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Die Frau im Bürgertum

Title: Die Frau im Bürgertum

Term Paper , 2003 , 16 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: M.A. Annett Rischbieter (Author)

Cultural Studies - European Studies
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Im Laufe des 19. Jahrhunderts gewann die Bürgerliche Gesellschaft stark an Einfluss. Der Verlust der Vormachtstellung des Adels, die Einführung der Gewerbefreiheit und die Ausbreitung mechanisierter Produktionsmethoden veränderte das soziale und wirtschaftliche Leben. Für die Bürger wurde neben einem ökonomischen Machtzuwachs auch wirtschaftlicher und wirtschaftspolitischer Einfluss möglich.
Allerdings galt dies nur für einen Teil der Bevölkerung. Der ganze Mensch als Bürger scheint auf-gespalten zu sein in zwei konkurrierende Ideale, das Ideal der männlichen Stärke und Rücksichtslosigkeit und das Ideal der weiblichen Schwäche und Nachgiebigkeit.“ Die Aufgaben der Frau waren sogar im „Preußischen Allgemeinen Landrecht“ (ALR) festgehalten, „Sie (die Frau) ist schuldig, dem Hauswesen des Mannes nach dessen Stand und Range vorzustehen“ Politisch erhielt die Frau dafür keinerlei Rechte.
Auch im „Bürgerlichen Gesetzbuch“ von 1900 blieb die schlechte rechtliche Lage für die Frau erhalten. Sie war entmündigt und ökonomisch abhängig. Erst 1957 wurde schließlich der Gleichheitsgrundsatz eingeführt.
J.S. Mill brachte 1869 den Widerspruch zwischen der freien Bürgerlichen Gesellschaft und der Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter auf den Punkt. „The law of servitude is a monstrous contradiction to all the principles of the modern world. ...There remain no legal slaves except the mistress of every house.“
Die bürgerliche Hausfrau war allerdings, im Gegensatz zur „Hausmutter“ vergangener Zeiten und zur Hausfrau in Arbeiterfamilien, fast reine Konsumentin. Während in Arbeiterfamilien und am Land die Güter für den täglichen Bedarf und Kleidung noch selbst produziert wurden, erwarb die bürgerliche Hausfrau diese auf Märkten, im Laden um die Ecke oder später im Kaufhaus. „’Nur’-Konsumentin sein zu können, geriet zum Prestigeindiz und zur Definitionskomponente der Bürgerfrau.“
Obwohl die Rolle der Bürgerlichen Frau als Hausfrau und Mutter als wichtig für die Familie und den Staat angesehen wurde, erhielt die Arbeit der Hausfrau an sich durch den Verlust der produktiven Funktionen eine Abwertung. Konsum galt, im Gegensatz zur Produktion, nicht als Arbeit.
Im folgenden wird die Entstehung des bürgerlichen Hausfrauenbildes, seine Bewertung in der Literatur und anschließend einige Aufgaben der bürgerlichen Hausfrau, u.a. als Konsumexpertin, beschrieben, wobei auch die Verschleierung der Arbeit und der schleppende Beginn der Frauenbewegung eine Rolle spielen wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. VORBEMERKUNG

II. ENTSTEHUNG UND BEGRÜNDUNG DES HAUSFRAUENBILDES IM 19. JAHRHUNDERTS

1. Geschichtliche Entwicklung

2. Begründung der Hausfrauenrolle in der Literatur

3. Aufgaben der bürgerlichen Hausfrau vor und hinter den Kulissen

a) Versorgung des physischen Bedarfs der Familie

b) Festigung des Familiensinns

c) Darstellung der Familie nach außen – Repräsentation

d) Verschleierung - zwischen Müßiggang und Arbeit

III. EXKURS: FRAUENBEWEGUNG

IV. ZUSAMMENFASSUNG

1. Die Frau zwischen Ausbeutung und Verantwortung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftliche Konstruktion der Rolle der Frau im Bürgertum des 19. Jahrhunderts, insbesondere im Hinblick auf ihre neuen Aufgaben in der Konsumgesellschaft und die damit einhergehende Entwertung und Verschleierung häuslicher Arbeit.

  • Historischer Wandel der Geschlechterrollen durch die Trennung von Arbeits- und Lebensraum
  • Die Legitimierung des Hausfrauenideals durch zeitgenössische Literatur und Recht
  • Die Diskrepanz zwischen häuslichem Sparzwang und öffentlicher Repräsentation
  • Die Rolle der Hausfrau als Konsumexpertin und Kulturgestalterin
  • Das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Abhängigkeit und innerfamilialem Machtpotenzial

Auszug aus dem Buch

d) Verschleierung - zwischen Müßiggang und Arbeit

Die Doppelrolle der Frau wird auch deutlich beim Bild der rastlos tätigen Hausfrau im Gegensatz zum Bild der bürgerlichen Dame. Die Frau sollte stellvertretend für den Mann Müßiggang demonstrieren und ihren Tag mit Handarbeiten, Gesang oder Konversation in englischer oder französischer Sprache verbringen. Realisierbar war dies zwar nur im reichen Bürgertum, aber als Wunschbild galt diese Lebensweise für die gesamte Bürgerliche Gesellschaft. Um dem Wunschbild näher zu kommen und nach außen repräsentativer zu wirken, arbeitete die Frau noch mehr und lebte innerhalb des Hauses noch sparsamer.

