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Das problematische Erbe Berliner Sekundarschulen

Überlegungen zur Berliner Schulreform 2010/11

Title: Das problematische Erbe Berliner Sekundarschulen

Scientific Essay , 2010 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Michael Schwark (Author)

Pedagogy - School System, Educational and School Politics
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Summary Excerpt Details

In Berlin steht eine Bildungsreform an, die Hamburg bereits durchlaufen und jüngst bildungspolitische Diskussionen in Bayern ausgelöst hat. Ziel der Berliner Reform ist
die Auflösung des dreigliedrigen Schulsystems.
Der Berliner Senat strebt über die Reform gute Bildungschancen für alle Kinder an, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Begründet in den sinkenden Schülerzahlen
an Berliner Hauptschulen und den dort herrschenden schwierigen Lern- und Entwicklungsmilieus sieht er in der Sekundarschule die Chance, die Zahl der Schüler zu verringern, die keinen Abschluss oder ihren Abschluss nur stark verzögert erlangen.
Der Handlungsbedarf ist eindeutig gegeben. Laut aktuellem Bildungsbericht verzeichnete das Land Berlin im Jahr 2007 3295 Schüler, die ein Abgangszeugnis erhielten. Ein Abgangszeugnis zu erhalten meint, keinen allgemeinen Schulabschluss
zu erlangen. Somit haben im Schuljahr 2007/08 10,7 Prozent aller Schüler der Berliner allgemeinbildenden Schulen keinen Befähigungsnachweis erhalten, um sich auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt einzubringen. Über die Hälfte dieser
Schüler scheitert auf den Berliner Hauptschulen. Deren Hälfte besitzt einen Migrationshintergrund, gekoppelt an eine nichtdeutsche Herkunftssprache, 30 Prozent sind Ausländer, sind also nicht im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft.3
Die Reform betrifft strukturell im Wesentlichen die Punkte Leistungsdifferenzierung, Stundentafel, Ganztagsbetrieb und Duales Lernen.
Vor allem der erste Punkt stößt aber zunehmend auf Kritik seitens der Lehrerverbände, Oppositionsparteien und auch der Eltern, weil spezifische Bestimmungen für Schulen nur vage formuliert worden sind. Es obliegt der einzelnen Schule selbst, zu entscheiden, ob sie ihren Unterricht binnendifferenziert
gestaltet oder aber, wie bisher an Berliner Gesamtschulen üblich, nach Leistungsniveau gestaffelte Kurse anbietet.
Dieser Aufsatz soll nicht die Sekundarschule und das altangestammte dreigliedrige Bildungsmodell qualitativ gegeneinander abwägen. Statt einer solchen
zukunftsorientierten Diskussion, die viele Unbekannte einschließt, soll vielmehr das problematische Erbe der Berliner Hauptschulen erörtert werden. Denn die
Hauptschule nimmt, das gilt es herauszustellen, in Berlin im Vergleich zum Rest der Bundesrepublik eine Sonderstellung ein. Es muss zunächst geklärt werden, welche gesellschaftspolitische Rolle der Hauptschule in der Berliner Bildungslandschaft
zukommt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problemschule Hauptschule

2.1 Die Hauptschule im bundesdeutschen Bildungssystem

2.2 Zur Problemlage an Berliner Hauptschulen

2.3 Das problematische Erbe der Sekundarschulen und Lösungsansätze

2.3.1 Motivationsbereitschaft und Erfolgserwartung

2.3.2 Schuldistanz und ihre Auswirkungen

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch das "problematische Erbe" der Berliner Hauptschulen im Kontext der anstehenden Schulreform 2010/11. Ziel ist es, aufzuzeigen, ob das neue Modell der Sekundarschule tatsächlich Lösungsansätze für die defizitäre Motivationsbereitschaft und die wachsende Schuldistanz von Schülern in sozialen Brennpunkten wie Neukölln oder Kreuzberg-Friedrichshain bieten kann oder ob strukturelle Mängel bestehen bleiben.

