Der Einfluss computervermittelter Kommunikation auf die Arbeitswelt - Telearbeit als Prototyp der neuen Beschäftigungsformen


Seminararbeit, 2002

33 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung (von Michael Fürstenberg und Frank Ihben)

2. Was ist computervermittelte Kommunikation – die Techniken der „Neuen Medien“
(von Michael Fürstenberg)
2.1 E-Mail
2.2 „many-to-many“-Kommunikation

3. Die Entwicklung der Informationsgesellschaft (von Frank Ihben)
3.1 Vom Taylorismus zur Dienstleistungsgesellschaft
3.2 Wandel zur Informationsgesellschaft
3.2.1 Siegeszug des PC
3.2.2 Globalisierung durch cvK
3.3 Veränderungen der Arbeitswelt durch cvK
3.3.1 E-Mail und „Instant Messaging“ als Form der cvK
3.3.2 Internet als Beginn einer neuen Gesellschaftsordnung
3.4 Arbeitsmarktwirkungen durch technischen Fortschritt
3.4.1 Neuer Typus Arbeitnehmer
3.4.2 Beschäftigungszuwachs und –abnahme
3.4.3 Neuorganisation in Unternehmen
3.4.4 Implikationen für die Entwicklung der Arbeitsstruktur

4. Telearbeit als Beispiel für neuartige Arbeitsformen (von Michael Fürstenberg)
4.1 Definitionen und Formen
4.1.1 Definition und Statistik
4.1.2 Formen der Telearbeit
4.2 Voraussetzungen des Telearbeiters
4.3 Chancen & Risiken
4.3.1 Chancen
4.3.1.1 Arbeitnehmer
4.3.1.2 Arbeitgeber
4.3.1.3 Gesellschaft
4.3.2 Risiken
4.3.2.1 Arbeitnehmer
4.3.2.2 Arbeitgeber
4.3.2.3 Gesellschaft
4.4 Zusammenfassung

5. Fazit (von Michael Fürstenberg und Frank Ihben)

1. Einleitung

Aus unserem Leben sind die neuen Medien, die computervermittelte Kommunikation und die Informations- und Telekommunikationstechnologie, nicht mehr wegzudenken. Ein Großteil der Haushalte ist mit Computern und Telefonanlagen ausgestattet, Vernetzungen - praktisch mit der ganzen Welt - sind keine Zukunftsvisionen. Diese Veränderung trägt unterschiedliche Namen: zur schon lange postulierten „Dienstleistungsgesellschaft“ treten die „Informations-„ oder „Wissensgesellschaft“, „Telematik-Gesellschaft“ (Hultzsch 1999, S.96), die „Nachindustrielle Gesellschaft“, und manche Autoren sehen sogar schon ein „Post- Information-Age“ aufdämmern (Negroponte 1995, S.163).

Einig ist man sich, dass diese Entwicklung weitreichende Folgen für alle Lebensbereiche hat. In unserer Arbeit legen wir den Fokus auf den Bereich der Arbeit. Welche Veränderungen könnten sich in den groben Strukturen des sozialen Lebens aufgrund der auf IuK-Technologie basierenden neuen Arbeitswelt ergeben? Welche genauen Auswirkungen haben die neuen IuK-Techniken für die Berufswelt? Wie könnte die Zukunft unter Berücksichtigung der neuen technischen Möglichkeiten für den Bereich der Arbeitswelt aussehen? Diesen Fragen wollen wir anhand unserer Arbeit nachgehen. Der besondere Fokus liegt dabei auf der neuen Arbeitsform der Telearbeit, da diese als eine symptomatische Ausprägung der sozio- ökonomischen Veränderungsprozesse im Zuge der Entwicklung der Informationsgesellschaft gesehen werden kann (vgl. Brandstetter/ Winkler 1999, S.257). Da sie eine der meist diskutierten und evidentesten, sowie sehr direkt auf die modernen IuK-Technologien zurückzuführende alternative Beschäftigungsform ist, erscheint es lohnend, sie als Beispiel für die allgemeinen Veränderungen näher zu betrachten.

Zu Beginn geben wir einige Definitionen, um die „computervermittelte Kommunikation“ begrifflich zu klären. Anschließend stellen wir die Entwicklung zur heutigen Informationsgesellschaft und die Auswirkungen der neuen IuK-Techniken auf die Arbeitswelt und Wirtschaft dar. Als konkretes Beispiel folgt dann die Telearbeit als Prototyp der neuartigen Arbeitsformen. Zum Schluss der Arbeit gibt es ein kurzes Fazit unserer Ausführungen.

