Diese Arbeit zeigt, dass das Wandern gegenwärtig einen großen Stellenwert im Portfolio der Freizeit- und Urlaubsaktivitäten der Deutschen Bevölkerung einnimmt. Durch die christliche Demokratisierung und das Phänomen der Individualisierung kommt es zudem im Zusammenhang mit dem Wandertourismus zu einer Aufwertung des Spirituellen Tourismus in Form von Pilgerreisen, allen voran dem Bewandern von Jakobswegen.
Um diesem gesteigerten Interesse der Menschen für das Wandern nachzukommen und die touristische Wertschöpfung in ländlichen Regionen auszunutzen, ist es die Aufgabe der lokalen Akteure eine Infrastruktur zu schaffen, die sich an den Bedürfnissen moderner Wanderer orientiert. Da der Tourismussektor im Vergleich
zu anderen Wirtschaftssektoren in keinem anderen Bundesland einen so großen Stellenwert einnimmt, wie in Mecklenburg Vorpommern, steht die Überlegung im Raum, die vorhandene historische Route des baltisch westfälischen Jakobsweges als Flachwanderweg touristisch aufzuwerten und thematisch von anderen
Wanderwegen abzugrenzen.
Gerade für das wirtschaftlich schwache Hinterland von Vorpommern würde dieses Projekt eine Option bieten, ein eigenes touristisches Produkt zu offerieren, dass sich durch ein starkes Alleinstellungsmerkmal (Naturlandschaft) von den touristisch stark frequentierten Küstenabschnitten auf den Inseln Rügen und Usedom sowie von anderen Wanderwegen abgrenzt. Mit einer Zielführung der Route in Ahlbeck könnte das Alleinstellungsmerkmal „Ostseeküste“ sogar in das touristische Portfolio des Hinterlandes integriert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung – Pilgerwandertourismus in Deutschland
1.1 Zur gegenwärtigen Situation im bundesdeutschen Wandertourismus
1.2 Fragestellung und Aufbau der Arbeit
2 Wandern - Definition, Entstehung und spezielle Aspekte
2.1 Definition und begriffliche Abgrenzung
2.2 Zur Historie des Wanderns
2.3 Spezielle Aspekte des Wanderns
2.3.1 sportmedizinische Aspekte des Wanderns
2.3.2 soziologische Aspekte des Wanderns
2.3.2.1 Das „Naturerlebnis“ als Grundbedürfnis moderner Menschen
2.3.2.2 Wandern als Form des Genusses von Naturlandschaften aus der Perspektive der Landschaftspsychologie
2.3.3 Touristische Aspekte
2.3.3.1 Wandern als Form des nachhaltigen Tourismus
2.3.3.2 Wandern als Element des Wellness – Urlaubs
2.3.3.3 Wandern als Form des spirituellen Tourismus
2.3.4 Wandern: Trend oder Trendsport
3 Potential der Nachfrager
3.1 Der moderne Wandergast innerhalb des touristischen Nachfragersegments
3.2 Motive von Wanderern
3.3 Bedürfnisse von Wanderern
4 Angebotspotential und Infrastruktur
4.1 Inszenierung und Thematisierung: Beispiele für erfolgreiches Marketing im Wandertourismus
4.2 Qualität im Wandertourismus
4.2.1 Gütekriterien für Wanderwege
4.2.2 Wanderfreundliche Gastgeber
4.2.3 Wandermarketing mit Hilfe von Prospekten
4.3 „TourNatur“ – Die Wander- und Trekkingmesse
5 Analyse der qualitativen Experteninterviews
5.1 Konzeption der Route
5.2 Thematisierung
5.3 Beschilderung
5.4 Gastgeber
5.5 Spiritueller Tourismus versus konventioneller Wandertourismus
5.6 Zusammenarbeit der Akteure
5.7 Marketing
5.8 Stärken Schwächen Analyse
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial des Pilgerwandertourismus, insbesondere des baltisch-westfälischen Jakobswegs, zur touristischen Aufwertung und wirtschaftlichen Stärkung des strukturschwachen Hinterlands von Vorpommern unter Berücksichtigung moderner Wanderbedürfnisse.
- Analyse der aktuellen Trends und Motive im Wandertourismus
- Evaluation des touristischen Potenzials der Naturlandschaften Vorpommerns
- Identifikation von Anforderungen an Infrastruktur und Marketing für Wanderwege
- Ableitung von Handlungsempfehlungen durch Experteninterviews
Auszug aus dem Buch
2.3.1 sportmedizinische Aspekte des Wanderns
Bewegungsarmut heißt eines der großen physiologischen Phänomene unserer Zeit. Sie ist eine der Hauptursachen für die großen Zivilisationskrankheiten, wie z.B. Krebs. Trotz der steigenden Mobilität, sinkt das körperliche Bewegungspensum eines Großteils der Gesellschaft. Wo liegen die Ursachen hierfür?
