Wie stellen sich die rechtspopulistischen Akteure dar? Der Analyseschwerpunkt soll anhand folgender Forschungsfrage eingegrenzt werden: Wie werden kritische Themen wie Asyl, Migration und Flucht in den Reden der rechtspopulistischen Parteien sprachlich realisiert und dargestellt?
Im Rahmen des Seminars wurde auf die Diskurslinguistik eingegangen, welche vor allem versucht, den Zusammenhang von sprachlichen Aussagen oder Texten, Wissen und Akteuren darzustellen. Hierbei spielt der Diskurs eine zentrale Rolle. Um auf diesem Hintergrund der Diskursanalyse das Verhältnis von Sprache und Politik zu beschreiben, wird unter anderem die Einführung in die Politolinguistik (Niehr 2014) herangezogen, die sich als linguistische Einführung in erster Linie mit Sprache, ihrem Gebrauch und ihren Funktionen und weniger mit Politik beschäftigt.
Um die Forschungsfrage zu beantworten, wird eine quantitative Datenanalyse durchgeführt: Zu der deskriptiven Diskurslinguistik gehört die Methodologie DIMEAN nach Spitzmüller und Warnke, die versucht mehrere Anknüpfungspunkte zu vereinen, indem sie Akteure, Machtbeziehungen und kontextrelevante Debatten mit einbezieht. Somit eignet sich DIMEAN, um über die reine Wort-, Satz- und Textebene hinaus den Sprachgebrauch einer Partei zu untersuchen (vgl. Schaefer 2021).
„Durch die Analyse von Schlagwörtern und den mit ihnen propagierten Programmen lässt sich viel über die in einer Gesellschaft diskutierten Themen erfahren. Die Gesamtheit der Schlagwörter […], kann Auskunft geben über das vorherrschende Denken, Fühlen und Wollen einer Gesellschaft.“ (Niehr 2014). Mithilfe dieser Begriffsbestimmung wird in der vorliegenden Arbeit erarbeitet, inwiefern Sprache und Rhetorik, in diesem Beispiel durch Stigmawörter, in politischen Reden rechtspopulistischer Akteure erfasst und mittels diskursanalytischer Zugänge untersucht werden können. Inhaltlich sollen sich die Reden auf jüngste Debatten der AfD im Hinblick auf Flucht, Asyl und Migration beschränken.
Die vorliegende Arbeit setzt das Ziel, politische Reden mit Fokus auf einen PolRra-Koprus zu analysieren. Im zweiten Kapitel erfolgen Begriffsklärungen, anhand Definitionen zentraler linguistischer Begriffe unter Einbezug verschiedener Perspektiven, die für die folgende Analyse von Bedeutung sind. Darauf aufbauend wird im dritten Kapitel eine wortorientierte diskurslinguistische quantitative Analyse eines PolRra-Korpus durchgeführt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen: Sprache und Politik
2.1. Diskursanalyse
2.2. DIMEAN: Wortorientierte Analyse
2.3. Schlagwörter
2.4. Politolinguistik
2.5. Methodik: PolRra-Korpus & AntConc
3. Politischer Sprachgebrauch der AfD
3.1. Materialaufbereitung und Findung diskursrelevanter Lexeme
3.2. Frequenzanalyse
3.3. Kollokationsanalyse
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie rechtspopulistische Akteure der AfD in politischen Reden diskurslinguistisch über migrationstheoretische Themen wie Asyl, Flucht und Migration sprechen, um dabei sprachliche Muster und die Verwendung von Stigmawörtern aufzudecken.
- Diskurslinguistische Analyse politischer Reden
- Anwendung des DIMEAN-Modells auf Korpusdaten
- Untersuchung rechtspopulistischer Rhetorik am Beispiel der AfD
- Quantitative Auswertung mittels Frequenz- und Kollokationsanalyse
- Identifikation von Stigmawörtern im politischen Diskurs
Auszug aus dem Buch
2.2.DIMEAN: Wortorientierte Analyse
Im vorliegenden Kapitel geht es um die Methode DIMEAN. Unter dem Modell der Diskurslinguistischen Mehr-Ebenen-Analyse nach Spitzmüller und Warnke wird eine Methodologie verstanden, die „die grundlegenden Bedingungen der empirischen Forschung für die Diskurslinguistik systematisch nutzbar machen soll“ (Spitzmüller/Warnke 2011: 198 (in Niehr 2014b: 68)). Das Modell erlaubt es, in Abhängigkeit des Forschungsinteresses, einzelne Analyseelemente einzubeziehen oder auszuschließen (vgl. Schaefer 2021: 47).
