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Moralische und rechtliche Verantwortung bei Arthur Schopenhauer

Title: Moralische und rechtliche Verantwortung bei Arthur Schopenhauer

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Simon Muss (Author)

Philosophy - Philosophy of the 19th Century
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Zu den ersten Erfordernissen des Philosophierens gehört nach Schopenhauer, keine Frage auf dem Herzen zu behalten. Zu den philosophischen Fragen gehört demnach auch die Frage nach der Bedeutung von Recht und Moral bzw. des Ursprungs, der Begründung und Beschaffenheit von Rechts – und Moralsystemen als Teil des menschlichen Lebens.
Ist eine Funktion von Moral und Recht die Bewertung und Regulierung menschlicher Absichten und Handlungen, so ist mit der Bewertung menschlicher Handlungen aus moralischer und rechtlicher Sicht notwendigerweise die Frage nach der individuellen Verantwortung verbunden. Aufgrund welcher Kriterien ist der Mensch für sein eigenes Handeln zur Verantwortung zu ziehen? Sind diese Kriterien erfüllt? Nach Schopenhauer ist die Verantwortung für das eigene Handeln bei jedem Menschen eindeutig gegeben. Jeder Mensch ist nach Schopenhauer „sein eigenes Werk“ und ist somit in der Folge voll und ganz für sich und für sein Handeln verantwortlich.
Die zentrale Frage ist: Wie ist dieser Begriff der Verantwortung bei Schopenhauer begründet? Wieweit reicht diese Begründung? Gibt es Widersprüche?
Zunächst ist es notwendig, Schopenhauers Verständnis der Begriffe „Moral“ und „Recht“, ihre Abgrenzung und ihre gegenseitige Bezogenheit nachzuvollziehen. In einem zweiten Schritt soll auf grundsätzliche, bei Schopenhauer angenommene Merkmale und Eigenschaften eingegangen werden, die für jeden Menschen wesensbestimmend sind und - vor dem Hintergrund der Annahme, dass jeder Mensch sein eigenes Werk ist - im Bezug auf Recht und Moral wichtig sind. Dies sind vor allem der menschliche Charakter und das menschliche Gewissen.
Auf die Willensmetaphysik Schopenhauers soll in diesem Zusammenhang nicht näher eingegangen werden. Die Prämisse, das es den einen, freien und alles erschaffenden Willen gibt, aus dem die Welt und alles was in ihr ist, hervorgeht, muss aber als grundlegende Annahme Schopenhauers notwendigerweise berücksichtigt werden, da als Folge dieser Annahme alles was in der Welt ist mit ihr zusammenhängt.
Die Textgrundlage dieser Arbeit sind für die die Ausgangsfrage wichtigen Abschnitte aus Schopenhauers Gesamtwerk. Dies umfasst Passagen aus dem ersten und zweiten Band von „Die Welt als Wille und Vorstellung“, dem 2. Band der „Parerga und Paralipomena“ sowie der „Preisschrift über die Grundlage der Moral.“ Verwendet wurde die von Ludger Lütkehaus herausgegebene und im Hafmanns Verlag erschienene Gesamtausgabe.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Moral und Recht bei Schopenhauer

1.1 Der Begriff der Moral

1.2 Der Begriff des Rechts

1.2.1 Moralisches Recht

1.2.2 Positives Recht

2. Das Individuum und die Moral

2.1. Der individuelle Charakter

2.2. Das Gewissen

3. Das Individuum und das Recht

4. Moralische Verantwortung

5. Rechtliche Verantwortung

6. Fazit

7. Verwendete Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie moralische und rechtliche Verantwortung bei Arthur Schopenhauer begründet sind, und analysiert, inwieweit diese Begründung unter Berücksichtigung von Willensmetaphysik und Charakterlehre schlüssig bleibt. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, wie der Begriff der Verantwortung trotz der Annahme eines unveränderlichen Charakters und der Unfreiheit in der Welt der Erscheinung haltbar ist.

  • Bedeutung von Moral und Recht in der Philosophie Schopenhauers
  • Die Rolle des Individuums, des Charakters und des Gewissens
  • Differenzierung zwischen moralischem und positivem Recht
  • Kritische Analyse des Verantwortungsbegriffs und der menschlichen Freiheit

Auszug aus dem Buch

Der individuelle Charakter

Wenn jeder darüber hinaus in der Lage ist, den eigenen Willen, sowie den Willen eines Anderen im Zuge des Mitleids durch die Vermittlung anschaulicher Erkenntnis intuitiv zu erfahren, warum besteht ein so großer Unterschied im Bezug auf das moralische Handeln der Menschen?

