Die erste Arbeit unternimmt den Versuch, einen exemplarischen Blick in die Rezeption der "Wahlverwandtschaften" am Beispiel von Peter Handkes "Die Linkshändige Frau" zu werfen. Welche Formen der Intertextualität lassen sich in "Die Linkshändige Frau" finden und welche Funktion haben sie? Welche Intertextualitätstheorien können für die Analyse und Interpretation wie genutzt werden?
Der zweite Text befasst sich mit der Todesproblematik der Figur Ottilie. In Goethes "Wahlverwandtschaften" verstecken sich einige Rätsel, die aufgelöst werden müssen. Auch der Tod Ottilies kann nicht zweifelsfrei ausgelegt werden. Zu diesem Zweck analysiert diese Arbeit die verschiedenen Perspektiven der Ottilie näher. Die Leitfrage lautet: Welches sind die Anzeichen für die Entsagung Ottilies und wie sind diese begründbar?
Die dritte Arbeit untersucht die Frage, ob Ottilies Tod schon zu Beginn des Romans in der betont indirekten Einführung angelegt ist. Dazu erfolgt eine Analyse der beiden Briefe - der Vorsteherin und des Gehilfen - und es soll geklärt werden, inwieweit eine bewusste Konstruktion der notwendigen Elemente, die zum Tod Ottilies führen, bereits in der Figurenexposition vorliegt. Zu diesem Zweck soll in einem ersten Schritt analysiert werden, wie Ottilie überhaupt in die Handlung eingeführt wird und in einem nächsten Schritt sollen drei ob ihrer besonderen Ausdruckskraft ausgewählte Aspekte genauer beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
Zur Rezeption von Goethes "Wahlverwandtschaften". Form und Funktion von Intertextualität am Beispiel von Peter Handkes "Die linkshändige Frau" von Henrike Vogel
Einleitung – Goethes Erben
1. Intertextualität
2. Wahlverwandtes von Goethe in Peter Handkes „Die linkshändige Frau“
2.1 Zur Entstehung des Werkes „Die linkshändige Frau“: Handkes Journale & Notizbücher von 1975/76
2.2 „als wenn von nichts die Rede wäre“ – Das Zitat als Motto
2.3 Das Verschwinden der Erzählinstanz
3. Zusammenfassung & Diskussion
Ottilies Tod - Entsagung, Entbehrung, Resignation in Goethes Wahlverwandtschaften von Habib Tekin
1. Einleitung
2. Ottilies Tod
2.1 Anzeichen für die Entsagung
Kopfweh von Ottilie und Eduard
Tagebücher
Rätselmotivik: ,,Das Leben war ihnen ein Rätsel“
2.2 Ottilies endgültiges Entsagen
Das unbeschriebene Blatt: Eduards wird ich nie!
Entsagung aufgrund Entbehrung
Ent- sagen in Form von versagender Kommunikation
Das himmlische Kind
3. Resümee
Die Einführung von Ottilie in Goethes „Wahlverwandtschaften“ als zentrale Schlüsselfigur der Todesproblematik von Marcus Patzer
1. Themenbegründung
2. Ottilie als Schlüsselfigur der Todesproblematik
2.1 Die Einführung der Ottilie
2.2 Drei Merkmale
Die Außensicht – Das Bild der Ottilie
Reaktion statt Aktion - Passivität statt Aktivität
Ottilies Gebärde
3. Schluss
Zielsetzung & Themenschwerpunkte
Dieses E-Book untersucht intertextuelle Bezüge, die Mechanismen der Entsagung sowie die Konstruktion zentraler Figuren in Goethes Roman "Die Wahlverwandtschaften" und dessen Rezeption bzw. literarische Verarbeitung in Peter Handkes "Die linkshändige Frau".
- Analyse der Intertextualitätstheorien nach Bachtin und Kristeva.
- Untersuchung der Entsagungs- und Entbehrungsmotive bei der Figur Ottilie.
- Vergleichende Analyse der Erzählinstanzen beider Werke.
- Betrachtung der Todesproblematik als zentrales Element der Figurenexposition.
