Entwicklungstrends der Frauenerwerbstätigkeit. Deutschland und Schweden im Vergleich


Hausarbeit, 2009

19 Seiten


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Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Der kulturelle Wandel der Frauenrolle in der zweiten Hälfte des 20 Jh. : Deutschland und Schweden

2. Kulturelle Leitbilder und Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit

3. Der Wohlfahrtstaat und Frauenerwerbstätigkeit

4. Rollenverteilung in ehelichen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften - Vergleich Schweden und Deutschland
4.1. Bezahlte Arbeit
4.2. Unbezahlte Arbeit

5. Gleichstellungspolitische Bewertung von Familienpolitik in Deutschland und Schweden
5.1. Kinderbetreuungsinfrastruktur
5.2. Elterngeld - und Elternzeit
5.3. Steuerpolitik und Erwerbsbeteiligung von Frauen

6. Zusammenfassung

Literatur

Internetquellen

0. Einleitung

Im Vordergrund dieser Arbeit steht die Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit in Deutschland und Schweden. Zuerst wird auf den Wandel der Frauenrolle in Familie und Beruf ab den 50er Jahren eingegangen. Weiterhin wird der Frage nachgegangen, wie sich trotz des gleichen Familienbildes , des sog. traditionellen Familienernährermodells in Schweden und Deutschland in den 50er Jahren, die Differenzen in den Frauenerwerbstätigenquoten ab den 70er Jahren und heute erklären lassen. Dazu werden verschiedene Faktoren die Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit beeinflussen, wie bspw. Wohlfahrtstaat und kulturelle Leitbilder, herangezogen. Daraufhin werden Aufgabenverteilungen in ehelichen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften in Deutschland und Schweden vorgestellt. In einem nächsten Schritt wird untersucht, inwieweit bestimmte familienpolitische Maßnahmen die Frauenerwerbstätigkeit fördern bzw. hindern. Viele familienpolitische Maßnahmen in Deutschland stehen nämlich unter Verdacht das traditionelle Familienmodell zu begünstigen. Hierzu werden verschiedene familienpolitische Maßnahmen in Deutschland mit der schwedischen Familienpolitik in Vergleich gesetzt, um differierende Frauenerwerbsquoten, insbesondere die Erwerbstätigenquoten der Mütter zwischen beiden Ländern zu erklären.