Von der Arbeit der Frau sah der Mann allerdings nur die Ergebnisse. „Die Hausarbeit der bürgerlichen Frauen trug die ‘Maske des Vergnügens’. Ihre Leistung und ihr Erfolg bestanden darin, den Eindruck zu vermitteln, dass sie keine Arbeit verrichteten.“19 Die Frau verschleierte ihre Arbeit, um den Mann in seinem Raum der Ruhe und Erholung nicht zu stören. „Kein Wunder, dass besonders den Männern solche Scheuertage ein Greul waren und dass sie besonders gern hinter ihrem Rücken angesetzt wurden (...) Aber nun der Schrecken, wenn sie früher wiederkamen als berechnet und als man fertig war - da gab es in den friedlichsten Wohnungen Verstimmungen und anzügliche Reden über den ‘Scheuerteufel’ usw. In anderen kam es zu Streit und Zank.“20

Dadurch bestimmte der Mann den Tagesablauf der Frau

Sogar die Arbeitsgeräte wurden oft versteckt und die Verschleierung der Arbeit geriet selbst zur Arbeit. Während die Küche früher Mittelpunkt der Wohnung und Aufenthaltsort der ganzen Familie war, wurde sie im Bürgertum zur Tabuzone und zum alleinigen Arbeitsort der Frau.

„Die Beziehungsarbeit der Frau soll dem Mann als hingebungsvolle Liebe erscheinen, was nur durch die völlige Verschleierung ihres Arbeitscharakters möglich ist.“21

Zusammenfassung der Kapitel

I. VORBEMERKUNG: Einführung in die ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen des 19. Jahrhunderts und die daraus resultierende rechtliche sowie soziale Unterordnung der Frau im Bürgertum.

II. ENTSTEHUNG UND BEGRÜNDUNG DES HAUSFRAUENBILDES IM 19. JAHRHUNDERTS: Analyse des Übergangs vom "ganzen Haus" zur bürgerlichen Kleinfamilie, der die Frau zur Konsumverantwortlichen degradierte und ihre Arbeit als Liebesdienst idealisierte.

III. EXKURS: FRAUENBEWEGUNG: Darstellung der schleppenden Entwicklung der Frauenbewegung in Deutschland und der Strategie der "geistigen Mütterlichkeit" zur gesellschaftlichen Partizipation.

IV. ZUSAMMENFASSUNG: Reflexion über die Ambivalenz der Hausfrauenrolle, die einerseits Verantwortung und Macht innerhalb der Familie bot, andererseits jedoch in völliger Selbstaufgabe und Fremdbestimmung mündete.

Schlüsselwörter

Bürgertum, Hausfrauenrolle, 19. Jahrhundert, Geschlechterrollen, Konsum, Repräsentation, Hausarbeit, Privatsphäre, Wirtschaftsführung, Frauenbewegung, Geistige Mütterlichkeit, Geschlechtscharakter, Familienleben, Arbeitsteilung, Geschlechterverhältnis

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit thematisiert die Entstehung und den Wandel des bürgerlichen Hausfrauenbildes im 19. Jahrhundert und untersucht, wie dieses Ideal die Rolle und den Alltag der Frau nachhaltig prägte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentral sind die historische Trennung von Wohn- und Arbeitsbereich, die rechtliche Situation der Frau, die Inszenierung von Repräsentation nach außen sowie die ideologische Verschleierung häuslicher Arbeit als "Liebesdienst".

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit hinterfragt die Konstruktion der bürgerlichen Hausfrau als Konsumentin und ihre gesellschaftliche Abwertung, um aufzuzeigen, wie häusliche Tätigkeit durch die "Maske des Vergnügens" unsichtbar gemacht wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auswertung historischer Literatur, zeitgenössischer Ratgeber und soziologischer Fachliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der geschichtlichen Entwicklung des Hausfrauenbildes, dessen literarische Begründung durch zeitgenössische Denker sowie die konkreten Aufgabenbereiche der Frau: Versorgung, Festigung des Familiensinns und gesellschaftliche Repräsentation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Bürgertum, Hausfrauenrolle, Konsum, Repräsentation, Verschleierung und die historisch bedingte Abwertung weiblicher Arbeit.

Welche Rolle spielt die Küche im bürgerlichen Haushalt laut der Autorin?

Die Küche wandelte sich vom sozialen Zentrum der Familie zur "Tabuzone" und zum isolierten Arbeitsort, was die räumliche Ausgrenzung der häuslichen Arbeit weiter verdeutlichte.

Warum war die Repräsentation nach außen für bürgerliche Familien so wichtig?

Repräsentation war die Grundvoraussetzung, um als Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft anerkannt zu bleiben und den sozialen Status des Ehemannes zu festigen, wobei der Frau hierbei eine zentrale organisatorische Rolle zukam.

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Details

Title
Die Frau im Bürgertum
College
University of Leipzig  (Institut für Kulturwissenschaften)
Course
Konsum, Kultur und Gesellschaft in Europa I.
Grade
1,7
Author
M.A. Annett Rischbieter (Author)
Publication Year
2003
Pages
16
Catalog Number
V14883
ISBN (eBook)
9783638201698
Language
German
Tags
Frau Bürgertum Konsum Kultur Gesellschaft Europa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Annett Rischbieter (Author), 2003, Die Frau im Bürgertum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14883
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