Schopenhauer löst dieses Problem auf, indem er unterschiedliche Charaktere der Menschen annimmt. Diese Unterschiede im Charakter sind angeboren und unvertilgbar. Dem empirischen Charakter, der sich für die Einzelnen Menschen im täglichen Leben in seinen Äußerungen zeigt, und in diesen Raum Zeit und daher der Veränderung unterworfen ist, liegt ein unveränderlicher intelligibler Charakter zugrunde, welcher von Raum, Zeit und Kausalität unabhängig ist. In diesem intelligiblen Charakter sind alle Äußerungen des empirischen Charakters schon als potentia, als Vermögen, enthalten. Da der intelligible Charakter aber von Raum Zeit und Kausalität unabhängig ist, treten diese Äußerungen nicht ein. Die von Schopenhauer durch die Erfahrung bestätigte Unveränderlichkeit des Charakters wird hier auf den intelligiblen Charakter zurückgeführt:

Aus den genannten Annahmen folgt, dass auch eine moralische Erziehung im Sinne einer Besserung des Charakters nicht möglich ist. Schopenhauer sieht sich auch hier durch die Erfahrung bestätigt. Er führt darüber hinaus an, das auch die Redeweise der Menschen die Auffassung von der Unveränderlichkeit des Charakters nahelegt, etwa: „Jetzt sehe ich, wie du bist.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Moral und Recht bei Schopenhauer: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Moral und Recht als intuitiv erfahrbare, aufeinander bezogene Konzepte und grenzt moralisches von positivem Recht ab.

2. Das Individuum und die Moral: Hier werden der individuelle Charakter als unveränderliches Grundwollen sowie das Gewissen als Reflexionsinstanz des Handelns analysiert.

3. Das Individuum und das Recht: Der Fokus liegt auf der vernunftmäßigen Abstraktheit des positiven Rechts, das auf die Vermeidung von Unrechtleiden zielt.

4. Moralische Verantwortung: Dieses Kapitel prüft, inwiefern bei Schopenhauer trotz der Annahme eines unfreien, notwendig handelnden Menschen von moralischer Verantwortung gesprochen werden kann.

5. Rechtliche Verantwortung: Untersuchung der Problematik, ob eine rechtliche Bestrafung ohne Freiheit der Handlung bei Schopenhauer logisch begründbar bleibt.

6. Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Konsistenz von Schopenhauers System im Hinblick auf den Verantwortungsbegriff kritisch.

Schlüsselwörter

Schopenhauer, Moral, Recht, Verantwortung, Wille, Charakter, Gewissen, Mitleid, Freiheit, Kausalität, Welt der Erscheinung, Unrecht, Naturrecht, Positives Recht, Ethik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung, wie Arthur Schopenhauer moralische und rechtliche Verantwortung innerhalb seines philosophischen Systems begründet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Willensmetaphysik, die Theorie des unveränderlichen Charakters, die intuitive Fassbarkeit moralischer Begriffe sowie die Unterscheidung zwischen moralischem und positivem Recht.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Begründung von Verantwortung bei Schopenhauer zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, ob diese unter Annahme seiner Lehre von der Unfreiheit des Handelns schlüssig ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine textbasierte philosophische Analyse der Hauptwerke Schopenhauers, insbesondere der Bände von "Die Welt als Wille und Vorstellung", der "Parerga und Paralipomena" und der "Preisschrift über die Grundlage der Moral".

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Begriffs der Moral, die Erläuterung der Charakterlehre, die Rolle des Gewissens sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der moralischen und rechtlichen Verantwortung des Einzelnen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern gehören: Moral, Recht, Verantwortung, Wille, Charakter, Gewissen und Freiheit.

Warum ist laut Schopenhauer moralische Erziehung nicht möglich?

Da der Charakter nach Schopenhauer angeboren und unveränderlich ist, kann er nicht durch Belehrung oder Erziehung verbessert werden; es lässt sich lediglich die Wahl der Mittel steuern.

Wie begründet Schopenhauer die rechtliche Strafe?

Schopenhauer lehnt Vergeltung ab und begründet Strafe rein utilitaristisch als Mittel zur Vermeidung zukünftigen Unrechts durch den Einsatz von Abschreckung.

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Details

Title
Moralische und rechtliche Verantwortung bei Arthur Schopenhauer
College
University of Duisburg-Essen  (Institut für Philosophie)
Grade
1,3
Author
Simon Muss (Author)
Publication Year
2009
Pages
21
Catalog Number
V148212
ISBN (eBook)
9783640588183
ISBN (Book)
9783640588084
Language
German
Tags
Arthur Schopenhauer Ethik Rechtsphilosophie Philosophie des 19. Jahrhunderts Moralsysteme Moralische und rechtliche Verantwortung Die Welt als Wille und Vorstellung Schopenhauers Willensmetaphysik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Simon Muss (Author), 2009, Moralische und rechtliche Verantwortung bei Arthur Schopenhauer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148212
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