Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Verfassungspatriotismus – eine vergleichende Darstellung der Begriffsbestimmung bei Dolf Sternberger und Jürgen Habermas

Titel: Verfassungspatriotismus – eine vergleichende Darstellung der Begriffsbestimmung bei Dolf Sternberger und Jürgen Habermas

Seminararbeit , 2007 , 16 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Dipl. Pol. Anke Datemasch (Autor:in)

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Alle Entwürfe eines Verfassungspatriotismus verstehen sich als Konzepte einer sogenannten „zivilen Gesellschaft“, einer Bürgerdemokratie auf demokratischer Grundlage. Ihre Abwendung von Despotie und Diktatur, aber auch von allen nationalistischen oder ethnozentristischen Regimen stellt ihren gemeinsamen Nenner dar. Auf dessen Basis freilich kommen sie zu den unterschiedlichsten Konsequenzen (Lietzmann 2000, 221). Die Diskussionen um den Begriff bzw. um seine inhaltliche Ausgestaltung und auch seine Geltungsberechtigung kommen seit Jahrzehnten immer mal wieder auf. Die geäußerten Meinungen in diesem Diskurs gehen dabei weit auseinander, dies hat nicht nur der „Historikerstreit“ 1986/87 gezeigt.
Stellvetretend soll im Folgenden das Konzept von Dolf Sternberger dem vom Jürgen Habermas vergleichend gegenübergestellt werden. Ist der Begriff Verfassungspatriotismus nur ein Notbehelf für das geteilte Deutschland gewesen, um den Patriotismus vom integralen Nationalismus abzugrenzen und dem „verwundeten“ Nationalgefühl der Deutschen nach jener Zeit einen passenderen Rahmen zu geben, und damit überholt, oder kann er ein tragfähiges Konzept sein, um dem modernen, reflektierenden Staatsbürger die politische Identitätsbildung postnational zu ermöglichen?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Begriffsbestimmung nach Dolf Sternberger

1.1 Patriotismus

1.2 Verfassung: Gesetz oder Grundordnung?

1.3 Kritik

2 Begriffsbestimmung nach Jürgen Habermas

2.1 Verständnis des Verfassungspatriotismus

2.2 Bezugspunkte des Verfassungspatriotismus

2.3 Postnationale Identitätsbildung

2.4 Kritik

3 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Hausarbeit verfolgt das Ziel, das Konzept des Verfassungspatriotismus durch einen systematischen Vergleich der Ansätze von Dolf Sternberger und Jürgen Habermas kritisch zu beleuchten und dessen Bedeutung für die politische Identitätsbildung im postnationalen Deutschland zu erörtern.

  • Historische Entwicklung und Einordnung des Begriffs Verfassungspatriotismus
  • Vergleichende Analyse der Begriffsdefinitionen bei Sternberger und Habermas
  • Bedeutung der Verfassung als Identitätsmerkmal gegenüber traditionellem Nationalgefühl
  • Die Rolle der nationalsozialistischen Vergangenheit in der Identitätsstiftung
  • Kritische Würdigung der Konzepte im Kontext europäischer Integration und moderner Staatlichkeit

Auszug aus dem Buch

1 Begriffsbestimmung nach Dolf Sternberger

Der Politologe Dolf Sternberger hatte den Begriff des Verfassungspatriotismus kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in die Diskussion eingeführt, um so ein neues geistiges Fundament der Gesellschaft aufzuzeigen. Er arbeitete sein hinter dieser Begrifflichkeit verborgenes Politikmodell unter verschiedenen Überschriften aus: mal (1949) unter dem Etikett der „Vaterlandsliebe“, dann (1959) als „Vaterländische Gesinnung“ im Verfassungsstaat und 1963 als „Staatsfreundschaft“. Es ging Sternberger jedoch nicht um eine wissenschaftlich-historische Herleitung des Begriffes, sondern vielmehr um die Bestimmung der Normen für das neue deutsche Staatswesen.