2. Was ist computervermittelte Kommunikation – die Techniken der „Neuen Medien“

Der Ausdruck „computervermittelte Kommunikation“ (cvK, oder CMC – computer mediated communication) bezeichnet jede Kommunikation, die durch den Einsatz eines Computers vermittelt (ermöglicht) wird (vgl. Payer 2001), und zwar sowohl auf Sender- als auch Rezipientenseite. Neben dem etwas sperrigen Begriff cvK werden auch oftmals „Informations- und Kommunikationstechnologien“ (IuK-Techniken), „Neue Medien“ oder schlicht „Internet“ verwand – allen ist gemeinsam, dass sie als eine vorbildlose technologische Neuentwicklung angesehen werden, die unsere Welt verändern wird.

Alle Entwürfe dieser Zukunft basieren auf der sich seit den 70er Jahren rasant entwickelnden Computertechnologie, ohne deren exponentielle Verbreitung und Verbesserung man sich unsere Welt wohl kaum noch vorstellen könnte. Die ungeheure Bedeutung und das gesellschaftsverändernde Potential erreicht diese Technologie jedoch erst durch ihre heutige fortschreitende Vernetzung, die gewissermaßen das Ganze zu mehr macht als der Summe seiner (Hardware-)Teile. Ähnlich wie beim menschlichen Gehirn mit seinen Milliarden an Neuronen birgt das Netzwerk der verschiedenartigen Computertechnologien mehr an Potential, als man aus seinen Einzelteilen herauslesen kann. Es gibt, wie es der Media- Laboratory – Direktor des Massachusetts Institute of Technologie (MIT), Nicholas Negroponte, ausdrückt, einen „change from atoms to bits“ (Negroponte 1995, S.4) – die Information löst sich sozusagen von ihren bisherigen Trägern und wird gewissermaßen transzendent. Sie ist von überall auf der Welt immer abruf- und nahezu unendlich vervielfältigbar. Zwar haben die Informationen natürlich immer noch physische Grundlagen wie Festplatten und Server, doch werden diese zunehmend bedeutungslos: Die Vernetzung macht es überflüssig den Standort zu kennen, und die Vervielfältigbarkeit garantiert eine nahezu ubiquitäre Verfügbarkeit. Zudem werden auch die Zugriffsgeräte immer differenzierter, schon jetzt ist mit der UMTS-Technologie die vollständige Unabhängigkeit von Telefonleitungen erreicht, und mit der Etablierung von Satellitensystemen wird man in wenigen Jahren dann wirklich von jedem Punkt der Erde ins Netz können.

Wenn in der Kapitelüberschrift also von `Techniken´ die Rede ist, sind damit nicht die Basistechnologien wie verschiedenartige Computer- oder Mobilfunksysteme gemeint, sondern die verschiedenen Modi der cvK, die den Datenverkehr organisieren. Die für die neuen Entwicklungen im Bereich der Arbeitsstrukturen, insbesondere für unser Beispiel Telearbeit, relevantesten sollen im folgenden kurz dargestellt werden.

2.1 E-Mail

E-Mail ist der meistgenutzte und simpelste Aspekt von cvK – im Grunde handelt es sich um eine Weiterentwicklung bzw. Digitalisierung der traditionellen Briefpost. Voraussetzung zur Teilnahme ist analog zur Postadresse eine E-Mail-Adresse, die von Arbeits- oder Ausbildungsstätten, aber auch von einer Unzahl an kommerziellen und nicht-kommerziellen Anbietern kostenlos eingerichtet wird. Je nach verwendeter Software beschränkt sich eine E- Mail auf reinen Text oder kann Bilder, Musik, u.ä., aber auch Viren enthalten. E-Mail ermöglicht einen zeit- und ortsunabhängigen, einfachen, schnellen, relativ zuverlässigen und

kostengünstigen Schriftverkehr über die ganze Welt. Es ist zudem möglich, den bisherigen Nachteil asynchroner Kommunikation, nämlich deren Zeitverzögerung, weitestgehend zu kompensieren. Ein weiterer insbesondere in der Wirtschaftswelt bedeutender Vorteil ist die Minimierung von Reibungsverlusten, denn eine E-Mail muss an keinem Sekretariatsbüro vorbei (vgl. Negroponte 1995, S.167f). Und schließlich lassen sich die digitalen Informationen beliebig bearbeiten und kopieren.

