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Wirnt von Grafenberg: Ein Moralist?

Title: Wirnt von Grafenberg:  Ein Moralist?

Seminar Paper , 2008 , 28 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Peter Golde (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Beinahe ganz am Ende der umfangreichen Wigalois-Erzählung erhalten wir vom Autor des Werkes Wirnt von Grafenberg diese Information, die nicht so recht in das Bild passen will, welches man sich beim oberflächlichen Lesen vom Dichter denken könnte. Mit etwas ungelenk wirkenden Worten liest man da von unvollendetem und unausgereiftem Kunstverstand (V. 46, 63) und dem Bewusstsein der eigenen Unzulänglichkeit, zumindest die Dichtkunst anbelangend (V. 11632 f., 11664) vernimmt aber mit einiger Verwunderung, dass er sich schon bald an einer neuen Geschichte versuchen wolle, die er sicherlich besser bewerkstelligen werde. Bei genauem Hinsehen finden sich dann aber doch noch mehr Belege, die einer anderen Deutung Raum geben könnten. Betrachtet man die Äußerungen Wirnts bezüglich seiner kunst am Anfang seiner Erzählung und den umfangreichen Kommentarapparat innerhalb der Geschichte selbst, entsteht hier eher der Eindruck, dass wir es mit einer selbstsicheren, vielleicht sogar etwas anmaßenden Persönlichkeit zu tun haben. Er stattet sich (und seinen fiktiven Helden) mit einer idealen, beispielhaften Tugendhaftigkeit aus, postuliert eine umfassende religiöse Gelehrtheit und versieht sich mit einem profunden Schatz an Alltagswissen. Alles zusammen teilt er dem Zuhörer bzw. Leser in oberlehrerhafter Manier mit und empfiehlt es ihm plattitüdenhaft zur Nachahmung.
Grundlage dieser Betrachtungsweise soll eine Untersuchung der vielfältigen Erzählerkommentare, der allgegenwärtigen Zeitklagen und der Tugend- und Morallehren des Werkes bilden. Einer kurzen historischen Einordnung, der soziokulturellen und gesellschaftlichen Zustände der damaligen Zeit, folgt eine Darstellung der Realitäten und Mentalitäten, wie wir sie im 13. Jahrhundert vorfinden. Der weitere Verlauf der Arbeit beschäftigt sich primär mit den unterschiedlichen Erzählerkommentaren und fokussiert vor allem auf die Bereiche Lebenswelt, Moraldidaxe und Religion. Anhand dieser Untersuchung soll sich der Frage nach Wirnt von Grafenberg, dem Moralisten genähert, aber auch versucht werden einen neuen, zusätzlichen Aspekt bei der Betrachtung des Autors und seiner Wirkabsicht herauszuarbeiten und zur Diskussion zu stellen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historischer Kontext

2.1 Wirnt von Grafenberg

2.2 Realitäten und Mentalitäten im 13. Jahrhundert

3 Der Wigalois Wirnts von Grafenberg

3.1 Moralische Belehrungen/ Verhaltensregeln im Wigalois

3.2 Lebensregeln/ Spruchweisheiten im Wigalois

3.3 Zeitklagen/ Gesellschaftskritik im Wigalois

3.4 Religion und religiöses im Wigalois

4 Intention und Wirkabsicht des Wigalois

5 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Wirnt von Grafenbergs Artusroman "Wigalois" hinsichtlich seiner moralischen und didaktischen Dimensionen, um zu klären, inwieweit der Autor als Moralist bezeichnet werden kann. Im Zentrum steht dabei die Analyse von Erzählerkommentaren, Zeitklagen und religiösen Einschüben, um die Absicht des Autors hinter der moralisierenden Gestaltung seines Werkes und der fiktiven Welt des Wigalois zu ergründen.

  • Historische Einordnung des Autors Wirnt von Grafenberg und seines Wigalois
  • Analyse von Erzählerkommentaren zu Lebenswelt, Moral und Religion
  • Untersuchung der gesellschaftskritischen "Zeitklagen" im Werk
  • Erarbeitung der Autorenintention und der didaktischen Wirkabsicht
  • Diskussion der Rolle des Autors als moralische Instanz und "Schulmeister"

Auszug aus dem Buch

3.1 Moralische Belehrungen/ Verhaltensregeln im Wigalois

Bevor wir uns im Einzelnen mit den vielen moralisierenden Einschüben beschäftigen, die sich durch das gesamte Werk ziehen und uns einen Hinweis und eine Wirkabsicht des Autors Wirnt von Grafenberg selbst zu zeigen scheinen, sollen hier die Begriffe Moral resp. Moralismus kurz skizziert werden:

Der Begriff „Moral“ geht auf das lateinische mōs (lat.: mōs, mōris, m. = Gewohnheit, Sitte, Brauch) zurück und bezeichnet in einem beschreibendem Sinn all diejenigen Regeln und Vorschriften, die das sittliche/ schickliche Handeln und Verhalten innerhalb einer Gruppe oder Gemeinschaft (auch Sozialgefüge) betreffen; noch ohne Wertung (positiv - negativ) werden hierbei also lediglich Vorstellungen einer Sozialgemeinschaft bezüglich des (richtigen) Verhaltens beschrieben, die aus Sitten, Bräuchen und Gewohnheiten ihres eigenen und alltäglichen Lebens entstanden sind.

