Kinder und Jugendliche, die eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen besuchen, haben oftmals aufgrund ihrer belastenden Lebenssituation einen besonderen psychosozialen Hilfs- und Unterstützungsbedarf, nehmen entsprechende Hilfsangebote jedoch nur selten eigeninitiativ in Anspruch. In dieser Unterrichtsreihe können sie das Kinder- und Jugendtelefon als mögliche Anlaufstelle bei persönlichem Gesprächsbedarf kennen lernen.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorbemerkung
2 Sachanalyse
2.1 Der Deutsche Kinderschutzbund
2.2 Die Geschichte des DKSB und seine heutige Struktur
2.3 Das Kinder- und Jugendtelefon (KJT)
2.3.1 Einige Grundsätze des Kinder- und Jugendtelefons
2.3.2 Themen der Beratungsgespräche
Verliebtsein
Schikaniert werden
Sexualität
Sexueller Missbrauch
Problematische Eltern-Kind-Beziehung
Drogen, Sucht, Kriminalität
Selbsttötung
3 Lernvoraussetzungen der Schüler
3.1 Lernbehinderung als Folge sozialer Milieuschädigung
3.2 Lernbehinderung aus soziologischer und sozialpsychologischer Sicht
4 Richtlinienabgleich und Zielsetzungen
5 Verlaufsplanung der Doppelstunde
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Lernen das Kinder- und Jugendtelefon (KJT) als niederschwelliges Hilfsangebot näherzubringen und ihnen die Hemmschwelle bei der Inanspruchnahme beratender Unterstützung zu nehmen.
- Vorstellung des Deutschen Kinderschutzbundes und seiner Strukturen
- Reflexion persönlicher Probleme im Kontext der KJT-Beratungsarbeit
- Analyse der Lernvoraussetzungen und sozialen Hintergründe lernbehinderter Schüler
- Praktische Erprobung und Simulation von Beratungsgesprächen
- Didaktische Einordnung und Verlaufsplanung einer Unterrichtseinheit
Auszug aus dem Buch
Anonymität
Der Grundsatz der Anonymität hat Vor- und Nachteile. Einerseits ist die Hemmschwelle, ein Gespräch zu beginnen, für Anrufer nicht so groß wie bei einer persönlichen Beratung. Zudem kann meist sofort geholfen werden. Der Anrufer entscheidet, wie lange das Gespräch dauern soll. Gegebenenfalls kann er es abbrechen. Auch den Inhalt kann der Anrufer selbst bestimmen. Es werden ihm keine Themen vorgegeben. Andererseits entstehen für viele Berater und Anrufer jedoch auch Probleme durch den Grundsatz der Anonymität - sei es, dass der Berater dem Wunsch eines Anrufers nach persönlicher Kontaktaufnahme nicht nachkommen kann, sei es, dass er selbst gerne aus Mitleid eingreifen würde, um einem Anrufer direkt und persönlich helfen zu können. Der Berater hat jedoch die Aufgabe, ein Problem gemeinsam mit dem Anrufer zu erörtern, es diesem ggf. zu verdeutlichen, auf verschiedene Handlungs- oder Lösungsmöglichkeiten hinzuweisen und ihre jeweiligen Konsequenzen zu diskutieren. Die gemeinsame Suchbewegung sollte also im Vordergrund stehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorbemerkung: Der Autor erläutert das Ziel des Unterrichtsentwurfs, die Hemmschwelle von Förderschülern gegenüber professionellen Hilfsangeboten wie dem KJT abzubauen.
2 Sachanalyse: Dieses Kapitel bietet eine fundierte Übersicht über den Deutschen Kinderschutzbund, die Entstehung des Kinder- und Jugendtelefons sowie die wichtigsten Themenkomplexe in der telefonischen Beratung.
3 Lernvoraussetzungen der Schüler: Es wird analysiert, wie soziale Milieuschädigung und Stigmatisierungsprozesse die Lernvoraussetzungen von Förderschülern prägen.
4 Richtlinienabgleich und Zielsetzungen: Hier erfolgt die Herleitung der Unterrichtsziele aus den offiziellen Lehrplanvorgaben für die Schule für Lernbehinderte.
5 Verlaufsplanung der Doppelstunde: Das Kapitel detailliert die schrittweise didaktische Planung der Unterrichtsdoppelstunde, einschließlich der Gesprächssimulationen.
Schlüsselwörter
Kinder- und Jugendtelefon, DKSB, Lernbehinderung, Sonderpädagogik, Stigmatisierung, Beratung, soziale Milieuschädigung, Unterrichtsplanung, Anonymität, Schülerorientierung, Lebenswelt, soziale Ungleichheit, Prävention, Gesprächssimulation, Selbstkonzept
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption einer Unterrichtseinheit an einer Schule für Lernbehinderte, um Schüler mit dem Beratungsangebot des Kinder- und Jugendtelefons vertraut zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die theoretische Fundierung über soziale Hintergründe der Schülerschaft, die Organisation des Kinderschutzbundes sowie die methodische Aufbereitung beratungsrelevanter Themen wie Mobbing, Sexualität oder Missbrauch.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Hemmschwelle der betroffenen Jugendlichen bei der Suche nach professioneller Unterstützung abzubauen und sie zu befähigen, das KJT als Entlastungsmöglichkeit zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus fachdidaktischer Reflexion, Auswertung soziologischer Forschungsliteratur (z. B. Stange, Eberwein) und der praxisorientierten Verlaufsplanung eines Unterrichtsentwurfs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sachanalyse des Hilfsangebots, eine Analyse der Lernvoraussetzungen der Schüler sowie einen konkreten didaktischen Entwurf für den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Lernbehinderung, Stigmatisierung, Kinder- und Jugendtelefon, soziale Milieuschädigung und sonderpädagogische Förderung aus.
Warum spielt die Anonymität eine so große Rolle für die Zielgruppe?
Anonymität senkt laut dem Autor die Hemmschwelle für Förderschüler erheblich, da sie sich in einer ungezwungenen Situation ohne unmittelbare Bewertung durch die eigene soziale Umgebung äußern können.
Wie geht der Autor mit der Stigmatisierung der Schüler um?
Der Autor argumentiert, dass die Stigmatisierung durch Zuschreibungsprozesse (z. B. "dumm", "faul") den Selbstwert der Schüler schwächt, weshalb die Stärkung des Selbstbildes ein wesentlicher Teil des Beratungs- und Unterrichtsverständnisses ist.
Was ist das "Prinzip der kleinen Schritte" im Beratungskontext?
Es bezeichnet einen methodischen Ansatz, bei dem komplexe Probleme in kleine, handhabbare Teilaspekte zerlegt werden, um den Jugendlichen bei der Lösungsfindung nicht zu überfordern.
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- Alexander Wertgen (Author), 2003, Mit wem reden? - Kinder und Jugendliche der Förderschule, Förderschwerpunkt Lernen, machen sich mit dem Kinder- und Jugendtelefon vertraut, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148861