Sternberger interessierte, welches politische Zugehörigkeitsgefühl die Westdeutschen nach der deutschen Teilung charakterisiere. Aufgrund der staatlichen Teilung bleibe das herkömmliche Nationalgefühl „verwundet“ und reiche daher für die politische Identitätsbildung der Deutschen nicht aus. Verfassungspatriotismus scheint hier also eher ein Kompensationsbegriff zur Beschreibung des politischen Zugehörigkeitsgefühls der Deutschen im bundesdeutschen Provisorium zu sein. Jedoch wollte Sternberger seinen Verfassungspatriotismus ausdrücklich nicht als bundesrepublikanischen „Notbehelf“ verstanden wissen (Rilinger 2002, 46; Molt 2006, 30).

Die BRD hatte ein „Grundgesetz“, das eben deshalb nicht Verfassung genannt worden war, weil seine Autoren mit ihrem Entwurf den Gedanken an eine nur vorläufige Ordnung verbunden hatten. Für eine endgültige, eine richtige Verfassung hatten sie sich nicht legitimiert gesehen. Diese Verfassung sollte sich das geteilte Land und sein Staatsvolk dann geben, wenn es seine Einheit in Freiheit wieder gefunden haben würde. Sternberger hatte schon 1947, also zwei Jahre vor dem Grundgesetz, verfassungspatriotische Gedanken geäußert und wiederholte später seine Idee vom Verfassungspatriotismus als einer Vaterlandsliebe, die sich auf eine rechtsstaatlich verfasste Republik fixiert und nicht auf die völkische Nation.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung stellt den Verfassungspatriotismus als Konzept einer zivilen Bürgerdemokratie vor und skizziert die vergleichende Analyse der Ansätze von Sternberger und Habermas.

1 Begriffsbestimmung nach Dolf Sternberger: Dieses Kapitel erläutert Sternbergers Versuch, das deutsche Staatswesen nach 1945 durch eine auf die Verfassung und Rechtsstaatlichkeit fixierte Vaterlandsliebe neu zu begründen.

1.1 Patriotismus: Dieser Abschnitt definiert Patriotismus bei Sternberger nicht als emotionale nationale Bindung, sondern als vernunftgeleitetes sozialpolitisches Verhalten zum Wohle des Gemeinwohls und der Freiheit.

1.2 Verfassung: Gesetz oder Grundordnung?: Es wird untersucht, wie sich die Identifikation der Bürger nicht nur auf das Grundgesetz als Text, sondern auf eine gelebte freiheitlich-demokratische Wertordnung beziehen muss.

1.3 Kritik: Das Kapitel behandelt die Einwände gegen Sternbergers Konzept, insbesondere die Vorwürfe, es sei zu formal, zu kühl und negiere historisch gewachsene Gemeinschaftsstrukturen.

2 Begriffsbestimmung nach Jürgen Habermas: Hier wird dargelegt, wie Habermas den Begriff des Verfassungspatriotismus im Kontext des Historikerstreits aufgriff und um eine universelle, postnationale Komponente erweiterte.

2.1 Verständnis des Verfassungspatriotismus: Dieser Teil beschreibt den Wechsel von einer ethnisch-kulturellen Nation hin zu einer durch republikanische Gesinnung definierten Staatsbürgernation bei Habermas.

2.2 Bezugspunkte des Verfassungspatriotismus: Es wird analysiert, wie Habermas das Konzept als Antwort auf die Frage nach der Identität in komplexen Gesellschaften und als Abkehr von partikularistischem Nationalismus begreift.

2.3 Postnationale Identitätsbildung: Dieses Kapitel beleuchtet den reflexiven Prozess der Identitätsbildung durch kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte, insbesondere unter Bezugnahme auf Auschwitz.

2.4 Kritik: Kritiker werfen Habermas hier Inkonsistenz im Verfassungsbegriff sowie eine unhistorische Abstraktion vor, die symbolische Integrationsmechanismen vernachlässige.

