Die Tobin-Steuer


Seminararbeit, 2009

29 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Spekulative Devisengeschafte an den Finanzmarkten
2.1 Wie Devisen gehandelt werden
2.2 Destabilisierende Wirkung von Spekulationsgeschaften
2.3 Auswirkungen der kurzfristigen Devisentransaktionen auf die Wirtschaft
2.3.1 Hot Money
2.3.2 Uberliquiditat

3 Die Grundidee Tobins einer Devisenumsatzsteuer
3.1 Geschichtliche Einordnung
3.2 Funktionsweise der Tobin-Steuer
3.3 Die Ziele der Tobin-Steuer
3.3.1 Lenkungsziele
3.3.2 Fiskalziele

4 Effektivitat der Tobin-Steuer
4.1 Allgemeine Wirkung von Steuererhebungen
4.2 Auswirkungen einer Tobin-Steuer auf die Devisenmarkte
4.3 Probleme beider Realisierung der Tobin-Steuer

5 Ansatze zur Weiterentwicklung Tobins Idee

6 Kritische Betrachtung der Tobin-Steuer

7 Die Tobin-Steuer aktuell in Bezug auf die Wirtschaftkrise

8 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

2.1 Wechselkursentwicklung Euro zu US-Dollar

3.1 Degression der Devisenumsatzsteuer beiunterschiedlichen Steuersatzen

5.1 Die Wirkungsweise der ERND

1 Einleitung

„Investmentbanker und Borsianer haben sich in einen besinnungslosen Rausch getrunken. Jetzt ist es an der Zeit, das Komasaufen auf den Fi­nanzmarkten zu beenden.“[1]

Die internationale Finanzwelt hat sich zu einem groBen Spielkasino ent- wickelt, in dem sich groBe Banken, Investmentfondsgesellschaften und an- dere vermogende Finanzmarktakteure tummeln, um durch gezielte Geld- einsatze an den Spieltischen - den weltweiten Finanzmarkten - moglichst hohe Gewinne zu erzielen.[2]

Spekulanten investieren nicht mehr in die „Realwirtschaft“, was Ar- beitsplatze schafft, Guter produziert und Dienstleistungen hervorbringt, sondern in die „Kasinowirtschaft“, bestehend aus Devisengeschaften, An- leihen und weiteren komplexen Finanzkonstrukten. Wahrend die Finanz­marktakteure die groBen Gewinner dieses Spieles sind, kann es jedoch verheerende Folgen fur die Weltwirtschaft haben. So besteht die Gefahr, dass Finanzmarkte weltweit instabil werden, Wahrungen kollabieren und im schlimmsten Fall Finanzkrisen globalen AusmaBes folgen.

Im Interesse, eine stabile Weltwirtschaft zu schaffen, kommen immer wie- der Ansatze zur Regulierung der Finanzmarkte auf. Einer dieser Ansatze ist der 1972 formulierte Vorschlag von James Tobin, eine Steuer auf inter­nationale Devisengeschafte zu erheben.[3] Erklartes Ziel der Steuer ist die Verringerung der Devisenflusse.[4] In dieser Arbeit soll dargelegt werden, ob eine Devisenumsatzsteuer nach dem Modell von Tobin den in sie gelegten Erwartungen gerecht werden kann, oder ob es anderer bzw. zusatzlicher Mittel bedarf, um die Wirtschaft und Finanzmarkte in Zeiten der Globalisie- rung weltweit zu stabilisieren.[5]

Das erste einleitende Kapitel beschreibt zunachst, wie spekulative Devi­sengeschafte an den Finanzmarkten ablaufen und welche Konsequenzen sie fur den Finanzsektor nach sich ziehen. In den nachsten Abschnitten werden die Funktionsweise und Ziele der Tobin-Steuer als regulierende MaBnahme erklart. Darauf folgend werden ihre moglichen Auswirkungen kritisch analysiert, was mittels eines abschlieBenden Resumees abgerun- det wird.

