Wie viel Autorität tut gut? Wie viel Obrigkeit muss sein? Diese und ähnliche Fragen hat sich im Leben wohl jeder schon einmal gestellt beziehungsweise stellen müssen. Egal ob Eltern, Pädagogen, Literaten, Wissenschaftler, Führungspersonen, Polizisten und auch besonders, im Klassement unten rangierend, Kinder wurden schon einmal mit dem System der gesellschaftlichen Rangfolge konfrontiert. Wer sich im Denken und Handeln nach wem richtet, entscheiden soziale Prozesse. Zumindest in unserer Welt, in unserer Gesellschaft folgen wir Normen und bestimmten gesellschaftlichen Maßstäben. Diese Normen müssen nicht einmal formal auf einem Blatt Papier geschrieben stehen, um sie zu kennen. Sie sind allgegenwärtig und stets in Kraft. Dies gilt auch für die Autorität, die soziale Positionierung, durch die jeder einen Platz in einem Hierarchiesystem zugeordnet bekommt. Doch, was passiert, wenn jemand dieses System durchbricht, seine eigenen Regeln aufstellt und die geltenden nicht befolgt? In dieser Arbeit werde ich mich näher mit dieser Fragestellung befassen. Dazu werde ich einen Klassiker der Kinderweltliteratur ‚Pippi Langstrumpf‘ sowie den italienischen Kinderbuchklassiker ‚Pinocchio‘ auf die jeweilige Darstellung von Autoritäten und den Umgang mit diesen untersuchen und ferner vergleichen. Dabei werde ich des Weiteren auf den pädagogischen Aspekt von Autorität eingehen, der damit unmittelbar in Verbindung steht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
Autorität – Mittel zum Zweck
2 Hauptteil
2.1. Ist Autorität der Schlüssel zum ‚perfekten Kind‘?
2.2. Pippi und Pinocchio – Zwei aufgebehrende Kinderhelden
3 Schlussbetrachtung
Erziehung mit oder ohne Autorität?
4 Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den pädagogischen Umgang mit Autorität in der Kinderliteratur, indem sie die beiden Klassiker „Pippi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren und „Pinocchio“ von Carlo Collodi gegenüberstellt und deren unterschiedliche Darstellungen von Gehorsam, Erziehung und kindlicher Autonomie analysiert.
- Vergleich der Autoritätsdarstellung in „Pippi Langstrumpf“ und „Pinocchio“
- Analyse pädagogischer Einflüsse (Rousseau, Pestalozzi, Montessori) auf die Werke
- Untersuchung des kindlichen Verhaltens gegenüber gesellschaftlichen Normen und Autoritätspersonen
- Gegenüberstellung von erzogener Konformität und ungebremster kindlicher Individualität
Auszug aus dem Buch
2.2. Pippi und Pinocchio – Zwei aufgebehrende Kinderhelden
Wie Pippi Langstrumpf und der kleine hölzerne Junge Pinocchio auf verschiedene Weise mit den Autoritäten umgehen, wird in den folgenden Zitaten aus den jeweiligen Werken aufgezeigt, erklärt sowie gedeutet.
Die erste Erfahrung, die Pippi Langstrumpf im ersten Teil ‚Pippi in der Villa Kunterbunt‘ mit einer Verkörperung der Autorität macht, ist ein Treffen mit den Polizisten der Stadt. „Bist du das Mädchen, das in der Villa Kunterbunt eingezogen ist?“ fragte einer der Polizisten. „Im Gegenteil“, sagte Pippi. „Ich bin eine ganz kleine Tante, die in der dritten Etage am anderen Ende der Stadt wohnt.“ Hier versucht Pippi, jedoch ohne böse Absicht, die Polizisten hinters Licht zu führen. Was sie Pippi nicht sieht, ist, dass sie die Position der Polizisten ins Lächerliche zieht und gegen sich aufbringt. Im nächsten Zitat verdeutlicht Lindgren, wie Pippi unterbewusst, die Autorität der Polizisten untergräbt und am Ende auch ihre Überlegenheit demonstriert, als eine gleichberechtigte Konversation ins Ungleichgewicht zugunsten Pippi gerät.
