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Leutnant Gustl: Der innere Monolog im Zeichen der Psychoanalyse

Wiener Moderne

Title: Leutnant Gustl: Der innere Monolog im Zeichen der Psychoanalyse

Term Paper , 2007 , 18 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Malte Schröder (Author)

German Studies - Literature of History, Eras
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Die „Wendung nach Innen“ wurde programmatisch für eine neue Künstlergeneration im Wien der Jahrhundertwende. Bei dieser neuen Generation von Literaten um den führenden Theoretiker Hermann Bahr und die anderen Hauptvertreter wie Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Leopold Andrian, Richard Beer-Hofmann und Karl Kraus entstand ein intensives Bedürfnis nach der Erforschung des Seelenlebens des Menschen. Angeregt durch die in etwa zeitgleich veröffentlichten Studien des Psychoanalytikers Sigmund Freud fokussierten diese Autoren ihre Arbeit vornehmlich auf das Ich, die eigene innere (Wahrnehmungs-)Welt. Der Naturalismus sollte von den Autoren dieser Generation überwunden werden, was vor allem durch Hermann Bahr mit seiner Schrift Die Überwindung des Naturalismus (1891) theoretisch und programmatisch begründet wurde. Statt Roman und Drama herrschten die Formen der Novelle, Prosastücke und Einakter vor, die der Diskontinuität und dem Episodischen des damaligen Lebensgefühls entsprachen.
Der Physiker und Philosoph Ernst Mach lieferte ebenso ein theoretisches Gerüst für die Autoren des „Jung Wien“. Der durch seinen Aufsatz angeregte berühmte Satz "Das Ich ist unrettbar" wurde zum Titel eines Essays von Hermann Bahr und darüber hinaus zum Schlagwort der Wiener Autoren, die darin ihre eigene Grundhaltung, die nicht mehr zwischen Schein und Wirklichkeit, Wahrheit und Fiktion unterscheiden wollte, ausgedrückt sahen.
Um die Frage, welche Einflüsse diese theoretischen Aussagen und besonders die damals entwickelte Psychoanalyse Freuds auf den literarischen Schaffensprozess von Arthur Schnitzler hatten, soll es in dieser Arbeit gehen. Wie war das damalige Verhältnis zwischen Literatur und Psychoanalyse und was für eine Beziehung bestand zwischen dem Nervenarzt Freud und dem Mediziner und Autor Arthur Schnitzler? Zur Beantwortung dieser Frage soll die Novelle „Leutnant Gustl“ herangezogen werden, welches als erstes Werk in der deutschen Literaturgeschichte nur aus einem inneren Monolog besteht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DAS „UNRETTBARE ICH“ UND DIE PSYCHOLOGIE

2.1 Beziehung zwischen Sigmund Freud und Arthur Schnitzler

2.2 Psychologisierung der Literatur

3. INHALTLICHE ASPEKTE DER NOVELLE

3.1 Entstehungsgeschichte

3.2 Reaktionen auf die Novelle

3.3 Inhalt Leutnant Gustl

4. INNERER MONOLOG

4.1 Innerer Monolog als Selbstentlarvung

4.2 Persönlichkeit des Leutnants

5. NARRATIVE UND FORMALE ASPEKTE DER NOVELLE

6. SCHLUSS

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen der aufkommenden Psychoanalyse Sigmund Freuds und dem literarischen Schaffen von Arthur Schnitzler am Beispiel der Novelle „Leutnant Gustl“. Zentral ist dabei die Frage, wie die neue Erzähltechnik des inneren Monologs als Instrument zur psychologischen Selbstentlarvung und Darstellung eines gespaltenen Identitätskonzepts fungiert.

  • Wendung nach innen und das „unrettbare Ich“ in der Wiener Moderne
  • Einfluss der Psychoanalyse auf die literarische Gestaltung des Bewusstseinsstroms
  • Analyse des Ehrenkodex und der sozialen Identität des Militärs
  • Formale Gattungsmerkmale der Novelle im Kontext der modernen Erzähltechnik