Beinahe in Kontrast dazu steht der Begriff des Moralismus und seinem Anwender, dem Moralisten. Im Wortgebrauch stellen wir hier fast eine negative Konnotation fest; in abwertender Weise werden damit überzogene oder weltfremde Ansichten resp. Forderungen bezeichnet, die einer allzu apodiktischen Auslegung der herrschenden Moral entstammen bzw. Verhalten einfordern, welches sich im Alltagsleben meistenteils bereits als obsolet herausgestellt hat. Vielfach werden in diesem Zusammenhang auch Bezeichnungen wie Rechthaber, Schulmeister oder Idealist genannt, in einigen Fällen auch Besserwisser oder Wichtigtuer. Aber die Bezeichnung Moralist trifft auch auf Personen zu, die Missstände anprangern oder Tugenden loben.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Wirnt von Grafenberg als Moralist zu bezeichnen ist, und skizziert die methodische Vorgehensweise anhand von Erzählerkommentaren und Morallehren.

2 Historischer Kontext: Dieses Kapitel verortet das Werk im 13. Jahrhundert und beleuchtet die historische Gestalt des Autors sowie die soziokulturellen Realitäten der Stauferzeit.

3 Der Wigalois Wirnts von Grafenberg: Hier wird der Artusroman Wigalois strukturell eingeordnet und als Teil der Gawaniden-Romane mit einer speziellen, linearen Handlungsabfolge charakterisiert.

3.1 Moralische Belehrungen/ Verhaltensregeln im Wigalois: Das Kapitel definiert den Begriff der Moral im Kontext des Werkes und untersucht, wie der Erzähler mittels Kommentaren sein Publikum belehrt und einen Tugendkatalog entwirft.

3.2 Lebensregeln/ Spruchweisheiten im Wigalois: Hier werden die zahlreichen, teils trivialen Spruchweisheiten und Bauernregeln im Wigalois analysiert, die Wirnts Beobachtungsgabe und didaktische Ambitionen unterstreichen.

3.3 Zeitklagen/ Gesellschaftskritik im Wigalois: Dieses Kapitel untersucht die im Roman omnipräsenten "Zeitklagen", die einen Gegensatz zwischen der idealisierten Artuswelt und der als verfallen wahrgenommenen Realität des Autors konstruieren.

3.4 Religion und religiöses im Wigalois: Hier wird der Einfluss der christlichen Religion auf die Lebensführung und die moralische Struktur des Wigalois analysiert, insbesondere im Kontext von Wunderglauben und göttlicher Vorsehung.

4 Intention und Wirkabsicht des Wigalois: Dieses Kapitel wertet die Forschungsergebnisse zur Intention des Autors aus und diskutiert, ob Wirnt von Grafenberg den Artusroman als Instrument zur didaktischen und moralischen Predigt nutzte.

5 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und beantwortet die Ausgangsfrage, indem sie Wirnt als selbstbewussten "selbstgemachten Schulmeister" charakterisiert.

Schlüsselwörter

Wirnt von Grafenberg, Wigalois, Artusroman, Mittelalter, Moral, Didaktik, Erzählerkommentare, Zeitklage, Gesellschaftskritik, Tugendkatalog, Religionsgeschichte, Stauferzeit, Literaturgeschichte, Gawaniden-Roman, Moralismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die moralisierenden Aspekte im Wigalois-Roman von Wirnt von Grafenberg, um zu analysieren, wie der Autor durch Erzählerkommentare als moralische Instanz auftritt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das soziale und historische Umfeld des 13. Jahrhunderts, die moralische und religiöse Didaxe, gesellschaftskritische Zeitklagen sowie die Intention des Autors.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, ob Wirnt von Grafenberg als Moralist zu bezeichnen ist und welches Selbstverständnis hinter seiner didaktischen Schreibweise steht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer werkimmanenten Analyse von Erzählerkommentaren und Einschüben, unterstützt durch einen Abgleich mit der bestehenden mediävistischen Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der historische Kontext, die erzählerische Struktur des Wigalois, moralische und religiöse Belehrungen, Spruchweisheiten und die gesellschaftskritischen Zeitklagen untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Wirnt von Grafenberg, Wigalois, Moral, Didaktik, Artusroman, Zeitklage, Gesellschaftskritik und Autorenintention.

Inwiefern unterscheidet sich der Autor laut der Arbeit von anderen Artusdichtern?

Die Arbeit betont, dass Wirnt von Grafenberg sein Werk besonders stark mit expliziten moralisierenden und belehrenden Kommentaren durchsetzt, was ihn als "selbstgemachten Schulmeister" erscheinen lässt.

Wie bewertet der Autor das Verhältnis von "Damals" und "Heute"?

Der Autor konstruiert einen scharfen Gegensatz: Die ideale Artus-Vergangenheit wird als ethischer Maßstab genutzt, um den zeitgenössischen Werteverfall und die gesellschaftlichen Missstände seiner eigenen Gegenwart zu geißeln.

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Details

Title
Wirnt von Grafenberg: Ein Moralist?
College
Technical University of Berlin  (Institut für Literaturwissenschaft )
Course
Wirnt von Gravenberc: Wigalois
Grade
1,7
Author
Peter Golde (Author)
Publication Year
2008
Pages
28
Catalog Number
V148298
ISBN (eBook)
9783640587087
ISBN (Book)
9783640587476
Language
German
Tags
Wirnt Grafenberg Moralist
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Peter Golde (Author), 2008, Wirnt von Grafenberg: Ein Moralist?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148298
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