Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › World History - Early and Ancient History

Neaira, eine Hetäre, die sich das Bürgerrecht erschwindeln wollte?

Eine Betrachtung des athenischen Bürgerrechts in Hinblick auf die Schriftklage des Apollodoros

Title: Neaira, eine Hetäre, die sich das Bürgerrecht erschwindeln wollte?

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 25 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christina Gieseler (Author)

World History - Early and Ancient History
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Um ca. 340 v. Chr. reichte Apollodoros von Pasion über seinen Schwiegersohn Theomnestos eine Schriftklage gegen Neaira ein, welche die Lebensgefährtin seines politischen Gegners Stephanos war. Als Begründung dieser Klage gibt Theomnestos an, dass an Stephanos Rache geübt werden solle, was als akzeptables Motiv für eine Klage angesehen wurde. Hintergrund dafür bildeten eine politisch begründete Feindschaft und vorherige Rechtsstreitigkeiten, durch die Stephanos der Familie des Apollodoros massiv geschadet hat. Die Intention der Rede
„Gegen Neaira“ war es das Gericht davon zu überzeugen, dass die Fremde und weitbekannte ehemalige Hetäre Neaira mit dem athenischen Bürger Stephanos in Ehegemeinschaft lebte,was durch ein Gesetz untersagt und strafbar war.5 Durch eine Ehe mit Stephanos soll Neaira ihren Status als Fremde verschleiert haben, um ihren Kindern den Status von athenischen Bürgern zu verschaffen. So behauptet zum Beispiel Apollodoros, dass Stephanos Neairas Tochter Phano als vermeintliche Bürgerstochter ausgegeben hat, um sie mit einem athenischen Bürger zu verheiraten. Apollodoros bezog sich in seiner Rede auf Gesetze, die – falls er seinen Fall gewinnen würde – ernsthafte Konsequenzen für Neaira und Stephanos vor allem in Bezug auf ihren jeweiligen Rechtsstatus als Bürger bzw. Fremde nach sich ziehen würde. So würde die Fremde Neaira in die Sklaverei verkauft werden und Stephanos würde sowohl wegen der vorgetäuschten Ehegemeinschaft eine Geldstrafe bezahlen als auch
aufgrund des Täuschungsversuches bei der Verheiratung von Phano seinen Status als athenischer Bürger sowie sein ganzes Vermögen verlieren.

Genau diese Frage nach dem rechtlichen Status von Bürgern und Fremden soll in dieser Arbeit genauer beleuchtet werden. Zum einen soll es dabei allgemein um das athenische Bürgerrechtsgesetz und die Rechte und Pflichten von Bürgern und Metöken gehen. Zum anderen sollen die von Apollodoros verwendeten Gesetze im Fall „Gegen Neaira“ analysiert und im Rahmen seiner Klage diskutiert werden. Hierfür werden zusätzlich Informationen zum Charakter einer Gerichtsrede geliefert, die es erleichtern sollen, seine Ausführungen besser einordnen und beurteilen zu können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das athenische Bürgerrecht

2.1 Das Perikleische Bürgerrechtsgesetz

2.2 Die Rechte und Pflichten athenischer Bürger

2.3 Die Rechte und Pflichten von Fremden/Metöken

3. Der Charakter einer Gerichtsrede und die Rede des Apollodoros

3.1 Die athenischen Gerichtsreden und der Logograph Apollodoros

3.2 Der Wahrheitsgehalt der Schilderungen in der Gerichtsrede – Kein Kriterium vor dem athenischem Gericht

3.3. Der traditionelle Aufbau einer Gerichtsrede

3.4 Apollodoros, der Logograph: Der Aufbau seiner Rede & Beurteilungen über seine rhetorischen Fähigkeiten

4. Apollodoros’ Rede in Hinblick auf das Thema „Bürgerrecht“

4.1 Der rechtliche Charakter der Rede – Die graphe xenias

4.2 Analyse der Argumentation des Apollodoros und der angewendeten Spezifizierungen des Perikleischen Bürgerrechtsgesetzes

5. Fazit

6. Endnote: Die bei Apollodoros enthaltenen Spezifizierungen des Bürgerrechtsgesetzes

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die Gerichtsrede „Gegen Neaira“ des Apollodoros, um den rechtlichen Status von Bürgern und Metöken im antiken Athen zu untersuchen und die Bedeutung des athenischen Bürgerrechtsgesetzes sowie dessen Handhabung anhand der Klage vor dem Hintergrund politischer und sozialer Dynamiken zu beleuchten.

