Hexenprozesse

"Zivilisatorisches Level" - Schwerpunkt Mittelalter-Neuzeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

31 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung – Hexen, Kräuterfrauen, Magier, Satanisten?

2. Die Anfänge der Hexenverfolgung
2.1. Frauen im Mittelalter
2.1.1. Darstellung der Frau
2.2. Definition "Hexe"
2.3. Die Position der Kirche – Inquisition
2.4. Der Hexenhammer: Folter, Geständnisse und Scheiterhaufen

3. Hexenverfolgung und Hexenprozesse in der westlichen Welt
3.1. Hexenprozesse
3.1.1. Voraussetzungen
3.1.2. Durchführung
3.2. Hexenprozesse in Oberösterreich
3.2.1. Der Grillnberger'sche Hexenprozess
3.3. Die letzte Hexe Europas

4. Hexenverfolgung in anderen Kulturen
4.1 Afrika
4.2 Asien – Indien

5. Hexen im 20. und 21. Jahrhundert

6. Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

- Graph 1, S. 11: Gymnasium Hartberg (o.J.): Von der Entwicklung der Inquisition zur Hexenverfolgung; URL: http://www.gym-hartberg.ac.at/gym/religion/Dateien_Div/Stoffneu/Hexen.pdf (download: 20.04.2008)

- Graph 2, S. 12: Deutsches Historisches Museum (2002): Hexenwahn – Ängste der Neuzeit (2002): Hexenverfolgung in Europa 15.-18. Jhd.; URL: http://www.dhm.de/ausstellungen/hexenwahn/karte.htm (download: 06.05.2008)

1. Einleitung Hexen, Kräuterfrauen, Magier, Satanisten?

Über das Thema Hexenprozesse zu schreiben, bedeutet gleichzeitig über das Thema der Stellung Frau in der Gesellschaft zu recherchieren. Die Hexenverfolgungen betrafen über alle Jahrhunderte hinweg fast ausschließlich Frauen; Frauen wurden und werden in den verschiedensten Kulturen mystifiziert und verehrt oder aber unterdrückt und beschuldigt.

Beschuldigt und letztendlich auch für schuldig befunden von Menschen, die sich Vorgänge in der Natur und ihrer unmittelbaren Umgebung nicht anders erklären konnten. So scheint es auf den ersten Blick. Und so scheint es sich auch zum Beginn der Verfolgung zugetragen zu haben.

Besonders der Berufsstand der Hebammen stand oft schnell im Verdacht der Hexerei – sie halfen den Frauen bei der Geburt durch Gabe beruhigender Mittel und verstießen dabei gegen die biblische Forderung "unter Schmerzen zu gebären". Auch Kräuterkundige waren äußerst gefährdet als Hexen verleumdet zu werden, obwohl sie mit ihrem Wissen eigentlich stark zur damaligen Gesundheitsversorgung beitrugen.[1]

Genauer betrachtet liegen die Wurzeln für den Hexenglauben aber nicht direkt im Mittelalter. Schädliche Zaubersprüche und Wegzaubern von Bodenfruchtbarkeit wurden schon im römischen Zwölftafelgesetz unter Todesstrafe gestellt.[2]

Ohnehin ist es wohl gegeben, dass Menschen seit Anbeginn der Zeit empfänglich für jegliche Art von "Unerklärlichem" sind. Und damit auch scheinbar bereitwillig Verschwörungen Glauben schenken bzw. wie im Fall der Hexenverfolgungen – zu äußerst brutalen Taten fähig sind.

Das deutsche Wort "Hexe" beinhaltet eine deutlich negative Bedeutung, wohingegen fremdsprachliche Abwandlungen auch mit "Weise" oder "Zauberhafte" übersetzt werden könnten. Diese ablehnende Bedeutung haftet dem Hexenbegriff bis heute an, und dass obwohl sich im 20. bzw. 21. Jahrhundert "harmlose" Kräuterkundige selbst als Hexen oder weise Frauen bezeichnen.

Der Satanismus hingegen muss von vornherein vom Hexenkult differenziert betrachtet werden. Es handelt sich dabei um eine Art Sekte, während z.B. der Kult der Wicca typisch religiöse Hierarchiestrukturen entschieden ablehnt. Dennoch kommt es vor, dass diese beiden Strömungen in einem Atemzug genannt oder überhaupt gleichgesetzt werden.

