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Zum Problem des Autors kirchenslavischer Texte: Autorenintentionen und Geschichtsmetaphysik in der Kiever Rus

Título: Zum Problem des Autors kirchenslavischer Texte: Autorenintentionen und Geschichtsmetaphysik in der Kiever Rus

Trabajo , 1997 , 22 Páginas , Calificación: 1 (sehr gut)

Autor:in: Harms Mentzel (Autor)

Ruso / Lenguas eslavas
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Tschižewskij verteidigte sich im Vorwort zu seinem Abriss der altrussischen Literatur
gegenüber dem Vorwurf, dass eine Beschäftigung mit ihr uninteressant wäre, da deren
Inhalte fremd seien und sie auch formell nicht dem modernen ästhetischen Geschmack
entspräche. Tatsächlich sei es jedoch interessant, sich mit ihr auseinanderzusetzen, da
sie nicht nur über die Vergangenheit aus „erster Hand“ informiere, sondern auch
Grundlage der neueren russischen Literatur sei. In der Tat sind Inhalt und Form der
altrussischen Texte im ostslavischen Kulturbereich (denn um diese soll es in
vorliegender Arbeit gehen) für heutige Leser sehr fremdartig.1 Aber gerade diese
Fremdartigkeit macht den geradezu exotischen Reiz der alten Texte aus. Warum
wählten deren Autoren wohl ganz bestimmte Themen, die sie in einer ganz bestimmten
Art und Weise bearbeiteten? Die Beschäftigung mit diesen Texten, die Diskussion
darüber, hilft uns vielleicht besser als jede Sekundärliteratur anderer historischer
Disziplinen, den (allerdings gebildeten) Menschen des russischen Mittelalters, damit
seine Welt und so letztlich auch historische Zusammenhänge und Prinzipien zu
verstehen. Die Möglichkeit, mehr über das Bewusstsein des mittelalterlichen „Russen“
zu erfahren, lässt das Thema dieses Referates Zum Problem des Autors
kirchenslavischer Texte: Autorenintentionen und Geschichtsmetaphysik in der Kiever
Rus‘ nicht mehr so trocken erscheinen.
Wenn in dieser Arbeit von (alt-)kirchenslavischen Texten die Rede ist, so sind damit
speziell die Texte der Literaturepoche vom 11. bis zum 13./14. Jahrhundert im
ostslavischen Raum (Kiever Rus‘) gemeint, obwohl das Altkirchenslavische über
dieses Gebiet hinaus verbreitet gewesen ist und außerdem erste Texte sicherlich schon
im 10. Jahrhundert in Osteuropa verfasst worden sind. Doch sind uns diese nicht einmal
in Abschriften des Spätmittelalters oder der Frühen Neuzeit erhalten geblieben.

[...]

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung: Zur frühen altrussischen Literatur

2. Das Problem der Autorenschaft bei kirchenslavischen Texten

3. Autorenintentionen und Geschichtsmetaphysik in der Kiever Rus‘

3.1. Orthodoxe Frömmigkeit in Altrussland

3.2. Geschichtsbewusstsein und Autor

3.3. Die praktische Umsetzung der altrussischen Geschichtsmetaphysik mittels Urbild-Abbild-Modell

4. Schlussbemerkungen am Beispiel des Slovo o zakone i blagodati

Zielsetzung & Themen

Diese Seminararbeit untersucht die Problematik der Autorenschaft sowie die Konzepte von Autorenintention und Geschichtsmetaphysik in der Literatur der Kiever Rus‘ zwischen dem 11. und 13./14. Jahrhundert. Das primäre Ziel ist es, das Verständnis für das mittelalterliche russische Bewusstsein zu schärfen, indem die religiöse Prägung und die methodische Herangehensweise der Verfasser an historische Stoffe analysiert werden.

  • Die anonyme oder pseudonyme Natur altrussischer Literatur
  • Einfluss der orthodoxen Frömmigkeit auf das Weltbild und den Schreibstil
  • Das Urbild-Abbild-Modell als geschichtsphilosophische Argumentationsform
  • Die politische Instrumentalisierung von Texten zur Stärkung der Autokephalie

Auszug aus dem Buch

3.2. Geschichtsbewusstsein und Autor

Das bisher Gesagte soll nun als Basis für das eigentliche Thema des Referates „Autorenintention und Geschichtsmetaphysik“ dienen.

Zunächst etwas zum Problem des Autors selbst. Bei der Übersetzung oder der Redaktion eines Urtextes im Mittelalter wurde eine Namenangabe des Verfassers nicht als notwendig erachtet. Die Texte blieben anonym. Im Mittelalter gab es nicht den Begriff literarischen Eigentums und des individuellen Autorenmonopols. Alles Andere, sich etwa selbst zum Ruhme zu schreiben, galt als überheblich. Die Redaktion und Bearbeitung ohne Namenangabe des Bearbeiters war legal. Nur in einzelnen Fällen trat er in einem schon erwähnten bescheidenen Nachsatz, in einer Demutsformel, dem Kolophon, aus der Verborgenheit hervor. Das tat er jedoch nur, um das Datum der Abschrift anzugeben (was allerdings, wie wir schon erfahren haben, dennoch unzuverlässig sein kann), sich für eventuell begangene Fehler zu entschuldigen, dem Himmel Dank zu sagen und schließlich mitzuteilen, für wen er den Text abschrieb und wann jener regierte.