  • Das Perikleische Bürgerrechtsgesetz und seine Spezifizierungen
  • Rechte und Pflichten athenischer Bürger und Metöken
  • Struktur und Charakteristik athenischer Gerichtsreden
  • Rhetorik und Argumentationsstrategien des Logographen Apollodoros
  • Der Fall „Gegen Neaira“ als historische Quelle für das athenische Rechtswesen

Auszug aus dem Buch

3.2 Der Wahrheitsgehalt der Schilderungen in der Gerichtsrede – Kein Kriterium vor dem athenischem Gericht

Bei der Verwendung der Reden vor Gericht ging es den Logographen bzw. deren Kunden vor allem darum, „ihrem persönlichen Anliegen entsprechend das Auditorium der Richter für sich einzunehmen“. Da jeder Prozess nur einen Tag dauern durfte und bei öffentlichen Anklagen „dem Ankläger und dem Angeklagten jeweils ein Drittel der Prozessdauer von etwa 9 ½ Stunden zur Verfügung“ standen, und die „übrige Zeit […] für Abstimmungen (auch für das Strafmaß) und Reden für die Festsetzung der Strafe benötigt“ wurde, mussten die Redner ihr Anliegen so überzeugend wie möglich vorbringen, um die gegnerische Rede zu übertrumpfen.

Daher sei bei der Interpretation der Gerichtsreden zu berücksichtigen, dass die Sprecher vor Gericht Sachverhalte zu ihren eigenen Gunsten verfälscht darstellten und sich somit der Wahrheitswert der Schilderungen „so gut wie nirgends“ sicherstellen lasse. Hamel merkt zu Apollodoros’ Rede an, dass auch bei dieser anzunehmen sei, dass Apollodoros „wie jeder athenische Redner in seiner Rede weniger ehrlich war, wenn es denn sein musste und wenn er dachte, dass man ihm nichts würde nachweisen können“.

Des Weiteren ist zu bedenken, dass im athenischen Gerichtshof „keineswegs ohne Ansehen der Person über Delikte geurteilt, sondern über die gesamte Lebensführung des Angeklagten gerichtet“ wurde, was als Erklärung dafür dienen kann, dass Apollodoros einige für den Fall – eigentlich – irrelevante Schilderungen macht. Dies betrifft, wie bereits erwähnt, die Erzählung über die Plataier, anzügliche Details aus dem Leben der Neaira, und auch die Tatsache, dass er Neairas Lebensverlauf seit ihrer Kindheit schildert. Dies kann erstaunlich scheinen, da Neaira „[z]ur Zeit der Gerichtsverhandlung zwischen 343 und 340 v. Chr. [… bereits] in ihren Fünfzigern“ war. Dies macht sehr deutlich, dass die verunglimpfende Darstellung der ehemaligen Hetäre als ein besonders gewichtiges Argument in diesem Fall fungieren soll.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Fall „Gegen Neaira“ vor, erläutert die Hintergründe der Klage und definiert das Ziel der Arbeit, das athenische Bürgerrecht sowie die angewendeten Gesetze im Fall zu analysieren.

2. Das athenische Bürgerrecht: Dieses Kapitel behandelt die historischen Grundlagen des Perikleischen Bürgerrechtsgesetzes und differenziert zwischen den Rechten und Pflichten athenischer Bürger sowie der Rolle von Metöken.

3. Der Charakter einer Gerichtsrede und die Rede des Apollodoros: Der Abschnitt erläutert die Funktion und Struktur antiker Gerichtsreden und analysiert kritisch die Rolle des Logographen Apollodoros sowie die Glaubwürdigkeit rhetorischer Schilderungen.

