Ein deutlicher Anstieg der Komplexität verschiedenster Internetangebote, speziell Webseiten, war in den letzten Jahren zu beobachten. Waren vor rund zehn Jahren die meisten Präsenzen im Netz noch überschaubar und entsprechend einfach vom Benutzer zu erfassen, so begann spätestens im Jahr 2001 eine wahre "Inhaltsexplosion" im World Wide Web. Ehemals ausschließlich offline erhältliche Inhalte wurden online gebracht, Datenbanken wurden für die Nutzung via Internet aufbereitet und ganz allgemein ging der große "Run" auf das WWW insofern weiter, als nun auch viele speziellere Nischenthemen abrufbar sein sollten.
Diese Informationsflut brachte es mit sich, daß die jeweiligen Angebote nicht mehr mit nur drei bis fünf Kategorien zur Auswahl auf einer Startseite auskamen, sondern der Gesamtüberblick über all diese Angebote dargestellt und benutzbar gemacht werden mußte. Bedeutete "Navigation" anfangs noch eine möglichst ergonomische Zusammenfassung von Links zu allen verfügbaren Seiten an einer unauffälligen Stelle des Internet-Angebots, so lief die Entwicklung schnell über Experimente mit Farben und Animationen und teilweise fast unbenutzbaren Spielereien auf proprietärer Basis hin zu dem Bewußtsein, daß eine Navigation eines der wichtigsten Elemente eines Angebots darstellt und daher so "benutzbar" wie möglich sein sollte. Diese Benutzbarkeit umfaßt dabei sowohl eine technische als auch eine inhaltliche Ebene.
Herausforderung an den Softwareentwickler ist es also nun, für den Teilbereich der Navigation einer auf HTML basierenden Applikation eine technisch einwandfreie Lösung zur Verfügung zu stellen, die verschiedensten Anforderungen genügt. Dafür einen überprüfbaren Kriterienkatalog zu entwickeln, der in der Praxis Anwendung finden soll, soll Hauptaufgabe dieser Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Motivation und Ziel
1.2. Beispiele für interaktive Menüsysteme
1.3. Gliederung der Arbeit
2. Grundlagen und Begriffsklärung
2.1. Grafische Benutzerschnittstellen (GUIs)
2.1.1. Definition
2.1.2. Historische Entwicklung
2.1.3. Normen und Style Guides
2.2. Menüs
2.2.1. Definition
2.2.2. Menüarten und inhaltliche Abgrenzung
2.2.3. Normen und Style Guides
2.3. Einsatz von Menüsystemen in HTML-Applikationen
2.3.1. Gründe für Menüsysteme als Navigation
2.3.2. Entwicklung von Navigationsarten
2.3.3. Arbeitsdefinition „interaktives Menüsystem“
3. Kriterien und Anforderungen
3.1. Grundlagen
3.1.1. Benutzerführung technischer Geräte
3.1.2. Zielgruppen und Anforderungsebenen
3.1.3. Überblick der Anforderungskategorien
3.2. Usability
3.2.1. Begriffsdefinition und Usability im Navigationskontext
3.2.2. Einschränkungen der Anwendbarkeit
3.2.3. Ansätze zur Usability-Quantifizierung
3.2.4. Zusammenfassung der Anforderungen
3.3. Barrierefreiheit
3.3.1. Begriffsdefinition
3.3.2. Gesetze und offizielle Regulierungen
3.3.3. Technische Lösungen und Anwender-Tools
3.3.4. Auswahl und Erklärung der Anforderungen
3.3.5. Überprüfung von Barrierefreiheit
3.3.6. Zusammenfassung der Anforderungen
3.4. Anpaßbarkeit, Integrierbarkeit und Gestaltung
3.4.1. Begriffsdefinitionen und Erläuterungen
3.4.2. Zusammenfassung der Anforderungen
3.5. HTML und Standards
3.5.1. Begriffsdefinition und Grund für Standards
3.5.2. Technische Anforderungen
3.5.3. Browsererweiterungen / Plugins
3.5.4. Zusammenfassung der Anforderungen
3.6. Beschreibung einer Referenzlösung
3.7. Zusammenfassung des Anforderungskatalogs
4. Marktübersicht und Bewertung
4.1. Übersicht und Auswahl
4.1.1. Marktsituation
4.1.2. Übersicht der zu betrachtenden Lösungen
4.1.3. Auswahl der Testkandidaten
4.2. Anwendung des Anforderungskatalogs
5. Referenzlösung
5.1. Ergebnisse der Bewertung
5.2. Technische Details und Optimierungen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Evaluation eines Kriterienkatalogs für interaktive Menüsysteme in HTML-basierten Applikationen. Das Hauptziel ist die Erarbeitung einer technisch einwandfreien Navigationslösung, die unter Berücksichtigung unterschiedlicher Anforderungsschichten – wie Usability, Barrierefreiheit und technische Standardkonformität – praxisnah bewertet werden kann.
- Grundlagen von grafischen Benutzerschnittstellen (GUIs) und Navigationskonzepten
- Analyse und Definition von Anforderungskategorien für interaktive Menüsysteme
- Marktübersicht und Bewertung existierender Navigationslösungen
- Entwicklung und technische Spezifikation einer Referenzlösung
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Definition
Mit dem Oberbegriff „graphical user interface“ (grafische Benutzerschnittstelle, GUI) wird eine Schnittstelle zwischen Benutzer und technischen Systemen bzw. Applikationen bezeichnet, die aus der Notwendigkeit heraus entstand, die Bedienbarkeit und die Rückmeldungen solcher Systeme einfacher und somit intuitiver zu gestalten. Die Interaktion mit dem Benutzer findet sich hier nicht in Form beispielsweise einer Befehlssprache wieder, über die der Anwender das System steuert (Kommandozeile, „command line interface“), sondern über dargestellte grafische Elemente und Sinnbilder, mit denen der Benutzer anhand eines Steuergeräts (meist einer Maus, seltener auch eines Grafiktabletts) die gewünschte Aktion auslösen oder die gewünschte Information abfragen kann.