E-Mail ist heute ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation in der Wirtschaft, da durch die Globalisierung traditionelle Kommunikation zu teuer und langsam wird. Sie eröffnet einen einfachen Weg zu öffentlichen Institutionen, und ermöglicht den Kontakt zu Bekannten weltweit. Optimisten wie Negroponte glauben gar daran, dass „E-Mail [...] will be the dominant interpersonal telecommunications medium, approaching if not overshadowing voice within the next fifteen years“ (Negroponte 1995, S. 191).

2.2 „many-to-many“-Kommunikation

Mit dem Oberbegriff „many-to-many“-Kommunikation sind hier sämtliche Formen der elektronischen Kommunikation gemeint, bei denen eine Nachricht mehr oder weniger öffentlich zugänglich an mehrere Empfänger gerichtet ist. Im allgemeinen geschieht dies über oftmals thematisch sortierte Forensysteme, in denen gleichzeitig („on-line“) oder ungleichzeitig („off-line“) Nachrichten ausgetauscht werden, meistens in textualisierter Form, aber tlw. auch über Videoverbindung („Video-Conferencing“). Gleichzeitige Kommunikation findet meistens über Chat-Systeme wie den Internet Relay Chat (IRC) oder Instant- Messaging-Systeme statt, wie erwähnt sind heute aber auch v.a. bei größeren Firmen regelrechte Konferenzen per Video verbreitet. Ähnlich wie beim „Zuschalten“ eines Korrespondenten im TV werden dabei Bilder der Gesprächspartner aus allen Teilen der Welt auf Bildschirme im eigenen Sitzungssaal oder Büro projiziert – die immensen Kostenersparnisse liegen auf der Hand. Ungleichzeitige „many-to-many“-Kommunikation dagegen entspricht letztlich einer elektronischen Form des „Schwarzen Bretts“ (vgl. Encarta 2001, Dyson 1997, S.49), bei dem „gepostete“ (sozusagen ausgehängte) Nachrichten für jeden les- und beantwortbar sind. Dadurch ergibt sich eine Reihe aufeinander bezogener Nachrichten in chronologischer Reihenfolge, so dass sich im allgemeinen ein nachvollziehbarer Diskussionsverlauf ergibt. Beispiele hierfür sind Forensysteme wie USENET mit seinen thematisch getrennten Newsgroups, sog. Bulletin Board Systems (BBS), auf E-Mail basierende Mailing-Lists, oder Gästebücher auf Homepages (vgl. Payer 2001).

Diese Art der Kommunikation erlaubt es, unabhängig von Zeit und Raum mit einer großen Anzahl von Personen auf einmal zu interagieren. Je nach thematischer Fokussierung und Intensität können aus derartigen ´Gesprächskreisen´ regelrechte Gemeinschaften („communities“) entstehen, die sowohl privater als auch beruflicher Natur sein können (vgl. Dyson 1997, S.47ff). Auf diese Weise wird es möglich, zu nahezu jedem Thema Gesprächspartner zu finden, sei es ein Fan-Forum über Star Trek oder eine IT - Diskussionsgruppe über Java. Werden derartige Gruppen per Sicherheitsmaßnahmen (wie z.b. einer Passwortabfrage) nur für registrierte Mitglieder zugänglich, können sie die Gestalt von Clubs annehmen, oder effektive Kommunikationsstrukturen für schon existierende Gemeinschaften (wie z.b. von Firmen, Vereinen, Universitäten etc.) bilden.

3. Die Entwicklung der Informationsgesellschaft

3.1 Vom Taylorismus zur Dienstleistungsgesellschaft

Durch die computervermittelte Kommunikation und allgemein die Informations- und Kommunikationstechniken haben sich unsere Lebensweisen verändert. Besonders deutlich entwickelte sich der Bereich der Arbeit in ihrer Struktur weiter und dient in unserem Fall als gutes Beispiel für den Wandel der industriellen Gesellschaft zur aktuellen Informationsgesellschaft.

