1. Erwartungen an das Praktikum
Von dem vierwöchigen Praktikum erwarte ich, die Schulwirklichkeit über eine kurze Momentaufnahme kennen zu lernen. Das heißt für mich, die mir bekannte Einrichtung Schule, mal aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen um einen Einblick in die Komplexität des Lehrerberufs zu bekommen. Das weiter gefasste Ziel ist, meine Berufswahl zu reflektieren und zu festigen. Um nicht einfach nur die Fülle von Eindrücken über mich ergehen zu lassen, nehme ich mir deswegen vor, unter speziellen Beobachtungsschwerpunkten die verschiedenen Ebenen der Lehrerprofession zu erkunden. Da meine Wahl auf eine Waldorfschule fiel, ist es für mich besonders interessant diese spezielle Schulform und die Unterschiede zu staatlichen Schulen kennen zu lernen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit wird somit auch auf Aspekten der Waldorfpädagogik liegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Erwartungen an das Praktikum
2. Die Praktikumsschule: Die Freie Waldorfschule Cuxhaven
3. Tätigkeits- und Erfahrungsfelder
4. Die Grundlagen der Waldorfpädagogik
5. Der Unterricht nach der Waldorfpädagogik
5.1 Gezielte Beobachtungen zur Phasengliederung des Unterrichts
6. Darstellung und kurze Diskussion einer konkreten pädagogischen oder didaktischen Erfahrung
7. Reflexion von eigenen Unterrichtsversuchen
7.1 Erster Unterrichtsversuch
7.2 Zweiter Unterrichtsversuch
8. Fazit und abschließende Reflexion zum Praktikum
10. Anhang
10.1 Kinderbeobachtung
10.2 Morgenspruch der unteren Klassen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Reflexion und Festigung des Berufswunsches durch ein vierwöchiges Orientierungspraktikum an einer Waldorfschule, wobei die Komplexität des Lehrerberufs durch gezielte Beobachtungsschwerpunkte in der Schulwirklichkeit analysiert wird.
- Praktische Erprobung und Reflexion der Lehrerrolle
- Anwendung waldorfpädagogischer Unterrichtsprinzipien
- Analyse der rhythmischen Gliederung des Unterrichts
- Diskussion didaktischer Prinzipien wie der Erfolgsbestätigung
- Individuelle Kinderbeobachtung zur Erfassung sozialer und lernpsychologischer Aspekte
Auszug aus dem Buch
5.1 Gezielte Beobachtungen zur Phasengliederung des Unterrichts
Es ist viertel nach acht und ich sitze im Hauptunterricht der 4. Klasse. Die Viertklässler haben zur Zeit eine Grammatik-epoche und lernen die einzelnen Wortarten. Der tägliche Unterricht der Schüler besteht aus dem morgendlichen Hauptunterricht und dem anschließenden Fachunterricht. Der Hauptunterricht, der in den ersten beiden Stunden vom Klassenlehrer durchgeführt wird, hat die Fächer zum Inhalt, die in fachlich zusammenhängenden Einheiten unterrichtet werden können, wie etwa Deutsch, Mathematik, Biologie oder Geschichte und findet in einzelnen Epochen statt, in denen über 3-4 Wochen jeweils ein Fach unterrichtet wird. Dieser Epochenunterricht hat den Sinn in eine thematische Einheit tiefer einzudringen und sie abgeschlossen wahrzunehmen und zu verarbeiten.
Der Klassenlehrer Herr T. begrüßt die Kinder und beginnt den Morgen mit einem täglichem Ritual, das gemeinsame Aufsagen des Morgenspruches, der die Kinder darauf einstimmen soll, in der Schule in feierlicher Weise Erkenntnisse aufzunehmen. Danach singen die Kinder zusammen ein Seemannslied und bewegen sich im Takt dazu. Das Singen und Flöten von Liedern, Aufsagen von Gedichten, rhythmisches Klatschen oder Stampfen, gehört zum rhythmischen Teil des Hauptunterrichtes. Der Hauptunterricht ist, wie mir Herr T. erklärte, in drei Teile gegliedert ist – den rhythmischen Teil, den Arbeitsteil und den Erzählteil – von denen jeder einen der Bereiche „Denken“, „Fühlen“, „Wollen“ anspricht.
