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Systemdynamik und differenzieller Lernansatz

Der systemdynamische Ansatz in der Bewegungswissenschaft und seine Konsequenz für das motorische Lernen

Title: Systemdynamik und differenzieller Lernansatz

Term Paper , 2008 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Katrin Bekermann (Author)

Sport - Kinematics and Training Theory
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Aus heutiger Sicht der Bewegungswissenschaft erscheinen Informationsverarbeitungs- bzw. kognitive Ansätze zur Kontrolle und Steuerung von Bewegung in vielen Aspekten unzureichend. So stoßen diese an ihre Grenzen, wenn es darum geht, Phänomene wie Flexibilität, d. h. die schnelle und adäquate Anpassung der Bewegung an sich verändernde Situationen, oder Variabilität in der Bewegungsausführung zu erklären, die beim motorischen Lernen auch nach zahlreichen Bewegungswiederholungen auftritt.
Mit Hilfe des systemdynamischen Ansatzes können derartige Phänomene erklärt werden. Gleichzeitig gibt dieser Ansatz Antworten auf die Frage, wie die Koordination bzw. Kontrolle der menschlichen Bewegung gelingen kann, die „unbestritten als ein komplexer Sachverhalt“ (Roth & Willimczik, 1999, S. 92) gilt.
Welche Konsequenzen für das Lehren und Lernen von Bewegung folgen aus diesen Über-legungen? Ich möchte mich im Folgenden auf das differenzielle Lehren und Lernen konzentrieren, das auf den Trainings- und Bewegungswissenschaftler Wolfgang Schöllhorn zurückgeht. Es impliziert die bereits angedeutete Kritik an traditionellen Ansätzen zum motorischen Lernen, die ich zunächst erläutern werde.
Daran anschließend werde ich die Kennzeichen des systemdynamischen Ansatzes darstellen und einen Überblick geben über den Forschungsstand zur Übertragung dieser ursprüng-lich aus der Physik stammenden Wissenschaft auf den Bereich menschlicher Bewegungen.
Denn von diesen Erkenntnissen ausgehend leitet Schöllhorn seine differenzielle Lehr- und Lernmethode ab. Dabei stehen neben den Mechanismen der Bewegungsorganisation praktisch-methodische Lehr- und Lernprinzipien im Vordergrund der Ausführungen. Zudem werde ich zwei Experimente vorstellen, die die Bedeutung und Überlegenheit des differenziellen Lehrens und Lernens gegenüber traditionellen Ansätzen verdeutlichen. Abschließend werde ich einen kritischen Blick auf den systemdynamischen Ansatz werfen, insbesondere auch zu der kontrovers diskutierten Frage einer Vorherrschaft des kognitiven oder eben des systemdynamischen Ansatzes in der Bewegungswissenschaft Stellung nehmen, und zu einer Bewertung des differenziellen Lernansatzes kommen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kritik an traditionellen Ansätzen zum motorischen Lernen

3 Der systemdynamische Ansatz

3.1 Merkmale des systemdynamischen Ansatzes

3.2 Systemdynamische Erforschung von Bewegung

4 Der differenzielle Lernansatz

4.1 Das differenzielle Lehren und Lernen nach Schöllhorn

4.2 Mechanismen der Bewegungsorganisation

4.3 Praktisch-methodische Lehr- und Lernprinzipien

4.3.1 Variationsmöglichkeiten

4.3.2 Abgrenzung zu klassischen Konzepten variablen Übens

4.4 Studien und Experimente

4.4.1 Das Kugelstoßexperiment

4.4.2 Untersuchung im Volleyball

5 Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit traditionellen, kognitiv geprägten Ansätzen des motorischen Lernens auseinander und untersucht die Effizienz des systemdynamischen, differenziellen Lernansatzes nach Wolfgang Schöllhorn. Ziel ist es, den Mehrwert von Bewegungsvariabilität und Selbstorganisationsprozessen gegenüber dem klassischen "Einschleifen" von Idealtechniken zu verdeutlichen und deren Anwendung in der Praxis zu belegen.