Dies wird bei einer GUI durch den Einsatz von Metaphern erreicht, die Objekte aus der wirklichen Welt darstellen sollen, um dem Benutzer eine schnelle Einarbeitung und effiziente Bedienung der jeweiligen Applikation zu ermöglichen. Zu diesen Metaphern gehören beispielsweise hierarchische Verzeichnisstrukturen, der sogenannte „Desktop“ oder die Benutzung von „Fenstern“. Die Abstraktion einer Aktion bzw. Handlung auf eine passende GUI-Metapher macht dabei eine gute Oberfläche aus.
Ziel der Steuerung einer Anwendung über eine GUI ist vor allem deren leichtere und schnellere Erlernbarkeit und, laut [Wes02], die daraus resultierende Steigerung der Effektivität, Effizienz und Zufriedenstellung vor allem bei unerfahrenen Benutzern. Im Gegensatz zur Kommandozeile, mit der eine spezifischere und unmittelbarere Steuerung möglich ist, ist die Benutzung einer GUI allerdings mit einer gewissen Mittelbarkeit verbunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den Wandel im World Wide Web, der die Komplexität moderner Webseiten und die Notwendigkeit für ergonomische Navigationssysteme verdeutlicht.
2. Grundlagen und Begriffsklärung: Vermittelt das theoretische Fundament zu grafischen Benutzeroberflächen, Menüarten und deren historischer Einordnung in den Kontext von HTML-Applikationen.
3. Kriterien und Anforderungen: Detaillierte Herleitung eines Anforderungskatalogs für Menüsysteme in den Bereichen Usability, Barrierefreiheit, Anpaßbarkeit sowie Standardkonformität.
4. Marktübersicht und Bewertung: Analysiert verschiedene bestehende Navigationsansätze und bewertet diese anhand des zuvor erarbeiteten Anforderungskatalogs.
5. Referenzlösung: Präsentiert und begründet eine auf HTML-Listen basierende Referenzlösung für interaktive Menüs, inklusive technischer Implementierungsdetails.
6. Fazit: Fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit kontextbezogener Entscheidungen bei der Entwicklung von Navigationslösungen für IT-Ingenieure.
Schlüsselwörter
Interaktive Menüsysteme, HTML-Applikationen, Usability, Barrierefreiheit, Accessibility, Webstandards, Navigationslösungen, GUI, Mensch-Computer-Interaktion, Webdesign, BITV, WCAG, CSS, Softwareergonomie, Suckerfish
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit im Kern?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Entwicklung, Analyse und Auswahl von interaktiven Menüsystemen für HTML-basierte Applikationen unter Berücksichtigung technischer und benutzerbezogener Anforderungen.
Welche Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Mensch-Computer-Interaktion, Usability-Heuristiken, Barrierefreiheit nach internationalen und nationalen Standards sowie technische Aspekte wie Markup-Semantik und Browser-Kompatibilität.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Erstellung eines validierbaren Kriterienkatalogs zur Bewertung von Navigationslösungen, der als Entscheidungsgrundlage für die Implementierung einer „Referenzlösung“ dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird eingesetzt?
Die Arbeit kombiniert eine Literatur- und Theorieanalyse (u.a. Usability-Modelle, Web-Standards) mit einer explorativen Analyse und qualitativen Bewertung von existierenden technischen Lösungsansätzen („best practice“).
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Herleitung eines Kriterienkatalogs (Kapitel 3), die Überprüfung marktüblicher Lösungen gegen diesen Katalog (Kapitel 4) und die Entwicklung einer optimierten Referenzlösung (Kapitel 5).
Welche Schlüsselbegriffe sind entscheidend?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Interaktivität, Barrierefreiheit, Usability, HTML-Validität, CSS-gestützte Navigation, sowie spezifische Browser-Anforderungen wie die „Suckerfish“-Technik.
Warum ist Barrierefreiheit für Menüs so wichtig?
Da Navigationen das Eingangstor zu einer Applikation bilden, entscheidet ihre Barrierefreiheit darüber, ob verschiedene Nutzergruppen – insbesondere Menschen mit Sehbehinderungen oder Nutzer assistiver Technologien – das Informationsangebot überhaupt erschließen können.
Was ist das zentrale Ergebnis bezüglich der technischen Umsetzung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Einsatz semantischer HTML-Listen in Kombination mit CSS der robusteste Ansatz ist, während JavaScript-lastige Lösungen aus Gründen der Kompatibilität und Barrierefreiheit kritisch zu betrachten sind.
Welche Bedeutung haben Browser-Bugs für das Ergebnis?
Browser-Fehler, insbesondere im Internet Explorer, machen oft technisch unsaubere Workarounds notwendig, weshalb die Arbeit Empfehlungen ausspricht, wie durch Conditional Comments und modulare Strukturen die Kompatibilität gewahrt werden kann.
- Citar trabajo
- Frank Lachmann (Autor), 2005, Interaktionen in HTML-basierten Applikationsoberflächen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148093