Die verschiedenen Stellungen von Autoritäten in den Kinderwerken Pinocchio und Pippi Langstrumpf


Hausarbeit, 2010

10 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
Autorität – Mittel zum Zweck

2 Hauptteil
2.1. Ist Autorität der Schlüssel zum ‚perfekten Kind‘?
2.2. Pippi und Pinocchio – Zwei aufgebehrende Kinderhelden

3 Schlussbetrachtung
Erziehung mit oder ohne Autorität?

4 Bibliographie

1 Autorität – Mittel zum Zweck

Wie viel Autorität tut gut? Wie viel Obrigkeit muss sein? Diese und ähnliche Fragen hat sich im Leben wohl jeder schon einmal gestellt beziehungsweise stellen müssen. Egal ob Eltern, Pädagogen, Literaten, Wissenschaftler, Führungspersonen, Polizisten und auch besonders, im Klassement unten rangierend, Kinder wurden schon einmal mit dem System der gesellschaftlichen Rangfolge konfrontiert. Wer sich im Denken und Handeln nach wem richtet, entscheiden soziale Prozesse. Zumindest in unserer Welt, in unserer Gesellschaft folgen wir Normen und bestimmten gesellschaftlichen Maßstäben. Diese Normen müssen nicht einmal formal auf einem Blatt Papier geschrieben stehen, um sie zu kennen. Sie sind allgegenwärtig und stets in Kraft. Dies gilt auch für die Autorität, die soziale Positionierung, durch die jeder einen Platz in einem Hierarchiesystem zugeordnet bekommt. Doch, was passiert, wenn jemand dieses System durchbricht, seine eigenen Regeln aufstellt und die geltenden nicht befolgt? In dieser Arbeit werde ich mich näher mit dieser Fragestellung befassen. Dazu werde ich einen Klassiker der Kinderweltliteratur ‚Pippi Langstrumpf‘ sowie den italienischen Kinderbuchklassiker ‚Pinocchio‘ auf die jeweilige Darstellung von Autoritäten und den Umgang mit diesen untersuchen und ferner vergleichen. Dabei werde ich des Weiteren auf den pädagogischen Aspekt von Autorität eingehen, der damit unmittelbar in Verbindung steht.

2 Hauptteil

2.1 Ist Autorität der Schlüssel zum ‚perfekten Kind‘?

Ist eine makellose Erziehung das Ziel, um am Ende ein perfektes Kind zu haben beziehungsweise sein eigen nennen zu dürfen? Die zahlreichen Ansätze für die richtige Erziehung sind unzählig, widersprüchlich und jeder Verfechter einer Theorie ist so stur wie der andere, wenn die Erziehung, Bildung und Belehrung von ihren eigenen Vorstellungen abweichen. Bringt die perfekte Erziehung jedoch dem Menschen mehr Freiheit oder trifft genau das Gegenteil zu. Nicht zu bestreiten ist, dass der Heranwachsende vieles lernen muss, um in der Welt existieren zu können. Doch das meiste, was dieser lernen muss, eignet er sich schon aus den generellen Anforderungen in der Gesellschaft an. Autoritäten dienen auf diesem Weg als stetige Begleiter und erfüllen die Funktion des Erfahrenen und die des Helfenden.[1]

In dem von Collodi im 19. Jahrhundert verfassten Kinderroman Pinocchio wird auch die Funktion der stetigen Begleiter der Erziehung thematisiert. So hat zum Beispiel Jean-Jaques von Rousseau, unter anderem ein Schweizer Pädagoge, mit dem Prinzip der negativen Erziehung Einfluss auf das Werk Pinocchio. Die negative Erziehung erfolgt durch Abschottung von jeglichen kulturellen Einflüssen und der zu Erziehende muss verstehen, dass er sich selbst gehorcht, wenn er dem Gesetz gehorcht.[2] Des Weiteren finden sich Einflüsse von Pestalozzi, ebenfalls ein Schweizer Pädagoge, und Collodi greift die Gedanken auf, dass jeder Mensch etwas Gutes in sich hat und sich neben den Herzenskräften, Gehorsam entwickeln muss sowie die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit.[3] Diese pädagogischen Einflüsse halfen Collodi, um die Entwicklung eines Kindes von einem Egozentriker zu einem verantwortungsvoll handelnden Geschöpf darzustellen. Und mit Hilfe verschiedener Figuren (z.B. Meister Geppetto, die Grille, Kater und Fuchs, die Fee) zeigt Collodi Pinocchios Verhalten gegenüber besagten autoritären Personen auf.

Astrid Lindgrens Auffassung von Erziehung und Autorität entsprach einer anderen. Dies mag jedoch nicht verwundern, da zwischen den beiden Werken mehr als 80 Jahre liegen. Lindgren sprach den Kindern das Recht auf Respektierung, Achtung und Gleichbehandlung zu. Die Autorin lehnt grundsätzlich unangemessene Vorschriften, Verhaltensmaßregeln und Strafen in der Erziehung ab.[4] Pestalozzis Einfluss ist auch hier zu verzeichnen, des Weiteren aber auch Punkte aus der Montessoripädagogik, die besagt, dass jeder „der Baumeister seines Selbst“ ist und das Kind sowie dessen Individualität im Mittelpunkt des pädagogischen Interesses steht.[5] Gerade in ihren Büchern zu Pippi Langstrumpf wird Lindgrens Bild zur Erziehung deutlich und verkörpert es wie kein anderes.

[...]


[1] H. Kupffer (1980 ): Erziehung – Angriff auf die Freiheit. Essays gegen Pädagogik, die den Lebensweg des Menschen mit Hinweisschildern umstellt. Weinheim, Basel, S. 17f.

[2] Vgl. Stundenprotokoll zur Sitzung vom 15.01.2010, S. 4.

[3] Vgl. Stundenprotokoll zur Sitzung vom 15.01.2010, S. 5.

[4] B. Hurrelmann (1995): Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Frankfurt am Main, S. 80f.

[5] Vgl. Stundenprotokoll zur Sitzung vom 15.01.2010, S. 6.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die verschiedenen Stellungen von Autoritäten in den Kinderwerken Pinocchio und Pippi Langstrumpf
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Romanisches Seminar)
Autor
Jahr
2010
Seiten
10
Katalognummer
V147823
ISBN (eBook)
9783640578481
ISBN (Buch)
9783640578139
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stellungen, Autoritäten, Kinderwerken, Pinocchio, Pippi, Langstrumpf
Arbeit zitieren
Franka Röder (Autor), 2010, Die verschiedenen Stellungen von Autoritäten in den Kinderwerken Pinocchio und Pippi Langstrumpf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147823

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die verschiedenen Stellungen von Autoritäten in den Kinderwerken Pinocchio und Pippi Langstrumpf



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden