Die Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung: Wie nutzt Barthold Heinrich Brockes seine Naturbeobachtungen in den Gedichten “Das Firmament” und “Der Wassertropfen”, um dem Leser in der Frühaufklärung Formen eines Gottesbeweises zu liefern. Um diese Frage beantworten zu können, wird zunächst Brockes Betrachtung von Natur, Mensch und Gott erläutert. Die beiden Gedichte „Das Firmament“ und „Der Wassertropfen“ geben Beispiele auf einer makro- und mikrokosmischen Ebene. Die Gedichte werden miteinander verglichen, um darzulegen, ob Natur als Mittler zwischen Gott und Mensch fungiert und ob es Brockes gelungen ist, dem Leser ein Gottesbeweis zu vermitteln. Im Rahmen der Arbeit wird besonders die Metaphorik und die Personifikation untersucht, die für Brockes Naturlyrik besonders auffällig sind. Darüber hinaus wird in der Gedichtsanalyse folgender Aspekt aufgegriffen: Wie gelingt es Brockes eine Wirkung von Glückseligkeit beim lyrischen Ich zu erzeugen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Barthold Heinrich Brockes Betrachtung auf Natur – Mensch – Gott
Makrokosmos: Das Firmament
Mikrokosmos: Der Wassertropfen
Vergleich
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Barthold Heinrich Brockes durch seine detaillierten Naturbeobachtungen in den Gedichten "Das Firmament" und "Der Wassertropfen" Formen eines Gottesbeweises etabliert, welche die frühaufklärerische Verbindung von christlichem Weltbild und Naturwissenschaft widerspiegeln.
- Physikotheologische Argumentationsweisen in der Naturlyrik
- Die Funktion der Natur als Mittler zwischen Gott und Mensch
- Vergleich von Makrokosmos (Firmament) und Mikrokosmos (Wassertropfen)
- Analyse von Metaphorik und Personifikation bei Brockes
- Die Rolle der Glückseligkeit und des Diesseitsoptimismus
Auszug aus dem Buch
Makrokosmos: Das Firmament
Als jüngst mein Auge sich in die Sapphirne Tieffe, Die weder Grund, noch Strand, noch Ziel, noch End‘ umschrenkt, Ins unerforschte Meer des holen Luftraums, senkt‘, Und mein verschlungener Blick bald hie- bald dahin lieffe, Doch immer tieffer, sank; entsatzte sich mein Geist, Es schwindelte mein Aug‘, es stockte meine Sele Ob der unendlichen, unmäßig-tieffen Höle, Die, wol mit Recht, ein Bild der Ewigkeiten heißt, So nur aus Gott allein, ohn‘ End‘ und Anfang, stammen. Es schlug des Abgrunds Raum, wie eine dicke Flut Des Boden-losen Meeres auf sinckend Eisen thut, In einem Augenblick, auf meinem Geist zusammen.
Die ungeheure Gruft voll unsichtbaren Lichts, Voll lichter Dunkelheit, ohn‘ Anfang, ohne Schranken, Verschlag sogar die Welt, begrub selbst die Gedanken; Mein ganzes Wesen ward ein Staub, ein Punct, ein Nichts, Und ich verlohr mich selbst. Dieß schlug mich plötzlich nieder; Verzweiflung drohte der gantz verwirrten Brust: Allein, o heylsams Nichts! Glückseliger Verlust! Allgegenwärt’ger Gott, in Dir fand ich mich wieder.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die frühaufklärerische Lehrdichtung von Brockes und Formulierung der zentralen Forschungsfrage zum Gottesbeweis durch Naturbeobachtung.
Barthold Heinrich Brockes Betrachtung auf Natur – Mensch – Gott: Erläuterung des physikotheologischen Denkens im 18. Jahrhundert, in dem Natur als Schrift Gottes verstanden wird.
Makrokosmos: Das Firmament: Analyse des Einführungsgedichts zur Erkundung des unendlichen Universums und der damit verbundenen Grenzerfahrung des Betrachters.
Mikrokosmos: Der Wassertropfen: Untersuchung des Gedichts als Beispiel für kleinste Naturphänomene und der Verbindung von kurzlebiger Schönheit mit göttlicher Allgegenwart.
Vergleich: Gegenüberstellung der beiden Gedichte hinsichtlich Narrativität, Aufbau und der gemeinsamen Absicht, den Schöpfer in seiner Schöpfung sichtbar zu machen.
Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfrage zur physikotheologischen Argumentation und der Bedeutung von Glückseligkeit im Werk von Brockes.
Schlüsselwörter
Barthold Heinrich Brockes, Naturlyrik, Frühaufklärung, Physikotheologie, Gottesbeweis, Makrokosmos, Mikrokosmos, Metaphorik, Personifikation, Glanz, Glückseligkeit, Diesseitsoptimismus, Schöpfung, Immanenz, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die physikotheologische Naturlyrik von Barthold Heinrich Brockes und analysiert, wie er Gott mittels detaillierter Beobachtungen der Natur darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die frühaufklärerische Weltanschauung, die Verbindung von Religion und Naturwissenschaft sowie die ästhetische Wahrnehmung der Natur als göttliche Schrift.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird untersucht, ob und wie Brockes in den Gedichten "Das Firmament" und "Der Wassertropfen" dem Leser einen Gottesbeweis vermitteln kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Gedichtanalyse durchgeführt, die Aspekte wie Metaphorik, Personifikation, Reimschema und den historischen Kontext einbezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Brockes’ Betrachtung von Natur, Mensch und Gott, vergleicht das makrokosmische Firmament mit dem mikrokosmischen Wassertropfen und interpretiert die Rolle der Glückseligkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Physikotheologie, Naturlyrik, Gottesbeweis, Immanenz des Schöpfers, Metaphorik und frühaufklärerischer Optimismus.
Wie unterscheidet Brockes die Darstellung von Makro- und Mikrokosmos?
Während der Makrokosmos (Firmament) eine unendliche, beinahe überfordernde Grenzerfahrung erzwingt, konzentriert sich der Mikrokosmos (Wassertropfen) auf ein kleines, vergängliches Phänomen, das dennoch die Größe Gottes spiegelt.
Welche Funktion hat die "Glückseligkeit" in Brockes' Lyrik?
Glückseligkeit dient bei Brockes als positives Empfinden, das sich aus dem Vertrauen in den Willen Gottes speist und den Betrachter trotz unglücklicher Lebenserfahrungen optimistisch stimmt.
- Arbeit zitieren
- Angelika Lyszkiewicz (Autor:in), 2024, Ein Versuch eines Gottesbeweises in der Naturlyrik von Berthold Heinrich Brockes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1484072