3 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Gemeinsamkeiten und Differenzen der Konzepte und betont die Bedeutung einer bürgerlichen Haltung zur Selbstkritik.

Schlüsselwörter

Verfassungspatriotismus, Dolf Sternberger, Jürgen Habermas, Politische Identität, Grundgesetz, Patriotismus, Nationalismus, Postnationale Identität, Staatsbürgernation, Historikerstreit, Demokratie, Freiheitlich-demokratische Grundordnung, Rechtsstaat, Politische Kultur, Zivilgesellschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Herleitung und dem Vergleich des Konzepts des Verfassungspatriotismus, wie es von Dolf Sternberger und Jürgen Habermas entwickelt und interpretiert wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Patriotismus und Nationalismus, die Bedeutung einer verfassungsorientierten politischen Kultur sowie die Möglichkeiten einer postnationalen Identitätsbildung in Deutschland.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Konzepte von Sternberger und Habermas gegenüberzustellen, um zu klären, ob der Verfassungspatriotismus ein tragfähiges Identitätsmodell für moderne Staatsbürger darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der die Theorien zweier Autoren anhand von Fachliteratur und Primärquellen vergleichend gegenübergestellt und kritisch gewürdigt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst Sternbergers staatszentriertes Modell der „Staatsfreundschaft“ und anschließend Habermas’ universeller, durch die NS-Vergangenheit geprägter Ansatz des Verfassungspatriotismus detailliert untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Schlüsselwörtern zählen Verfassungspatriotismus, postnationale Identität, Staatsbürgernation, Historikerstreit sowie die Begriffe politische Kultur und Rechtsstaat.

Worin liegt laut der Arbeit der wesentliche Unterschied zwischen Sternberger und Habermas?

Während Sternberger den Verfassungspatriotismus als notwendiges Fundament für ein geteiltes Deutschland im Rahmen eines staatszentrierten Rechtsstaatsbegriffs sah, betonte Habermas die universelle, postnationale Komponente und die kritische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit als Ausgangspunkt.

Welche Rolle spielt die NS-Vergangenheit in Habermas' Konzept?

Für Habermas fungiert Auschwitz als „negativer Ursprung“, der einen Lernprozess erfordert, durch den eine neue, postnationale Identität erst durch die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte gebildet werden kann.

Wie bewertet die Arbeit die Kritik an diesen Konzepten?

Die Arbeit stellt fest, dass beide Konzepte kritisiert wurden – Sternbergers Modell als zu formal und autoritär, Habermas’ Modell als zu abstrakt und leblos – wobei die Arbeit betont, dass beide dennoch wichtige Ansätze für eine bürgerliche Selbstkritik bieten.

Welches Fazit zieht die Hausarbeit bezüglich der Zukunft?

Das Fazit betont, dass die Konzepte heute vor allem die Forderung nach einer bürgerlichen Haltung zur Selbstkritik und die Verteidigung liberaldemokratischer Werte beinhalten, statt als Anleitung für das tägliche Handeln zu dienen.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Verfassungspatriotismus – eine vergleichende Darstellung der Begriffsbestimmung bei Dolf Sternberger und Jürgen Habermas
Hochschule
Universität Leipzig  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar: Verfassung und politisch-kulturelle Identität in beiden deutschen Staaten nach 1945
Note
2,0
Autor
Dipl. Pol. Anke Datemasch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V148575
ISBN (eBook)
9783640591527
ISBN (Buch)
9783640591572
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politikwissenschaft Analyse und Vergleich politischer Systeme Politische Kultur und Kommunikation Politische Systeme BRD
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dipl. Pol. Anke Datemasch (Autor:in), 2007, Verfassungspatriotismus – eine vergleichende Darstellung der Begriffsbestimmung bei Dolf Sternberger und Jürgen Habermas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148575
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  16  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum