Mod - "Clean living under difficult circumstances"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

28 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Die 60er Jahre: England und seine Jugend
1. Das Londoner East End

3. Mod
1. Vorspiel: Ed the Ted
2. Arbeiter-Dandys
3. Beat
4. Mods & Rockers

4. Exkurs: Adoleszenz und Jugendkultur
1. Jugendsubkultur und Klasse

5. Analyse
1. Klassenkonflikt und Generationskonflikt
2. Stil und die Einheit der Gegensatze
3. Eros und Narziss

6. Resumee

7. Bibliographie

1. EINLEITUNG

In der vorliegenden Arbeit wird das Mod-Phanomen der 1960er Jahre in England analy- siert. Um diese Jugendkultur begreifen zu konnen, wird sie als Ausdruck innerer und aufcerer Umstande der Jugendlichen verstanden:

Jugendkulturen sind beides, ein Spiegelbild der sozialen und kulturellen Lebensbedin- gungen einer Gesellschaft und ein Ausdruck der psychischen Verfassung von Individuen in einer altersspezifischen Ubergangsphase." (Schroder & Leonhardt 1998, S. 33f)

In diesem Sinne wird zunachst das Phanomen deskriptiv erschlossen, um es anschlie- fcend und darauf aufbauend zu analysieren. Kapitel 2 widmet sich dementsprechend den historischen Umstanden, die den Nahrboden fur das zu untersuchende Phanomen berei- teten. Dabei wird zunachst ein genereller Uberblick der soziokulturellen Entwicklung Englands geboten, und schliefclich mit dem Londoner East End die Keimzelle der Mod- Kultur in den Fokus geruckt. Kapitel 3 referiert nun das Phanomen an sich: Es werden Ursprung, Ausdruck und Mentalitat der Mods geschildert. Kapitel 4 stellt einen Exkurs in die Theorie der Adoleszenz dar, um in die darauf folgende Analyse auch psychologische Gesichtspunkte mit einzubeziehen. Aufcerdem wird im Unterkapitel 5.a. ein Begriffsap- parat entwickelt, um schliefclich die in Kapitel 3 beschrieben Umstande in psychologi- scher, aber auch soziologischer Weise zu analysieren.

2. DIE 60ER JAHRE: ENGLAND UND SEINE JUGEND

Wie auch in anderen westlichen Landern waren die 1950er und 60er Jahre in England eine Zeit des sozialen Wandels, in der die Grenzen der Gesellschaft neu definiert, ihre moralischen Konturen nachgezogen und die (gerade in England streng hierarchische) Beziehung der verschiedenen Gesellschaftsschichten zueinander transformiert wurden. Clarke et al. (1979) diskutieren insbesondere zwei Oberbegriffe, unter denen die sozialen Veranderungen im Nachkriegs-England zu fassen sind:

1. Wohlstand.

Gegenuber der edwardianischen Zeit, den Kriegsjahren und der kurzen Periode zwischen den Weltkriegen erlebte England in den 1950er und 60er Jahren ein stetiges und schnelles Wachstum. Dies fuhrte zu einer generellen Verbesserung des Lebensstandards, der sich auch auf das Konsumverhalten auswirkte: Das Wachstum der jugendorientierten Freizeitindustrie und die Emanzipation des Supermarkts waren erst durch den ,,Uberfluss" moglich, der von den Burgern auch selbst als solcher empfunden wurde. Auch das Aufkommen einer neuen Massenkultur (u. A. das kommerzielle Fernsehen ab 1955), die in bislang nicht gekannter Art auf Massenkommunikation und Massenunterhaltung basierte, schwamm im Fahrwasser jener Entwick- lung. Harold Macmillan, Premierminister von 1957 - 1963, fasste es zusammen: ,,In- deed let us be frank about it - most of our people have never had it so good."[1] Dieser neue Wohlstand glich jedoch den bestehenden Unterschied der Gesellschafts- schichten und ihr Verhaltnis zueinander nicht aus, sondern hob nur den allgemeinen Standard auf ein hoheres Niveau (Calrke et al. 1979). Die staatliche Bereitung und Forderung dieses Wirtschaftswunders stand jedoch auf wackeligen FuRen: Auf Kos- ten des offentlichen Sektors, auch durch „Opferung von [wirtschaftlichen] Mafnah- men, die fur das langfristige Wohl eines Landes wunschenswert gewesen waren, zu- gunsten von kurzfristigen Uberbruckungsmafnahmen und nur zeitweilig wirksamen Palliativen, die unmittelbar politischen Vorteil brachten", wurde seitens der Konserva- tiven Partei eine Politik von „Brot und Spielen" betrieben. (Pinto-Duschinsky 1970, zit. nach Clarke et. al. 1979, S. 59)