1. Der kulturelle Wandel der Frauenrolle in der zweiten Hälfte des 20 Jh. : Deutschland und Schweden

Noch bis in die 1970er Jahre war das Familienleben durch weithin anerkannte gesellschaftliche Normen strukturiert. Für Frauen ist die Rolle als Hausfrau und Mutter vorgesehen, während Männer die „ Ernährerrolle“ übernehmen und für den Unterhalt sorgen. Dieses Bild der nicht berufstätigen, für die Familie zuständigen Hausfrau und Mutter beruht auf einer streng geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und Trennung der Lebensbereiche.1 Verheiratete Frauen waren in der Regel „nur im Notfall“, wenn das Geld nicht ausreichte, erwerbstätig. In einer 1958 in Westdeutschland durchgeführten Umfrage befürworteten 55 Prozent der Männer und 61 Prozent der Frauen die Einführung eines Gesetzes, das Müttern mit Kindern unter 10 Jahren die Erwerbsarbeit verbot. Nur 9 Prozent hatten keine Bedenken gegen eine Erwerbsbeteiligung von Müttern.2 Beginnend ab den 1970er Jahren setzte ein nachhaltiger Wandel ein, in dessen Folge die normative Verbindlichkeit des bürgerlichen Familienmusters erodierte. Der Wandel der Rolle der Frau lässt sich an deren stark gestiegener Erwerbsbeteiligung ablesen. Verheiratete Frauen zwischen 40 und 50 Jahren hatten gegen Ende der 1990er Jahre Erwerbsquoten von über 70 %. Während 1950 nur jede vierte Frau mit Kindern unter 18 Jahren erwerbstätig war - 75 % der Mutter waren Vollzeithausfrauen -, ist es 1960 jede dritte und 2004 bereits deutlich mehr als jede zweite (59 %).3 Hinzu kommen noch jene, die die Statistik nicht erfasst. Erwerbstätigkeit wird von den Müttern selbst nicht nur aus ökonomischen Gründen gewählt, sondern immer stärker von ihnen gewünscht und als Recht interpretiert.4 Die ersten Ansätze eines Wandels der Geschlechterordnung lassen sich seit Mitte der 60er Jahre zeigen. Die arbeitszeitpolitisch relevanten Gesetze und Maßnahmen, die unter der Großen Koalition ( 1966 - 1969 ) durchgeführt wurden, waren die Einführung des AFG, d.h. die Ergänzung der passiven um eine aktive Arbeitsmarktpolitik mit geringen Anspruchsvoraussetzungen für FuU- Maßnahmen und der Zahlung von Unterhaltsgeld. Weiter wurden die Rückerstattung von Rentenversicherungsbeiträgen bei Heirat abgeschafft und die Versicherungspflichtgrenze in der gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung für Angestellte beseitigt.5 Während der 1980er und 1990er Jahre gab es einige gesetzliche Neuregelungen, so wurde Mutterschaftsurlaub 1979 eingeführt, womit Frauen zwölf Wochen bezahlter Urlaub und ein Anspruch auf mindestens 750 DM ob Monat zugebilligt wurden. Die 1985 durchgeführte Reform des Mutterschaftsurlaubs brachte auch Vätern einen gesetzlichen Anspruch auf Erziehungsurlaub.6 Durch das Mutterschaftsurlaubsgesetz 1979 wurde die finanzielle Selbstständigkeit von Kindern und Müttern unterstützt. Damit wurde deutlich, dass die Familienpolitik sich nicht mehr ausschließlich am Alleinverdiener-Modell orientierte, sondern die Erwerbstätigkeit der Mütter gezielt förderte, indem bspw. die Wiederbeschäftigung ein halbes Jahr von den Unternehmen garantiert werden.7 Der Wohlfahrtsstaat Schweden hatte in der Nachkriegszeit mit dem der Bundesrepublik Deutschland einiges gemein - er war auf den männlichen Familienernährer zugeschnitten, was sich im Sozial-, Steuer-, Familien - und Eherecht niederschlug. Auch die geschlechtliche Arbeitsteilung entsprach diesem Familienmodell. Die Frauenerwerbsquote lag in den 1950er Jahren bei ungefähr 35%.8 Heute gilt Schweden als Musterland einer gelungenen Sozialpolitik zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.9 Schon 1976 lag Frauenerwerbstätigenquote in Schweden über 70 % und stieg bis 1991 auf 81 % an.10 Auch heute ist der Unterschied zwischen der Erwerbstätigenquote von Frauen und Männern in Schweden gering und beträgt 3 %.11

Sowohl Deutschland als auch Schweden waren in der Nachkriegszeit auf den männlichen Familienernährer zugeschnitten. Ab den 70er Jahren setzte in beiden Ländern ein Wandel der Frauenrolle ein, was man insbesondere an der Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit ablesen konnte. Die Gleichstellung der Frauen gehörte in beiden Ländern zum Ziel der Familienpolitik. Dennoch variieren die Frauenerwerbstätigenquoten zwischen beiden Ländern, insbesondere wenn von der Muttererwerbstätigkeit die Rede ist. Hier stellt sich die Frage, inwieweit bestimmte familienpolitische Maßnahmen die Frauenerwerbstätigkeit fördern bzw. erschweren. Wie kommt es zu Diskrepanzen zwischen den Erwerbstätigenquoten in beiden Ländern, wenn beide das Ziel der Gleichstellung verfolgen.

