Die Grundidee zur Erstellung dieser Arbeit entstand innerhalb eines religionspädagogischen bzw. religionsdidaktischen Seminars an der Universität Koblenz. In Zeiten, in denen gerade in Bezug auf die Lehramtstätigkeit, sich Diskussionen bezüglich sogenannter „Modewörter“ wie Authentizität und Methodenvielfalt häufen, erscheint eine zielgerichtete „Schenkung der Aufmerksamkeit“ auf eine „Fusion“ jener im schulischen Alltag zeitgemäß und situativ angemessen zu sein. Die „willkürlich und stetig“ einem Wandel unterliegende Populärkultur und Lebenswirklichkeit der Schüler sollte insofern keineswegs einem Auszug aus dem Religionsunterricht, sowohl der Primarstufe als auch der Sekundarstufe, unterliegen. Bei genauerer Betrachtung des Fremdsprachenunterrichts der Primarstufe, welcher prägend beeinflusst durch die Forschungsbemühungen des Landes Rheinland-Pfalz ist, werden Aspekte wie der Spaß am Fremdsprachenunterricht, die Offenheit und Toleranz gegenüber dem Neuen und die indirekte anstatt der direkten Vermittlung von Lerninhalten in spielerisch integrativem Kontext von Lehrbemühungen in den Vordergrund gestellt. Warum sollten diese „Maxime des Unterrichts“ nicht auch übertragbar auf andere Schularten oder Unterrichtsfächer sein?
„Musik ist Religion für mich, auch im Jenseits wird es Musik geben“ (Jimi Hendrix)
Jimi Hendrix als bekannter Musiker vergangener Populärkulturen drückt in diesem Zitat wohl eher seine eigene persönliche Verbundenheit zur Musik aus, als dass er auf die Religiosität und dem möglichen spirituell transzendenten Charakter eingehen möchte. Aber inwieweit lassen sie gerade diese Punkte bei der Betrachtung sowohl aktueller als auch vergangener Zeitgeschichte in der Musik finden?
Im Zentrum dieser Arbeit soll daher die Beschäftigung mit der religiösen Dimension von Musik stehen. Inwieweit lassen sich die Normen und Werte der Katholischen Kirche innerhalb von Populärkultur finden? Gibt es gemeinsame Aspekte, die Religion und Musik gleichermaßen vertreten, oder welche den Einzug von „nicht-religiösen“ musikalischen Werken in den Religionsunterricht befürworten könnten? Wie kann zeitgenössische Musikkultur in den gegenwärtigen Religionsunterricht methodisch eingebunden werden? Gibt es didaktische Prinzipien und Handreichungen für den Einsatz von Musik in der Glaubenslehre? Welche Formen von religiösen Bildungsprozessen lassen sich bei der Betrachtung der Thematik herausarbeiten?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Musik
2.1 Zeitgeschichte der Musik
2.2 Musik und religiöse Bildungsprozesse
2.3 Musik im Religionsunterricht
3. Musik und Religion in der Popularkultur
3.1 Ausgewählte Beispiele religiöse Motive in der Popularkultur
3.2 Bezugspunkte und religiöse Motive in der Rapmusik
4. Rap im Religionsunterricht
4.1 Didaktische Handreichungen für den Einsatz von Rap/ Musik im Religionsunterricht
4.2 Unterrichtsbeispiele
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die religiöse Dimension moderner populärer Musik, mit besonderem Fokus auf den Rap, und erforscht, wie diese im zeitgenössischen Religionsunterricht methodisch und didaktisch sinnvoll eingebunden werden kann, um Lernende in ihrer Lebenswelt abzuholen.
- Religiöse Dimensionen und Motive in der Popularkultur und Rapmusik
- Methoden und Ansätze zur Einbindung von Musik im Religionsunterricht
- Die Funktion von Musik für die persönliche Identitätsbildung Jugendlicher
- Praktische Anknüpfungspunkte für die Behandlung existentieller Themen (Tod, Sinnsuche, Ethik)
- Didaktische Konzepte zur Analyse von Musikvideos und Songtexten
Auszug aus dem Buch
3.2 Bezugspunkte und religiöse Motive in der Rapmusik
Die Musikrichtung des Raps kam in den früher 70er Jahren in Amerika auf. Schon Ende der 70er Jahre waren Grandmaster Flash, die Sugarhill Gang und weitere Interpreten und Gruppierungen marktfähig und an der Spitze der internationalen Charts angesiedelt.
Ausgangspunkt dieser Musikrichtung waren die „Slums“ in amerikanischen Großstädten, den „Schwarzenvierteln“ und somit der „black community“.
Rap, aus dem amerikanischen „to rap“ kann als klopfen aber auch meckern übersetzt werden. Und bezeichnet das rhythmische Sprechen zu einem klopfenden zu der Zeit noch meist einfach gestrickten Schlagzeuggrundbeat.
Zwar wird in der Literatur die zweite Übersetzung aus dem Englischen nicht beachtet, jedoch machen sich schon an diese Stelle Andeutungen für die Religiosität dieser Musikrichtung bemerkbar. Bei Betrachtung der „Lyrics“ dieser Musikrichtung fallen meist Texte von Brutalität, Schicksal, Tod, Trauer und Liebe auf. Oftmals ist explizit die Rede von Gott und dem Dank an Gott über das Erreichen des in der Ghettoszene sehr angesehen Status einer Ikone. Durch das Aufweisen von Missständen und das „Meckern“ über soziale Strukturen steigt der MC (Master of Ceremony) auf in den „Triple H“. Schon die im Hip Hop gebräuchlich Bezeichnung des MC als „Meister der Zeremonie“, welcher für die bessere Welt predigt entspringt religiösen Wurzeln. Mitte der Neunziger Jahre wurde der selbsternannte MC Hammer bekannt. Stanley Kirk Burrell soll in Amerika sogar selbst als „Pfarrer“ gearbeitet haben und wurde schon vor der musikalischen Karriere als Prediger betitelt. Einer seiner ersten Titel „Pray“ befasste sich unter anderem mit der Notwendigkeit des Betens. Neben der Thematik des Betens lassen sich in vielen Liedtexten ebenso „Strukturelemente von Psalmen (z.B. Parellismus membrorum, Struktur von Klage-, Rache-Psalmen) finden.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit begründet die Notwendigkeit, populäre Musik und insbesondere Rap in den Religionsunterricht zu integrieren, um authentisch an der Lebenswirklichkeit der Schüler anzuknüpfen.
2. Musik: Dieses Kapitel definiert den Begriff Musik, beleuchtet ihre zeithistorische Entwicklung und erläutert ihre Bedeutung für religiöse Bildungsprozesse und den Schulunterricht.
3. Musik und Religion in der Popularkultur: Hier wird die religiöse Dimension populärer Musik analysiert, wobei Konzepte wie der locus theologicus auf die Popmusik angewendet und spezifische Motive in der Rapmusik untersucht werden.
4. Rap im Religionsunterricht: Das Kapitel bietet konkrete didaktische Handreichungen und Unterrichtsbeispiele für den Einsatz von Rap und Musik, um Themen wie Tod, Apokalyptik oder soziale Ethik zu bearbeiten.
5. Fazit: Das Fazit bestätigt die Sinnhaftigkeit, populäre Musik als integratives Element im Religionsunterricht zu nutzen, um die Methodenvielfalt zu erhöhen und Schüler nachhaltig zu motivieren.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Popularkultur, Rapmusik, Hip Hop, religiöse Bildung, Musikpädagogik, Didaktik, Transzendenzerfahrung, Lebenswelt, Schülerschaft, Identitätsbildung, Songinterpretation, Musikvideos, Glaubenslehre, Jugendkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration populärer Musik, speziell des Rap, in den katholischen Religionsunterricht, um eine Brücke zwischen der Lebenswelt Jugendlicher und religiösen Themen zu schlagen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die religiöse Dimension der Popularkultur, die Analyse von Songtexten und Musikvideos auf christliche Werte sowie die didaktische Umsetzung im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Musik als „lebensweltliches“ Medium genutzt werden kann, um religiöse Lernziele motivierend zu erreichen und bei Schülern Interesse an theologischen Inhalten zu wecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Vorstellung von didaktischen Ansätzen und konkreten Unterrichtsbeispielen zur Musikinterpretation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die musiktheoretischen Grundlagen, die Untersuchung religiöser Motive in der Pop- und Rapmusik sowie die praktische Umsetzung didaktischer Konzepte für den Schulalltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Religionsunterricht, Popularkultur, Rapmusik, Identitätsbildung und didaktische Methoden.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen „Hörweisen“?
Es wird zwischen emotionalem, analytischem und verstehendem Hören differenziert, um Schülern einen strukturierten Zugang zur musikalischen Werkbetrachtung zu ermöglichen.
Welche Rolle spielt die „kirchenkritische“ Perspektive im Song „Fishing 4 religion“?
Der Song dient als Beispiel dafür, wie berechtigte Kirchenkritik und das Bedürfnis nach echter spiritueller Veränderung als Ausgangspunkt für einen modernen, diskursiven Religionsunterricht genutzt werden können.
- Citation du texte
- Mario Dieninghoff (Auteur), 2009, Rap im Religionsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148748