Galante Literatur der frühen Neuzeit handelt von Erotik, Liebe, Frauen und Männern und dem Verhältnis der beiden Geschlechter zur Gesellschaft und zueinander. Art der Darstellung, Hervorhebung und Auswahl dieser galanten Themen unterscheiden sich aber erheblich zwischen Werken männlicher und weiblicher Autoren. Es gibt zahlreiche Gedichte männlicher Autoren, die explizit erotische Themen und Bilder behandeln. Sucht man nach äquivalenten Gedichten weiblicher Autorinnen zu denen ihrer männlichen Kollegen, so stellt man fest, daß selbst die als galant aufgeführten Dichterinnen in z.B. Georg Christian Lehms: Teutschlands Galante Poetinnen sich thematisch überwiegend mit religiösen Themen beschäftigen. Es existiert also wesentlich weniger weibliche galante Lyrik im Sinne von erotischer Lyrik als männliche, was den Vergleich innerhalb der Gattung Lyrik erschwert.
Die zeitgenössischen Liebeskonzepte des Barock von galanten Dichtern und Dichterinnen sollen darum hier auch anhand der Textbeispiele von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldaus Gedichts „So soll der purpur deiner Lippen“ und dem Singspiel „Die drey Töchter Cecrops“ von Maria Aurora von Königsmarck dargestellt werden. Beide Autoren gelten als populäre Vertreter galanter Literatur: Hoffmannswaldau ist besonders durch seine erotisch-galanten Gedichte bekannt geworden und Königsmarck wurde von Lehms ein ganzes Lexikon über galante Poetinnen gewidmet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Hintergrund zur erotisch-galanten Dichtung
2. Elemente galanter Dichtung
3. „So soll der purpur deiner lippen“
4. Poesie und Liebe in der Sicht der Frau um 1700
5. Maria Aurora von Königsmarcks Oper „Die drey Töchter Cecrops“
5.1 Der Prolog
5.2 Der Hauptteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Liebeskonzepte im Barock anhand von männlicher und weiblicher Autorenschaft. Dabei wird analysiert, wie Hoffmannswaldau und Maria Aurora von Königsmarck das Spannungsfeld zwischen erotischem Begehren, gesellschaftlichen Normen und dem Streben nach individueller Freiheit literarisch verarbeiten.
- Vergleich der Darstellung von Erotik und Liebe zwischen männlichen und weiblichen Autoren.
- Analyse der galanten Dichtung als literarisches Sprachspiel und dessen gesellschaftliche Legitimation.
- Untersuchung der weiblichen Handlungsspielräume und Lebensentwürfe in der Barockzeit.
- Dekonstruktion von Machtstrukturen, Triebverzicht und dem Ideal der Ehe in der zeitgenössischen Literatur.
Auszug aus dem Buch
3. „So soll der purpur deiner lippen“
Hoffmannswaldaus „So soll der purpur deiner lippen“ zählt zu den galant-erotischen Gedichten, die zusammen mit anderen, wohl aus den oben genannten Gründen, erst verspätet in der Neukirchschen Sammlung von 1695 erschienen. Als Autor seiner Zeit sind auch hier viele der bereits erwähnten Elemente galanter Lyrik zu finden, die das Gedicht, oberflächlich betrachtet, wie eines von vielen erscheinen läßt: inhaltlich wirbt ein Mann um die Gunst seiner Geliebten unter Aufbietung seiner verbalen Verführungskunst. Auch diverse Bilder und bekannte Motive, wie der „Purpur der Lippen“, „korallene Klippen“, „Marmelmeer“, Metaphern aus der Schiffart wie „Klippen“, „Mast“, „stranden“, „Schiffbruch“, „schwimmen“, „Ruder“ tauchen auf. Ebenso vorzufinden sind Stufen der Quinque lineae, allerdings in veränderter Reihenfolge.
So ist zuerst von den Lippen (Kuß), dem Mund und dann erst von den Augen (Blick) die Rede, daran schließt sich der Marmelleib, der Zuckerschlund (Mund oder Vagina) und die Geister, die darin zugrunde gehen an. Wäre das inhaltliche Ziel des Gedichts die Liebeserfüllung, so könnte der Text mit der dritten Strophe, von insgesamt fünf, beendet sein, denn der Ablauf der Liebeshandlungen (Quinque lineae) wäre damit vollendet. Darin unterscheidet sich das Gedicht Hoffmannswaldaus von vielen anderen, in denen die Argumentation des Liebhabers zum Ziel der sexuellen Vereinigung führen soll.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Differenz zwischen erotischer Lyrik männlicher und weiblicher Autoren des Barock herausgearbeitet sowie die Zielsetzung der Untersuchung anhand zweier konkreter Beispiele erläutert.