Die wichtigsten Fragen, die es zu beantworten gilt, lauten wohl: Wer trägt die Schuld an diesen Verbrechen? Wer sind die Verantwortlichen, die eine derartige Menschenhetze anbahnten bzw. unterstützen und den Tod vieler Unschuldiger zu verantworten hatten? Wie konnte der Großteil der Bevölkerung Derartiges zusehen und geschehen lassen? Und wie steht die Kirche heute dazu?

2. Die Anfänge der Hexenverfolgung

Ein genauer Beginn der Verfolgung von Hexen lässt sich nicht eindeutig festlegen. Feststeht aber, dass die Hetze früher als heute vielleicht allgemein angenommen ihre Anfänge hatte.

2.1 Frauen im Mittelalter

Wie bereits erwähnt, kann man die Forschung über den Hexenwahn nicht beginnen, ohne sich über die Stellung der Frau im Mittelalter im Klaren zu sein.

Das Weltbild und der damit verbundene Alltag unterschieden sich grundsätzlich von den heutigen: So reichten die sozialen Interaktionen der Menschen damals oft nicht viel weiter als bis zum Dorfrand oder zur nächsten Kleinstadt. Grund dafür war natürlich die äußerst eingeschränkte Mobilität der Masse bzw. der schlechte allgemeine Bildungszustand. Durch dieses einfache, unmittelbare Leben in Abhängigkeit von der Natur wurden Unwetter und Naturkatastrophen schnell Hexen zugeschrieben.[3]

Ihr Leben lang unterstand die Frau der Vormundschaft des Mannes. Was eigentlich als Schutz gedacht war, entwickelte sich rasch zu einem einseitigen Ausbeutungs- und Machtverhältnis. Selbst in der Erbfolge wurden Frauen lange Zeit einfach übergangen – Söhne erbten Grund und Boden, Töchter Anteile an beweglichen Gütern. Später erbten aber nur noch die erstgeborenen Söhne, alle anderen mussten als Gesinde weiterdienen.[4]

Obwohl die Aufklärung im 18. Jahrhundert erfolgreich Veränderungen im gesellschaftlichen Leben erwirkte, waren die politischen Rechte der Frauen zwar festgelegt, wurden aber weiterhin beschnitten. Erzkonservative Vorstellungen der katholischen Kirche von den "sündigen Frauen" blieben auch noch lange über diese Zeit hinaus vorherrschend. Lange war es Frauen nur über Heirat oder den Eintritt in ein Kloster möglich, ein gesichertes Leben zu führen. Tatsache ist, dass die Hierarchisierung von Frauen, egal ob nach Klassenzugehörigkeit oder Familienstand, die Realität darstellte.[5]

2.1.1 Darstellung der Frauen

Festzuhalten ist, dass eine Verallgemeinerung des Frauenbildes im Mittelalter nicht möglich ist. Es besteht sogar eine Ambivalenz: Die Frau hielt eine grundsätzlich schwächere Rechtsposition inne als der Mann. Dennoch bedeutete das keine Minderwertigkeit der Frau. "Der Mann war in seiner Stellung der Frau zwar übergeordnet, doch beide hatten ihre Pflichten gleichermaßen zu erfüllen und darin bestand keine Wertigkeit, denn beide Geschlechter waren gleichermaßen bedeutsam für den Weiterbestand der Familie. Diese Abhängigkeit der Frau vom Mann wurde durch die mangelnde Waffenfähigkeit des weiblichen Geschlechts begründet und war daher zu ihrem Schutz gedacht."[6]

Diese Unterordnung des weiblichen Geschlechts unter den Mann galt weithin als selbstverständlich. So wurde es auch nicht hinterfragt. Dennoch gab es eine erhebliche Diskrepanz zwischen Norm und Realität: U.a. hing die Stellung der Frau von ihrem Stand bzw. ihrer Funktion ab. Als Beispiel: Die Frau war zwar der Männerherrschaft unterworfen, blieb dabei jedoch Herrin über dem Gesinde.[7]