Zur Erklärung des Erwerbsverhaltens von Frauen sind die zentralen sozialen Institutionen, insbesondere der Wohlfahrtstaat, der Arbeitsmarkt und die Familie zweifellos wichtig, ihre Rolle kann allerdings nur auf Basis der Wechselbeziehungen mit der kulturellen Ebene verstanden werden.12

2. Kulturelle Leitbilder und Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit

Mehr oder weniger stark beeinflusste die Norm des starken Ernährer-Ehemannes die Entwicklung der Sozialpolitik in den meisten europäischen Wohlfahrtstaaten. Die Länderspezifische Verankerung dieser Norm gibt Aufschluss über Art und Umfang der Erwerbsbeteiligung von Frauen, über ihre Stellung in sozialen Sicherungssystemen und darüber hinaus auch über Aufgaben der Familie in der Gesellschaft.13

Jane Lewis und Ilona Ostner gehen davon aus, dass die wohlfahrtstaatliche Politik aller kapitalistischer Länder in unterschiedlichem Ausmaß an der Ideologie der männlichen Versorgerehe ausgerichtet ist, je nach Ausprägung unterscheiden sie idealtypisch zwischen starken, moderaten und schwachen Wohlfahrtstaaten.14

Dieser idealtypischen Zuordnung zufolge ist Deutschland dem “starken” männlichen Ernährermodell und Schweden dem “ schwachen” Ernährermodell zuzuordnen.15 Pfau -Effinger unterscheidet zwischen dem familienökonomischen Modell, dem Hausfrauenmodell der Versorgerehe, dem Doppelversorgermodell mit staatlicher und dem Doppelversorgermodell mit partnerschaftlicher Kinderbetreuung.16

3. Der Wohlfahrtstaat und Frauenerwerbstätigkeit

Im Verhältnis zwischen Wohlfahrtsstaat und Familie spielen die Rechtstraditionen und Rechtskulturen eine nicht unerhebliche Rolle. Wie unterschiedlich jedoch die familienrechtliche Entwicklung in die unterschiedlichen Wohlfahrtsregime eingebunden ist bzw. diese prägen, wird eben im Ländervergleich deutlich. Der deutsche Sozialstaat ist ein Beispiel dafür, dass trotz eines eigenständigen und institutionalisierten Politikbereichs für Familie und trotz einer ideologisch aufgeladenen Familienrhetorik Familienpolitik gegenüber der Sozialpolitik marginalisiert und nachgeordnet wird. Das liegt daran, dass Sozialpolitik als Sozialversicherungspolitik nach wie vor an Erwerbsarbeit orientiert ist, während die persönlichen Dienstleistungen und die Arbeit in der Familie eher die unsichtbare, aber selbstverständliche und unverzichtbare Seite der Wohlfahrtsproduktionen bilden.17

Zur Unterscheidung von Wohlfahrtsregime steht bei Esping - Andersen das spezifische Verhältnis von Staat, Markt und Familie im Zentrum der Analyse. So kommt Esping - Andersen zu dem Ergebnis, dass es drei Welten des Wohlfahrtstaats gibt: Erstens das liberale Wohlfahrtsregime, dass durch bedarfgeprüfte staatliche Leistungen und eine starke Marktorientierung geprägt ist, zweitens das konservative- korporatistische Modell, das über umfassende sozialpolitische Leistungen verfügt, die allerdings auf die Aufrechterhaltung berufsbezogener Statusunterschiede gerichtet sind und drittens das sozialdemokratische Regime, das sich durch starke Umverteilungsmaßnahmen auszeichnet.18 Das deutsche Modell muss nach Langan/ Ostner darüber hinaus als sozial “ konservativ - institutionell” definiert und seit Bismarck auf ständisch - korporative Strukturen zurückgeführt werden.19 Schweden bietet den Gegenpol dazu als Prototyp des sozialdemokratischen Wohlfahrtsregimes. In Schweden wird eine Wohlfahrtsstaatliche Politik betrieben, die auf einer Ideologie der individuellen Verantwortung und einer egalitären Verteilung der Geschlechterrollen basiert und die Zwei - Verdiener - Familie begünstigt.20

Der sozialdemokratische Dienstleistungsstaat bietet Frauen zudem viele Arbeitsmöglichkeiten in den staatlichen sozialen Dienstleistungsberufen an. Dementsprechend ist in Schweden und anderen skandinavischen Ländern höchste Frauenfreundlichkeit zu finden.21 Für Deutschland lässt sich resümieren, dass hier das Leitbild des männlichen Ernährers und die damit verbundene traditionelle Geschlechtsrollenverteilung verbreitet ist. Die Integration von Frauen in die Bildungs- und Erwerbssysteme kann hierzulande noch forciert werden. Dies ist jedoch nur möglich, wenn es ein flächendeckendes Angebot an “ sozialer Infrastruktur “ gibt, die das Ausbalancieren von familiären und beruflichen Zielen erleichtert. Hier wurden in den vergangenen Jahren schon erste politische Schritte unternommen, denen jedoch weitere folgen sollten.22

[...]


