Es vergeht wohl kaum ein Tag, an dem in den Medien nicht über die Entwicklung der Lage im Nahost-Konflikt berichtet wird. In unserer mitteleuropäischen Gesellschaft assoziieren viele Menschen den Nahen Osten mit Selbstmordanschlägen, ständigen militärischen Auseinandersetzungen, Interessenkonflikten zwischen den einzelnen Staaten und Religionsgruppen und zumeist ergebnislosen Friedenskonferenzen. Der Ursprung dieses seit mehr als einem halben Jahrhundert andauernden Konflikts liegt in der Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 und er wurde bis heute nicht für alle Parteien zufriedenstellend gelöst. In der Zwischenzeit kam es immer wieder zu mehr oder weniger schwerwiegenden Auseinandersetzungen zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten. Zu den schwerwiegenderen Konflikten dieser Dauerfehde gehört sicherlich die Suez-Krise im Jahre 1956, da diese nicht nur für die unmittelbare Region bedrohlich war, sondern wegen der Einmischung „äußerer Mächte“ auch für den Weltfrieden.
Das Forschungsinteresse der vorliegenden Seminararbeit zielt auf eine genaue Untersuchung der Interventionen der äußeren Mächte Großbritannien, Frankreich, USA, Sowjetunion und UNO ab. Schwerpunkte der Arbeit sind die verschiedenen Formen der Intervention, die Konstellation der Interessen der äußeren Mächte, die Folgen der Suez-Krise für die Region und die heutige Wahrnehmung der Suez-Krise aus Sicht der unmittelbar beteiligten Nationen.
Diese Zielsetzung führt zu der im Folgenden erläuterten Gliederung. Im zweiten Kapitel wird dem Leser zur Einführung in die Thematik ein kurzer Überblick über den historischen Kontext der Suez-Krise gegeben. Danach werden einige Formen der außenpolitischen Intervention erläutert – zunächst im Allgemeinen und dann auf das Fallbeispiel bezogen. Das dritte Kapitel behandelt im ersten Teil die Konstellation der Interessen der äußeren Staatsmächte und im zweiten Teil die Folgen der Krise für die Region sowie die heutige Wahrnehmung der Suez-Krise durch die direkt beteiligten Staaten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Suez-Krise von 1956 und die daran beteiligten Mächte
2.1 Historischer Kontext
2.1.1 Ursachen der Krise
2.1.2 Das Geschehen während der Krise und deren Ende
2.2 Welche „äußeren Mächte“ waren an der Krise beteiligt und in welcher Form?
2.2.1 Formen der außenpolitischen Intervention
2.2.2 Großbritannien und Frankreich
2.2.3 USA, Sowjetunion und UN
3. Die verschiedenen Interessen der „äußeren Mächte“ und die Konsequenzen der Krise
3.1 Die Konstellation der Interessen der „äußeren Mächte“
3.1.1 Großbritannien und Frankreich
3.1.2 USA und Sowjetunion
3.2 Die Folgen der Krise und deren heutige Wahrnehmung
3.2.1 Die Folgen der Suez-Krise für die Region
3.2.2 Die heutige Wahrnehmung der Krise
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Interventionen der äußeren Mächte (Großbritannien, Frankreich, USA, Sowjetunion und UNO) während der Suez-Krise 1956, analysiert deren unterschiedliche Interessenlagen sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für die Region und die Wahrnehmung des Konflikts.
- Analyse der Interventionsformen der beteiligten Staaten
- Untersuchung der geopolitischen Interessen von Großmächten und Kolonialstaaten
- Bewertung der Auswirkungen der Krise auf den Nahen Osten
- Einbettung des Konflikts in den Kontext des Kalten Krieges
- Reflexion der langfristigen Wahrnehmung der Suez-Krise
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Großbritannien und Frankreich
Durch die Verstaatlichung der bis dahin mehrheitlich britisch-französischen Suezkanal-Gesellschaft im Jahre 1956, wurden Großbritannien und Frankreich gezwungen, auf den Affront zu reagieren. Im Folgenden werden die verschiedenen Formen der Intervention aufgezeigt, die sich aus den Reaktionen Großbritanniens und Frankreichs ableiten lassen.
Von Anfang an bereiteten Briten und Franzosen im Geheimen einen Einmarsch in Ägypten vor, in dessen Planung auch Israel miteinbezogen wurde (Glasneck & Timm, S. 125-127). Eine angewandte Interventionsform Großbritanniens und Frankreichs ist folglich die geheime politische Aktion. Mit dem Einmarsch der britisch-französischen Truppen in Ägypten Ende Oktober 1956 erfolgte dann auch eine militärische Intervention.
Die Interventionen Großbritanniens und Frankreichs werden generell als Misserfolg angesehen. Da es zu keiner diplomatischen Lösung kam, versuchten es die beiden Mächte durch einen Militärschlag. Mit der Drohung der Sowjetunion, sich militärisch in den Konflikt einzuschalten, wurde dieser auf Druck der Weltgemeinschaft zügig beendet. Der große Sieger – obwohl aus militärischer Sicht Verlierer – war jedoch Ägypten, das sich gegen die alten Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich durchgesetzt hatte (Schreiber & Wolffsohn, 1996, S. 180). Hinzu kam, dass Großbritannien und Frankreich in der Weltöffentlichkeit als Aggressoren betrachtet wurden, da sie die militärische Auseinandersetzung begonnen hatten (Glasneck & Timm, 1994, S. 130).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz des Nahost-Konflikts und definiert das Forschungsinteresse an den Interventionen äußerer Mächte während der Suez-Krise.
2. Die Suez-Krise von 1956 und die daran beteiligten Mächte: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über die Krisenursachen und definiert die verschiedenen Formen der politischen und militärischen Interventionen der beteiligten Akteure.
3. Die verschiedenen Interessen der „äußeren Mächte“ und die Konsequenzen der Krise: Hier werden die spezifischen Interessen von Großbritannien, Frankreich, den USA und der Sowjetunion gegenübergestellt sowie die regionalen und historischen Folgen der Krise beleuchtet.
4. Schluss: Das Fazit fasst die divergierenden Interessen der Staaten zusammen und bewertet die globale Bedeutung der Krise im Kontext des Kalten Krieges.
Schlüsselwörter
Suez-Krise, Naher Osten, Gamal Abdel Nasser, Intervention, Großbritannien, Frankreich, USA, Sowjetunion, Kalter Krieg, Panarabismus, Kolonialismus, Außenpolitik, Diplomatie, Militärschlag, Weltfrieden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle externer Akteure und deren Interventionen während der Suez-Krise im Jahr 1956.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Motiven der Großmächte, den verschiedenen Arten der Intervention sowie den regionalen Folgen für die arabische Welt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die detaillierte Analyse, wie Großbritannien, Frankreich, die USA, die Sowjetunion und die UNO in den Konflikt eingriffen und wie diese Handlungen die Region beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Seminararbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse historischer Quellen und politikwissenschaftlicher Definitionen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die Kategorisierung der Interventionsformen und eine detaillierte Analyse der jeweiligen Interessenlagen der beteiligten Staaten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Panarabismus, Kolonialpolitik, geopolitische Interessen, Kalter Krieg und diplomatische Einmischung.
Welche Rolle spielte Gamal Abdel Nasser bei der Verstaatlichung des Suezkanals?
Nasser verstaatlichte den Suezkanal, um den Bau des Assuan-Staudamms zu finanzieren, was den direkten Auslöser für die Intervention der Kolonialmächte darstellte.
Warum wird die Suez-Krise als Wendepunkt im Kalten Krieg betrachtet?
Die Krise festigte den Einfluss der Supermächte USA und Sowjetunion im Nahen Osten und integrierte die Region in die globale Logik des Kalten Krieges.
Warum wird die Intervention der britisch-französischen Seite als Misserfolg gewertet?
Die Mächte erreichten ihre strategischen Ziele nicht und verloren durch die öffentliche Wahrnehmung als Aggressoren massiv an internationalem Ansehen.
Wie reagierte die Sowjetunion auf die Suez-Krise?
Die Sowjetunion intervenierte durch die Androhung militärischer Gewalt, was als "Demonstration von Stärke" entscheidend zur Beendigung der Kampfhandlungen beitrug.
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- Frederik Clement (Author), 2009, Die Suez-Krise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148361