In der modernen Forschung wird heutzutage vielfach die Meinung ver-treten, dass die deutsche Sprachnorm mit großer Wahrscheinlichkeit ihre Geburtsstunde im 16. Jahrhundert gehabt haben könnte. Die noch im Spätmittelalter anzutreffende bunte Variantenvielfalt wird an der Schwelle zur Frühen Neuzeit einer zunehmend beobachtbaren Homogenisierung unterzogen, die den Abbau der durchaus heterogenen und dialektal ge-färbten Sprachlandschaften im Zuge eines Selektionsprozesses zur Fol-ge hatte. Obgleich sich im Zuge dieser Selektion ein Variantenabbau konstatieren lässt, so präsentieren sich gerade diese Jahrhunderte als eine Zeit, in der ebenso, und dies gerade aufgrund einer eingehenden Beschäftigung mit der Schriftsprache, neue Varianten entstehen. Dabei ist an dieser Stelle jedoch zu betonen, dass solche Wandlungs- und Ent-wicklungsprozesse hin zu einer deutschen Norm keineswegs linear ver-laufen sind, sondern dass vielmehr auch Rückschritte, Behinderungen und Stagnation den Weg der deutschen, normierten Schriftsprache mar-kierten und ferner charakterisieren.
Dem Erkenntnisinteresse dieser Arbeit folgend, wird versucht, anhand besonders signifikanter Beispiele und anderen nachgewiesenen Entwick-lungstendenzen, die Bedeutsamkeit und die intensive Verdichtung sprachlicher Entwicklungs- und Homogenisierungsprozesse an der Schwelle zur Frühe Neuzeit aufzuzeigen. Dies geschieht sicherlich aus verschiedensten Motivationen, jedoch in seinem Kern hauptsächlich auf-grund der Tatsache, da ein jeder Mensch tagtäglich von der Errungen-schaft des gedruckten Wortes und seiner einheitlichen Normierung profi-tieren kann und deren Wurzeln nachweislich in jene ausgesprochen fa-cettenreiche Epoche fallen. Ähnlich wie schon die lateinische Redensart zu wissen glaubte:
„Vox audita perit, litera scriptura manet“
Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK
1.1 EINLEITUNG
1.2 BESONDERHEITEN DER FRÜHNEUHOCHDEUTSCHEN SPRACHE
2 LINGUISTISCHE ENTWICKLUNGSTENDENZEN IM HEILIGEN RÖMISCHEN REICH DEUTSCHER NATION IM 15./16. JAHRHUNDERT
2.1 FORTSCHRITT IM WANDEL DER ZEIT
2.2 TEXTSORTENSPEKTRUM DES FRÜHNEUHOCHDEUTSCHEN
2.3 LUTHERS SIGNIFIKANZ IM KONTEXT INNERDEUTSCHER SPRACHENTWICKLUNG
3 ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachlichen Wandlungs- und Homogenisierungsprozesse im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation an der Schwelle zur Frühen Neuzeit, wobei insbesondere die Rolle von Kanzleisprachen, neuen Medientechnologien wie dem Buchdruck und der Einfluss Martin Luthers auf die Standardisierung der deutschen Sprache analysiert werden.
- Die Entwicklung von volkssprachlicher Schriftlichkeit in städtischen Zentren.
- Die Rolle der Reformation und Martin Luthers bei der sprachlichen Normierung.
- Klassifizierung von Textsorten des Frühneuhochdeutschen nach funktionalen Kriterien.
- Die Bedeutung von Kanzleisprachen für die überregionale Sprachverbreitung.
- Der technologische Einfluss von Buchdruck und Papierherstellung auf die Sprachkultur.
