Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit Erich Fromms sozialpsychologischer Untersuchung über die Bewusstseinshaltungen, Persönlichkeitsstrukturen und politischen sowie kulturellen Einstellungen von Arbeitern und Angestellten in Deutschland während der Endphase der Weimarer Republik (1929-1933). Erich Fromm, als Leiter der sozialpsychologischen Abteilung des Frankfurter Instituts für Sozialforschung um Max Horkheimer, Herbert Marcuse, Theodor W. Adorno, Leo Löwenthal usw. führte diese empirische Untersuchung im Auftrag des Instituts mit seiner Mitarbeiterin Hilde Weiß in den Jahren 1929-1931 durch. Dabei wurden 3300 sehr umfangreiche Fragebögen an Arbeiter und Angestellte verteilt.
Im Mittelpunkt stehen die Ergebnisse der Frommschen Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der Frage, welche Erkenntnisse sie über die Persönlichkeitsstruktur von Wählern und Funktionären der Arbeiterparteien, d. h. der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) und KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) vermitteln. Gab es Divergenzen zwischen der politischen Orientierung und der Persönlichkeitsstruktur in den Reihen der Linken und wenn ja, wie äußerten sie sich, wie wirkten sie sich auf das antifaschistische Widerstandspotential der deutschen Arbeiterbewegung aus?
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Ziele und Ergebnisse der Untersuchung über Arbeiter und Angestellte in der Endphase der Weimarer Republik
1. Zielsetzung und Methode der Untersuchung
2. Sozialer Status und politische Anschauungen der Befragten
2.1. Sozialer Status
2.2. Politische Anschauungen der Befragten
3. Haltung zur Autorität
4. Haltung zum Mitmenschen.
5. Persönlichkeitstypen
III. Abschließende Einschätzung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die sozialpsychologische Studie von Erich Fromm aus den Jahren 1929-1931, welche die Persönlichkeitsstrukturen und politischen Einstellungen von Arbeitern und Angestellten am Ende der Weimarer Republik untersuchte. Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen politischer Orientierung (insbesondere der Arbeiterparteien SPD und KPD) und den zugrunde liegenden Charakterstrukturen sowie deren Bedeutung für das antifaschistische Widerstandspotential zu erforschen.
- Sozialpsychologische Untersuchungsmethodik von Erich Fromm
- Differenzierung politischer Einstellungen bei SPD und KPD
- Analyse der Haltung zur Autorität und zu Mitmenschen
- Identifikation spezifischer Persönlichkeitstypen (autoritär, radikal, rebellisch)
- Wissenschaftshistorische Einordnung der Studie für die Kritische Theorie
Auszug aus dem Buch
2. Sozialer Status und politische Anschauungen der Probanden
Die persönliche Situation der Befragten stellt sich folgendermaßen dar: 71% kamen aus den urbanen Zentren zwischen Frankfurt und Berlin, 25% kamen aus Süddeutschland. 11% der Probanden gaben an der katholischen Kirche anzugehören, während 25% protestantisch waren und 57% sich als Atheisten bezeichneten. Der hohe Anteil an Atheisten verwundert aber nicht, wenn man berücksichtigt, dass Religion in den Arbeiterparteien, denen zusammengenommen 79% der Befragten (26% KPD, 45% SPD, 8% „Linkssozialisten“, eine Kategorie, die linke Sozialdemokraten bezeichnete, die mit dem offiziellen Programm der SPD nicht übereinstimmten) angehörten, verpönt war.
