Diese Arbeit veranschaulicht die verschiedenen Arten von Machtausübung der Sklavenbesitzer und deren Behandlung von Sklavinnen und Sklaven während des 18. Jahrhunderts. Insbesondere werden die Machtverhältnisse zwischen den weiblichen Sklavenbesitzerinnen und den Sklavinnen und Sklaven analysiert. Aus den folgenden drei Fallbeispielen können Erkenntnisse über die Handlungsweisen der Sklavenbesitzerinnen gewonnen werden.
Anhand der vorliegenden Quellen lässt sich folgende Fragestellung entwickeln: Warum kam es im afrikanischen Stellenbosch in der Zeit von 1700 bis 1795 vielfach zu Machtmissbrauch ausgehend von Sklavenbesitzerinnen gegenüber den Sklavinnen und Sklaven? Daraus lässt sich die vorläufige Hypothese entwickeln, dass Sklavenbesitzerinnen aufgrund ihrer damaligen niedrigeren gesellschaftlichen Stellung gegenüber dem Mann mittels ihrer Machtposition versuchten, diese Benachteiligung zu kompensieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Verschiedene Formen der Machtausübung
2.2 Analyse der Fallbeispiele
2.2.1 1744 Claas van Bengalen
2.2.2 1749 Reijnier van Madagascar
2.2.3 1763 Christina Strang
3. Schluss
4. Anhänge
4.1 Quellenverzeichnis
4.2 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen und Ausprägungen von Machtmissbrauch durch weibliche Sklavenbesitzerinnen gegenüber Sklavinnen und Sklaven in Stellenbosch während des 18. Jahrhunderts, mit dem Ziel zu verifizieren, inwieweit die eigene gesellschaftliche Benachteiligung der Frauen als Motiv für das brutale Machtausübungsverhalten fungierte.
- Analyse historischer Machtverhältnisse im kolonialen Südafrika
- Untersuchung von Instrumentalisierung und Gewalt gegen Sklavenfamilien
- Diskussion von Gender-Konstrukten und sozialem Status
- Fallbasierte Analyse anhand kriminalgeschichtlicher Dokumente
Auszug aus dem Buch
2.2.1 1744 Claas van Bengalen
Bezüglich der Fragestellung, warum es im afrikanischen Stellenbosch in der Zeit von 1700 bis 1795 vielfach zu Machtmissbrauch der Sklavenbesitzerinnen gegenüber den Sklavinnen und Sklaven kam, lässt sich der Gerichtsfall des Sklaven Claas van Bengalen aus dem Jahr 1744 untersuchen. Dieser verdeutlicht die Komplexität der Spannungen zwischen Sklaven, sogenannten „free blacks“ und der Sklavenbesitzerin, die auf einer Farm der Region „Wagenmakersvallei“ in der Nähe von Stellenbosch eng zusammen lebten. Die Sklaven Claas van Bengalen und Augustus van Malabar arbeiteten beide auf dieser Farm und stritten sich ständig um eine weibliche Sklavin, sodass die Frau des Besitzers, Anna Marais, aus dem Haus genötigt wurde, um den Streit zu schlichten. Sie bezeichnete Claas als „pretty monkey“, wodurch sich dieser diskriminiert fühlte und zu Augustus äußerte, dass er „mit ihr schlafen könnte wenn er wollte“. Während die Sklavenbesitzerin mit einem „free black“ in der Küche aß, verriet ihr Augustus die Aussage von Claas. Daraufhin begann diese zu weinen, vermutlich als Schockreaktion und einem Gefühl der Erniedrigung vor dem „free black“, der Zeuge der Situation war. Die Frau des Sklavenbesitzers holte ihren Onkel zur Hilfe und erzählte ihrem Ehemann von dem Vorfall, sodass Claas van Bengalen zu ihm nach Stellenbosch gebracht wurde, wo dieser ihn hinrichten ließ.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Machtmissbrauchs von Sklavenbesitzerinnen ein und formuliert die Hypothese, dass gesellschaftliche Benachteiligung der Frau zu kompensatorischem Machtmissbrauch führte.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert allgemeine Formen der Machtausübung sowie drei spezifische Fallbeispiele aus dem 18. Jahrhundert.
2.1 Verschiedene Formen der Machtausübung: Hier werden die brutalen Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie die systematische Unterdrückung und Instrumentalisierung der Sklaven dargestellt.
2.2 Analyse der Fallbeispiele: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte Untersuchung historischer Gerichtsakten zur Machtausübung in konkreten Einzelfällen.
2.2.1 1744 Claas van Bengalen: Analyse eines Falls, in dem eine verbale Äußerung eines Sklaven über eine Sklavenbesitzerin zu einer Hinrichtung führte.
2.2.2 1749 Reijnier van Madagascar: Untersuchung des Missbrauchs einer Sklaventochter zur Kontrolle und Demütigung der Sklavenfamilie.
2.2.3 1763 Christina Strang: Analyse eines Falles tödlicher Misshandlung aufgrund behaupteter Minderleistung am Arbeitsplatz.
3. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse, welche die Hypothese zum großen Teil verifizieren und auf sozio-ökonomische Aspekte der Geschlechterrollen in der Kapkolonie hinweisen.
4. Anhänge: Verzeichnisse der verwendeten historischen Quellen und der wissenschaftlichen Literatur.
Schlüsselwörter
Sklaverei, Machtmissbrauch, Stellenbosch, 18. Jahrhundert, Sklavenbesitzerinnen, Südafrika, Kolonialgeschichte, Gerichtsfall, soziale Hierarchie, Gewalt, Gender, Instrumentalisierung, Repression, Arbeitsbedingungen, Sklavenhandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den systematischen Machtmissbrauch weiblicher Sklavenbesitzerinnen gegenüber Sklavinnen und Sklaven im afrikanischen Stellenbosch während des 18. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Brutalität des Sklavenalltags, die Rechtfertigungsmechanismen der kolonialen Gesellschaftsschichten sowie die Auswirkungen von Geschlechterrollen auf die Behandlung der Sklaven.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Hauptfrage ist, warum es vielfach zu Machtmissbrauch durch Sklavenbesitzerinnen kam, mit der Hypothese, dass diese Frauen ihre eigene untergeordnete soziale Rolle durch Gewalt gegen Untergebene zu kompensieren versuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung von Gerichtsakten und zeitgenössischen Dokumenten sowie ergänzender Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Darstellung der Machtstrukturen und eine detaillierte, dreiteilige Analyse von historischen Fallbeispielen aus den Jahren 1744, 1749 und 1763.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Machtmissbrauch, Sklaverei, koloniale soziale Hierarchie, Gender-Problematik und die instrumentelle Ausbeutung von Sklavenfamilien.
Warum spielt die Furcht vor sexueller Gefahr in den Fallbeispielen eine so große Rolle?
Die Gesellschaft des 18. Jahrhunderts in Stellenbosch assoziierte „schwarze“ Männer mit einer sexuellen Bedrohung für „weiße“ Frauen, weshalb Verbalsprünge bereits drakonische Strafen nach sich zogen.
Wie wurde die Instrumentalisierung von Kindern in den Fällen bewertet?
Die Arbeit betont, dass Kinder gezielt als Druckmittel und Zwangsmittel eingesetzt wurden, um die Arbeitstätigkeit der Eltern zu erzwingen und die soziale Kontrolle über die Sklavenfamilien zu sichern.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2019, Machtmissbrauch gegenüber den Sklav:innen in Stellenbosch im 18. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1478503