Auszug aus dem Buch
1.1 Einleitung
In der modernen Forschung wird heutzutage vielfach die Meinung vertreten, dass die deutsche Sprachnorm mit großer Wahrscheinlichkeit ihre Geburtsstunde im 16. Jahrhundert gehabt haben könnte. Die noch im Spätmittelalter anzutreffende bunte Variantenvielfalt wird an der Schwelle zur Frühen Neuzeit einer zunehmend beobachtbaren Homogenisierung unterzogen, die den Abbau der durchaus heterogenen und dialektal gefärbten Sprachlandschaften im Zuge eines Selektionsprozesses zur Folge hatte.
Obgleich sich im Zuge dieser Selektion ein Variantenabbau konstatieren lässt, so präsentieren sich gerade diese Jahrhunderte als eine Zeit, in der ebenso, und dies gerade aufgrund einer eingehenden Beschäftigung mit der Schriftsprache, neue Varianten entstehen. Dabei ist an dieser Stelle jedoch zu betonen, dass solche Wandlungs- und Entwicklungsprozesse hin zu einer deutschen Norm keineswegs linear verlaufen sind, sondern dass vielmehr auch Rückschritte, Behinderungen und Stagnation den Weg der deutschen, normierten Schriftsprache markierten und ferner charakterisieren.
Die Stadt als locus eines sprachlichen Ausgleichs und eines besonderen „Kultur bestimmenden Raumes“ verlor auch auf dem Weg in die Frühe Neuzeit hin keineswegs an Bedeutung und lässt sich treffend als konstitutives Element hin zu einer kontinuierlichen Ausbildung einer neuen, einer überregionalen Sprachform deuten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK: Dieses Kapitel führt in die Problematik der deutschen Sprachnormwerdung ein und beleuchtet die Rolle der Städte als Orte des sprachlichen Ausgleichs.
2 LINGUISTISCHE ENTWICKLUNGSTENDENZEN IM HEILIGEN RÖMISCHEN REICH DEUTSCHER NATION IM 15./16. JAHRHUNDERT: Der Hauptteil analysiert die Faktoren, die zur sprachlichen Homogenisierung führten, darunter Textsorten, Kanzleisprachen und das Wirken Martin Luthers.
3 ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG: Das Fazit fasst die Bedeutung der Frühen Neuzeit als Geburtsstunde der deutschen Schriftsprache zusammen und betont die Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichem Wandel und Sprachnormierung.
Schlüsselwörter
Frühneuhochdeutsch, Sprachnormierung, Buchdruck, Kanzleisprache, Martin Luther, Textsortenspektrum, Sprachwandel, Reformation, Graphematik, Orthographie, Sprachlandschaft, Homogenisierung, Schriftsprache, Sprachgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung der deutschen Schriftsprache an der Schwelle zur Frühen Neuzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die sprachlichen Entwicklungstendenzen, der Einfluss des Buchdrucks, die Bedeutung von Kanzleisprachen und die Rolle einflussreicher Persönlichkeiten wie Martin Luther.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die intensive Verdichtung sprachlicher Homogenisierungsprozesse im 15. und 16. Jahrhundert anhand signifikanter Beispiele aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einem diachronen linguistischen Ansatz und stützt sich auf eine Analyse einschlägiger sprachgeschichtlicher Fachliteratur und Primärquellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Fortschritten im Wandel der Zeit, die Klassifizierung frühneuhochdeutscher Textsorten sowie die sprachprägende Wirkung von Luthers Schriften.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Frühneuhochdeutsch, Sprachnormierung, Kanzleisprache und der historische Einfluss der Reformation.
Welche Rolle spielt die Stadt in der frühneuhochdeutschen Sprachentwicklung?
Die Stadt fungierte als zentraler "locus" für den sprachlichen Ausgleich und die Entwicklung überregionaler Schreibsprachen.
Warum wird die Reformation als bedeutend für die Sprachentwicklung hervorgehoben?
Durch die Massenverbreitung der Lutherbibel und reformatorischer Schriften wurden neue sprachliche Standards gesetzt und Neologismen in die deutsche Schriftsprache eingeführt.
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- Florian Fromm (Autor), 2009, „Druckersprachen“ auf dem Weg in die Neuzeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148057