Der gewerkschaftliche Organisierungsgrad der Probanden betrug 77,2%, wovon fast alle den „Freien Gewerkschaften“ angehörten. Über die Hälfte der Befragten (55%) waren gelernte und nur 9% waren ungelernte Arbeiter. Hinzu kamen noch 29% Angestellte und 7% „Sonstige“, d. h. Hausfrauen, Studenten und kleine Gewerbetreibende. Der Anteil der Arbeitslosen betrug insgesamt 16%, wovon über die Hälfte Facharbeiter waren. Das Altersspektrum der untersuchten Stichprobe wurde zahlenmäßig von den 21-40jährigen dominiert und das Durchschnittsalter lag insgesamt bei 31 Jahren. Eine auffällige Besonderheit der untersuchten Stichprobe besteht in dem verschwindend geringen Anteil von Frauen (lediglich 8%), was die Repräsentativität der Untersuchung hinsichtlich geschlechtsspezifischer Merkmale schmälert. Insgesamt 59% der Probanden waren verheiratet, 2% waren verwitwet oder geschieden und 38% waren ledig. Bei 66 % der Verheirateten waren auch die Ehefrauen erwerbstätig.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Darstellung des Forschungsgegenstands, der historischen Entstehung der Frommschen Studie sowie der zentralen Fragestellung bezüglich der Persönlichkeitsstruktur linker Wähler.
II. Ziele und Ergebnisse der Untersuchung über Arbeiter und Angestellte in der Endphase der Weimarer Republik: Detaillierte methodische Analyse der Fragebogenerhebung und Untersuchung der verschiedenen Einstellungsmerkmale sowie Persönlichkeitstypen innerhalb der Arbeiterschaft.
III. Abschließende Einschätzung: Kritische Reflexion der Ergebnisse vor dem Hintergrund des Scheiterns der Weimarer Republik und Diskussion der Aussagekraft einer rein psychologischen Betrachtungsweise.
Schlüsselwörter
Erich Fromm, Weimarer Republik, Sozialpsychologie, Arbeiterbewegung, SPD, KPD, Persönlichkeitsstruktur, Autoritarismus, Radikalität, Empirische Sozialforschung, Kritische Theorie, Politisches Engagement, Klassenbewusstsein, Antifaschismus, Studien über Autorität und Familie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die sozialpsychologische Studie von Erich Fromm über die Einstellungen und Persönlichkeitsstrukturen von Arbeitern und Angestellten in Deutschland am Ende der Weimarer Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Verknüpfung von politischer Gesinnung mit individuellen Charaktermerkmalen, das Verhältnis zur Autorität, das soziale Umfeld der Befragten und die Stabilität der Bindung an linke Parteien.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche Erkenntnisse Fromms Studie über die Persönlichkeitsstrukturen von SPD- und KPD-Anhängern liefert und inwiefern diese zur Erklärung des Widerstandspotentials gegen den aufkommenden Nationalsozialismus beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autor der Seminararbeit nutzt eine Sekundäranalyse von Fromms Datenmaterial, ergänzt durch Einleitungen des Herausgebers Wolfgang Bonß sowie zeitgenössische und historische Rezensionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Zielsetzung und Methodik der Erhebung, beleuchtet den sozialen Status der Probanden und diskutiert spezifische Fragekomplexe zu Politik, Autoritätsverhältnis und Solidarität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialpsychologie, Arbeiterbewegung, autoritärer Charakter, politische Radikalität und die Analyse von Einstellungen im Kontext der Weimarer Linken.
Was zeichnet den rebellisch-autoritären Persönlichkeitstypus nach Fromm aus?
Dieser Typus verbindet eine sozialistisch-kommunistische Weltanschauung mit einem unbewussten Wunsch nach Unterwerfung unter einen starken Führer und dem Bedürfnis, Schwächere zu beherrschen.
Warum wird die Repräsentativität der Frommschen Studie kritisiert?
Die Studie wird kritisiert, da die Stichprobe relativ klein war, nicht nach einem Zufallsprinzip ausgewählt wurde und laut Fromm selbst das "statistische Exaktheitsideal" keinen zentralen Wert besaß.
Welche Diskrepanz stellte Fromm zwischen Wählern und Funktionären fest?
Es zeigte sich eine Diskrepanz, bei der Funktionäre häufiger den radikalen Charaktertypus verkörperten, während Wähler tendenziell eher dem autoritären Typus zugeordnet wurden.
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- Dipl. Pol. Jörg Klitscher (Author), 1995, Erich Fromms Untersuchung über „Arbeiter und Angestellte am Vorabend des Dritten Reiches“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148059