4. Apollodoros’ Rede in Hinblick auf das Thema „Bürgerrecht“: Hier wird der rechtliche Charakter der Schriftklage (graphe xenias) untersucht und die Argumentation des Apollodoros hinsichtlich der Anwendung der Bürgerrechtsgesetze detailliert analysiert.

5. Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung des Bürgerrechts für die Identität der athenischen Polis und stellt fest, dass der Fall Neaira die hohe Wertigkeit der Abgrenzung zwischen Fremden und Athenern widerspiegelt.

6. Endnote: Die bei Apollodoros enthaltenen Spezifizierungen des Bürgerrechtsgesetzes: Diese Endnote bietet den wörtlichen Wortlaut der in der Rede erwähnten, für den Fall relevanten Gesetze zur Verheiratung und zum Bürgerrecht.

Schlüsselwörter

Athen, Bürgerrecht, Neaira, Stephanos, Gerichtsrede, Apollodoros, Logograph, Hetäre, Metöken, Perikleisches Bürgerrechtsgesetz, graphe xenias, Recht, Polis, Antike, Rhetorik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Gerichtsrede „Gegen Neaira“ des Apollodoros und nutzt diese als Quelle, um die Bedeutung und Anwendung des athenischen Bürgerrechts im 4. Jahrhundert v. Chr. zu untersuchen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentral sind die rechtlichen Rahmenbedingungen der athenischen Bürgerschaft, die Lebensrealität von Fremden und Metöken, die Struktur antiker Gerichtsreden sowie die rhetorischen Strategien von Logographen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Hauptziel ist es, das athenische Bürgerrechtsgesetz und dessen Handhabung in Bezug auf den Prozess gegen die Hetäre Neaira zu analysieren, wobei der Fokus auf der statusrechtlichen Abgrenzung zwischen Athenern und Fremden liegt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer kritischen Auswertung der antiken Quelle (der Rede „Gegen Neaira“) sowie der Heranziehung aktueller Fachliteratur und Kommentare basiert.

Welche Inhalte stehen im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des athenischen Bürgerrechts, die Untersuchung der rhetorischen Struktur der Gerichtsrede und eine detaillierte Analyse der von Apollodoros angeführten Beweise und Gesetze.

Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit geprägt?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie athenisches Bürgerrecht, graphe xenias, Hetärenwesen, die Person des Apollodoros, die rechtliche Stellung von Metöken und die Rhetorik der klassischen Periode charakterisiert.

Warum analysiert der Autor die Rolle des Logographen so genau?

Die genaue Analyse ist notwendig, da die Glaubwürdigkeit der Rede durch die Absicht des Autors, die Richter zu beeinflussen, stark eingeschränkt ist, was eine quellenkritische Betrachtung der rhetorischen Struktur zwingend macht.

Welche Rolle spielt das Perikleische Bürgerrechtsgesetz in der Argumentation?

Das Gesetz dient als zentraler rechtlicher Maßstab, dessen Verschärfungen und Spezifizierungen Apollodoros nutzt, um Stephanos und Neaira den Vorwurf einer illegalen Ehegemeinschaft und der Täuschung bei der Bürgerregistrierung ihrer Kinder zu machen.

Excerpt out of 25 pages  - scroll top

Details

Title
Neaira, eine Hetäre, die sich das Bürgerrecht erschwindeln wollte?
Subtitle
Eine Betrachtung des athenischen Bürgerrechts in Hinblick auf die Schriftklage des Apollodoros
College
University of Wuppertal  (Alte Geschichte)
Course
Griechische Sozialgeschichte
Grade
1,3
Author
Christina Gieseler (Author)
Publication Year
2008
Pages
25
Catalog Number
V148685
ISBN (eBook)
9783640592715
ISBN (Book)
9783640592920
Language
German
Tags
Neaira Hetäre Bürgerrecht Eine Betrachtung Bürgerrechts Hinblick Schriftklage Apollodoros
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christina Gieseler (Author), 2008, Neaira, eine Hetäre, die sich das Bürgerrecht erschwindeln wollte?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148685
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  25  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint