Souveränität und Staat

Über die Bedeutung der Souveränität für die Entstehung des modernen Staates


Hausarbeit, 2009

10 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Jean Bodins Souveränitätstheorie

3. Funktionen des Souveränitätskonzepts

4. Der Modernisierungsfaktor des Souveränitätskonzepts

5. Fazit

6. Bibliografie

1. Einleitung

Der Begriff der Souveränität ist unverzichtbar, wenn von der Entstehung des modernen Staates gesprochen wird. Daher gilt es diesen Begriff zu untersuchen, will man die Geschichte des modernen Staates verstehen. Sowohl die historische Entwicklung soll untersucht werden, als auch die sozio-kulturellen Gesichtspunkte, die den Prozess hin zu einem souveränen Staat gefördert haben. Diese historische Entwicklung ist so eng verwoben mit der Geschichte der Macht, dass Gunnar Folke Schuppert von der „Geschichte des modernen Staates als Geschichte der Macht“ (Schuppert 2003:55f.) spricht. Somit muss auch der Begriff der Macht berücksichtigt werden und als elementarer Bestandteil der Souveränität herausgearbeitet werden. Und weiter bezeichnet Gunnar Folke Schuppert die „Geschichte des modernen Staats als eine Geschichte des Rechts“ (ebd.). Es gilt also eine Vielzahl an Parametern zu untersuchen, die den Begriff der Souveränität geschichtlich geprägt haben. Bei diesen Untersuchungen ist es unausweichlich von Jean Bodin zu sprechen und sich mit seiner revolutionären Souveränitätslehre zu beschäftigen, die sich bis heute als meist zitiert erwiesen hat. Aufbauend auf dieses Grundverständnis von Souveränität sollen die Funktionen des Souveränitätskonzepts herausgearbeitet und seine Besonderheiten verdeutlicht und schließlich soll die ihr attestierte Modernisierungsleistung beleuchtet werden. Diese Untersuchungen werden sich größtenteils auf die begriffsprägenden Ausführungen Jean Bodins beziehen, aber auch versuchen, ein heutiges Staatsverständnis mit einzubeziehen und die Frage zu klären, welchen Bedeutung der Begriff der Souveränität in der heutigen Zeit noch hat.

2. Jean Bodins Souveränitätstheorie

Jean Bodin gehörte zu einer politischen Gruppierung, les Politiques, die sich für einen Ausgleich zwischen Katholizismus und Protestantismus einsetzte (vgl. Münkler 1987:122f.). Die etlichen Religionskriege in Frankreich und dem Rest Europas, die im 16. Jahrhundert wüteten, wurden von ihnen, allen voran von Jean Bodin, innerhalb des bestehenden Systems als unüberwindbar angesehen. Die Wahrheit über die richtige Religion konnte nicht von einem Monarch und der Kirche selbst geklärt werden, da sie selbst Bestandteil der Auseinandersetzung waren. Dieser Ausgangspunkt veranlasste Jean Bodin ein neues Konzept zu denken, in dem ein Aussenstehender für Frieden und Ordnung sorgen sollte und die Religionskriege schlichten sollte. Diese Aufgabe sollte einer übergeordneten Instanz, dem Souverän zugeschrieben werden, der über komplette Gesetzgebungsgewalt verfügt. Die Frage der richtigen Konfession war somit auf die Kirche übertragen und keine Aufgabe des Regenten mehr. An diesem revolutionären Punkt lassen sich gleich mehrere Besonderheiten bemerken. Zum einen stellt diese Situation einen weiteren wichtigen Schritt im Säkularisierungsprozess dar. Die Religion ist fortan nicht mehr Bestandteil der Politik. Böckenförde konstatiert hierzu treffend:

Aus diesen konfessionellen Bürgerkriegen ging [...] die zweite Stufe der Säkularisation, der sich rein weltlich und politisch aufbauende und legitimierende Staat hervor; mit seiner Heraufkunft war zugleich auch über die Trennung von Religion und Politik grundsätzlich entschieden (Böckenförde 1991:101).

Zum anderen wird die Hauptaufgabe des Staates, wie sie Thomas Hobbes schon beschrieben hat, hervorgehoben: Der Staat soll dem Volk Ordnung und Sicherheit bieten. Er soll die „Erhaltungsbedingungen des bürgerlichen Lebens“ (Böckenförde 1991:106) und die „Befriedigung der individuellen Lebensbedürfnisse durch die Bürger“ (ebd.) sichern. Dafür muss der Souverän mit allen neuzeitlichen Herrschaftskompetenzen ausgestattet sein. Jean Bodin brachte diese den Souverän kennzeichnenden Befugnisse auf eine Kurzformel, indem er den Souverän als höchstmögliche Konzentration von Macht beschreibt. Er führt weiter aus: Le point principal de la maiesté souveraine, et puissance absolue, c´est principalement à donner loy [sic] aux subiects [sic] en general sans leur consentement [1] (Bodin nach Schuppert 2003:160). Die gesamte öffentliche Gewalt wird also in der Person des Souveräns konzentriert. Diese hohe Form der Macht wird, ähnlich wie es Heinrich Popitz grundsätzlich mit seiner Theorie der Ordnungssicherheit rechtfertigt, durch die Ordnung, den Frieden und dem Ende der Religionskriege legitimiert, die der Souverän dem Volk bietet.

Neben den Religionskriegen, die zu einem Umdenken hin zu dem Souveränitätskonzept geführt haben ist ein weiterer Umstand anzuführen, der die Entwicklung einer neuen Staatsform gefördert hat, beziehungsweise von dieser gestützt wurde. Die Bedeutung von territorialer Abgrenzung durch gemeinsame Sprache, Kultur und gemeinsame historische Ereignisse stieg zunehmend. Durch den Souverän konnte dies in doppelter Hinsicht gewährleistet und gestützt werden. Aus diesem Grund spricht Jean Bodin von der doppelten Stoßrichtung der Souveränität. Der Regent macht sich und sein Territorium nach innen und nach außen souverän, also eigenständig und schützte sich vor allen Dominierungsversuchen Dritter. Der Souverän verstand es durch die Gesetzgebung nach innen für Ordnung zu sorgen und Widerstand zu bändigen. Dies geschieht mit dem utilitaristischen Interesse, das höchste herrschende Allgemeinwohl zu schützen. Aber auch nach außen grenzt sich der Souverän von anderen Staaten und Organisationen ab, die für den eigenen Staat gefährlich werden könnten. Der Zusammenhang zwischen der inneren und äußeren Stoßrichtung ist als Prozess der Gleichzeitigkeit zu verstehen: Mit Entstehung des Territorialstaates nach innen bildet sich eine „Außenhaut der Abgrenzung“ nach außen (Stolleis nach Schuppert 2003:159). Ebenso wie die Ordnung nach innen durch Gesetze willkürlich, beziehungsweise ohne die Einwilligung des Volkes geschehen konnte, musste die Unabhängigkeit von anderen Staaten oder Organisationen notfalls erkämpft werden (vgl. Kimmenich nach Schuppert 2003:158). Da der Souverän als höchstmögliche Konzentration der Macht zu verstehen ist, kann hier unterstützend und als Parallele das Machtverständnis von Heinrich Popitz angeführt werden. Für Popitz ist Macht notwendig für die Ordnung der Gesellschaft und als Schutz nach Außen. Wer sich nach Außen schützen wolle, müsse fähig sein, Macht zu konzentrieren (vgl. Popitz 1992: 64).

[...]


[1] Frei übersetzt: Der Kern der souveränen Königlichkeit und der uneingeschränkten Macht ist es hauptsächlich, den Individuen, im allgemeinen ohne ihre Einwilligung, Gesetze zu geben.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Souveränität und Staat
Untertitel
Über die Bedeutung der Souveränität für die Entstehung des modernen Staates
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Staat und Säkularisierung
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
10
Katalognummer
V148181
ISBN (eBook)
9783640588145
ISBN (Buch)
9783640588039
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Staat, Souveränität, Raison, Politik, Wissenschaft, Politikwissenschaft, Jean Bodin, Souveränitätskonzept, Souveränitätstheorie, Popitz, Hobbes, Max Weber, Weber
Arbeit zitieren
Stephan Jung (Autor), 2009, Souveränität und Staat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148181

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Souveränität und Staat



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden