Die Dämonenlehre des Augustinus in der 'Civitate Dei'

Vergleich mit den Neoplatonikern


Hausarbeit, 2010

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Antike Ursprünge der Dämonenlehre

III. Varro

IV. Apuleius

V. Porphyrius

VI. Kritik an der neuplatonischen Dämonenlehre

VII. Schlussfolgerung

VIII. Literatur-und Quellenangaben

I. Einleitung

Aurelius Augustinus ist ein christlicher Bischof mit spätantiken römischen Wurzeln, stark geprägt durch die römische und griechische Philosophie, welche er versucht in das Christentum einzubinden. Hier knüpft er an eine bestehende christliche Tradition an, die platonische und christliche Vorstellungen zu vereinbaren sucht.

In vielen seiner Werke, vor allem in der Civitate Dei setzt sich Augustinus mit der spätantiken römischen und griechischen Philosophie auseinander, vor allem mit dem Platonismus, bzw. dem Neoplatonismus. Nicht umsonst wird Augustinus in der Philosophiegeschichte als der zentrale Vermittler und Interpret antiker Philosophie angesehen.

In den ersten zehn Büchern der Civitate Dei, welche hier einer genaueren Betrachtung unterliegen, bekämpft Augustinus die heidnischen Göttervorstellungen im Allgemeinen und geht anschließend verstärkt auf die Dämonologie der platonischen Philosophen ein, um dann selbst Stellung zur Dämonologie zu nehmen.

Diese Arbeit stellt die platonische Dämonenlehre so dar, wie sie der Kirchenvater aufgenommen hat und versucht die Hauptkritikpunkte des Augustinus an der antiken Dämonenlehre der Philosophen hervorzuheben, um zu verstehen, als was Augustinus die antiken Götter und Dämonen gesehen hat, und wie er die Dämonenlehre so widerlegt, dass allein das Christentum als wahre Religion übrigbleibt.

Um die augustinische Dämonologie besser zu verstehen, werden zuerst die antiken Ursprünge und Quellen vorgestellt, um sie besser in ihrem historisch-theoretischen Hintergrund zu kontextualisieren. Dabei beruft sich diese Arbeit, außer auf ausgewählte Sekundärliteratur, vor allem auf Augustinus selbst, da die meisten hier vorgestellten Philosophen, mit Ausnahme des Apuleius von Madaura, fast ausschließlich durch Augustinus selbst überliefert sind.

II. Antike Ursprünge der Dämonenlehre

Augustinus widerspricht zwar der Dämonenlehre des Apuleius von Madaura und des Porphyrius, doch sind verschiedene Gemeinsamkeiten mit der spätantiken Dämonenvorstellung unübersehbar. So unterscheidet er zum Beispiel zwischen guten und bösen Engeln, von denen erstere nahe bei Gott in den höheren Sphären leben, letztere aber von Gott entfernt und von den guten Engeln getrennt.[1]

Augustinus selbst führt diesen Dualismus auf die heidnische Philosophie zurück, indem er erklärt: « Je n’ignore pas que certains philosophes ont rattaché à chacun des éléments une catégorie d’êtres vivants. Les animaux terrestres comprendraient, d’après eux, non seulement ceux qui rampent ou marchent sur la terre, mais en outre les oiseaux qui eux aussi s’y posent quand ils sont fatigués du vol. Les vivants de l’air seraient les démons ;les vivants du ciel les dieux : pour nous, à vrai dire, ces vivants du ciel seraient d’une part les astres, d’autre part les anges. Aux eaux ils départissent les poissons et autres monstres marins. De la sorte, nul élément qui n’ait son lot d’êtres vivants. »[2]

Auf welche Philosophen er sich genau bezieht, ist in diesem Abschnitt zwar nicht klar zu erkennen, doch die Verbindung zur antiken Dämonenlehre tritt unmissverständlich hervor. Varro und Apuleius, deren Dämonenlehre Augustinus in De Civitate Dei aufgreift, stehen selbst in einer langen philosophischen Tradition der Dämonenlehre.[3]

Dämonen sind nachweislich ein selbstverständlicher Teil des antiken Weltbildes, da schon in der ältesten griechischen Literatur, unter anderem bei Hesiod und Homer, von Dämonen die Rede ist. Im griechischen Volksglauben gelten die Dämonen schon lange vor der Zeit Platons als unberechenbare Geister mit übermenschlichen Fähigkeiten.

Grundlage für die spätantike Dämonenlehre der Philosophen ist ein Abschnitt aus Platons Symposion, in dem die Dämonen als Vermittler zwischen Gott und den Menschen erscheinen. Ihr Wesen wird durchweg positiv beschrieben und der Mensch kann mittels kultischer oder magischer Handlungen, oder im Traum mit ihnen in Kontakt treten. Hier beschreibt Platon selbst die wesentlichen Eigenschaften der Dämonen, nämlich ihre Zwischenstellung und ihre Verbindung mit dem Götterkult und der Magie.[4]

