Begriff 'Rolle': Definiert Rolle als soziales Konstrukt und beschreibt den Beginn der Rollenübernahme durch die kindliche Fähigkeit zur Symbolbildung.
2. Rollenspiel: Beschreibt das Rollenspiel als soziodramatisches Instrument der Sozialisation, in dem Kinder spielerisch soziales Verhalten erproben.
2.1. Rollenspiel und Massenmedien: Analysiert den Einfluss von TV-Formaten auf die Rollenfindung und diskutiert positive sowie negative Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl.
2.2. KurzExkurs: Fiktive Rollenvorbilder in Romanen - am Beispiel der PhantasieFiguren Karl Mays: Untersucht die Identifikation mit fiktiven Figuren in Literatur und deren Wirkung im Vergleich zu visuellen Medien.
3. Rollenspiel und Realitätsnähe: Diskutiert, inwieweit Spielverhalten von der Alltagsrealität abweicht und warum Rollenspiel in der Kindertherapie als angemessen gilt.
4. Role-taking: Erläutert den Prozess, die Perspektive anderer einzunehmen, um den kommunikativen Egozentrismus zu überwinden.
5. Rolleninterpretation: Beschreibt die individuelle Ausgestaltung von sozialen Rollen als kreativen Prozess.
6. Rollenübernahme aus behavioristischer Perspektive: Erklärt den Erwerb von Rollen durch Imitation und die Bedeutung stellvertretender Verstärkung.
7. Rollenübernahme psychoanalytisch erklärt [Identifikation]: Erläutert die Verinnerlichung von Identität durch psychoanalytische Konzepte der Identifikation.
8. Identifikation und Massenmedien: Befasst sich mit der kindlichen Empfänglichkeit für Medienbotschaften und den Stufen der Fernsehrealität.
9. Familiale Rollen: Beleuchtet die zentrale Rolle der Eltern als Identifikationsfiguren und Geschlechtsvorbilder.
10. Geschlechterrolle: Untersucht die Bedeutung der Geschlechtsrollenidentifikation und die Entwicklung der geschlechtstypischen Identität.
10.1. Geschlechterrolle im Jugendalter: Diskutiert die Anpassungszwänge und Oppositionshaltungen Jugendlicher in Bezug auf Geschlechterklischees.
10.2. Massenmedien und Geschlechterrolle: Kritisiert die stereotype Darstellung von Geschlechtern in Medien und deren Auswirkungen auf heranwachsende Kinder.
Schlüsselwörter
Behaviorismus, Familiale Rollen, Fiktive Rollenvorbilder, Geschlechterrolle, Identifikation, Kindertherapie, Massenmedien, Psychoanalyse, Realitätsnähe, role-playing, role-taking, Rolle, Rolleninterpretation, Rollenspiel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Kinder durch spielerische Prozesse und den Einfluss ihrer Umwelt, insbesondere durch Massenmedien und Vorbilder, soziale Rollen erlernen und übernehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die kindliche Sozialisation, die Bedeutung des Rollenspiels, die Identifikation mit realen und fiktiven Personen sowie die Ausbildung der Geschlechterrollen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab, die Mechanismen und Einflüsse aufzuzeigen, die zur Übernahme spezifischer sozialer Rollen bei Kindern führen, und die Konsequenzen dieser Identifikationsprozesse zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Perspektiven, darunter die Psychoanalyse, den Behaviorismus sowie kognitive Entwicklungsmodelle, vergleichend betrachtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen des Rollenspiels, die Bedeutung von Identifikationsprozessen in der Kindheit und den Einfluss von Medien auf die Ausprägung von Verhaltensmustern und Geschlechterrollen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rollenübernahme, Identifikation, Massenmedien, Sozialisation, Behaviorismus und Geschlechterrolle maßgeblich bestimmt.
Wie unterscheidet sich die Identifikation mit Büchern von der mit Fernsehsendungen?
Der Autor argumentiert, dass Bücher als interaktives Medium eine tiefere Auseinandersetzung erfordern, während das Fernsehen aufgrund seiner visuellen Suggestionskraft als verführungsstärker und tendenziell passiver eingestuft wird.
Welche Rolle spielt die 'soziale Macht' bei der Rollenübernahme von Kindern?
Wie im behavioristischen Beispiel von Bandura und Ross gezeigt, neigen Kinder dazu, bevorzugt Rollen zu übernehmen, die Macht ausüben, da sie sich dadurch fiktiv von einem schwachen in einen starken Partner verwandeln können.
Wie beeinflussen die Medien die Geschlechterrollenentwicklung bei Jugendlichen?
Die Arbeit stellt fest, dass Medien durch stereotype Darstellungen, in denen Männer oft als stark und berufstätig, Frauen hingegen als nachgiebig dargestellt werden, die traditionelle Rollenanpassung verstärken und die Individualität einschränken können.
- Citation du texte
- Mag. Arno Krause (Auteur), 2000, Zur Rollenübernahme von Kindern im Spiel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147790