2 Spekulative Devisengeschafte an den Finanzmarkten

2.1 Wie Devisen gehandelt werden

Als Devisenmarkt bezeichnet man den globalen Markt, auf dem unter- schiedliche Wahrungen gehandelt werden. Die Marktteilnehmer tauschen inlandische Wahrung gegen auslandische Wahrungen aus. Durch diese Devisengeschafte bilden sich Wechselkurse, mit denen der Wert jeder Wahrung in der jeweils anderen ausgedruckt werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Wechselkursentwicklung Euro zu US-Dollar[6]

Neben Spekulationen und Abitrage (Geschafte, beidenen die Preisdif- ferenzierung in den verschiedenen Landern bereits bekannt ist und somit ohne Risiko Gewinne erzielt werden konnen) spielt auch die Finanzierung des AuGenhandels und die Auslandsinvestitionen beiGeschaften in Devi- senmarkten eine groRe Rolle.[7]

2.2 Destabilisierende Wirkung von Spekulationsgeschaften

Beieiner Spekulation ist mit einer zukunftigen Preisentwicklung, durch die man infolge eines bestimmten Handelns Profit erzielen kann, zu rechnen.

Beispielsweise wird auf zukunftige Wechselkursentwicklungen zwischen zweiWahrungen, wie etwa Dollar und Euro spekuliert, um durch die Ver- auBerung der zuvor gekauften fremden Wahrung von dem zwischenzeitlich entstandenen Wechselkursunterschied zu profitieren.[8]

Ein weiteres Beispiel, das bereits des ofteren zur Anwendung kam, ist, dass auf eine bevorstehende Wahrungskrise in einem Land spekuliert wird. In diesem Szenario nehmen Spekulanten im jeweiligen Land hohe Kredite auf, um das Geld gleich darauf in eine stabile Wahrung zu tauschen. Wird die Kredittilgung dann fallig und hat zwischenzeitlich die Landeswahrung in dem Land, in dem der Kredit aufgenommen wurde, einen Einbruch erlit- ten, so mussen die Spekulanten weniger Geld zur Kredittilgung aufwenden. Durch die Wechselkursanderung erhalten sie beim Umtausch des Geldes mehr von der abgewerteten Wahrung. Somit kann auch nach Abzug von Zinszahlungen und Bearbeitungsgebuhren des Kredites binnen kurzester Zeit ein lukrativer Gewinn durch den Spekulanten erzielt werden. Dieses Ereignis lasst sich beivielen Wahrungskrisen in der Vergangenheit immer wieder mehrfach beobachten.[9] Wenn auch heuzutage solche Spekulations- geschafte nicht so renditenreich ausfallen wie in diesen Beispielen darge- stellt, sondern alltagliche kleine Spekulationen vorherrschen, so lassen sich mit dem Einsatz von groBen Summen dennoch rentable Einkunfte erzie- len.[10]

Um die Spekulationen auf den Devisenmarkten jedoch vollstandig verste- hen zu konnen, ist das sogenannte „prozyklische Verhalten“ zu berucksich- tigen. Darunter ist zu verstehen, dass es nicht der einzelne Spekulant allein ist, der durch seine risikoreichen Einsatze das System ins Wanken bringt. Genauso gut kann er durch Fehlspekulationen auch erhebliche Verluste er- leiden. Das Kollektiv der Spekulanten ist mit ihrem Herdentrieb ahnlichen Verhalten fur das Ergebnis auf den Devisenmarkten verantwortlich. Des- wegen tatigt ein Spekulant seine Investitionen nicht einfach auf gut Gluck, sondern trifft seine Entscheidung basierend auf seinen Erwartungen dar- uber, wie sich die anderen Marktteilnehmer zukunftig verhalten werden. Denkt er z.B., dass die Nachfrage nach einer bestimmten Wahrung steigen wird, so kauft er Anteile von dieser Wahrung und tragt somit bereits dazu bei, dass die Nachfrage steigt. Handeln die anderen Mitspekulanten nach den gleichen rational getroffenen Erwartungen, „greift der Mechanismus der sich selbst erfullenden Prophezeiung“[11] und die Nachfrage sowie der Preis, sprich Kurs, dieser Wahrung steigt. Genauso funktioniert es andersherum beiErwartungen uberfallende Wahrungsentwicklungen. Zusammengefasst geht es beiden Spekulationen am Devisenmarkt also nicht darum, die wirt- schaftliche Entwicklung eines Landes vorauszusehen, viel mehr wird ver- sucht, das Verhalten der anderen Mitspekulanten zu erahnen.[12]

2.3 Auswirkungen der kurzfristigen Devisentransaktionen auf die Wirtschaft

Solange die Spekulationsgeschafte am Finanzmarkt attraktiv sind und hohe Renditen versprechen, wird das Geld nicht in die Realwirtschaft investiert, so dass sich der Finanzmarkt abkoppelt. Dies hat negative Konsequenzen fur die Wirtschaft, wie eine Senkung des Bruttosozialproduktes oder eine mogliche Erhohung der Arbeitslosenquote.

2.3.1 Hot Money

Ein weiteres Problem, welches durch die Schwankungen auf den Devisen- markten verursacht wird, ist die Kurzfristigkeit der Spekulationen. Viele De­visengeschafte werden im sog. Intratagesgeschaft, d.h. Kauf und Verkauf erfolgen innerhalb eines Tages, vollzogen. Diese kurzfristigen Anlagen, die nur einige Stunden andauern und dann wieder abgezogen werden, um sie an anderer Stelle wieder neu anzulegen, tragen deshalb die Bezeichnung „hot money“. Die Kurzfristigkeit der Kapitalstrome hat weitreichende Konse­quenzen fur den internationalen Finanzmarkt. Die Rahmenbedingungen fur Handel und Investitionen werden instabil, da die Volatilitat der Wechselkur- se die betriebswirtschaftlichen Planungen erschwert und zusatzliche Kos- ten verursacht, wodurch MaBnahmen zur Absicherung gegen die Schwan- kungsrisiken erforderlich werden.[13] Des Weiteren konnen die sich dadurch entwickelten spekulative B]lasen bis zu einem Crash aufschaukeln und die Verwundbarkeit gegenuber Krisen nimmt zu. Denn sobald das Vertrauen der Anleger erschuttert wird, konnen sie ihre Anlagen sofort abziehen und zum Ausloser eines Crashs werden. Somit nimmt die politische Druckemp- findlichkeit von Regierungen seitens der Finanzmarkte zu.[14]

2.3.2 Uberliquiditat

Liquiditat ist notwendig, um ein reibungsloses Funktionieren von Handel, Realinvestitionen und internationalen Kreditbeziehungen zu gewahrleisten. Uberliquiditat bedeutet jedoch, dass es uber das gesunde MaB an Liquiditat hinaus ein Kapitaltransaktionsvolumen gibt, das keinerleirealwirtschaftli- chen Bezug mehr beinhaltet.[15] So wollen groBe Banken oder Fondsgesell- schaften von minimalsten Kursdifferenzen im Intratagesgeschaft von teil- weise nur 0,01 % profitieren. Dies ist vor allem deshalb an der Tagesord- nung, da diese Geschafte durch den technischen Fortschritt schnell, ein- fach, kostengunstig und mehrmals am Tag praktiziert werden konnen. Dazu muss gezwungenermaBen mit hohen Geldbetragen, in etwa im dreistelligen Millionenbereich, spekuliert werden, um trotz der geringen Differenz noch einen lohnenswerten Gewinn zu erzielen. Daraus resultiert die sog. Uberli­quiditat an den Finanzmarkten, da diese immensen Summen tagtaglich am Markt gehandelt werden und diesen somit überfluten.[16]

[...]


[1] Steinbruck (2009); Vgl. Neuerer (2009).

[2] Vgl. Wahl/Waldow (2002), 31-32; Vgl. Economist (2009).

[3] Vgl. Riedel (2009).

[4] Vgl. Patomaki (2001), 129.

[5] Vgl. Economist (2009).

[6] Vgl. Deutsche Bundesbank (2009), 14

[7] Vgl. Wahl/Waldow (2002), 34-36.

[8] Vgl. Patomaki (2001), 3-8.

[9] Vgl. Wahl/Waldow (2002), 27-28.

[10] ?, Vgl..

[11] Vgl. Wahl/Waldow (2002), 29.

[12] Vgl. Patomaki (2001), 63-68.

[13] Vgl. Wahl/Waldow (2001), 3.

[14] Vgl. Wahl/Waldow (2002), 40.

[15] Vgl. Wahl/Waldow (2001), 6.

[16] Vgl. Ramthun (2009).

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die Tobin-Steuer
Hochschule
Hochschule Aschaffenburg
Veranstaltung
VWL
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
29
Katalognummer
V148124
ISBN (eBook)
9783640580743
ISBN (Buch)
9783640580972
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tobin-Steuer, Tobin, Steuer, Devisenumsatzsteuer, Devisen, James Tobin, VWL, Spekulation, Attac, ERND, Finanzkrise, Wechselkurse, Hot Money, John Maynard Keynes, Fiskalziele
Arbeit zitieren
Miriam Moch (Autor), 2009, Die Tobin-Steuer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148124

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