In der aus Platons Schülerkreis stammenden Schrift Epinomis, wird zwischen fünf Elementen unterschieden denen verschiedene Arten von Lebewesen zugeordnet werden, die Gestirngötter leben im Feuer, die Erdbewohner, zu denen neben Menschen auch Vögel gehören, auf der Erde, in Äther und Luft zwei unsichtbare Arten von Dämonen und im Wasser eine bald sichtbare, bald unsichtbare Dämonenart. Das Epinomis bietet also eine Weiterentwicklung der Dämonenlehre des Symposion, besonders was die Physis der Dämonen anbelangt. Außerdem müssen die Dämonen der Luft wegen ihrer Mittlerstellung verehrt werden, damit sie ihren Dienst verrichten. Die Dämonen gelten hier als vernunftbegabte Lebewesen, welche die guten Menschen lieben, die bösen hingegen hassen, da deren Taten ihnen Leid zufügen. Die Dämonen sind also leidensfähig und durch menschliche Handlungen affizierbar.[5]

Platons Schüler Xenokrates verweist auf die Vorstellung, dass die Dämonen auf der Erde Schaden stiften, um von den Menschen verehrt zu werden. So gewinnen die Dämonen an Bedeutung in der Frage der Theodizee. Nicht mehr die Götter tragen die Verantwortung für das Böse in der Welt, sondern die Dämonen. Um ihre Zwischenstellung noch zu unterstreichen, schreibt Xenokrates den Dämonen einen Körper zu, der sowohl aus ätherischen als auch aus irdischen Stoffen besteht. Manche Aussagen des Xenokrates lassen den Schluss zu, dass die Dämonen vergleichbar sind mit menschlichen Seelen vor dem Eintritt in den Körper oder nach dem Tod.

Die Stoa sieht die Sympathie als Verbindung zwischen den Menschen und Dämonen. Die Dämonen sind in gewisser Hinsicht die Aufseher und Wächter über die Menschen. Auch die Seelen Verstorbener können zu Dämonen werden. Die Dämonen werden als Götter zweiter Ordnung angesehen. Wie die Götter sind sie unsterblich, besitzen aber menschliche Affekte. Sie dienen und helfen den Menschen, besonders in der Mantik. Die späte Stoa schreibt zudem jedem Menschen einen Wächterdämon zu, ganz nach Art der christlichen Schutzengel.

Plutarch verbindet, wie im Mittelplatonismus üblich, verstärkt volkstümliche Vorstellungen der Dämonen mit der philosophischen Dämonenlehre. Entsprechend ihrer Mittlerstellung haben die Dämonen, so wie auch bei Apuleius, verschiedene Eigenschaften mit den Menschen gemeinsam, nämlich die Affekte und die Vernunftbegabung. Andererseits sind sie, genau wie die Götter, ewig. Charakteristisch für die Dämonen hingegen ist ihr luftartiker Körper. Im Unterschied zu den Göttern beherrschen die Dämonen die Materie, da sie ihr näher stehen als die Götter. Wie vor ihm Xenokrates, versucht auch Plutarch so die Weltferne der Götter auszudrücken.

Die Dämonen dienen also dazu die Transzendenz und die Weltferne eines höchsten geistigen Wesens zu sichern um es so von der Verantwortung für die Existenz des Bösen in der Welt zu befreien. Außerdem verbinden die Dämonen den philosophischen Monotheismus mit dem traditionellen Polytheismus des Volkes, oder anders ausgedrückt, sie überbrücken die Distanz zwischen der mythischen und der natürlichen Theologie. So können die Philosophen mit Hilfe der Dämonen Kritik an der Vielgötterei und ihren Kulten und Zeremonien ausüben.[6]

[...]


[1] Augustinus, Civ. XI,33, Seite 136-141, Ich beziehe mich hier auf die lateinisch- französische Ausgabe der Oeuvres de Saint Augustin, cinquième série, La Cité de Dieu, Paris: 1959.

[2] Augustinus, De Gen. ad litt. III,9, Seite 230-231. Ich beziehe mich hier auf die Übersetzung von P. Agaësse und A. Solignac: La Genèse au sens littéral en douze livres (I-VII), in: Oeuvres de Saint Augustin 48, Paris:1972.

[3] Pépin, Jean: „Ex Platonicorum Persona“, Etudes sur les lectures philosophiques de Saint Augustin, Amsterdam : 1977, Seite 29-31.

[4] Götz, Roland: Der Dämonenpakt bei Augustinus, in: Schwaiger, Georg (Hrsg.): Teufelsglaube und Hexenprozesse, München: 1987, Seite 57-187, hier Seite 57-58.

[5] Pépin, Jean: „Ex Platonicorum Persona“, Etudes sur les lectures philosophiques de Saint Augustin, Seite 31.

[6] Götz, Roland: Der Dämonenpakt bei Augustinus, Seite 59-61.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Dämonenlehre des Augustinus in der 'Civitate Dei'
Untertitel
Vergleich mit den Neoplatonikern
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Quellenkunde der Theologie des Mittelalters)
Veranstaltung
Lektüre und Interpretation von Augustinus' De civitate Dei mit besonderer Berücksichtigung seiner Konzeption der Geschichte
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V148097
ISBN (eBook)
9783640587568
ISBN (Buch)
9783640587629
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dämonenlehre, Augustinus, Civitate, Vergleich, Neoplatonikern
Arbeit zitieren
Isabelle Schleich (Autor), 2010, Die Dämonenlehre des Augustinus in der 'Civitate Dei', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148097

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