Aktuelle Lage der politischen Bildung

Probleme und Perspektiven durch die unüberschaubare Ansatzpluralität


Seminararbeit, 2009

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Aktuelle Lage der politischen Bildung. Grundlagen, Bedingungen, Tendenzen
2.1 Politische Bildung: Definition
2.2 Diskussionen um politische Bildung: Themenfelder
2.2.1 Gegenstandsbereich und Bezugswissenschaften
2.2.2 Zusammenhänge zwischen politischer Bildung und gesellschaftlichen Entwicklungen
2.3 Bedingungen des Lehrens und Lernens in der politischen Bildung: Konsens und Dissens
2.4 Zielrichtungen der politischen Bildung: Tendenzen und Kontroversen

3 Politische Bildung aus diachronischer Perspektive: Konsequenzen und Tendenzen

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einführung.

Die Tatsache, dass die Geschichte der politischen Bildung in Deutschland auch eine „Erfolgsgeschichte“ ist, lässt sich nicht bestreiten. „Entgegen allen Unkenrufen und den permanenten Krisenlamentos hat die politische Erwachsenenbildung ein vitales Leben entfaltet“ (Hufer 2003, S. 120). Im Laufe des letzten Jahrhunderts wurde die demokratische politische Bildung in der pädagogischen Praxis verankert, institutionell gesichert und wissenschaftlich-konzeptionell untermauert. „Es kann mit guten Gründen vermutet werden, dass die politische Bildung in ihren schulischen und außerschulischen Praxisfeldern einen wichtigen Anteil an der Beheimatung der Demokratie in Deutschland hat“ (Sander 2002, S. 36). Seit einigen Jahren bzw. Jahrzehnten besteht eine breite und insgesamt bewährte plurale Infrastruktur eines weit verzweigten Netzes an staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen. Zahlreiche konzeptionelle Vorstellungen in Form von Büchern, Artikeln und anderen Schriften beschäftigen sich mit der Praxis der politischen Bildung in theoretischer Auseinandersetzung. Die Bedeutung der politischen Bildung als höchst bedeutsames Aufgabenfeld ist außerdem in hohem Maße gesellschaftlich anerkannt: kein anderer Bereich des Bildungssystems stützt auf eine von der Bundesregierung errichtete „Bundeszentrale“, in keinem anderen Bereich leisten sich die Länder eigene „Landeszentralen“ (vgl. Himmelmann 2001, S. 10). Schon die Existenz dieser „Zentralen“ bestätigt den hohen Stellenwert der politischen Bildung für die Gesellschaft Deutschlands. Trotzdem stellt die Erfolgsgeschichte der politischen Bildung nur eine Seite der Medaille dar. Die spannende Zeit, in der wir leben, wirft immer wieder neue Fragen auf und erfordert neue Antworten. Die Fragen nach „Identität“ der politischen Bildung, ihrer Ziele, Aufgaben, Inhalte und Methoden bilden den Kern der vorliegenden Arbeit.

Die Praxis der politischen Bildung findet sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Bereich statt, dabei bezieht sich auch der Großteil der konzeptionellen Vorstellungen auf den institutionalisierten Schulunterricht. Politische Bildung ist aber kein Reservat der Schule, sondern vielmehr ein lebenslanger Prozess. Im Rahmen dieser Arbeit wird es folglich beabsichtigt, den Schwerpunkt in erster Linie nicht auf schulische politische Bildung zu setzen, sondern theoretische Hilfestellungen zur Reflexion von Handlungsmöglichkeiten der politischen Jugend- und Erwachsenenbildner zu betrachten.

Was die politische Bildung heute gekennzeichnet, welche Ansätze für die politische Bildungsarbeit existieren und worin die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen liegen, soll in einem Überblick über Rahmenbedingungen, Grundlagen, Probleme und Tendenzen der aktuellen Diskussion dargelegt werden. Da die Vorstellungen über politische Bildung, ihre Ziele, Aufgaben und Verwirklichungsmethoden als Resultat historischer Entwicklung verstanden werden, sollen desweiteren konzeptionelle Überlegungen in Bezug auf Identität politischer Bildung von 1945 bis 1990-er Jahre betrachtet werden, die die aktuelle Lage der politikdidaktischen Diskussion eingeleitet und geprägt haben. Es wird versucht, in den Antworten verschiedener Autoren auf die Probleme ihrer Zeiten die Lösungsansätze für heutige Dissonanzen deutlich zu machen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema soll – aufgrund der formalen Begrenztheit dieser Arbeit – nur anhand der Grundbegriffe und Rahmenlinien der zu betrachtenden Konzeptionen erfolgen, was keine ausführliche Darlegung theoretischer Begründungen dieser Konzepte voraussetzt, sondern nur eine vergleichende Betrachtung ermöglichen soll.

2 Aktuelle Lage der politischen Bildung. Grundlagen, Bedingungen, Tendenzen

Obwohl die Notwendigkeit und große Bedeutung der politischen Bildung in allem Munde zu sein scheinen, ist es in der Fachliteratur bis heute noch mehr oder weniger kontrovers, was unter politischer Bildung im Einzelnen jedoch verstanden wird (vgl. Massing 2003, S. 500). Für die Darstellung der heutigen Situation der politischen Bildung und der aktuellen konzeptionellen Schwerpunkte sollen im ersten Schritt die grundlegenden Begriffe dieser Arbeit definiert werden, die wichtigsten Bezugspunkte und Problembereiche verdeutlicht werden.