Auszug aus dem Buch
Die Außensicht – Das Bild der Ottilie
Wie bereits erwähnt, ist dies eines der wichtigsten und zentralsten Charakteristika der Ottilienbeschreibung. Sie wird von anderen beschrieben und charakterisiert, obwohl sie nicht präsent ist. Susanne Konrad spricht von einer weiblichen Imago-Gestalt, als welche sie konstituiert wird. Diese Beschreibung ist sehr treffen, da die Bedeutung des Begriffs Imago an nicht mehr lebende Personen gekoppelt ist, was in Ottilies Fall einmal mehr zutrifft, wie sich in den Abschnitten „Reaktion statt Aktion - Passivität statt Aktivität“ und „Ottilies Gebärde“ einmal mehr zeigen wird. Nur in den wenigsten Momenten wird sie wirklich aktiv als Subjekt mit einer eigenen, wenn auch nicht vollständig entwickelten Persönlichkeit, über die sie aber definitiv verfügt. Ihr Problem, dass sie nicht im Stande ist, sich anderen zu erklären, trägt sicherlich einen Teil eben dazu bei, aber auch dazu, dass ihre Mitmenschen über sie urteilen, und man so fast ausschließlich über ein von außen erzeugtes Bild von ihr verfügt. Was es heißt, dass andere sich ein Bild Von Ottilie machen, ohne dass sie dabei anwesend ist, oder dass sie es überhaupt möchte, zeigt sich in einem Gespräch zwischen dem Gehilfen und der Vorsteherin:
„Ottilie schien gelassen für jeden andern, nur nicht für mich. […] Ich sah dies Zeichen und meine Teilnehmung konnte sich nicht zurückhalten. Ich führte unsre Vorsteherin beiseite, sprach ernsthaft mit ihr über die Sache.“
Hier wird sehr deutlich, dass der Gehilfe erkannt hat, dass in Ottilie irgendetwas in Aufruhr ist, aber mit ihr darüber gesprochen hat er nicht, da er sie als eigenständiges Individuum wohl nicht akzeptiert, möglicherweise sogar negiert, was zu einem nicht zu unterschätzenden Teil wohl auch daran liegt, dass sie sich eben nicht erklären kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Zur Rezeption von Goethes "Wahlverwandtschaften". Form und Funktion von Intertextualität am Beispiel von Peter Handkes "Die linkshändige Frau": Untersucht intertextuelle Bezüge, insbesondere das Zitat und die Erzählstruktur, zwischen Goethes Vorlage und Handkes Roman.
Ottilies Tod - Entsagung, Entbehrung, Resignation in Goethes Wahlverwandtschaften: Analysiert die psychologischen und theologischen Gründe für Ottilies Entsagung und ihren Weg in den Tod.
Die Einführung von Ottilie in Goethes „Wahlverwandtschaften“ als zentrale Schlüsselfigur der Todesproblematik: Beleuchtet, wie Ottilie durch die Fremdwahrnehmung und ihre Passivität bereits zu Beginn als Schlüsselfigur des Todes etabliert wird.
Schlüsselwörter
Goethe, Peter Handke, Die Wahlverwandtschaften, Die linkshändige Frau, Intertextualität, Ottilie, Entsagung, Todesproblematik, Erzählinstanz, Literaturwissenschaft, Rezeptionsgeschichte, Figurenanalyse, Imago, Erzähltechnik, Motivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Band grundlegend?
Das Buch versammelt drei literaturwissenschaftliche Einzelstudien, die sich mit verschiedenen Aspekten von Goethes "Wahlverwandtschaften" befassen, sowohl in seiner originalen Struktur als auch in seiner intertextuellen Nachwirkung bei Peter Handke.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Intertextualität, der Analyse von Entsagungsprozessen, der Darstellung von Todesmotivik und der Untersuchung der Erzählhaltung.
Was ist das primäre Ziel der Analysen?
Das Ziel ist es, die verborgenen Mechanismen und Motive in Goethes Werk sowie dessen Einfluss auf spätere narrative Strukturen zu dekonstruieren und interpretierbar zu machen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeiten nutzen Ansätze der Literaturwissenschaft wie die Intertextualitätstheorie (nach Kristeva/Bachtin), die Motivforschung und textorientierte Analysen der Erzählinstanz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Grundlagen der Intertextualität dargelegt als auch spezifische Szenen und Motive (wie Ottilies Kopfweh, ihre Gebärden oder die Tagebücher) detailliert interpretiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Intertextualität, Entsagung, Erzählinstanz, Todesproblematik, Imago und die Figur der Ottilie.
Wie geht die Forschung mit Ottilies "Stummeinheit" um?
Die Forschung interpretiert Ottilies Schweigen und ihre passive Körperlichkeit als eine Form der Abwehrhaltung und "Seelenarbeit", die sie dem Zugriff der Außenwelt entzieht.
Wie wird das Ende der "Wahlverwandtschaften" gedeutet?
Das Ende wird als ambivalent betrachtet, wobei insbesondere die Ambivalenz zwischen dem Tod der Figuren und ihrer metaphysischen Überhöhung als "Engelsbilder" im Raum steht.
- Quote paper
- GRIN Verlag (Hrsg.) (Editor), Henrike Vogel (Author), Habib Tekin (Author), Marcus Patzer (Author), 2024, Betrachtungen von Goethes "Wahlverwandtschaften". Intertextualität und Todesmotiv, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1485264