Nachdem wir von Kant unter anderem seine Schrift „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ (vgl. Kant 1784/1999) ausführlich behandelt haben, soll im Folgenden der Er-ziehungsbegriff der Aufklärung ebenfalls auf Kant zurückgehend dargestellt werden. Beson-ders spannend dabei ist die Frage, inwieweit Kants Erziehungsbegriff mit seinem Begriff der Aufklärung konform ist und wo sich Widersprüche ergeben.
Nach der Darstellung seines Essays „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ (vgl. Kant 1784/1999) werden wir zum historischen Kontext bezüglich der Entwicklung der Erzie-hungswissenschaft und ihrer Bedingungen in der Zeit der Aufklärung überleiten. In diesen Kontext ist auch Kants Vorlesung „Über Pädagogik“ (vgl. Kant 1803/1968) zu stellen, die Grundlage der Bestimmung seines Erziehungsbegriffs sein wird. Im Fazit sollen schließlich zum einen die angesprochene Konformität bzw. mögliche Widersprüche zwischen den beiden dargestellten Schriften Kants herausgestellt werden, zum anderen werden diese auf der Grundlage der Meinungen anderer Autoren bewertet, unter anderem in Bezug auf ihre Wir-kungen auf gesellschaftliche Entwicklungen und die Pädagogik.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Beantwortung der Frage „Was ist Aufklärung?“
3 Das Pädagogische Jahrhundert
4 Der Erziehungsbegriff Kants
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Kants Erziehungsbegriff zu seinem Konzept der Aufklärung, um Konformitäten sowie potenzielle Widersprüche zwischen seinen diesbezüglichen Schriften aufzuzeigen und diese im Kontext der zeitgenössischen Pädagogik kritisch zu bewerten.
- Kants Definition der Aufklärung als Ausgang aus der Unmündigkeit
- Die historische Bedeutung des „Pädagogischen Jahrhunderts“
- Strukturen und Ziele von Kants Erziehungsbegriff
- Spannungsfelder zwischen Freiheit und Zwang in der Erziehung
- Die Rolle der Pädagogik in gesellschaftlichen Krisenprozessen
Auszug aus dem Buch
2 Beantwortung der Frage „Was ist Aufklärung?“
Die Erörterung des Erziehungsbegriffs nimmt ihren Ausgang in der Zeit um 1800, die als eine Phase entscheidender Veränderungen in der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Verfasstheit mittel- und westeuropäischer Gesellschaften gesehen werden kann. In sozialgeschichtlicher Perspektive betrachtet wurde in dieser Phase die feudale Ständegesellschaft von einer bürgerlichen Gesellschaftsordnung abgelöst, in ideengeschichtlicher Perspektive entstanden in diesem Zeitraum spezifisch moderne Auffassungen vom Menschen und seinem Verhältnis zur Gesellschaft und zur Welt. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Aufklärung als eine europäische Bewegung, die im 17. Jahrhundert begann und in Deutschland ihren Höhepunkt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte. Als wichtiger und bekannter Repräsentant dieser Bewegung ist Immanuel Kant (1724-1804) zu nennen, der den Grundgedanken der Aufklärung in seiner Schrift „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ (vgl. Kant 1784/1999) formuliert hat (vgl. Koller 2004, 25 f.):
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache desselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“ (Kant 1784/1999, S. 20, Hervorh. im Orig.)
Die Ursachen dafür, dass viele Menschen zeitlebens unmündig bleiben und es anderen leicht gemacht wird, sich zu deren Vormündern zu erheben, sind Faulheit und Feigheit. Außerdem hält laut Kant der größte Teil der Menschen, darunter das ganze „schöne Geschlecht“, den Schritt zur Mündigkeit für sehr gefährlich. Dafür sorgen deren Vormünder, indem sie den Menschen die Gefahr zeigen, die ihnen bei dem Versuch droht, sich frei zu machen (vgl. ebd., S. 20).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, Kants Erziehungsbegriff in Bezug zu seinem Aufklärungsbegriff zu setzen und kritisch zu hinterfragen.
2 Beantwortung der Frage „Was ist Aufklärung?“: Dieses Kapitel analysiert Kants berühmte Definition der Aufklärung als Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit und deren Bedeutung für die Freiheit des Einzelnen.
3 Das Pädagogische Jahrhundert: Es wird der historische erziehungswissenschaftliche Kontext des 18. Jahrhunderts beleuchtet, insbesondere die „Entdeckung der Kindheit“ und die Entstehung schulischer Institutionen.
4 Der Erziehungsbegriff Kants: Das Kapitel detailliert Kants pädagogische Vorstellungen, unterteilt in die Stufen Disziplinierung, Kultivierung, Zivilisierung und Moralisierung.
5 Fazit: Das Fazit resümiert die enge Verbindung zwischen Aufklärung und Erziehung und diskutiert die theoretischen Spannungen und Widersprüche innerhalb der Kantschen Pädagogik.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Erziehung, Immanuel Kant, Unmündigkeit, Mündigkeit, Pädagogik, Erziehungswissenschaft, Disziplinierung, Kultivierung, Zivilisierung, Moralisierung, Freiheit, Zwang, Menschengattung, Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis und die mögliche Konformität zwischen Immanuel Kants Aufklärungsphilosophie und seinem pädagogischen Erziehungsbegriff.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der Aufklärungsbegriff nach Kant, die historische Entwicklung des „Pädagogischen Jahrhunderts“ sowie die vier Stufen der Erziehung nach Kant.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Widersprüche und Konformitäten zwischen Kants Schrift „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ und seiner Vorlesung „Über Pädagogik“ herauszuarbeiten und kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine ideengeschichtliche und theoretische Analyse, die auf der Literaturrecherche und Interpretation primärer Schriften von Immanuel Kant sowie einschlägiger erziehungshistorischer Sekundärliteratur basiert.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Aufklärungsdefinition, den erziehungshistorischen Kontext des 18. Jahrhunderts und eine detaillierte Auseinandersetzung mit Kants Erziehungstheorie.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Autonomie, Mündigkeit, Disziplin, Erziehungskunst und das Spannungsfeld zwischen individuellem Freiheitshang und gesellschaftlichem Zwang geprägt.
Wie unterscheidet Kant in seiner Theorie die Bereiche der Bildung?
Er unterscheidet zwischen der Disziplinierung (Bezähmung der Wildheit), Kultivierung (Belehrung), Zivilisierung (Manieren/Klugheit) und Moralisierung (Gesinnung zu guten Zwecken).
Warum ist laut Kant Erziehung für den Menschen unverzichtbar?
Kant postuliert, dass der Mensch nur durch Erziehung zum Mensch werden kann, da er im Gegensatz zum Tier keinen Instinkt besitzt, der sein Handeln leitet, sondern Vernunft entwickeln muss.
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- Katrin Bekermann (Author), 2008, Der Erziehungsbegriff der Aufklärung nach Kant, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147996