Zusammenfassung der Kapitel

Vorwort: Der Autor erläutert die Relevanz der Beschäftigung mit der altrussischen Literatur, um das mittelalterliche russische Bewusstsein besser verstehen zu können.

1. Einleitung: Zur frühen altrussischen Literatur: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Gattungen und die politische Zielsetzung altrussischer Originalwerke sowie die Bedingungen ihrer Überlieferung.

2. Das Problem der Autorenschaft bei kirchenslavischen Texten: Hier werden die Schwierigkeiten bei der Erforschung mittelalterlicher Texte thematisiert, insbesondere die häufige Anonymität und die Problematik der chronologischen Einordnung.

3. Autorenintentionen und Geschichtsmetaphysik in der Kiever Rus‘: Dieses Hauptkapitel analysiert das intellektuelle und spirituelle Umfeld der Schreiber.

3.1. Orthodoxe Frömmigkeit in Altrussland: Das Kapitel beschreibt den Einfluss der byzantinischen Tradition und des religiös geprägten Weltbildes auf die Literatur der Epoche.

3.2. Geschichtsbewusstsein und Autor: Diese Sektion untersucht das Fehlen des modernen Autorenkonzepts und wie dies mit dem mittelalterlichen Verständnis von Geschichte korreliert.

3.3. Die praktische Umsetzung der altrussischen Geschichtsmetaphysik mittels Urbild-Abbild-Modell: Es wird dargelegt, wie historische Ereignisse ideologisch nach einem religiösen Schema bewertet und in Relation zu biblischen Vorbildern gesetzt wurden.

4. Schlussbemerkungen am Beispiel des Slovo o zakone i blagodati: Abschließend wird Ilarions Werk analysiert, um die Anwendung des Urbild-Abbild-Modells und die politische Argumentation für die Autokephalie der russischen Kirche zu verdeutlichen.

Schlüsselwörter

Kiever Rus‘, altrussische Literatur, Kirchenslavisch, Autorenschaft, Geschichtsmetaphysik, Urbild-Abbild-Modell, Orthodoxie, Ilarion, Slovo o zakone i blagodati, Mittelalter, Geschichtsbewusstsein, Anonymität, Byzanz, Autokephalie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Literatur der Kiever Rus‘ und untersucht, wie Autoren intentionale und geschichtsmetaphysische Konzepte nutzten, um ihre Texte zu gestalten und ihre Weltanschauung auszudrücken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Problem der Autorenschaft, der Einfluss der orthodoxen Frömmigkeit, das mittelalterliche Geschichtsbewusstsein und die spezifische Methode der Texterstellung durch das Urbild-Abbild-Modell.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, das Bewusstsein des Menschen des russischen Mittelalters durch die Analyse literarischer Texte zu erschließen und zu zeigen, wie historische Ereignisse im Kontext eines christlichen Heilsplans gedeutet wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philologische und kulturhistorische Analyse, um die Struktur der Texte zu untersuchen, insbesondere den Vergleich zwischen den biblischen Vorbildern (Urbild) und den historischen Ereignissen (Abbild).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird dargelegt, wie die Abhängigkeit von byzantinischen Traditionen, die religiöse Weltabgewandtheit und das Fehlen eines Individualitätsbegriffs die Art und Weise der Geschichtsschreibung und Autorschaft maßgeblich prägten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kiever Rus‘, altrussische Literatur, Autorenschaft, Geschichtsmetaphysik, Urbild-Abbild-Modell, orthodoxe Frömmigkeit und Autokephalie.

Welche Rolle spielt die Anonymität in der altrussischen Literatur?

Die Anonymität ist ein zentrales Charakteristikum, da der Begriff des individuellen geistigen Eigentums fehlte und ein „Autor“ eher als ein Vermittler göttlicher Wahrheit agierte, der sich nicht selbst in den Vordergrund stellen durfte.

Wie illustriert das "Slovo o zakone i blagodati" die Thesen des Autors?

Das Werk dient als exemplarisches Beispiel, um zu zeigen, wie Ilarion durch deduktive Methoden und die Einordnung der russischen Geschichte in den göttlichen Kreislauf die Eigenständigkeit und Gleichberechtigung der russischen Kirche gegenüber Byzanz politisch begründete.

Final del extracto de 22 páginas  - subir

Detalles

Título
Zum Problem des Autors kirchenslavischer Texte: Autorenintentionen und Geschichtsmetaphysik in der Kiever Rus
Universidad
Martin Luther University  (Institut für Slavistik)
Curso
Altkirchenslavischer Text. Seine Entstehungsgeschichte, Struktur und Interpretation
Calificación
1 (sehr gut)
Autor
Harms Mentzel (Autor)
Año de publicación
1997
Páginas
22
No. de catálogo
V14855
ISBN (Ebook)
9783638201513
ISBN (Libro)
9783640160952
Idioma
Alemán
Etiqueta
Problem Autors Texte Autorenintentionen Geschichtsmetaphysik Kiever Altkirchenslavischer Text Seine Entstehungsgeschichte Struktur Interpretation
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Harms Mentzel (Autor), 1997, Zum Problem des Autors kirchenslavischer Texte: Autorenintentionen und Geschichtsmetaphysik in der Kiever Rus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14855
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Extracto de  22  Páginas
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