2.1 Politische Bildung: Definition

Wenn man politische Bildung heute definieren möchte, so ist dies immer abhängig davon, welchem politischen Didaktiker man folgt. Schwierig ist es, eine kurze und knappe Definition zu geben. Einige gemeinsame Punkte, die in den meisten Definitionen nachvollzogen werden können, sind in der weit gefassten Definition politischer Bildung von Wolfgang Mickel gezählt. Um ein Grundverständnis für diese Arbeit zu schaffen, wird diese Definition als Arbeitsdefinition angenommen: politische Bildung ist „der Sammelbegriff für ein schulisches oder außerschulisches, institutionalisiertes oder freies, intentionales oder funktionales, aktives oder passives, verbales oder non-verbales, interaktionales Einwirken auf den (Mit-)Menschen, um politisches Verhalten, Handlungsbereitschaft und -kompetenz, demokratische Spielregeln und Grundwerte, Problembewusstsein und Urteilsfähigkeit usw. zu vermitteln.“ (Mickel 2007, S. 423). Auch Peter Massing betont die Unmöglichkeit, eine einheitliche inhaltliche Begriffserklärung zu finden, die von allen akzeptiert werden könnte. Er unterscheidet daher in einer formal engen und einer formal weiten Auslegung: „Politische Bildung in einem weiten Sinne ist danach ein Sammelbegriff, der alle Prozesse umfasst, die auf jeden Menschen als Mitglied einer sozialen und politischen Ordnung über unterschiedliche Gruppen, Organisationen, Institutionen und Medien politisch prägend einwirken. Politische Bildung in einem engeren Sinne ist die Sammelbezeichnung für alle bewusst geplanten und organisierten, kontinuierlichen und zielgerichteten Maßnahmen von Bildungseinrichtungen, um Jugendliche und Erwachsene mit den zur Teilnahme am politischen und gesellschaftlichen Leben notwendigen Voraussetzungen auszustatten“ (Massing 2003, S. 500). Diese von ihm verfasste Definition der politische Bildung trifft vor allem in der engeren Auslegung auch auf die außerschulische politische Jugend- und Erwachsenenbildung zu, die auf die Vermittlung und Erweiterung politischen Wissens und der Bereitschaft zum politischen Urteilen und Handeln gerichtet ist.

2.2 Diskussionen um politische Bildung: Themenfelder

Innerhalb der politischen Bildung hat sich, vor dem Hintergrund der geänderten gesellschafts- und bildungspolitischen Lage, eine Vielzahl von Problemen und offenen Fragen herauskristallisiert. Hierzu gehören die Diskussionen über das angemessene Verständnis des Politikbegriffs, über die Auseinanderentwicklung von Theorie und Praxis der politischen Bildung, über erkenntnistheoretische und gesellschaftliche Grundlagen, Inhalte, Ziele und Aufgaben der politischen Bildung. Als Aufgabe der politischen Bildung kann heutzutage „die Vermittlung von demokratischen Bewusstsein, von Kenntnissen und der Fähigkeit, an politischen Prozessen mitzuwirken“ (BZPB 1992, S. 3) verstanden werden. Wie diese Aufgabe ausgefüllt wird, darüber werden unterschiedliche Meinungen und Vorstellungen im Rahmen der aktuellen Diskussion um politische Bildung vertreten. Desweiteren werden die einzelnen Aspekte dieser Diskussion angesprochen.

2.2.1 Gegenstandsbereich und Bezugswissenschaften

Trotz aller Kontroversen um den inhaltlichen Begriff der politischen Bildung wird Politik immer als Bereich genannt, dem der Fach gewidmet werden soll. Auf dieser Grundlage soll die Politikwissenschaft als Leitdisziplin für die politische Bildung verstanden werden. Da Politik Gegenstand sowohl der Politikdidaktik als auch der politischen Bildung ist, ist die Klärung dieses Begriffes hilfreich, um nicht nur die die politische Wirklichkeit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu strukturieren, sondern auch um die Darstellung der Zusammenhänge von Konzeptionellen Vorstellungen politischer Bildung und deren Ziele und Aufgaben zu erleichtern. Allerdings wird der Politikbegriff in unterschiedlichen konzeptionellen Auffassungen unterschiedlich interpretiert. In einem engeren Verständnis geht es im Wesentlichen um die Herstellung kollektiv verbindlicher Entscheidungen für eine gesellschaftliche Einheit. Berücksichtigt werden dabei in der Regel drei Dimensionen des Politischen, nämlich die formale Dimension (polity), die inhaltliche Dimension (policy) und die prozessuale Dimension (politics), sowie der damit verbundene Politikzyklus.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Aktuelle Lage der politischen Bildung
Untertitel
Probleme und Perspektiven durch die unüberschaubare Ansatzpluralität
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V147962
ISBN (eBook)
9783640586134
ISBN (Buch)
9783640586387
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aktuelle, Lage, Bildung, Probleme, Perspektiven, Ansatzpluralität
Arbeit zitieren
Marina Sotov (Autor), 2009, Aktuelle Lage der politischen Bildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147962

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