2. Konsensus

Dies meint im politischen Sinne die allgemeine Ubereinstimmung, ,,die Menschen al- ler Klassen aufgrund ihres gemeinsamen Interesses am System zusammenzufuhren", und damit die Ubereinkunft beider groften politischen Parteien zu allgemeinen MaR- nahmen (eine sog. ,,Politik der Mitte"), die nach 1945 ergriffen wurden. Dies waren vor allem eine gemischte Wirtschaftsordnung[2], eine Einkommenssteigerung, das Prinzip des Wohlfahrtsstaates und ein Netzwerk sozialer Sicherheiten (allen voran die Grundung des National Health Services). ,,Die Kriegszeit mit ihrer die Klassenspal- tung uberbruckenden Mobilisierung, ihrer Wirtschaftsplanung, den politischen Koali- tionen und dem erzwungenen Egalitarismus bot eine Basis, auf der die gesellschaftli- chen Reformen der Labour-Regierungen in der Nachkriegszeit durchgefuhrt werden konnten." Desweiteren fuhrte eine Renovierung des Bildungs- und Erziehungssys- tems infolge des Education Acts von 1944 dazu, dass nun ein dreiteiliges, egalitares Schulsystem eine umfassende Ausbildung ermoglichte. (Clarke et al. 1979, S. 56ff)

Dieser soziale Wandel wurde innerhalb der Gesellschaft ambivalent betrachtet: Der neue allgemeine Wohlstand wurde positiv aufgefasst, allerdings glaubte man auch, ,,daf er die traditionelle Orientierung aufloste und die geheiligte Ordnung und die Institutionen der traditionellen Gesellschaft untergrub." Dazu kam, dass der 1947 mit der Unabhangig- keit von Indien eingesetzte Prozess der Dekolonisation den Burgern des ehemaligen Empires das Gefuhl gab, ihr Land wurde allmahlich auseinanderfallen. Dies fuhrte zu einer allgemeinen diffusen sozialen Angst vor allem Neuen, was die Gesellschaft veran- derte oder verandern konnte: ,,In ,unruhigen Zeiten', in denen eine allgemeine Sozialangst herrscht, die aber keinen organisierten offentlichen oder politischen Ausdruck findet, kommt es leicht dazu, daf diese soziale Angst auf passende Sundenbock Gruppen verscho- ben wird. [...] In dieser Autoritatskrise [der 50er und 60er Jahre] spielte die Jugend die Rolle eines Symptoms und Sundenbocks". ,,Jugend" wurde demnach zu einem Symptom fur tiefgehende gesellschaftliche Unruhe, und galt als der ,,aktive Agent des sozialen Zu- sammenbruchs."

[...]


[1] In einer Rede auf einem Parteitag in Bedford am 20. Juli 1957. Zit n. www.bbc.co.uk: http://news.bbc.co.uk/onthisday/hi/dates/stories/july/20/newsid_3728000/3728225.stm

[2] Die Koexistenz von offentlichen und privaten Unternehmen bei Produktion und Angebot von Gutern und Dienstleistungen.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Mod - "Clean living under difficult circumstances"
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Seminar für Volkskunde / Europäische Ethnologie)
Veranstaltung
Jugendszenen als Hort der Unruhe
Note
1,2
Autor
Jahr
2009
Seiten
28
Katalognummer
V147932
ISBN (eBook)
9783640577408
ISBN (Buch)
9783640577217
Dateigröße
965 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Subkultur, Musik, Szene, England, Mod, Jugendkultur, Sozialwissenschaft, 60er Jahre, Sechziger Jahre, Kulturwissenschaft
Arbeit zitieren
Daniel Jungblut (Autor:in), 2009, Mod - "Clean living under difficult circumstances", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147932

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