Eine Gleichberechtigung der Geschlechter war damals unvorstellbar, jedoch kann man Ansätze der Gleichbehandlung feststellen; diesen Ansätzen "entspricht zumindest ein indirekter Einfluss hochgestellter Frauen in der Politik, auch wenn sie öffentliche Ämter nicht selbst wahrnehmen konnten. Sie handelte eher aus dem Hintergrund heraus über den Mann wirksam, doch darüber hinaus oft auch sehr effektiv, wie das in manchen Adelshäusern aus jener Zeit ersichtlich wird. Im Rahmen des der Frau zugewiesenen Funktionsbereiches (z.B. als Königin) wurde von ihr eine aktive Mitwirkung gefordert."[8]

Die Frauendarstellung des Mittelalters war vor allem eines: Vielschichtig. Einfach betrachtet, rangierte das Frauenbild zwischen den Angelpunkten Madonna, Hexe und Hausmutter: "Das Ideal der vergeistigten und asexuellen Jungfrau blühte besonders zur Zeit der Hexenverfolgung. Die Hexe wurde zum Gegenbild Marias: Sie war lüstern, selbstbestimmt und mit der Natur verbunden."[9]

2.2 Definition "Hexe"

Begriffsbestimmungen sind Voraussetzungen, um sich ein klares Bild des zu behandelnden Themas zu machen. Bei dem Begriff der "Hexe" ist dies nicht ganz so einfach – seit Jahrhunderten wird dieser Begriff von vielen, manchmal auch widersprüchlichen, Bedeutungen definiert.

Heute wird eine "moderne Hexe" oftmals als karrierebewusste, emanzipierte Frau interpretiert, in der Vergangenheit waren Hexen jedoch vor allem eines: Böse, mit dem Teufel im Bunde stehende, ihre Mitmenschen verfluchende Weiber.

"Das Wort 'Hexe' lehnt sich an hägtesse an, was soviel wie 'kluges, verschmitztes Weib' bedeutet, bzw. an hagazusa/hagazussa. Diese Wörter meinen 'Heckenfee' oder 'Zaunreiterin' (Hag = Zaun, Hofeinfriedung). Die Hexe als Wesen, das vom erhöhten Blickpunkt eines Zaunes sowohl in die diesseitige, als auch in die jenseitige Welt schauen kann, ist sehr einprägsam. Sie steht zwischen den Welten, zwischen Gott und Teufel, Natur und Kultur."[10]

Vor diesem "Sammelbegriff" der Hexe gab es viele verschiedene Namen für eingeschränkte Aspekte der Hexerei: Hervorzuheben sind hier die "Lamia" bzw. die "Striga". Beide raubten bevorzugt Kinder und verzehrten diese. Unter Lamien stellte man sich einerseits wilde, im Wald lebende Frauen vor, sah sie jedoch als Dämonen und nicht als Menschen. Dies gilt bis zum 6. Jahrhundert auch für die Strigen – danach konnten sie auch wirkliche Menschen sein.[11]

Als die ersten Hexenprozesse stattfanden, wurde der Begriff durchaus noch häufiger auf Männer angewendet: Auch Männer konnten schadenstiftende Magie ausüben bzw. mit Satan im Bunde stehen. Es existierte eben noch keine "allgemein gültige" Definition bzw. Ausformulierung der Eigenschaften einer Hexe oder die Zuschreibung dieser auf das weibliche Geschlecht.[12]

[...]


[1] vgl. Hofinger (2004), S. 46f.

[2] vgl. Floßmann & Putschögl (1987), S. 17

[3] vgl. Hofinger (2004), S. 14f.

[4] vgl. ebenda, S. 17

[5] vgl. Hofinger (2004), S. 17ff.

[6] Hofinger (2004), S. 26

[7] vgl. Hofinger (2004), S. 31

[8] Hofinger (2004), S. 32

[9] Hofinger (2004), S. 34

[10] Ruhl (1990), S. 4

[11] vgl. Ruhl (1990), S. 5

[12] vgl. Hofinger (2004), S. 38

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Hexenprozesse
Untertitel
"Zivilisatorisches Level" - Schwerpunkt Mittelalter-Neuzeit
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Sozial- und Wirtschaftsgeschichte)
Veranstaltung
Einführung in die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
31
Katalognummer
V148149
ISBN (eBook)
9783640587865
ISBN (Buch)
9783640587728
Dateigröße
669 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hexen, Hexenprozesse, Mittelalter, Frauen, Österreich, Deutschland
Arbeit zitieren
Melanie Buchmayr (Autor), 2008, Hexenprozesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148149

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