Auszug aus dem Buch

4. Innerer Monolog

Der innere Monolog ist eine Erzähltechnik, die den Bewusstseinsstand einer Person unmittelbar wiederzugeben vorgibt. Sein besonderes Gepräge erhält der innere Monolog in der Wiedergabe des Bewusstseinsstroms. Diesen versucht der innere Monolog literarisch zu gestalten durch lückenlose Darstellung sowie Lockerung der Syntax. Somit ist der innere Monolog die Erzählform, die den Leser möglichst nahe an die Psyche des Monologisierenden heranlässt. Der Schriftsteller und Literaturkritiker Hermann Bahr forderte 1891 in seinem Essayband „Die Überwindung des Naturalismus“ die Aufzeichnung der Vorbereitung der Gefühle, bevor sie ins Bewusstsein gedrungen waren. „Das moderne Bedürfnis verlangt Psychologie...“ Er nahm damit Schnitzlers formale Neuerung des durchgängigen inneren Monolog theoretisch vorweg. „Der Einzug des auswärtigen Lebens in den innern Geist, das ist die neue Kunst.“ Arthur Schnitzler setzte die „Psychologisierung“ mittels einer epischen Technik um: Er führte als Erster den inneren Monolog umfassend in der deutschen Literatur ein. Leutnant Gustl ist beinahe konsequent in dieser Technik gehalten, nur wenige Einschübe unterbrechen den Monolog. Für den Leser ergibt somit eine regelrechte Einsicht in das Innenleben des Leutnants, welches scheinbar distanzlos ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die „Wendung nach innen“ in der Wiener Literatur der Jahrhundertwende und definiert das Ziel, den Einfluss Freudscher Psychoanalyse auf Schnitzlers Novelle „Leutnant Gustl“ zu untersuchen.

2. DAS „UNRETTBARE ICH“ UND DIE PSYCHOLOGIE: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen des Empiriokritizismus und der Psychologie, die das literarische Milieu prägten, sowie die persönliche und fachliche Beziehung zwischen Freud und Schnitzler.

3. INHALTLICHE ASPEKTE DER NOVELLE: Hier werden die Entstehungsgeschichte, die zeitgenössischen Reaktionen und die inhaltliche Handlung von „Leutnant Gustl“ zusammengefasst.

4. INNERER MONOLOG: Das Kapitel definiert den inneren Monolog als Erzähltechnik und analysiert dessen Funktion bei der Selbstentlarvung der Figur sowie die psychologische Konstitution des Leutnants.

5. NARRATIVE UND FORMALE ASPEKTE DER NOVELLE: Es wird diskutiert, inwiefern „Leutnant Gustl“ den gattungstheoretischen Kriterien einer Novelle entspricht und welche Bedeutung die neue Erzählform für die Struktur hat.

6. SCHLUSS: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Novelle eine realistische psychologische Studie darstellt, die den Zerfall traditioneller Werte und die Unfähigkeit des Subjekts zur echten Selbstreflexion offenbart.

Schlüsselwörter

Wiener Moderne, Arthur Schnitzler, Leutnant Gustl, innerer Monolog, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Bewusstseinsstrom, Identität, Ehrenkodex, Literaturgeschichte, Jahrhundertwende, psychologische Novelle, Selbstentlarvung, Empiriokritizismus, österreichische Literatur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Arthur Schnitzlers Novelle „Leutnant Gustl“ als ein Schlüsselwerk der literarischen Moderne, das die psychologischen Entwicklungen der Jahrhundertwende in Wien widerspiegelt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Literatur und Psychoanalyse, der Verfall des militärischen Ehrenkodex sowie die neue Erzähltechnik des inneren Monologs.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den Einfluss der Freudschen Psychoanalyse auf den literarischen Schaffensprozess Schnitzlers aufzuzeigen und zu klären, wie die Technik des inneren Monologs die Figur des Leutnants psychologisch freilegt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die historische Kontexte, gattungstheoretische Überlegungen und psychoanalytische Konzepte miteinander verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit den theoretischen Grundlagen der Wiener Moderne, der Entstehung und Rezeption der Novelle, der spezifischen Erzähltechnik sowie einer tiefgehenden Analyse der Figur Gustls und ihrer Identitätskrise.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Wiener Moderne, innerer Monolog, Bewusstseinsstrom, Identität und die kritische Auseinandersetzung mit dem Militärwesen.

Warum ist der „innere Monolog“ in diesem Werk so bedeutend?

Er ermöglicht eine unmittelbare, distanzlose Einsicht in das Innenleben der Hauptfigur, wodurch Gedanken und Triebe ohne vermittelnde Erzählerinstanz sichtbar werden.

Was ist die Schlussfolgerung des Autors über den „Leutnant Gustl“?

Die Novelle zeigt, dass die Hauptfigur trotz der traumatischen Erfahrung unfähig zur tatsächlichen Selbstreflexion bleibt und lediglich den militärischen Zwängen unterworfen bleibt.

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Details

Title
Leutnant Gustl: Der innere Monolog im Zeichen der Psychoanalyse
Subtitle
Wiener Moderne
College
University of Rostock  (Institut für Germanistik)
Course
Proseminar Wiener Moderne
Grade
2,0
Author
Malte Schröder (Author)
Publication Year
2007
Pages
18
Catalog Number
V147952
ISBN (eBook)
9783640585854
ISBN (Book)
9783640586042
Language
German
Tags
Leutnant Gustl Monolog Zeichen Psychoanalyse Wiener Moderne
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Malte Schröder (Author), 2007, Leutnant Gustl: Der innere Monolog im Zeichen der Psychoanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147952
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