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Wie erleben Töchter Vaterabwesenheit und welchen Einfluss hat dieses Erleben auf die Wahrnehmung ihrer Geschlechtsidentität?

Titel: Wie erleben Töchter Vaterabwesenheit und welchen Einfluss hat dieses Erleben auf die Wahrnehmung ihrer Geschlechtsidentität?

Masterarbeit , 2022 , 210 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Bianca Schreyer (Autor:in)

Psychologie - Entwicklungspsychologie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Es liegen bereits Studien vor, die sich mit den Auswirkungen der Vaterabwesenheit auf die Entwicklung des Mädchens befassen. Allerdings lässt sich eine differenzierte Erkenntnis zur weiblichen Identitätsbildung nicht ableiten, da diese sich zum Teil widersprechen. Bestätigt ist, dass die Vaterabwesenheit und die damit verbundene Veränderung in den Lebensbedingungen der Tochter sie in der Entwicklung beeinträchtigt. Um komplexere und differenziertere Aussagen über den Einfluss der Vaterabwesenheit auf die Entwicklung der Geschlechtsidentität des Mädchens machen zu können, soll der Frage nachgegangen werden, wie Töchter Vaterabwesenheit erleben und wie sie ihre Geschlechtsidentität wahrnehmen. Dieser Frage wurde erstmals im Lehrforschungsprojekt 2021 nachgegangen, wobei sechs Frauen, die mit einem abwesenden Vater aufgewachsen sind, zur aktuellen Wahrnehmung früherer Vaterabwesenheit und der damit verbundenen Entwicklung von Weiblichkeit und Männlichkeit anhand eines halbstrukturierten Interviews befragt wurden. In der vorliegenden Arbeit wurden drei weitere Frauen, anhand des episodischen Interviews befragt, welches angepasst und in vier Fragenkategorien gegliedert wurde (Vaterabwesenheit und männliche Bezugsperson, Vater- und Männerbild, Mutter- und Frauenbild, Wahrnehmung von Beziehungen). Die Interviews wurden mit Hilfe des Programms MAXQDA transkribiert und nach der Methode der Grounded Theory von Strauss und Corbin (Strauss & Corbin, 1969) analysiert. Die Auswertung zeigt, dass die Vaterabwesenheit im Gegensatz zu den sechs zuvor befragten Frauen an sich zwar als normal erlebt wurde, jedoch die Unwissenheit über die eigene Herkunft, die Lebensumstände und die neuen Partnerschaften der Mütter als Belastung empfunden wurden und sie ebenfalls in ihrer Geschlechtsidentität hinsichtlich ihres Beziehungsverhaltens und -erlebens geprägt hat. Auch ihnen fällt es schwer, befriedigende Beziehungen zu führen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