Schuld ist zum einen der hohe Technisierungsgrad in Bezug auf die Fortbewegungsmittel, wie PKW, Bus, Bahn oder Flugzeug. Im extremen Gegensatz zu unseren frühen Vorfahren, die als Jäger und Sammler noch täglich bis zu 40 km zu Fuß zurückgelegt haben um die Existenz für sich und ihre Angehörigen zu sichern (vgl. VÖLKER 1998, S.1), dominiert heute die motorisierte Fortbewegung.
Verteilt man die 310 Fußkilometer, so kommt man auf gerade mal 849 m pro Tag. Anhand dieser Tatsache kommt Ausgleichssport in der Freizeit eine immer größere Bedeutung zu. Negative Modeerscheinungen wie Schlankheitswahn aber auch ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein, von welchem wiederum die Gesundheitsindustrie mit ihren zahlreichen Angeboten profitiert, führen zu einer allgemeinen Befürwortung von sportlichen Tätigkeiten. Aufgrund von immer stärker individuell divergierenden Bedürfnissen hat sich binnen der letzten Jahrzehnte daher auch eine große Zahl neuer Sportarten auf dem Markt etabliert. Dabei gibt es unter den Sportmedizinern dahingehend einen Konsens, dass nicht jeder Sport gleichzeitig gesund ist.
Hinsichtlich der fragwürdigen Folgen des Leistungssports wendet sich nicht nur die Sportmedizin mehr und mehr den sanfteren Ausdauersportarten zu. Mit einem gewandelten Sportverständnis betreibt ein großer Teil der Bevölkerung Sport, weniger der persönlichen Höchstleistungen wegen, als vor allem zu Gunsten der eigenen Fitness und Gesundheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung – Pilgerwandertourismus in Deutschland: Ein Überblick über die Renaissance des Wanderns und die wachsende Bedeutung des Pilgerwandertourismus als touristisches Segment.
2 Wandern - Definition, Entstehung und spezielle Aspekte: Definition des Wanderbegriffs, historische Herleitung und Untersuchung der gesundheitlichen, soziologischen und touristischen Dimensionen.
3 Potential der Nachfrager: Analyse des modernen Wandergastes, seiner spezifischen Motive und Bedürfnisse sowie der unterschiedlichen Wandertypen.
4 Angebotspotential und Infrastruktur: Darstellung erfolgreicher Vermarktungsbeispiele und Kriterien für Qualitätssicherung in der Wanderinfrastruktur und beim Gastgewerbe.
5 Analyse der qualitativen Experteninterviews: Auswertung von Experteninterviews zur spezifischen Situation des Jakobswegs in Vorpommern und Erarbeitung von Optimierungsvorschlägen.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Potenziale und Strategieempfehlungen für die Region Vorpommern.
Schlüsselwörter
Wandertourismus, Jakobsweg, Vorpommern, Pilgerwandern, Nachhaltigkeit, Tourismusmarketing, Naturerlebnis, Infrastruktur, Produktentwicklung, Wandergast, Qualitätsmanagement, Gesundheitstourismus, spiritueller Tourismus, regionale Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Wandern und speziell der Pilgerwandertourismus genutzt werden können, um das wirtschaftlich unterentwickelte Hinterland von Vorpommern touristisch aufzuwerten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition und Historie des Wanderns, der Analyse von Wander-Nachfragern, der Qualitätssicherung von Wanderwegen sowie einer Expertenanalyse zur Vermarktung des Jakobsweges in Vorpommern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten der Produktentwicklung im Wandertourismus zu identifizieren, um das Hinterland Vorpommerns durch authentische Angebote touristisch attraktiver zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit der Auswertung von Experteninterviews, die sie persönlich geführt hat, um praxisnahe Handlungsempfehlungen zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Psychologie des Wanderns, den Anforderungen an eine hochwertige Wanderinfrastruktur und der konkreten Anwendung von Qualitätskriterien auf die Region Vorpommern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wandertourismus, Jakobsweg, Vorpommern, Nachhaltigkeit, Tourismusmarketing und Produktentwicklung sind die zentralen Begriffe.
Warum wird der "Jakobsweg in Vorpommern" als Fallbeispiel gewählt?
Weil er die Chance bietet, durch die Nutzung vorhandener historischer Routen und Naturpotenziale ein touristisches Produkt zu schaffen, das sich deutlich von den überlaufenen Küstenregionen abhebt.
Welche Rolle spielen die Experteninterviews für die Schlussfolgerungen?
Die Experteninterviews liefern den notwendigen Praxisbezug, da sie lokale Schwierigkeiten (z.B. unzureichende Beschilderung, Interessenkonflikte) aufzeigen und wertvolle Impulse für die touristische Ausgestaltung geben.
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- Sara Anna Friedrich (Author), 2007, Neue Impulse für den Wandertourismus am Beispiel des Jakobsweges in Vorpommern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148243