Am Beginn stand die gewollte Rationalisierung der Arbeit durch Organisation und Bürokratisierung, und die entstehende moderne Betriebsstruktur, die von Frederic W. Taylor (1856-1915) entwickelt wurde. Er trennte ausführende und planende Tätigkeiten. Seitdem wurde die planende Arbeit, die Gewinnung und Verwendung von Informationen und Wissen immer wichtiger für den Arbeitsprozess. Arbeit wurde berechenbarer. Durch die immer rationaler und kapitalistischer werdende Form wurde die Informationsintensität größer. Die neu geschaffene Betriebsorganisation und Entlohnungsmethoden hielten Einzug in tayloristisch geführte Unternehmen. Die Arbeitskraft wurde rein rechnerisch behandelt und wurde kontrollierbar. So wurden z.B. Büros geschaffen, die nur für Lohnfragen und Nachkalkulationen zuständig waren. Die Produktionsplanung und Arbeitsverwaltung wurde vereinfacht, das Unternehmen straff, disziplinär von oben herab geführt.

Diese neuen organisatorischen Maßnahmen zur Gewinnung von Information und zur Kontrolle und Steuerung der sehr komplexen Arbeitsabläufe waren die Grundlage für die Schaffung neuer Informations- und Kommunikationstechniken, wie wir sie heute kennen.

Heutzutage ist Wissen bedeutender als das Kapital und somit neuer Motor des gesellschaftlichen Fortschritts und wurde so zur Basis der gesellschaftlichen Machtposition (vgl. Schmiede 1996, S.82). Die neu geschaffene Anweisungshierarchie: das Management entwickelte und verbreitete Informations-, Kontroll- und Steuerungstechniken nicht nur im Produktionssektor, sondern auch nach und nach beim Transport, der Distribution von Massengütern und im Einzelhandel. Nach dieser moderneren „wissenschaftlichen Betriebsführung“ entstand so zusätzlich auch das „wissenschaftliche Marketing“ und die „wissenschaftliche Werbung“. Sie waren der Anstoß für Massenmedien und Kommunikationstechniken (vgl. Schmiede 1996,S.42).

Die strukturellen Veränderungen im Bereich „Arbeit“ resultierten also aus der Rationalisierung, Mechanisierung und Automatisierung. Ab den 70er Jahren wurden die „traditionellen“ Tätigkeiten in den Hintergrund gedrängt und durch sog.

„Angestelltentätigkeiten“ und „Dienstleistungstätigkeiten“ abgelöst. Die Dienstleistungsbranche wurde der bestimmende Sektor in der Wirtschaft. Diese Entwicklung wird als „Tertiarisierung“ der Arbeitswelt bezeichnet, weil die Industriegesellschaft (sekundärer Sektor) von der Dienstleistungsgesellschaft (tertiärer Sektor) abgelöst wurde. Zuvor löste bekanntlich die Industriegesellschaft die Agrargesellschaft (primärer Sektor) ab. Die Dienstleistungsgesellschaft führte ab Mitte der 80er Jahre zur Informationsgesellschaft, die den strukturellen Wandel innerhalb des tertiären Sektors zum Ausdruck bringt.

3.2 Wandel zur Informationsgesellschaft

3.2.1 Siegeszug des PC

Vor ca. 20 Jahren begann der Siegeszug des Personal Computers (PC). Er hielt Einzug in die Wirtschaft, in die Unternehmen und ist nicht mehr wegzudenken. Die unternehmensinterne Kommunikation wurde erheblich verbessert, weil interne Netzwerke entstanden. Später wurde der Begriff des Intranets gebraucht. Mit der Zeit wurde der PC durch immer neuere Peripheriegeräte und Hard- und Software multimediafähig gemacht. Die Anzahl der Erwerbstätigen, die einen PC bei der Arbeit benutzen hat in den großen Industrienationen längst die 90 Prozent-Marke überschritten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.1 Anstieg der Verbreitungszahlen von PCs (eigene Darstellung nach Melzig Thiel 2000,S.116)