2.1. Geschlechtsidentität

2.2. Kern-Geschlechtsidentität

2.3. Geschlechtsrolle

2.4. Geschlechtspartnerorientierung

2.5. Einordnung des Begriffes der „Vaterabwesenheit“

3. Forschungsstand

3.1. Vaterforschung

3.2. Vaterabwesenheit und die Entwicklung der weiblichen Geschlechtsidentität

4. Fragestellung

5. Methodisches Vorgehen

5.1. Erhebungsmethodik

5.2. Erhebungsinstrument

5.3. Feldzugang

5.4. Auswertungsmethodik

6. Deskriptive Ergebnisdarstellung

6.1. Vaterabwesenheit und männliche Bezugsperson

6.1.1. Erinnerung an Vaterabwesenheit

6.1.2. Erleben der Vaterabwesenheit

6.1.3. Männliche Bezugsperson – Neuer Partner der Mutter

6.1.4. Kontakt und Gefühle zum Vater

6.2. Vater- und Männerbild

6.2.1. Vorstellung und Beschreibung des Vaters

6.2.2. Verbindung und Gemeinsamkeiten zum Vater

6.2.3. Mutter über Vater

6.2.4. Definition von Männlichkeit

6.3. Mutter- und Frauenbild

6.3.1. Frauenbild und Wahrnehmung der Mutter

6.3.2. Definition von Weiblichkeit

6.4. Wahrnehmung und Erleben von Beziehungen

6.4.1. Beziehung der Eltern (Mutter und Stiefvater)

6.4.2. Wahrgenommener Einfluss der Erfahrung der Vaterabwesenheit auf Beziehungen zu Männern

6.4.3 Beziehungserfahrungen

6.4.4 Beziehungsvorstellungen

7. Diskussion der Ergebnisse

8. Limitationen

9. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie Töchter die Abwesenheit ihres Vaters erleben und welchen Einfluss diese Erfahrung auf ihre Geschlechtsidentität, ihr Beziehungsverhalten und ihr Beziehungsleben im Erwachsenenalter ausübt.

  • Wahrnehmung von Vaterabwesenheit
  • Konstruktion von Vater- und Männerbildern
  • Einfluss mütterlicher Rollenvorbilder
  • Verhalten in Liebesbeziehungen
  • Suche nach Identität und Autonomie

Auszug aus der Masterarbeit

2.1. Geschlechtsidentität

Nach Mertens (1994a) beinhaltet das Konzept der Geschlechtsidentität „[...] bewusste Vorstellungen und unbewusste Phantasien einer individuellen Kombination aus Männlichkeit und Weiblichkeit, wie sie aufgrund biologischer, psychologischer, sozialer und kultureller Faktoren zustande gekommen sind“ (Mertens, 1994a, S. 23).

„Die Geschlechtsidentität ist die eigentliche Erfahrung der Geschlechtsrolle“ (Money & Ehrhardt, 1975, S. 16).

Die Entwicklung der Geschlechtsidentität kann durch drei Komponenten konzeptualisiert werden: Die Kern-Geschlechtsidentität, die Geschlechtsrolle und die Geschlechtspartnerorientierung. (Mertens, 1997, S.23). Für eine positive Entwicklung der weiblichen Geschlechtsidentität ist die Identifizierung mit väterlich-männlichen Faktoren von klein auf unverzichtbar. Die Identifizierung des Mädchens mit ihrem Vater kann sie darin unterstützen, sich von ihrer Mutter zeitweilig zu entidentifizieren und somit das Gefühl für ein eigenes unabhängiges Selbst zu stärken. Besonders bedeutsam ist, dass sich die Tochter mit den in unserer Gesellschaft sogenannten männlichen Eigenschaften des Vaters, wie Unabhängigkeit und Durchsetzungsvermögen, identifizieren kann, da dies idealisierte Eigenschaften sind, die auch der späteren erwachsenen Tochter ein größeres Selbstwertgefühl ermöglichen. Hierbei ist es wichtig zwischen der defensiv phallischen Identifizierung, wie sie in der traditionellen Psychoanalyse beschrieben wird, und einer nicht defensiven Identifizierung mit sogenannten phallischen Eigenschaften des Mannes bzw. des Vaters zu unterscheiden. Letztere möchte Weiblichkeit nicht komplett verleugnen, sondern die weibliche Identität bereichern. Deshalb stellt sie auch eine Erweiterung zu den Identifizierungsmöglichkeiten von mütterlichem Objekt und Selbst dar, unabhängig von den Vorstellungen der Mutter, eine eigene Vorstellung von weiblicher Geschlechtsidentität und der weiblichen Rolle ausbilden und eine eigenständige und reife Weiblichkeit entwickeln zu können. Die Voraussetzung hierfür bildet die Erfahrung eines realen Beziehungsaustausches zwischen Vater und Tochter. (Happel, 2017; Rotmann, 1978; Erikson, 1981)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beschreibt die Relevanz der Vaterrolle und formuliert das Forschungsinteresse an den Auswirkungen bei Abwesenheit.

2. Definition: Erläutert zentrale Begriffe wie Geschlechtsidentität, Kern-Geschlechtsidentität, Geschlechtsrolle und Geschlechtspartnerorientierung.

3. Forschungsstand: Gibt einen Überblick über die bisherige Vaterforschung und deren Einfluss auf die weibliche Geschlechtsidentität.