„Ich hab schon einen Platz in einem Kinderheim“, sagte Pippi. Was sagst du, ist das schon geregelt?“ fragte der eine Polizist. „Wo ist das Kinderheim?“ „Hier“, sagte Pippi stolz. „Ich bin ein Kind, und das hier ist mein Heim, also ist es ein Kinderheim. Und Platz habe ich hier. Reichlich Platz.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Autorität und gesellschaftlichen Normen ein und stellt das Ziel der vergleichenden Analyse von „Pippi Langstrumpf“ und „Pinocchio“ vor.
2 Hauptteil: Der Hauptteil untersucht kritisch die Funktion von Erziehung und Autorität und stellt die gegensätzlichen Ansätze der beiden Protagonisten im Umgang mit elterlichen oder gesellschaftlichen Instanzen dar.
3 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die pädagogischen Diskrepanzen zwischen den Werken und betont, dass trotz unterschiedlicher Erziehungskonzepte das Kind und dessen individuelles Wohl im Zentrum stehen sollten.
4 Bibliographie: Das Verzeichnis listet die verwendete Primär- und Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Autorität, Kinderliteratur, Pippi Langstrumpf, Pinocchio, Erziehung, Pädagogik, Gehorsam, Gesellschaft, Kindheit, Astrid Lindgren, Carlo Collodi, Individualität, Normen, Widerstand, Erziehungswissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung und dem Umgang mit Autorität in zwei bekannten Kinderbuchklassikern und reflektiert dies vor dem Hintergrund pädagogischer Ansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind das Machtverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern, die Akzeptanz oder Ablehnung gesellschaftlicher Regeln sowie die Bedeutung von kindlicher Freiheit versus erzieherischer Führung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist ein Vergleich der unterschiedlichen Erziehungsbilder, die in „Pippi Langstrumpf“ und „Pinocchio“ vermittelt werden, um die Auswirkungen autoritärer Strukturen auf Kinder zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die pädagogische Theorien (u.a. von Rousseau und Pestalozzi) zur Interpretation der literarischen Handlungen heranzieht.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkrete Schlüsselszenen aus den Büchern, in denen die Helden auf Autoritätspersonen treffen, und bewertet deren respektloses oder unkonventionelles Verhalten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Autorität, Kinderliteratur, Erziehungskonzepte und Autonomie definieren.
Warum wird Pippi Langstrumpf als „entfesselte“ Protagonistin beschrieben?
Sie wird so beschrieben, weil sie sich im Gegensatz zu Pinocchio konsequent jedem äußeren erzieherischen Einfluss entzieht und ausschließlich ihrem eigenen Instinkt folgt.
Welche Rolle spielt die Figur der Grille in Pinocchio?
Die Grille fungiert als symbolisches Gewissen, das Pinocchio moralische Ratschläge gibt, jedoch in der Geschichte tragisch scheitert, da Pinocchio sich der Belehrung widersetzt.
Wie bewertet die Autorin die moralischen Konsequenzen für Pinocchio?
Die Arbeit stellt fest, dass Pinocchios Fehlverhalten zwar oft zu Sanktionen führt, diese jedoch meist „im Rahmen“ bleiben, während er gleichzeitig Tugendlehren durch andere Instanzen erfährt.
Was ist das Fazit der Arbeit hinsichtlich der Erziehungsfrage?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es keine universelle Antwort auf die Frage nach der „richtigen“ Erziehung gibt, das Kind jedoch immer im Mittelpunkt stehen muss.
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- Franka Röder (Autor), 2010, Die verschiedenen Stellungen von Autoritäten in den Kinderwerken Pinocchio und Pippi Langstrumpf, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147823