1. Hintergrund zur erotisch-galanten Dichtung: Das Kapitel beleuchtet den gesellschaftlichen Kontext, die Akzeptanzhürden und die Funktion des antiken Rahmens als legitimierendes "Feigenblatt" für freizügige erotische Darstellungen.
2. Elemente galanter Dichtung: Es werden die typischen Motive, die Rolle des männlichen lyrischen Ichs und die rhetorischen Strukturen der Verführung, wie die "Quinque lineae", analysiert.
3. „So soll der purpur deiner lippen“: Anhand einer detaillierten Gedichtanalyse wird aufgezeigt, wie der Autor das traditionelle galante Spiel durch den Einbezug von Eheversprechen und christlich-moralischen Argumenten zu einem neuen Kompromiss führt.
4. Poesie und Liebe in der Sicht der Frau um 1700: Hier werden die eingeschränkten Bildungschancen und gesellschaftlichen Konventionen diskutiert, die das Schreiben von Frauen über Erotik erschwerten und zu einer Sublimierung in religiöse Themen zwangen.
5. Maria Aurora von Königsmarcks Oper „Die drey Töchter Cecrops“: Dieses Kapitel analysiert Königsmarcks Oper als kritische Auseinandersetzung einer Frau mit den weiblichen Lebensentwürfen und den Machtstrukturen der Zeit.
Schlüsselwörter
Galante Dichtung, Hoffmannswaldau, Maria Aurora von Königsmarck, Liebeskonzepte, Barock, Erotik, Frauenbild, gesellschaftliche Normen, Quinque lineae, Singspiel, Autorschaft, Emanzipation, Ehe, Freiheit, Antike.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Liebeskonzepten in der barocken Literatur und untersucht, wie Autoren wie Hoffmannswaldau und Königsmarck Erotik und gesellschaftliche Zwänge thematisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Gattung der galanten Dichtung, die Darstellung weiblicher und männlicher Rollenbilder, die gesellschaftliche Stellung der Frau um 1700 sowie das Spannungsverhältnis zwischen antikem Erbe und christlicher Moral.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedliche Liebesideale in der Literatur des Barock verhandelt werden und welche Rolle die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die jeweilige literarische Ausgestaltung spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten, ergänzt durch den Rückgriff auf zeitgenössische Forschungsliteratur zur barocken Liebeslyrik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Hoffmannswaldaus Gedicht „So soll der purpur deiner lippen“ und Maria Aurora von Königsmarcks Oper „Die drey Töchter Cecrops“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind galante Dichtung, Liebeskonzepte, Autorschaft im Barock, gesellschaftliche Normen, Weiblichkeit und literarische Legitimation.
Wie unterscheidet sich die erotische Dichtung von Frauen von der der Männer im Barock?
Frauen schrieben seltener explizit erotisch, da sie gesellschaftlich stärkeren Restriktionen unterlagen. Oftmals wurde das Liebesverlangen unter einem religiösen Deckmantel oder in Form von Gelegenheitsdichtung sublimiert.
Was bedeutet der Begriff „Quinque lineae“ im Kontext der Arbeit?
Es handelt sich dabei um das fünfstufige Schema der Verführung, das von der ersten Begegnung (Blick) über die Anrede und Berührung bis hin zur sexuellen Vereinigung reicht.
Warum spielt die Ehe in Hoffmannswaldaus Gedicht eine so große Rolle?
Die Ehe dient bei Hoffmannswaldau als Kompromiss, der es ermöglicht, den gesellschaftlich und kirchlich legitimierten Rahmen für Sexualität zu schaffen, ohne die "heidnischen" Erotikideale vollständig aufzugeben.
Welche Rolle spielt die Figur der Aglaure in Königsmarcks Oper?
Aglaure repräsentiert einen weiblichen Versuch, durch männliche Methoden (Gier, Handel) Unabhängigkeit innerhalb der Gesellschaft zu erlangen, was jedoch letztlich in einer Strafe endet, die ihr Scheitern verdeutlicht.
- Quote paper
- Magistra Artium Alice Männl (Author), 1999, Zu den Liebeskonzepten in Hoffmannswaldaus „So soll der purpur deiner Lippen“ und Königsmarcks „Die drey Töchter Cecrops“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147887