In dieser Arbeit wird die vermeintlich feministische Inszenierung einer "Wonder Woman" im Jahr 2017 auf der Leinwand in Frage gestellt. Warum dies durchaus so gesehen werden kann, wird zuerst in Kapitel 2 zur Filmkonzeption dargelegt. Anschließend soll in Kapitel 3 auf die Proxemik der Figur "Wonder Woman" und auch zum Teil "Steve Trevor" eingegangen werden, da jene, im Film mit Kameraperspektive und -sicht arbeitend, ein gender-camoufliertes Zerrbild evoziert, das die gender-theoretische Filmkonzeption an manchen Stellen tarnt, an anderen wiederum den "male gaze" erst gar nicht verbergen möchte. Gezeigt wird das exemplarisch an mehreren Filmszenen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur gender-theoretischen Filmkonzeption oder warum Wonder Woman nicht feministisch ist
2.1. Diana und Steve Trevor – ein Pygmalion-Stoff?
2.2. Die Frau in der Männerwelt und der Mann in der Frauenwelt
3. Die Proxemik als gender-Camouflage
3.1. Frauen- vs. Männer-Rat:
3.2. Höhe und Tiefe: Wer oben ist, gewinnt – wer unten ist, verliert.
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch, ob Patty Jenkins' Film "Wonder Woman" (2017) eine tatsächlich feministische Inszenierung darstellt oder ob er einem gender-camouflierten Zerrbild verfällt, das trotz oberflächlicher Stärke der Protagonistin den "male gaze" bedient.
- Analyse der gender-theoretischen Filmkonzeption
- Untersuchung der Proxemik als filmkünstlerisches Mittel zur Manipulation
- Dekonstruktion von Machtverhältnissen durch Körperhöhe und Raumverhalten
- Hinterfragung der vermeintlich emanzipierten Darstellung der Heldin
- Kritische Einordnung des Films in patriarchale Erzählstrukturen
Auszug aus dem Buch
3. Die Proxemik als gender-Camouflage
Armin Poggendorf, dessen Arbeit kritisch gelesen werden sollte, da der Autor auf gewisse Gender-Stereotype zurückgreift, jene aber wissenschaftlich einbettet und somit Gender-Performativität auf Wissenschaftsniveau kreiert, beschreibt Proxemik wie folgt:
Proxemik (von lat. proximare = sich nähern) bedeutet Raumverhalten, also die räumliche Konstellation der Kommunikations- oder Interaktionspartner in einer bestimmten Situation. Dabei kommt es auf die räumliche Verteilung, den Abstand, die Körperhöhe, die Körperausrichtung und eine eventuelle Berührung der Körper an.33
Verteilung, Abstand, Körperhöhe und -ausrichtung sowie Berührungen sind nach Poggendorf das essentiell Erfassbare, wenn es um den eher im theaterwissenschaftlichen Sinne zu verwendenden Begriff der Proxemik geht. Auf jene Aspekte soll im Folgenden anhand einiger Szenen im Film eingegangen werden. Allgemein fällt im Film jedoch auf, dass viel mit Aufsicht bzw. leichter Froschperspektive gearbeitet wird, wenn Patty Jenkins Figuren ablichtet. So findet sich diese Aufsicht beispielsweise schon um Minute 00:02:42 bei der jungen Diana, bei der Kampfszene in einer Seitengasse in London um Minute 00:53:00 oder auch in der Parlamentskammer um Minute 00:55:00. Die proxemische Thematik der Körperhöhe soll noch unter 3.2. genauer analysiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird der theoretische Rahmen um den "male gaze" nach Laura Mulvey abgesteckt und das Ziel formuliert, die vermeintlich feministische Avantgarde des Films zu hinterfragen.
2. Zur gender-theoretischen Filmkonzeption oder warum Wonder Woman nicht feministisch ist: Dieses Kapitel analysiert anhand des "Pygmalion-Stoffs" und der Charakterentwicklung Dianas, warum der Film trotz weiblicher Hauptrolle und Regie in traditionelle patriarchale Strukturen zurückfällt.
3. Die Proxemik als gender-Camouflage: Unter Verwendung proxemischer Analysen wird aufgezeigt, wie durch Kameraeinstellungen und Raumkonstellationen eine Machtdynamik erzeugt wird, die Diana zwar oberflächlich als überlegen zeigt, sie aber gleichzeitig für den männlichen Blick sexualisiert.
4. Schluss: Die Arbeit resümiert, dass der Film das komplexe Thema des Ersten Weltkriegs mythologisch entpolitisiert und Dianas Einbettung in die „Männerwelt“ zu einer Rekultivierung führt, die als Vulgärfeminismus zu bezeichnen ist.
Schlüsselwörter
Wonder Woman, Male Gaze, Proxemik, Feminismus, Vulgärfeminismus, Patty Jenkins, Gender-Theorie, Filmwissenschaft, Machtverhältnisse, Körperinszenierung, Pygmalion-Stoff, Heldinnenreise, Patriarchat, visuelle Repräsentation, Raumverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch den Spielfilm "Wonder Woman" aus dem Jahr 2017 hinsichtlich seiner feministischen Ambitionen und deckt Diskrepanzen zwischen der filmischen Inszenierung und der zugrunde liegenden patriarchalen Logik auf.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Es werden die Bereiche Filmkonzeption, gender-theoretische Ansätze, proxemische Raumgestaltung und die soziokulturelle Einordnung von Superheldinnen in aktuellen Mainstreamfilmen behandelt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu belegen, warum der Film trotz gegenteiliger Anzeichen nicht als feministisch, sondern als pseudofeministisch bzw. vulgärfeministisch einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Untersuchung nutzt die filmwissenschaftliche Analyse, insbesondere die Proxemik nach Poggendorf sowie genderspezifische Theorien (wie den "male gaze" von Mulvey), um die Inszenierung von Macht und Geschlechterrollen zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Auseinandersetzung mit der Filmkonzeption (Pygmalion-Bezug) und eine detaillierte proxemische Untersuchung verschiedener Schlüsselszenen, wie etwa Ratsszenen und Kampfarenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen "Male Gaze", "Proxemik", "Gender-Theorie", "Vulgärfeminismus" und die kritische Dekonstruktion filmischer Machtmittel.
Welche Rolle spielt die "Proxemik" spezifisch in "Wonder Woman"?
Proxemik dient hier als Mittel der "gender-Camouflage": Durch Spiel mit Kameraeinstellungen, Höhenunterschieden und Nähe wird Diana scheinbar mächtig und erhaben inszeniert, während die räumliche Anordnung sie subtil in die patriarchalen Strukturen der Männerwelt einzwängt.
Wie bewertet der Autor Dianas Entwicklung im Film?
Die Entwicklung wird als "Rekultivierung" nach dem Pygmalion-Schema interpretiert, bei der die Figur Diana zwar als übermenschliche Amazone agiert, aber durch die Konfrontation mit der Männerwelt und Steve Trevor in eine klassische, dem male gaze entsprechende Frauenrolle gedrängt wird.
- Arbeit zitieren
- Travis Puhl (Autor:in), 2024, Gender-induzierte Proxemik in Patty Jenkins "Wonder Woman". Der "Male Gaze" im "female" Film?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1481635