  • Kritische Analyse traditioneller Techniktrainingsmethoden
  • Grundlagen des systemdynamischen Ansatzes in der Bewegungswissenschaft
  • Konzept des differenziellen Lehrens und Lernens
  • Methodische Prinzipien zur Förderung der individuellen Bewegungsvariabilität
  • Empirische Evidenz durch Vergleichsstudien (u.a. Kugelstoßen, Volleyball)

Auszug aus dem Buch

3.1 Merkmale des systemdynamischen Ansatzes

Selbstorganisation ist das spontane Auftreten (Emergenz) von Ordnungszuständen in einem System aus der freien Interaktion von Systemelementen. In Selbstorganisationsprozessen stellen sich Ordnungszustände ein, ohne dass auf internen Repräsentationen beruhende Intentionen oder externe Determination durch Umwelteinflüsse verantwortlich gemacht werden können (vgl. Nitsch & Munzert, 1997a, S. 151). Haken (1996, S. 23) versteht im Unterschied zur Fremdorganisation unter Selbstorganisation, dass Systeme ohne Zutun von außen nur durch die Wechselwirkung ihrer einzelnen Teile Strukturen zeitlich, räumlich oder funktional finden.

Die Eigenschaften Dynamik, Offenheit und Komplexität sind allgemeine Voraussetzungen eines Systems zur Selbstorganisation. Dynamische Systeme sind ständig im Fluss und verändern sich fortwährend in der Zeit. Durch die Offenheit komplexer Systeme ist ein ständiger Energie-, Materie- und Informationsaustausch mit der Umgebung möglich (vgl. Schöllhorn, 1998, S. 69). Der Komplexitätsgrad eines dynamischen Systems ist zum einen strukturell aus der Anzahl seiner Freiheitsgrade, d. h. der prinzipiell möglichen alternativen Zustände, abzuleiten, zum anderen durch die pro Zeiteinheit möglichen Zustandsänderungen bestimmt (vgl. Nitsch & Munzert, 1997b, S. 54).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Grenzen kognitiver Lernmodelle und führt den systemdynamischen Ansatz als theoretischen Rahmen für das differenzielle Lernen ein.

2 Kritik an traditionellen Ansätzen zum motorischen Lernen: Dieses Kapitel kritisiert das klassische Techniktraining, da es Fluktuationen und die Individualität von Bewegungen als Fehler statt als Lernvoraussetzungen betrachtet.

3 Der systemdynamische Ansatz: Der theoretische Hintergrund des Ansatzes wird erläutert, insbesondere Begriffe wie Selbstorganisation, Emergenz, Nichtlinearität und Ordnungsparameter.

3.1 Merkmale des systemdynamischen Ansatzes: Vertiefung der physikalischen und systemtheoretischen Grundlagen, die Bewegung als emergentes Produkt komplexer Interaktionen begreifen.

3.2 Systemdynamische Erforschung von Bewegung: Überblick über die historische Entwicklung und empirische Anwendungen der Synergetik in der Sportwissenschaft, inklusive grundlegender Experimente.

4 Der differenzielle Lernansatz: Einführung in das von Wolfgang Schöllhorn entwickelte Konzept, das auf der gezielten Nutzung von Bewegungsschwankungen basiert.

4.1 Das differenzielle Lehren und Lernen nach Schöllhorn: Darstellung des Konzepts, welches Lernprozesse durch die bewusste Ausnutzung von Differenzen zwischen Bewegungen optimiert.

4.2 Mechanismen der Bewegungsorganisation: Erläuterung biologischer Organisationsprinzipien wie Interpolation, Extrapolation und der "peripheren Selbstorganisation".

4.3 Praktisch-methodische Lehr- und Lernprinzipien: Praxisorientierte Ableitungen zur Gestaltung des Trainings, basierend auf einer kontinuierlichen Variation der Übungsaufgaben.

4.3.1 Variationsmöglichkeiten: Konkrete Ansätze zur Variation von Anfangs- und Endbedingungen, Rhythmus und anderen Parametern zur Erhöhung der Bewegungsvariabilität.