Sie stellt also eine Methode dar, die zur Anleitung für Diskursanalysen genutzt werden kann, da sie zentrale Analysekategorien und -verfahren zusammenführt.
Wörter und ihren Gebrauch zu analysieren ist der Gegenstandsbereich der Lexik (vgl. Niehr 2014b: 71) Erst nach einer Sichtung der im Korpus enthaltenen Texte kann vermutet werden, welche Ausdrücke für den zu untersuchenden Diskurs zentral sind (vgl. Niehr 2014b: 71). Anhand einer lexikostatistischen Auswertung wie der Frequenzanalyse lassen sich Muster im Sprachgebrauch erkennen, und können Hinweise auf diskursive Entwicklungen geben (vgl. Niehr 2014b: 72).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Sprache in der Politik ein, definiert die Forschungsfrage bezüglich der Darstellung kritischer Themen wie Migration durch die AfD und erläutert die methodische Herangehensweise.
2. Theoretische Grundlagen: Sprache und Politik: Dieses Kapitel klärt zentrale Begriffe wie Diskursanalyse, das DIMEAN-Modell, Schlagwörter und Politolinguistik, die das theoretische Fundament für die anschließende empirische Untersuchung bilden.
3. Politischer Sprachgebrauch der AfD: Hier erfolgt die empirische Anwendung, beginnend mit der Zusammenstellung des PolRra-Korpus, gefolgt von einer quantitativen Frequenzanalyse und einer Kollokationsanalyse der identifizierten diskursrelevanten Lexeme.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach die AfD Migration negativ durch Stigmawörter rahmt, weist jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse explorativ sind und einer weiterführenden qualitativen Analyse bedürfen.
Schlüsselwörter
Diskurslinguistik, Politolinguistik, AfD, Migration, Flucht, Asyl, DIMEAN, Korpusanalyse, AntConc, Stigmawörter, Schlagwörter, Rechtspopulismus, Frequenzanalyse, Kollokationsanalyse, politische Rhetorik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert diskurslinguistisch, wie rechtspopulistische Akteure der Partei AfD über die Themen Migration, Asyl und Flucht in politischen Reden sprechen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themenfelder sind die sprachliche Realisierung von migrationspolitischen Debatten, die Nutzung einer spezifischen politischen Lexik durch die AfD sowie die Abgrenzung von gesellschaftlichen Gruppen durch Rhetorik.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Forschungsfrage lautet: „Wie werden kritische Themen wie Asyl, Migration und Flucht in den Reden der rechtspopulistischen Parteien sprachlich realisiert und dargestellt?“
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine quantitative Datenanalyse auf Basis des DIMEAN-Modells (Diskurslinguistische Mehr-Ebenen-Analyse) durchgeführt, wobei Software-gestützte Methoden wie Frequenz- und Kollokationsanalysen mittels des Programms AntConc zum Einsatz kommen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Fundierung (Begriffsdefinitionen wie Diskurs und Politolinguistik) als auch den empirischen Part: die Aufbereitung eines Textkorpus aus AfD-Reden und dessen statistische Auswertung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die untersuchten politischen Reden?
Die Arbeit charakterisiert die Sprache besonders durch Begriffe wie „Asylbetrug“, „Migrationschaos“ oder „Einwanderungsfanatismus“, die als Stigmawörter fungieren, um eine klare Trennung zwischen Bevölkerung und Migranten zu erzeugen.
Warum wurde das Programm AntConc für die Untersuchung gewählt?
AntConc ermöglichte eine effiziente Frequenzuntersuchung und die Erstellung von KWIC-Indizes (Keyword in Context), um repräsentative Muster im Sprachgebrauch innerhalb des großen Textkorpus zu identifizieren.
Welche spezifische Schlussfolgerung zieht der Autor zur Darstellung von Migranten?
Der Autor schlussfolgert, dass die AfD eine bewusste Unterteilung in „gute“ Migranten (Ukraine-Flüchtlinge) und „schlechte/gewalttätige“ Migranten vornimmt, um politische Forderungen zur Verschärfung der Migrationspolitik zu legitimieren.
- Citation du texte
- Melike Sezer (Auteur), 2024, Die Migrationsdebatte in politischen Reden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1487930