Der Aufstieg der Hanse. Wie wurde eine Fernhändlergesellschaft so mächtig?


Hausarbeit, 2008
15 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Aufstieg der Hanse
1.1 Namensherkunft
1.2 Entstehung und Etablierung der Hanse

2 Organisation
2.1 Makroebene der Organisation
2.2 Mikroebene der Organisation

3 Welche Macht hatte die Handelsorganisation Hanse?

Literatur

1 Aufstieg der Hanse

Der Aufstieg der Hanse hat mehrere Gründe. Hier wäre zum einen die Frage zu erörtern wie eine Fernhandelsorganisation zu einer solch ausgeprägten marktbeherrschenden Stellung kommt. Wenn die Entstehung dieser Gesellschaft im Mittelpunkt steht sollte jedoch auch die Namensherkunft geklärt werden, mit welcher ich sogleich beginne.

1.1 Namensherkunft

Die Hanse erhielt ihren Namen erst im ausgehenden 13. Jahrhundert, bis dato führte sie keinen einheitlichen. Diese Tatsache beeinträchtigt die Quellenforschung ungemein, da nicht klar ist nach welchem Namen konkret Ausschau zu halten ist.[1] Wie nun aber kommt es dazu, dass der Begriff Hanse für die uns bekannte Fernhändlergemeinschaft gebraucht wird und wo kommt dieser ursprünglich her?

Das Wort „Hanse“ hat eine lange Tradition und wurde nachweislich schon im vierten Jahrhundert nach Christus verwandt. Bischof Ulfila benutzt es auf dem Balkan bei der Übersetzung der Bibel im Sinne des Wortes „Schar“. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde der Begriff immer wieder in der Bedeutung „(Menschen-)Schar“ gebraucht und das europaweit. Das Wort war also nicht regional begrenzt und trat überall mit ähnlichem Sinn auf. Jedoch variiert das Wort von Land zu Land leicht in Schreibweise und Aussprache. Im 12. Jahrhundert dann verwendeten reisende Kaufleute den Begriff, um ihre Fahrgenossenschaft zu bezeichnen. Dadurch setzte sich „Hanse“ als Bezeichnung für Fernhändler durch.[2] Den letztendlichen Namen jedoch gab sich die Handelsgemeinschaft nicht selbst. Er wurde ihnen 1267 durch den englischen König Heinrich III. verliehen und setzte sich ab dem peu à peu durch, bis sich die deutsche Fernhandelsvereinigung 1282 zurück in London dann auch selbst als „Hanse“ bezeichnete.[3] „Hansa“ nahm in den folgenden Jahren mehrere Bedeutungen, wie beispielsweise Innung ein. Der Sinn veränderte sich somit langsam aber sicher erneut. Was nun unterscheidet das Wort „Hanse“ in der Bedeutung des späten 13. bis 16. Jahrhunderts von der „Gilde“? Beide Vereinigungen stellen einen Zusammenschluss von Händlern dar, wobei die Gilde im Gegensatz zur Hanse nicht das Recht hatte Fernhandel zu treiben, dafür jedoch war ihr Zusammenschluss enger und fester reglementiert.[4]

1.2 Entstehung und Etablierung der Hanse

Die Geschichte der Hanse ist eng mit der der Stadt Lübeck verbunden. Dementsprechend beginne ich mit der Neugründung Lübecks im Jahre 1143 durch Adolf II.. Er gründete die Stadt auf einer günstigen Position zwischen Nord- und Ostsee. Auf diese Weise hatte der Schauenburger eine gewisse Kontrolle über diese wichtige Handelsroute und somit gleichsam einen Machtzugewinn und Mehreinnahmen durch Zoll sowie Handel. „Neu-Lübeck“ war auf einer Halbinsel gelegen, die von Trave und Walkenitz umflossen wurde. Die Ostsee war circa 20 Kilometer entfernt und per Schiff über die Trave erreichbar. Damit war die Position nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch vom militärischen Aspekt her, denn etwaige Feinde konnten nicht unerkannt ansegeln. Problematisch war jedoch die Tatsache, dass die in unmittelbarer Nähe lebenden heidnischen Wenden und Obitronen zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht befriedet waren, was ein Sicherheitsrisiko barg.[5]