4.3.2 Abgrenzung zu klassischen Konzepten variablen Übens: Gegenüberstellung des differenziellen Lernens mit herkömmlichen Trainingsmethoden anhand systemtheoretischer Modelle.

4.4 Studien und Experimente: Vorstellung empirischer Untersuchungen zur Überprüfung der Effizienz des differenziellen Lernens.

4.4.1 Das Kugelstoßexperiment: Ergebnisse eines Vergleichs zwischen traditionellem und differenziellem Training bei Studierenden im Kugelstoßen.

4.4.2 Untersuchung im Volleyball: Ergebnisse einer Studie mit Jugendlichen, die den Einfluss von differenziellem Training auf komplexe Techniken wie Pritschen und Baggern analysiert.

5 Schluss: Zusammenfassende Bewertung des Ansatzes, Diskussion verbleibender theoretischer Probleme und Ausblick auf die Bedeutung für das moderne Sporttraining.

Schlüsselwörter

Motorisches Lernen, systemdynamischer Ansatz, differenzielles Lernen, Bewegungsvariabilität, Selbstorganisation, Emergenz, Fehlerkorrektur, Bewegungskoordination, Synergetik, Techniktraining, Kugelstoßen, Volleyball, Trainingswissenschaft, Lernansatz, Ordnungsparameter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch die klassischen Ansätze des motorischen Lernens und stellt diesen den systemdynamischen Ansatz sowie das darauf basierende Konzept des differenziellen Lernens gegenüber.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themen umfassen die systemtheoretische Beschreibung menschlicher Bewegung, die Funktion von Bewegungsvariabilität beim Erlernen sportlicher Fertigkeiten und die praktische Anwendung differenzieller Trainingsmethoden.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Hauptziel ist es, die Überlegenheit des differenziellen Lernens gegenüber dem traditionellen, auf starren Idealtechniken basierenden Training durch theoretische Argumentation und empirische Studienbelege aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert und Ergebnisse aus verschiedenen empirischen Experimenten (Pre-Posttest-Designs) integriert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des systemdynamischen Ansatzes, die Erläuterung der differenziellen Lernmethode nach Schöllhorn, methodische Prinzipien für das Training sowie die Auswertung spezifischer Experimente in Sportarten wie Kugelstoßen und Volleyball.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie "Differenzielles Lernen", "Bewegungsvariabilität", "Selbstorganisation", "Systemdynamik" und "Motorisches Lernen" beschreiben.

Wie unterscheiden sich "traditionelle" Fehler von den im Buch diskutierten Schwankungen?

Traditionell werden Abweichungen von der Idealtechnik als Fehler gewertet, die es zu korrigieren gilt. Im systemdynamischen Ansatz werden diese Schwankungen als notwendige Informationen für das System betrachtet, um eine anpassungsfähige und individuelle Bewegungssteuerung zu entwickeln.

Welche Rolle spielt die "periphere Selbstorganisation" in der Bewegungskontrolle?

Sie beschreibt die Fähigkeit des Körpers, ohne direkte Einbindung zentraler Kontrollinstanzen und auf Basis vergangener Bedingungen Bewegungen durch koordinative Strukturen anzupassen, was eine schnelle Reaktion auf neue Situationen ermöglicht.

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Details

Title
Systemdynamik und differenzieller Lernansatz
Subtitle
Der systemdynamische Ansatz in der Bewegungswissenschaft und seine Konsequenz für das motorische Lernen
College
Carl von Ossietzky University of Oldenburg
Grade
1,0
Author
Katrin Bekermann (Author)
Publication Year
2008
Pages
21
Catalog Number
V147994
ISBN (eBook)
9783640589135
ISBN (Book)
9783640588862
Language
German
Tags
Systemdynamik systemdynamischer Ansatz differenzielles Lernen; differentielles Lernen; Selbstorganisation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katrin Bekermann (Author), 2008, Systemdynamik und differenzieller Lernansatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147994
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