Die Deutsche Demokratische Republik

Ein Land - Zwei politische Kulturen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
6 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

1 Einleitung

Zwischen 1949 und 1990 gab es im deutschen Raum nicht nur die Trennung zwischen Bundesrepublik Deutschland und Deutscher Demokratischer Republik. Auch innerhalb der DDR tat sich eine, wenn auch unsichtbare, Mauer auf. Zum einen gab es die offizielle politische Kultur des Staates, mit starker marxistisch-leninistischer Ausrichtung, zum anderen die „traditionelle politische Kultur“[1] (Rytlewski 1987: 245), versteckt ausgelebt von den Bürgern der DDR, geprägt von politischer Apathie. Das Termpaper wird sich auf diese beiden Kulturen beschränken, obwohl es innerhalb der DDR weitere, alternative politische Kulturen gab. Die beiden genannten politischen Kulturen sollen im Folgenden beschrieben werden. Auch soll dargelegt werden, dass sie nicht nur nebeneinander koexistierten, sondern die traditionelle politische Kultur eine Reaktion auf die offizielle politische Kultur war.

2 Die offizielle politische Kultur der DDR

Die DDR war „das Produkt einer 'künstlichen' Geburt“ (Lemke 1989: 81). Entsprechend musste auch die politische Kultur künstlich erzeugt werden, und diese sollte alle Lebensbereiche der Menschen durchdringen. Von Kindergärten und Massenmedien bis hin zur Nationalen Volksarmee – überall galt es, die DDR-Bürger zu neuen, besseren Menschen zu erziehen, die sich durch Bildung und sozialistische Persönlichkeit auszeichneten (Sontheimer 1991: 61f.).

Funktion der offiziellen politischen Kultur war es, den Bürgern vor allem die „richtigen“ Werte zu vermitteln. Der neue Mensch der DDR war in seinem Verhalten optimistisch und solidarisch, stets lernbereit und auf Weiterbildung bedacht. Mit diesem Menschenbild sah man die Ziele verwirklicht, dass alle Menschen gleich und frei sind und ihnen soziale Gerechtigkeit zuteil wird. Darüber hinaus sollte der auch in die Zukunft reichende Führungsanspruch der SED anerkannt werden. Diese Anerkennung gehörte, zusammen mit der Emanzipation, zu den instrumentellen Werten (Rytlewski 1989: 22). Das mithilfe dieser Werte geschaffene Leitbild der DDR-Führung betonte besonders vier Elemente:

- „die Geltung des Marxismus-Leninismus als Grundlage des politischen Lebens,
- die Anerkennung der Arbeit als zentraler Wertkategorie und der Arbeitsleistung als grundlegendem Kritierium der sozialen Gerechtigkeit,
- den Vorrang gesellschaftlicher und kollektiver Ziele und Verhaltensweisen vor privaten und individuellen,
- die Einschränkung der staatsbürgerlichen Loyalität anstelle des ganzen 'Deutschlands' auf die kleinere DDR“ (Rytlewski 1987: 245).

Obwohl den Bürgern diese Werte und Elemente, wie bereits erwähnt, unabhängig vom Alter in nahezu allen Lebensbereichen begegneten, hielt es der Leipziger SED-Generalsekretär Walter Ulbricht für nötig, ihnen zusätzlich eine Anleitung an die Hand zu geben, um als sittlicher, neuer Mensch die „Grundsätze der sozialistischen Ethik und Moral“ (Sontheimer 1991: 62) einhalten zu können. Sie wurde 1958 veröffentlicht und enthielt Anweisungen über Vaterlandliebe, Erhalt des Sozialismus, Kindererziehung, Sauberkeit etc. (vgl. Sontheimer 1991: 62f.).

Doch von den Bürgern der DDR wurde nicht nur erwartet, dass sie zu neuen, besseren Menschen werden, die sich moralisch und sozialistisch einwandfrei verhalten; aufgrund der Verfassung von 1968 waren sie auch in der Pflicht, ihre Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Artikel 21 der Verfassung besagte „Arbeite mit, plane mit, regiere mit!“ (Sontheimer 1991: 64). Damit nicht genug: auch die Pflicht zur Arbeit (Art. 24,2), die elterliche Erziehungspflicht (Art. 38,4) und die Berufsbildungspflicht (Art. 25,4) wollte der Staat den Menschen weder erlassen noch ihnen selbst überlassen (vgl. Sontheimer 1991: 64).

Die bisher dargelegten Leitbilder, Anleitungen und Verpflichtungen zeigen ein hohes Maß an Bevormundung der DDR-Bürger durch den Staat. Auf diese paternalistische Beziehung zwischen Staat und Bürgern reagierten die Menschen in Form einer eigenen, traditionellen politischen Kultur, wie im nächsten Abschnitt erörtert werden soll.

[...]


[1] In anderer Literatur finden sich Bezeichnungen wie „dominante politische Kultur“ oder „real existierende politische Kultur“ für dasselbe Phänomen. Der Einfachheit halber werde ich mich in dieser Arbeit auf den Begriff der „traditionellen politischen Kultur“ beschränken.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Die Deutsche Demokratische Republik
Untertitel
Ein Land - Zwei politische Kulturen
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
6
Katalognummer
V148227
ISBN (eBook)
9783640581672
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DDR, Deutsche Demokratische Republik, Politische Kultur
Arbeit zitieren
Jenny Beyen (Autor), 2010, Die Deutsche Demokratische Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148227

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