Der Vasall Adolf kam über Lübeck in Konflikt mit seinem Lehnsherrn Heinrich dem Löwen, der in den umliegenden Städten, aufgrund der Stadtgründung, wirtschaftliche Einbußen zu verzeichnen hatte. Der Streit eskalierte dahingehend, dass Heinrich den Handel mit Lübeck verbot und gleichzeitig die dortige reiche Salzmine zuschütten ließ. Die Stadt brannte im Jahre 1157 vollkommen ab und wurde nach zähen Verhandlungen mit Adolf 1158 von dessen Lehnsherrn neu gegründet, der sodann Boten in die wichtigen Reiche des Nordens entsandte, um ihnen Handelsfreiheiten zu gewähren, aber auch um seine Münze, einen Zoll sowie Stadtfreiheiten dort zu verbriefen. Ebenfalls wurden durch die günstige Handelsposition Kaufleute, Handwerker und Bauern aus Flandern, Friesland, dem Rheinland, Westfalen sowie Niedersachsen angelockt. Beides hatte einen Bevölkerungszuwachs und einen Anstieg des Handels in Lübeck zur Folge. Herzog Heinrich verlieh der Stadt eine Vielzahl an fortschrittlichen Privilegien, wie etwa die Möglichkeit zur eigenen städtischen Verwaltung. 1160 dann wurde das Bistum Oldenburg/Schleswig-Holstein nach Lübeck verlegt, hieraus resultiert ein weiterer Bedeutungszuwachs.[6] Dieses Jahr war aber auch in anderer Hinsicht von enormer Bedeutung, denn zum einen bildete sich etwa zu dieser Zeit eine Genossenschaft von westfälischen, sächsischen und lübischen Fernkaufleuten, die Gotland bereisten[7] und zum anderen wurden die Obitronen befriedet.[8]

Im Folgenden möchte ich die Etablierung der Hanse im Osten ausführen. Das Jahr 1161 beschreibt dabei ein wichtiges Datum. Mit dem Artlenburger Privileg zwischen der „Gotländischen Genossenschaft“ und der „Genossenschaft der Gotland besuchenden Deutschen“, das eine gegenseitige Zusicherung von Rechten und Privilegien beinhaltete, erhielten die lübischen Kaufleute Zugang zum Markt in Visby und über diesen auch zu dem damals wirtschaftlich sehr bedeutenden in Nowgorod. Dieser Zeitpunkt wird im Allgemeinen als der eigentliche Beginn der Hanse angesehen. Das Privileg war auch deswegen so bedeutend, weil Händler auf fremdem Markt eigentlich rechtlos waren und so den hansischen Kaufleuten ein gewisser Schutz gewährt wurde. Die Hanse ließ sich sofort dauerhaft in Gotland nieder und gründete eine deutsche Siedlung in Visby, die später mit der gotländischen zusammen einen bedeutenden Handelsplatz bildete. 1174 wurde ein Vertrag zwischen deutschen und schwedischen Kaufleuten über Zoll- und Markfreiheiten geschlossen. Die Hanse verdrängte alsbald die gotländischen Handelsorganisationen vom Nowgoroder Markt, wenig später begannen dann schon die deutschen Händler damit sich eigene Niederlassungen in Nowgorod aufzubauen, wie den St. Peterhof im Jahre 1192. Die Hanse setzte sich durch die Ostkolonisation katalysiert in vielen weiteren östlichen Städten, wie Wismar oder Rostock, durch. Alle diese Ortschaften hatten gemein, dass sich das wirtschaftlich-liberale lübische Recht dort peu à peu durchsetzen konnte, da die meisten Oststädte aus Teilsiedlungen entstanden, in denen hansische Kaufleute enormen Einfluss ausübten.[9]

[...]


[1] Vgl.: Klaus Friedland; Die Hanse, Stuttgart u.a. 1991, S. 21 ff.

[2] Vgl.: Klaus Friedland, S. 21.

[3] Vgl.: Uwe Ziegler; Die Hanse. Aufstieg, Blütezeit und Niedergang der ersten europäischen

Wirtschaftsgemeinschaft, erste Auflage, Bern u.a. 1994, S. 7.

[4] Vgl.: Klaus Friedland, S. 22 ff.

[5] Vgl.: Uwe Ziegler, S. 8 ff.

[6] Vgl.: Uwe Ziegler, S. 10 ff.

[7] Vgl.: Helmut Müller; Schlaglichter der deutschen Geschichte, 2. aktualisierte Auflage, Leipzig u.a. 2004, S.

76.

[8] Vgl.: Uwe Ziegler, S. 18.

[9] Vgl.: Uwe Ziegler, S. 18 ff.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Aufstieg der Hanse. Wie wurde eine Fernhändlergesellschaft so mächtig?
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Die Stadt im Mittelalter
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V148355
ISBN (eBook)
9783640585878
ISBN (Buch)
9783640585953
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lübeck, Hamburg, Hanse, Mittelalter, Wirtschaftsgeschichte, Sozialgeschichte, Frühe Neuzeit, Handel, Händler, Fernhandelsgesellschaft, Städtebund, Hansestadt, Bremen, 12. Jahrhundert, 13. Jahrhundert, 14. Jahrhundert, historisch, Europa, Osteuropa, Export, Ostsiedlung, Nowgorod, Gotland, Köln
Arbeit zitieren
Tim Diehl (Autor), 2008, Der Aufstieg der Hanse. Wie wurde eine Fernhändlergesellschaft so mächtig?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148355

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