Märchen und Sozialisation


Seminararbeit, 2009

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1. Definition Lesesozialisation
2.2. Definition Märchen

3. Vorschulische Lesesozialisation & Märchen
3.1. Vorstufen der Leseentwicklung
3.2. Leseressourcen im Elternhaus
3.3. Das Vorlesen
3.4. Prä- und paraliterarische Kommunikation
3.5. Sozialisation und Märchen philosophisch betrachtet
3.6. Sozialisation und Märchen psychologisch betrachtet
3.7. Realitätsbezüge im Märchen

4. Fazit

5. Diskussionsfragen im Rahmen des Plenums
5.1. Gibt’s es eigentlich auch „neue“ Märchen?
5.2. Was fasziniert Kinder am „Bösen“ des Märchens?

6. Literatur

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird der der Zusammenhang zwischen Sozialisation und Märchen erklärt. Zu Beginn wird auf das theoretische Konstrukt der Lesesozialisation eingegangen, es wird versucht eine Definition dieses weitläufigen Begriffes zu geben. In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff des Märchens definiert und die Bedeutung des Lesens über die gesamte Lebensspanne erläutert.

Die familiären Einflussfaktoren auf die Leseentwicklung dürfen keinesfalls unterschätzt werden, hierbei spielt nicht nur die Leseerziehung sondern vor allem auch das Lesevorbild der Eltern eine bedeutende Rolle.

Literatur ist ein Wegbegleiter, eine Hilfe bei der Suche nach der eigenen Identität und gerade die kindlichen Erinnerungen an Worte, Sätze, Gedichte, Erzählungen sind oft ein ganzes Leben lang gegenwärtig. Auch wenn Kinder einige Formulierungen und so manche Symbolik nicht oder nur intuitiv verstehen, bleibt die Lektüre als Erfahrung in der eigenen Biografie bestehen.

Frühe literarische Sozialisation in der Familie ist die wichtigste Instanz der Lesesozialisation. Hier finden Lernprozesse selbstverständlich und alltäglich statt. Sie sind nicht geplant und passieren beim Vorlesen, Mitlesen, in Gesprächen über Bücher oder aber auch im Austausch über Gehörtes und Gesehenes.[1]

Mit Märchen zu arbeiten ermöglicht es Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen und dabei auch wesentlich dazu beizutragen, dass sie selbst zum Lesen finden.

Im Unterschied zum Fernsehen, das Kindern vorfabrizierte, nicht greifbare Bilder vorführt, regt das Vorlesen oder Erzählen eines Märchens an, zum Erzählten eigene Bild- und Erlebniswelten zu erschaffen und auszukleiden.

2. Grundlagen

2.1. Definition Lesesozialisation

Hetherington und Parke definieren Sozialisation als einen lebenslangen Prozess, dem die Entstehung von individuellen Verhaltensmustern, Werten, Maßstäben und Fähigkeiten zugrunde liegt.[2] Dabei kommt es zur Auseinandersetzung mit den entsprechenden Maßstäben einer bestimmten Gesellschaft.

Die „Lesesozialisation“ ist ein Teilbereich der Sozialisation, der sich mit der Literatur einer Gesellschaft und dessen Gebrauch auseinandersetzt. Der Begriff ist durch die in den letzten Jahren veränderte Wahrnehmungs- und Lektürenform entstanden.

Hurrelmann, Hammer und Niess haben eine andere Definition von Lesesozialisation: Sie meinen, dass Kinder das Sprechen und Verstehen der Muttersprache meist in der eigenen Familie lernen, dass das Lesen aber oft als Aufgabe der Schule verstanden wird.[3]

Dies ist meines Erachtens nicht ganz richtig, zwar ist das Schreiben- und Lesenlernen in unserer Kultur Institutionen wie z. B. der Schule übergeben worden, allerdings beginnt der Prozess der literarischen Sozialisation schon viel früher. Für viele Kinder wird schon lange vor der Schule festgelegt, ob sie sich einmal in der Welt der Bücher zurechtfinden und diese auch gerne benützen werden. Ein Mitgrund dafür ist das Erzählt bekommen und Verstehen von Märchen, Mythen und Sagen.

Im Prozess der Lesesozialisation lernen Kinder, mit literarischen Texten umzugehen. Sie entwickeln dabei nicht nur ihre pragmatischen Lesefertigkeiten weiter - im Sinne des Erkennens und Umwandelns von Schriftzeichen in Sprache und der Erfassung von Sinn - sie entwickeln auch die Fähigkeiten, Inhalte zu interpretieren, Strukturen zu erkennen und zu begreifen, Bezüge zu anderen Texten oder eigenen Erfahrungen herzustellen usw. Sie erlernen nicht nur die „Kulturtechnik Lesen“, sondern entwickeln auch ein bestimmtes Leseverhalten und eine persönliche Einstellung zum Lesen. Dieser Prozess ist abhängig von sozialen Bedingungen inner- und außerhalb der Familie und von den Individuen selbst.[4]

Der häufig geäußerte Vorwurf, die kindliche Märchenlektüre würde zu einer späteren Bevorzugung trivialer Literatur führen, lässt sich nicht bestätigen.[5] Der umfangreiche Fundus an Märchen und märchenhafter Literatur bietet dem Kind die Möglichkeit, seinen sich entwickelnden Fähigkeiten und sich ändernden Vorlieben entsprechende Texte auszuwählen.

2.2. Definition Märchen

Märchen sind Prosaerzählungen, die von wundersamen Begebenheiten berichten. Sie zählen zu einer bedeutsamen und sehr alten Textgattung in der Mündlichen Überlieferung oder Oralität und treten in allen Kulturkreisen auf. Im Gegensatz zum mündlich überlieferten und anonymen Volksmärchen steht die Form des Kunstmärchens, von dem der Autor bekannt ist. Im Unterschied zur Sage und Legende sind Märchen frei erfunden und ihre Handlung ist weder zeitlich noch örtlich festgelegt. Im deutschsprachigen Raum wurde der Begriff des Märchens insbesondere durch die Brüder Grimm geprägt.

Allen Märchen liegt eine feste Handlungsstruktur zu Grunde, unabhängig von ihrem Inhalt. Diese Struktur erfüllt bestimmte Funktionen, die mit „archetypischen“ Akteuren verbunden sind (zum Beispiel Held, Gegenspieler, Helfer etc.).

Gut und Böse werden im Märchen in der Regel klar getrennt, häufig in Form von guten und bösen Figuren. Inhaltlich steht meist ein Held im Mittelpunkt, der Auseinandersetzungen mit guten und bösen, natürlichen und übernatürlichen Kräften bestehen muss. Oft ist der Held eine vordergründig schwache Figur. Am Ende eines Märchens wird das Gute belohnt und das Böse bestraft.

[...]


[1] Hurrelmann, Hammer, Niess, 1995

[2] zit. nach Zimbardo, 1995

[3] Hurrelmann, Hammer, Niess, 1995

[4] Hurrelmann, Hammer, Niess, 1995

[5] Spinner, 1993

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Märchen und Sozialisation
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V148127
ISBN (eBook)
9783640587841
ISBN (Buch)
9783640587681
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
märchen, gebrüder grimm, sozialisation, kinder
Arbeit zitieren
Edith Reinisch (Autor), 2009, Märchen und Sozialisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148127

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