Nach dem Lied sind die Schüler wach und haben einen zufriedenen Gesichtsausdruck. Der rhythmische Teil dient der Akklimatisierung und Entspannung der Kinder und spricht den Bereich des „Wollens“ an. Durch die Einteilung in die drei Phasen ist der Hauptunterricht ein rhythmischer Wechsel zwischen Anspannen und Entspannen und stellt somit ein „seelisches Ein- und Ausatmen“ dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Erwartungen an das Praktikum: Die Autorin legt ihre Ziele dar, den Lehrerberuf aus einer neuen Perspektive zu betrachten und ihre Berufswahl durch Beobachtung waldorfpädagogischer Ansätze zu reflektieren.
2. Die Praktikumsschule: Die Freie Waldorfschule Cuxhaven: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehungsgeschichte, die familiäre Struktur sowie das fächerübergreifende Konzept der Schule.
3. Tätigkeits- und Erfahrungsfelder: Es werden die hospitierten Klassenstufen und die Aufgaben der Praktikantin, wie die Begleitung im Hauptunterricht und die Teilnahme an Konferenzen, erläutert.
4. Die Grundlagen der Waldorfpädagogik: Das Kapitel vermittelt die anthroposophischen Grundpfeiler wie die Lehre von den Wesensgliedern und die Bedeutung der Entwicklung in Lebensjahrsiebten.
5. Der Unterricht nach der Waldorfpädagogik: Hier werden die rhythmische Gliederung und das spezifische Fächerangebot der Waldorfschule als Praxisansatz eingeführt.
5.1 Gezielte Beobachtungen zur Phasengliederung des Unterrichts: Die Autorin analysiert konkret den dreigliedrigen Aufbau des Hauptunterrichts und dessen Wirkung auf die Schüler.
6. Darstellung und kurze Diskussion einer konkreten pädagogischen oder didaktischen Erfahrung: Anhand eines Fallbeispiels wird das Prinzip der Erfolgsbestätigung durch Lob und der Erziehungsauftrag der Persönlichkeitsbildung diskutiert.
7. Reflexion von eigenen Unterrichtsversuchen: Die Autorin reflektiert ihre Erfahrungen bei der Leitung von Unterrichtsstunden und die dabei gewonnenen Erkenntnisse über Sprache und Körperhaltung.
7.1 Erster Unterrichtsversuch: Fokus auf die Herausforderungen der Spontanität und die Wichtigkeit der Klarheit und geistesgegenwärtigen Reaktion im Unterricht.
7.2 Zweiter Unterrichtsversuch: Darstellung eines erfolgreicheren Versuchs unter Anwendung methodischer Vorüberlegungen und gestärkter Souveränität.
8. Fazit und abschließende Reflexion zum Praktikum: Zusammenfassung der persönlichen Entwicklung und der Bestätigung der Berufswahl durch die praktische Erprobung.
10. Anhang: Enthält ergänzende Dokumentationen zur Kinderbeobachtung sowie den im Unterricht verwendeten Morgenspruch.
Schlüsselwörter
Waldorfpädagogik, Orientierungspraktikum, Lehrerberuf, Hauptunterricht, Anthroposophie, Erfolgsbestätigung, Unterrichtsversuch, Phasengliederung, Persönlichkeitsbildung, Kinderbeobachtung, Rhythmik, Schulpraktikum, pädagogische Didaktik, Wesensglieder, Reflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit ist ein Praktikumsbericht, der die Erfahrungen und Beobachtungen einer Lehramtsstudentin an einer Freien Waldorfschule reflektiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Grundlagen der Waldorfpädagogik, den spezifischen Aufbau des Hauptunterrichts sowie didaktische Prinzipien der Erziehung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Reflexion des eigenen Berufswunsches durch eine kritische Auseinandersetzung mit der Komplexität des Lehreralltags in der Waldorf-Schulform.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Methode des gezielten Beobachtens, der Hospitation in verschiedenen Klassen und der anschließenden Reflexion unter Einbeziehung didaktischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in die Waldorfpädagogik, die praktische Beobachtung von Unterrichtsphasen und die Reflexion eigener Unterrichtsversuche der Autorin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Waldorfpädagogik, Unterrichtsgestaltung, Lehrerrolle, Reflexion und die dreigliedrige Struktur des Lernens.
Wie unterscheidet sich der Hauptunterricht von herkömmlichem Unterricht?
Der Hauptunterricht folgt einem rhythmischen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung und ist in Phasen unterteilt, die gezielt Denken, Fühlen und Wollen ansprechen.
Welche Bedeutung hat das Lob im Kontext der beobachteten Erfahrung?
Das Lob dient als lernpsychologisches Instrument der positiven Verstärkung, um das Selbstbewusstsein und die Motivation der Schüler nachhaltig zu fördern.
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- Marieke Jochimsen (Author), 2007, Bericht über das Orientierungspraktikum an einer Freien Waldorfschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148619