  • Analyse der historischen und gesellschaftlichen Rolle der Berliner Hauptschule.
  • Untersuchung des Phänomens der "Problemschule" und der negativen Kompositionsmerkmale.
  • Diskussion der psychologischen Faktoren wie Selbstwirksamkeitsüberzeugung und Misserfolgskarrieren.
  • Kritische Beleuchtung der Schuldistanz als Kernproblem und deren mangelnde Berücksichtigung in offiziellen Bildungsberichten.
  • Reflektion über notwendige Maßnahmen wie Lehrerausbildung und alternative pädagogische Konzepte.

Auszug aus dem Buch

2.3.1 Die defizitäre Motivationsbereitschaft und Erfolgserwartung

Eine Gemeinsamkeit von Hauptschülern in den Problembezirken sind ihre im Gros gering ausgeprägte Motivationsbereitschaft und Erfolgserwartung. Wenn man diese diskutiert, muss geklärt werden, ob und wie genau die Merkmale der Hauptschulen mit schwierigem Milieu die Selbstwahrnehmung ihrer Schüler beeinflussen.

Die Lehrpläne der deutschen Schulen betonen allgemein sowohl die individuelle Kompetenz- als auch die Persönlichkeitsentwicklung. Einfach ausgedrückt sollen Schüler in einem idealen Unterricht zu der Einsicht gelangen, dass sie bei Einsatz angemessener Anstrengung ihre Ziele erreichen können. Man spricht in der Motivationspsychologie auch von der Selbstwirksamkeitsüberzeugung, die nur bei positiver Ausprägung einhergeht mit anspruchsvolleren Zielsetzungen, höherer Anstrengungsbereitschaft und Ausdauer sowie einer günstigen Verarbeitung von Misserfolg. Um die eigenen Bildungschancen zu erkennen, muss ein Schüler eine positive Selbstwirksamkeitsüberzeugung entwickeln. Er muss das Unterrichtsgeschehen und Unterrichtsinhalte emotional positiv erleben und verarbeiten. Nach Rheinberg wirkt sich aber insbesondere die Konzentration von Schülern mit Misserfolgskarrieren ungünstig auf die Anstrengungsbereitschaft und die Erfolgserwartungen des einzelnen Schülers aus. Hieraus resultiert eines der wesentlichen Probleme, das die Hauptschulen mit schwierigem Milieu an die Sekundarschulen in den Problembezirken vererben werden. Denn wie bereits festgestellt, wird auch an diesen Schulen die Konzentration von Schülern mit Misserfolgskarrieren vergleichsweise hoch ausfallen.

Die negativ geprägten Überzeugungsmuster der Hauptschüler werden zusätzlich durch das Meinungsbild der Öffentlichkeit von der Hauptschule und Hauptschülern unterminiert. Indem letztere ein derartig stigmatisiertes Bild in den eigenen Identitätsentwurf integrieren, reproduzieren sie laut der Trautwein, Baumert und Maaz unerwünschtes schulisches Verhalten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Berliner Bildungsreform 2010/11 und Darlegung der Fragestellung bezüglich der strukturellen Probleme an Hauptschulen in sozialen Brennpunkten.

2. Problemschule Hauptschule: Detaillierte Analyse der historischen Rolle der Hauptschule, ihrer Stigmatisierung als "Resteschule" und der Auswirkungen negativer Kompositionsmerkmale auf die Schülerschaft.

2.1 Die Hauptschule im bundesdeutschen Bildungssystem: Erläuterung der strukturellen Merkmale der Hauptschule, ihrer Funktion im dreigliedrigen System und der Bedeutung der Berufsorientierung.

2.2 Zur Problemlage an Berliner Hauptschulen: Untersuchung des Schereneffekts und der Konzentration von Schülern aus schwierigen sozialen Milieus in Berliner Problemschulen.