Nach Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes benötigt jeder zweite Erwerbstätige in Deutschland heute PC-Kenntnisse. Im Mai 2000 gaben 52 Prozent aller Erwerbstätigen an, bei ihrer beruflichen Haupttätigkeit einen Computer zu nutzen. Je qualifizierter die Arbeit bzw. je mehr es sich um eine Bürotätigkeit handelt, desto häufiger wird der PC eingesetzt. So gehört für etwa 90 Prozent der im Büro, in der EDV oder in der Forschung, im Marketing oder in der Werbung Tätigen die Arbeit am PC zum Berufsalltag. Wenig verbreitet ist der Computer im Baugewerbe, in der Landwirtschaft und im Bergbau (Anbauen, Gewinnen, Herstellen). Auch bei Transporttätigkeiten, Reinigung oder Überwachungs- und Sicherungsaufgaben (sonstige Dienstleistungen) spielt er eine geringe Rolle (vgl. workshop- zukunft.de 2002).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.2 Nicht ohne meinen PC Quelle: Sozialpolitische Umschau Nr.19, 196/2001 , nach www.workshop-zukunft.de

Seit Mitte der 80er Jahre wird nun, wie oben beschrieben, von einer

„Informationsgesellschaft“ gesprochen. Die Informationen sind immer schneller überall verfügbar, aber veralten schnell. Dass seitdem die Arbeit weniger belastend ist, ist nur ein Merkmal für die neue Gesellschaftsform. Arbeit wurde und wird autonomer, kreativer, flexibler und kommunikativer. Die Arbeitnehmer, die sich diese Eigenschaften zu nutze machen sollten, also Wissens- und Informationsarbeiter in den Bereichen Forschung, Entwicklung, Marketing und Management werden den Großteil der Arbeitnehmer stellen. Die Bewältigung der Informationsflut wird die Hauptaufgabe kommender arbeitnehmender Generationen darstellen, d.h. sie müssen aus der Vielfalt das Richtige selektieren.

Information wird allgemein verfügbar. Somit wird eine Basis zu einer Dezentralisierung von Entscheidungen möglich gemacht. Eine vollkommen informierte Gesellschaft könnte zu sozialer Gleichheit führen, so die vage Prognose einiger Euphoriker. Doch muss man auch sehen, dass sich das Informationsangebot nicht jeder leisten kann, dass die Schere zwischen arm und reich weiter auseinander geht und es auch große Differenzen zwischen informationsreichen und informationsarmen Menschen geben kann. Durch die neuen technischen Möglichkeiten kann man sich leichter informieren, auch Partizipation ist leichter möglich, doch ob eines Tages auch politische Wahlen realisierbar sind, bei denen über das Internet abgestimmt werden kann, bleibt fraglich.

3.2.2 Globalisierung durch cvK

Unbestritten ist dagegen die Globalisierung und die Vergemeinschaftung durch globale Kommunikation. Durch das Internet ist Kommunikation mit Menschen in aller Welt möglich. Ein Gespräch mit Menschen mit gleichen Interessen in den USA über das Internet, also via Chat ist heutzutage nichts Außergewöhnliches mehr. In unzähligen Communities im Internet trifft man auf Gleichgesinnte weltweit und kann sich austauschen. Auch Geschäftsbeziehungen mit dem Ausland aufrechtzuerhalten und zu vertiefen sind dank der weltweiten Vernetzung kein Problem mehr. Das Abrufen der eigenen Mailbox in der Firma ist für viele selbstverständlicher als das Öffnen von Briefumschlägen. Es gibt kaum einen Arbeitnehmer, der auf seiner Visitenkarte nicht seine E-Mail-Adresse angegeben hat.

Durch die Vernetzung der Computer innerhalb und außerhalb eines Unternehmens konnten so auch engere Verbindungen zwischen Mitarbeitern, Lieferanten, Beratern, Kunden, etc. entstehen, die sehr förderlich sind. Dank E-Mail konnten weltweit expandierende Firmen Kapital sparen. Auch die Kommunikation untereinander funktionierte jetzt schneller, einfacher und bequemer. Für große Unternehmen, die auf dem Weltmarkt aktiv sind, sind auch Videokonferenzen möglich, somit fallen lange teure Geschäftsreisen oder -telefonate weg.

Die Entwicklung von Kommunikationsformen im multimedialen Zeitalter schreitet immer rasanter voran. Nichts scheint mehr unmöglich, es gibt keine Grenzen mehr.

3.3 Veränderungen der Arbeitswelt durch cvK

3.3.1 E-Mail und „Instant Messaging“ als Form der cvK

Doch die Nutzung von neuen Möglichkeiten solcher Kommunikationsformen nimmt viel Zeit in Anspruch. Viele Menschen vertrauen auf Altbewährtem und haben in neue Techniken noch kein Vertrauen. Doch gerade dieses Problem sich mit Neuem auseinander zusetzen und

vertraut zu machen, wird die Prämisse für Arbeitnehmer in der Informationsgesellschaft. Auch der Erfolg der elektronischen Post E-Mail dauerte knapp 20 Jahre. Seit Mitte der 90er Jahre aber erkennen die meisten Firmen, welche Vorteile die schnelle, unkomplizierte E-Mail bietet. Die Datenübertragung von Informationen über weite Entfernungen ermöglichen den Unternehmen bessere Kommunikation und Einsparungsmöglichkeiten bei z.b. Portokosten. Doch es gibt immer neuere verbesserte Varianten der elektronischen Verständigung. Neuerdings wird von einigen Firmen die Kommunikation per E-Mail von einer Art Telegrammdienst teilweise abgelöst. Der neue Service nennt sich „Instant Messaging“ (IM) und ist doch gar nicht mehr so neu. Doch wurde IM bisher nur im privaten Bereich zum Plaudern benutzt. Das erfolgreichste und am meisten genutzte Programm ist ICQ mit mittlerweile 2 Millionen Nutzern in Deutschland. Der Unterschied zur E-Mail besteht darin, dass man anhand einer eingerichteten Freundesliste weiß, wer gerade online ist und somit in sekundenschnelle demjenigen eine Mitteilung schicken kann, ohne dass der Empfänger erst seine Mailbox leert, denn die Nachricht erscheint sofort auf seinem Monitor. Seit kurzem hat auch die Geschäftswelt die Vorteile erkannt und setzt verstärkt auf „Instant Messaging“. Kollegen und Geschäftspartner können Informationen und wichtige Mitteilungen in sekundenschnelle, ohne Umwege austauschen. Sogar Konferenzen finden verstärkt in den Chatrooms statt im Sitzungssaal statt. So kann schnell und unkompliziert auf Spontanes und Kurzfristiges reagiert werden. Als Beispiel in dem Artikel von Edgar Lange für ein Unternehmen, dass IM verstärkt nutzt gilt der ThyssenKrupp-Konzern. „So können [...] weit verstreut sitzende Kollegen simultan an einem gemeinsamen Textdokument arbeiten. Grund: Dort werden gleich ganze Arbeitsdokumente, die gerade auf dem Bildschirm sind, als IM- Botschaft ausgetauscht“ (vgl. Lange 2002, S.124).

3.3.2 Internet als Beginn einer neuen Gesellschaftsordnung

Das Internet öffnete einen unbegrenzten globalen Kommunikationsraum für Angebote und Nutzer, nachdem traditionell gesehen die vorherigen Kommunikationen und die Medienberichterstattungen eher lokal räumlich begrenzt waren. Durch das Internet wurde man unabhängiger, es gab keine Grenzen und Zensur, und es ergaben sich neue Chancen für Anbieter auf den bestehenden Weltmärkten. (vgl. Bonfadelli 2000, S.190)

Außerdem wird durch den interaktiven, globalen Charakter des Internets Privates öffentlich gemacht. Doch dieses Interesse am Privaten, in einigen Fällen bis in die Privatsphäre, und die Vermarktung samt Personalisierung und Emotionalisierung wird zunehmend zum Problem. (ebd.)

[...]

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Details

Titel
Der Einfluss computervermittelter Kommunikation auf die Arbeitswelt - Telearbeit als Prototyp der neuen Beschäftigungsformen
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Medien- und Kommunikationssoziologie
Note
1,3
Autoren
Jahr
2002
Seiten
33
Katalognummer
V14803
ISBN (eBook)
9783638201100
ISBN (Buch)
9783638787819
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eigentlich ein medienwissenschaftliches Seminar, Schwerpunkt der Arbeit aber doch eher die Soziologie der Arbeit.
Schlagworte
Einfluss, Kommunikation, Arbeitswelt, Telearbeit, Prototyp, Beschäftigungsformen, Medien-, Kommunikationssoziologie
Arbeit zitieren
Michael Fürstenberg (Autor)Frank Ihben (Autor), 2002, Der Einfluss computervermittelter Kommunikation auf die Arbeitswelt - Telearbeit als Prototyp der neuen Beschäftigungsformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14803

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