1 Becker/ Naegele/ Bispinck/ Hofemann/ Neubauer, Sozialpolitik und soziale Lage in Deutschland 2007, S. 252

2 Peuckert, Familienformen im sozialen Wandel, 2008, S. 229

3 Geißler Reiner, Die Sozialstruktur Deutschlands 2006, S.348

4 Krüsselberg/Reichmann, Zukunftsperspektive Familie und Wirtschaft, 2002, S. 140

5 vgl. Auth Diana, Wandel im Schneckentempo, Arbeitszeitpolitik und Geschlechtergleichheit im deutschen Wohlfahrtstaat, 2002, S. 206

6 vgl. Gottschall / Effinger , Zukunft der Arbeit und Geschlecht, 2002, S. 44

7 www.bmfsfj.de/ Das Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit im internationalen, insbesondere europäischen Vergleich - Länderstudien 2008, S.12

8 Beckmann Sabine, Die geteilte Arbeit? - Männer und Care - Sozialpolitische und geschlechterkulturelle Faktoren der geschlechtlichen Arbeitsteilung in Schweden, Frankreich und Deutschland, Tübingen 2007, S.83

9 Gerhard/ Knijn/ Weckwert, Erwerbstätige Mütter - Ein europäischer Vergleich, S. 74

10 vgl. Koch Max, Arbeitsmärkte und Sozialstrukturen in Europa, 2003, S. 129

11 vgl. www.familienhandbuch.de/ Familie im internationalen Vergleich: Deutschland, Österreich, Schweden und Norwegen, Sonja Dörfler / Benedigt Krenn, 10.03.09/ 14:30

12 vgl. Hummelsheim Dina, Die Erwerbsbeteiligung von Müttern: Institutionelle Steuerung oder kulturelle Prägung?, Wiesbaden 2009, S. 36

13 vgl. Schulze Buschoff Karin, Teilzeitarbeit in Schweden, Großbritannien und Deutschland, 1999, S. 11

14 Schiffbänker Annemarie, Frauenerwerbstätigkeit - Kinderbetreuungspolitik - Geschlechterverhältnis : Österreich und Dänemark im Vergleich - Diplomarbeit - 2008, S.22

15 vgl. Schulze Buschoff Karin, Teilzeitarbeit in Schweden, Großbritannien und Deutschland, 1999, S. 12

16 vgl. Pfau - Effinger Birgit, Kultur und Frauenerwerbstätigkeit in Europa, 2002, S. 87

17 Gerhard/ Knijn/ Weckwert, Erwerbstätige Mütter - Ein europäischer Vergleich, S. 74

18 vgl. Hummelsheim Dina, Die Erwerbsbeteiligung von Müttern: Institutionelle Steuerung oder kulturelle Prägung? , Wiesbaden 2009, S.23

19 Kurpjoweit Karin, Gleichstellung in Schweden, 1997, S. 197

20 vgl. Schulze Buschoff Karin, Teilzeitarbeit in Schweden, Großbritannien und Deutschland, 1999, S.10

21 vgl. Holtmann Dieter , Die Sozialstruktur der Bundesrepublik Deutschland im internationalen Vergleich, Potsdam 2008, S. 187

22 vgl. Holtmann Dieter , Die Sozialstruktur der Bundesrepublik Deutschland im internationalen Vergleich, Potsdam 2008, S. 194

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Entwicklungstrends der Frauenerwerbstätigkeit. Deutschland und Schweden im Vergleich
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Soziologie)
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V148649
ISBN (eBook)
9783668218468
ISBN (Buch)
9783668218475
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklungstrends, frauenerwerbstätigkeit, deutschland, schweden, vergleich
Arbeit zitieren
Valentina Tomic (Autor), 2009, Entwicklungstrends der Frauenerwerbstätigkeit. Deutschland und Schweden im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148649

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