2.3 Das problematische Erbe der Sekundarschulen und Lösungsansätze: Kritische Reflexion, ob die Sekundarschulreform die Kernprobleme der sozialen Benachteiligung tatsächlich adressieren kann.

2.3.1 Motivationsbereitschaft und Erfolgserwartung: Diskussion psychologischer Aspekte wie der Selbstwirksamkeitsüberzeugung und der negativen Auswirkungen von Misserfolgskarrieren im Unterricht.

2.3.2 Schuldistanz und ihre Auswirkungen: Analyse des Phänomens der Schulschwänzerei, deren Ursachen und der mangelnden Datenerfassung durch den Berliner Senat.

3. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Reform, die als eher strukturell als inhaltlich kritisiert wird, mit Forderungen nach verbesserter Lehrerausbildung und differenzierterem Unterricht.

Schlüsselwörter

Berliner Schulreform, Hauptschule, Sekundarschule, Problemschule, Motivationsbereitschaft, Erfolgserwartung, Schuldistanz, Selbstwirksamkeitsüberzeugung, Misserfolgskarriere, Schereneffekt, Kompositionseffekte, Bildungsbericht, Soziale Brennpunkte, Binnendifferenzierung, Berufsorientierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Herausforderungen der Berliner Hauptschulen im Kontext der Schulreform 2010/11 und beleuchtet, ob die neuen Sekundarschulen die bestehenden Probleme der sozialen Benachteiligung und Schuldistanz lösen können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit behandelt Themen wie das problematische Image der Hauptschule, den Einfluss des sozialen Milieus auf den Lernerfolg, psychologische Motivationsfaktoren und die strukturellen Schwachstellen der Reform.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzudecken, ob die geplante Strukturreform der Berliner Sekundarschule ausreicht, um die defizitäre Motivationsbereitschaft und die hohe Schuldistanz effektiv zu bekämpfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor verwendet eine diskursive Analyse aktueller bildungspolitischer Berichte, PISA-Studien-Auswertungen sowie eigene Beobachtungen und Zeugnisanalysen aus dem schulischen Alltag in Berliner Problembezirken.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Problemschule, eine psychologische Analyse von Motivation und Erfolgserwartung sowie eine detaillierte Untersuchung der Ursachen und Folgen von Schuldistanz.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Schuldistanz", "Problemschule", "Kompositionseffekte" und "Bildungschancengleichheit" geprägt.

Warum wird die Schuldistanz als ein "gesellschaftliches Tabuthema" bezeichnet?

Da die Schuldistanz laut Autor im offiziellen Bildungsbericht weitgehend ignoriert wird, obwohl sie die Hauptursache für nicht erreichte Abschlüsse darstellt und politisch oft nur als Wahlkampfthema instrumentalisiert wird.

Welche Rolle spielen Lehrerfehlzeiten an Berliner Hauptschulen?

Der Autor argumentiert, dass hohe Lehrerfehlzeiten an "Problemschulen" die soziale Stabilität und die Kontinuität der Schüler-Lehrer-Beziehung gefährden, wobei der Senat entsprechende Daten bisher nicht transparent macht.

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Details

Title
Das problematische Erbe Berliner Sekundarschulen
Subtitle
Überlegungen zur Berliner Schulreform 2010/11
College
University of Potsdam  (Institut für Germanistik)
Course
Theaterarbeit mit Jugendlichen
Grade
1,0
Author
Michael Schwark (Author)
Publication Year
2010
Pages
18
Catalog Number
V148050
ISBN (eBook)
9783640599325
ISBN (Book)
9783640599929
Language
German
Tags
Schulreform Berlin Sekundarschule Hauptschule Motivationsbereitschaft Erfolgserwartung Schuldistanz Kritik Binnendifferenzierung Bildungssystem Schulsystem dreigliedrig auflösung bildungschancen bildungschancengleichheit pisa realschule gymnasium
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
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Michael Schwark (Author), 2010, Das problematische Erbe Berliner Sekundarschulen , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148050
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