4. Fragestellung: Definiert das Ziel der Untersuchung zur subjektiven Wahrnehmung von Vaterabwesenheit.

5. Methodisches Vorgehen: Beschreibt die Anwendung der Grounded Theory und das Erhebungsinstrument der Experteninterviews.

6. Deskriptive Ergebnisdarstellung: Präsentiert die empirischen Befunde zu den vier Themenkategorien der Interviews.

7. Diskussion der Ergebnisse: Reflektiert die gewonnenen Erkenntnisse im Kontext der existierenden Theorien.

8. Limitationen: Reflektiert die methodischen Grenzen wie die kleine Fallzahl und die rein heterosexuelle Ausrichtung.

9. Fazit und Ausblick: Formuliert das Resümee und gibt Empfehlungen für zukünftige Forschungsansätze.

Schlüsselwörter

Geschlechtsidentität, Vaterabwesenheit, Tochter, Wahrnehmung, Entwicklung, Identitätsbildung, Weiblichkeit, Männlichkeit, Beziehungsverhalten, Sozialisation, Psychologie, Grounded Theory, Identifikation, Bindung, Rollenmuster

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das subjektive Erleben von Töchtern, die ohne ihren leiblichen Vater aufgewachsen sind, und analysiert, wie sich dieses Fehlen auf ihre Geschlechtsidentität und ihr Beziehungsverhalten auswirkt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentral sind die Themen Vaterabwesenheit, die Entwicklung weiblicher Geschlechtsidentität, die Wahrnehmung von Männlichkeits- und Frauenbildern sowie die Gestaltung partnerschaftlicher Beziehungen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, ein differenzierteres Verständnis darüber zu gewinnen, wie heute erwachsene Frauen ihre frühere Vaterabwesenheit bewerten und inwieweit sie diese als relevanten Faktor für ihre eigene Entwicklung als Frau und in Partnerschaften betrachten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt die Methode der Grounded Theory nach Strauss und Corbin, um in halbstrukturierten, episodischen Interviews qualitative Daten zu erheben und diese in einem Kodierprozess zu analysieren.

Was behandelt der theoretische Hauptteil?

Der Hauptteil fundiert die Studie durch theoretische Definitionen von Identitätskomponenten (Kern-Identität, Geschlechtsrolle) und diskutiert den bisherigen Forschungsstand zur Vaterforschung und deren Einfluss auf die kindliche Entwicklung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Geschlechtsidentität, Vaterabwesenheit, Tochter, Wahrnehmung, Entwicklung und Identitätsbildung charakterisiert.

Wird die Vaterabwesenheit von allen Befragten gleich empfunden?

Interessanterweise beurteilen die in dieser spezifischen Studie befragten Frauen ihre Familiensituation als „normal“. Belastungen resultierten bei ihnen weniger aus der Abwesenheit selbst, sondern eher aus der Unwissenheit über die eigene Herkunft oder dem Verhalten der Mutter.

Welche Rolle spielt die männliche Bezugsperson im Erleben der Töchter?

Alle befragten Töchter wuchsen mit einem Stiefvater auf. Die Ergebnisse zeigen, dass dieser eine komplexe Rolle als „Ausgleich“ oder „Triangulierung“ einnehmen kann, während die Akzeptanz als Vaterfigur oft ambivalent bleibt.

Ende der Leseprobe aus 210 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Wie erleben Töchter Vaterabwesenheit und welchen Einfluss hat dieses Erleben auf die Wahrnehmung ihrer Geschlechtsidentität?
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,3
Autor
Bianca Schreyer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
210
Katalognummer
V1485753
ISBN (PDF)
9783389039052
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlechtsidentität Interview Vaterforschung Vaterbild Männerbild Beziehungserfahrung Weiblichkeit Männlichkeit Tochter Beziehungsvorstellung Segmentmatrix Fragebogen Episodisches Interview Grounded Theory
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Bianca Schreyer (Autor:in), 2022, Wie erleben Töchter Vaterabwesenheit und welchen Einfluss hat dieses Erleben auf die Wahrnehmung ihrer Geschlechtsidentität?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1485753
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